Kampf den Shorties und ihren Helfern


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Tradingman:

Kampf den Shorties und ihren Helfern

 
20.04.02 13:00
Kaum zu glauben, daß gestern mittag gg. 12.40 Uhr sich schon wieder der Vorhang zum Trauerspiel "Thiel Logistik und kein Ende" gehoben hatte. Völlig unerwartet, die Aktie pendelte bei relativ geringen Umsätzen um ihren Vortagsschluß bei 12,80, kamen die Shorties wieder auf den Plan. Aber vielleicht suchen sie sich gerade diese ruhigen Marktphasen aus, um leichtes Spiel zu haben.

Ich war in letzter Zeit hier im Board mehrmals vehementer Verfechter der Thiel-Aktie, stehe somit im Konsens fast aller Analysten, die den Kurs weit jenseits der 20 Euro-Marke sehen und muß dennoch dem gnadenlosen Sell-out weiterhin zusehen.

Warum haben es die vermutlich amerik. Shortseller gerade auf Thiel abgesehen (hier der Versuch einer Erklärung)?

1. Ursprünglich wurde die Aufmerksamkeit der US-Institutionellen mit der entgegen früheren Äußerungen von Günter Thiel überraschend durchgeführten KE, verpackt zwischen den sehr guten 2001'er Zahlen, auf Thiel gelenkt. Dann kamen die anderen NM-Skandale mit dem vorläufigen Höhepunkt ComROAD. Der NM hatte sein Negativ-Image weg. Es roch nach Link. Thiel wurde in Sippenhaft genommen.

2. Zwei große US-Fonds verabschiedeten sich daraufhin von Thiel und warfen große Pakete auf den Markt (wahrscheinlich nicht ohne zuvor über Derivate short zu gehen, denn Aktienfutures auf Thiel gibt es nicht). Ein Fonds wechselte sogar den Manager aus, was den Verkauf um so leichter machte, da er ja nicht für die "Fehlinvestition Thiel" seines Vorgängers in Verantwortung war. Der Abwärtstrend wurde bestätigt.

3. Jetzt kamen offensichtlich amerik. Short-Seller aus ihren Löchern. Die haben es außerhalb der Staaten sehr viel einfacher short zu gehen, da es hier keine Restriktionen für Leerverkäufe gibt.

Die in den USA seit 1929 (vermutlich im Zuge des damaligen Börsenchrashs) eingeführte Uptick-Rule besagt, daß man in einer Aktie nur dann short gehen kann, wenn der letzte Tick ein Uptick war.

Beispiel:

Eine Order für einen Leerverkauf bei 20 wird nur dann ausgeführt, wenn die unmittelbar vorherige Kursfolge z.B. 19,90 - 20,00 (Uptick) wäre. Bei einer Kursfolge von 20,20 - 20,10 - 20,00 wäre die Order nicht zur Ausführung gekommen.

Diese Regel verhindert, meiner Meinung nach zurecht, daß in einem fallenden Kurs Shorties auf Kosten anderer den Kursverfall noch beschleunigen können.

Damit wir uns richtig verstehen: Ich habe nichts dagegen, daß, wenn man der Meinung ist, daß der Markt in Zukunft fällt, man auch die entsprechenden Mittel zur Verfügung hat, um davon partizipieren zu können.

In einem liberalen Markt müssen aber auch entsprechende Schutzvorkehrungen getroffen werden, um kurzfristigen Spekulanten das Handwerk zu erschweren und um den freien Markt nicht als pervers erscheinen zu lassen.

Fazit:

1. Grundlegende Vorraussetzung für einen Leerverkauf ist allerdings, daß man die Aktie auch beliehen bekommt. Die Institutionellen, die Aktien gegen eine "geringe" Leihgebühr verborgen, um ihre Performance "aufzubessern", sollten dabei bedenken, daß sie sich im Grunde ihr eigenes Grab schaufeln, wenn der Kurs mit Hilfe ihrer eigenen, verborgten Aktien in den Keller gedrückt wird.

2. Die Verantwortlichen des "Bundesaufsichtsamts für Wertpapierhandel" sollten zusammen mit der Deut. Börse über Regeln für den Leerverkauf von Aktien nicht nur nachdenken, sondern sie auch umgehend einführen, damit in einem globalen Finanzmarkt wieder "Waffengleichheit" gegeben ist und das zarte Pflänzchen "Aktienkultur", daß in den letzten zwei Jahren arg ramponiert wurde, in Deutschland wieder erblühen kann.

Insofern gilt mein Kampf weniger den Shorties ansich, sondern eher den unfreiwilligen Helfern der Shorties, die aufgrund fehlender rechtlicher Rahmenbedingungen das Unwesen dieser Spezies ermöglichen.

Tradinggrüsse
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ecki:

Als Trader schreibst du aber seltsames.

 
20.04.02 13:29
Wenn du so schön weißt, warum Thiel fällt, warum versuchst du dich in konsens mit den Analysten (-pack hahaha!) aufs falsche Pferd zu setzen und deine Kohle zu verbrennen?

Wieviele Analysten haben erkannt, das Thiel einfach zu teuer ist und versuchen sie jetzt per Empfehlung loszuwerden?

Warum sperren sich die Analysten nach Erfolg ihrer Prognosen bezahlt zu werden?

Eine kerngesunde Aktie läst sich durch shorties nicht von über 50 auf 12 abschiessen.

Also: Aktienbewertungen sind immer über- oder Untertreibungen. Ich gehe davon aus, das noch lange nicht untertrieben ist. Und bei der Vertrauenskrise gehen die Kurse eher zur Untertreibung. Jetzt wird erstmal der Ausgabekurs getestet. Wo war der? Bei ca. 10?
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Tradingman:

@ ecki

 
20.04.02 13:52
Das bei einem Gewinn/Aktie von 1 (das Gegenteil wurde bis jetzt noch nicht bewiesen) sich ein KGV ergibt, daß in etwa dem Kurs entspricht, die Aktie zu teuer ist, halte ich für Unsinn.

Charttechnisch ist die nächste Unterstützung beim Ausgabepreis, glaube irgendwo bei 9. Ob die noch getestet wird, weis beim derzeitigen Sell-out niemand.

Ich habe auch niemanden geraten, Thiel zu kaufen, verkaufen oder zu halten, auch habe ich mich nicht über meine eigenen Angagemants in Thiel geäußert.

Im Moment gilt bei Thiel nur eines: Greife nicht in ein fallendes Messer. Deshalb Kauf erst, wenn der Abwärtstrend signifikant durchbrochen wird. Alles andere sollte man den Daytradern überlassen, die den Kurs dabei nicht aus den Augen lassen sollten (siehe gestern).

Mein obiges Statment war lediglich der Versuch einer Erklärung. Es ist zwar schlimm daß Thiel so fällt, aber noch schlimmer wäre, sich nicht erklären zu können, warum sie fallen.

Tradinggrüsse
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ecki:

Die shortseller sind nicht das übel.

 
20.04.02 13:59
Sie nützen nur gnadenlos die Übertreibungen am Markt aus.
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tom68:

für ecki.....

 
20.04.02 14:00
Kaum noch Aktien für Hedge-Fonds

Investmentgesellschaften schränken Geschäft mit der Aktienleihe ein

Frankfurt/M. - Die deutschen Kapitalanlagegesellschaften haben ihr Geschäft mit der Aktienleihe an Hedge-Fonds seit den Terroranschlägen in den USA stark zurückgefahren. Sie reagieren damit auf die großen Unsicherheiten an den Märkten und wollen verhindern, dass Leerverkäufe die Aktien weiter unter Druck setzen.

"Wir verleihen gegenwärtig keine Aktien", sagt etwa Thomas Meyer zu Drewer von der HVB-Fondstochter Activest. "Wir haben auch eine moralische Verantwortung zur Stabilisierung der Märkte. Der Gewinn aus der Leihe ist momentan geringer als der mögliche Schaden, den Leerverkäufe anrichten."  

Auch der DIT hat das Geschäft mit den Hedge-Fonds kräftig zurückgefahren. "Wenn wir etwas verleihen, dann nur noch an unsere Muttergesellschaft, die Dresdner Bank", so ein Sprecher.

[b)Tatsächlich haben Hedge-Fonds in den vergangenen Tagen jedoch wieder kräftig am Markt mitgemischt und die Kurse mit Leerverkäufen zusätzlich in den Keller gedrückt.

Das Geschäft ist einfach: Die Hedge-Fonds-Manager leihen sich gegen eine Gebühr von DWS, Union Investment & Co. Aktien, die sie sofort am Markt verkaufen. Danach hoffen sie auf einen weiteren Kursverfall, um sich später wieder günstiger eindecken zu können, um die geliehenen Aktien zurückzugeben. In der momentanen Verfassung fallender Kurse funktionieren die Geschäfte prächtig. Wer etwa direkt nach dem Terroranschlag Lufthansa bei zwölf Euro geliehen hat und jetzt bei 9,50 Euro zurückgibt, hat innerhalb weniger Tage 20 Prozent verdient.

Gerade in Europa sind den Hedge-Fonds keine Grenzen gesetzt. Während es in den USA eine so genannte "Uptick"-Regel gibt, die es Leerverkäufern verbietet, bei stark fallenden Kursen Aktien zu verkaufen, gibt es hier zu Lande eine solche Regel nicht.

Um einen Ausverkauf bei den Aktien zu vermeiden, wollen die Kapitalanlagegesellschaften als Verleihstationen nun eingreifen. Denn gerade in der aktuellen Marktverfassung gibt es nur wenige Investoren, die bei Leerverkäufen gegenhalten. Den normalen Fondsgesellschaften fehlt schlicht die Liquidität, und Versicherungen sind zur Deckung der Terrorschäden auch eher auf der Verkäuferseite bei Aktien.

Auch die Aufsichtsbehörden sind aufmerksam geworden. So hat die britische Wertpapieraufsicht den Gesellschaften empfohlen, das Aktienleihegeschäft vorübergehend einzustellen. Zumindest einige Investmentgruppen sind dieser Empfehlung gefolgt.

(und was macht die Wertpapieraufsicht in Deutschland?
Die Problematik wird ja schon seit Monaten in diesem Forum
heiß diskutiert)

Doch allzu viel Einigkeit unter den Verleihern herrscht offenbar nicht.

So hat die DWS ihr Verleihgeschäft am Dienstag wieder aufgenommen. Und Union Investment hat die Aktienleihe erst gar nicht eingeschränkt. hz.

Quelle: DIE WELT

 Hedge-Fonds mischen die deutsche Börse auf

Leerverkäufe beschleunigen den Kurssturz an den Märkten. Auch Blue-Chips können zu Angriffszielen werden


Leerverkäufe versetzen
Aktien einen Schlag

Von Holger Zschäpitz

Berlin - Hedge-Fonds kommen bei privaten Anlegern in Mode. Angesichts der Kursturbulenzen an den Börsen suchen immer mehr Investoren ihr Heil bei den alternativen Anlageprodukten, die losgelöst von der Marktentwicklung stabile Erträge versprechen.

Was die meisten aber nicht wissen - sie setzen damit auf jene Fonds, die für den rapiden Kursverfall an den Börsen mitverantwortlich sind. Hemmungslos prügeln die Hedge-Fonds-Manager auf Aktien ein und lehren damit nicht nur die Börsianer sondern auch die Unternehmenslenker das Fürchten.

Selbst lange als solide geltende Blue-Chips purzeln wie die Aktien kleiner Technologiefirmen. Ob Deutsche Telekom, MLP, Infineon oder Bayer - zweistellige Kursverluste an einem Handelstag sind auch für die Dax-Werte keine Ausnahme mehr, wenn sie erst einmal ins Fadenkreuz der Hedge-Fonds-Manager gelangen.

"Viele benutzen den Markt als Vehikel, um kräftig draufzuhauen", sagt ein Branchenkenner. "Mit der zunehmenden Fülle an Hedge-Fonds sind die Auswirkungen auch immer stärker in Deutschland zu spüren."

Tatsächlich mischen die völlig unregulierten Investmentgesellschaften den deutschen Markt regelrecht auf. Denn die Manager können mit so genannten Leerverkäufen auch an fallenden Kursen verdienen und beschleunigen damit die Abwärtsspirale. Das Geschäft mit den Leerverkäufen ist einfach. Die Fondsmanager leihen sich gegen eine geringe Gebühr von Banken ihrer Ansicht nach überbewertete Aktien, die sie sofort am Markt verkaufen. Danach hoffen sie auf einen Kursverfall, um sich später wieder günstiger eindecken zu können, um die geliehenen Aktien zurückzugeben. Bei MLP funktionierte das Geschäft prächtig. Wer sich kurz vor der Dax-Aufnahme bei 120 Euro die Papiere lieh und verkaufte und sich jetzt bei einem Kurs von 70 Euro wieder eindeckte, hat innerhalb eines Monats 50 Euro Gewinn gemacht.

Besonders schlechte Erfahrungen mit den Leerverkäufern hat auch Telekom-Chef Ron Sommer gemacht. Nicht nur die T-Aktie ist ein Lieblingskind der Hedge-Fonds, auch die Internettochter T-Online gehört zu den Angriffszielen.
Die WestLB schätzt etwa, dass 60 Millionen T-Aktien gegenwärtig verliehen und leer verkauft sind. Bei T-Online gehen Marktbeobachter von fünf Millionen Stück aus, was etwa fünf Prozent aller frei handelbaren Aktien entspricht. Doch nicht nur den Aktien der T-Familie bekommt die Zuneigung der Leerverkäufer wenig. Auch die Hedge-Fonds-Lieblinge Epcos, MAN, WCM und Cargolifter sowie die Neuen-Markt-Gesellschaften Brokat, Biodata und Mobilcom entwickelten sich deutlich schlechter als der Gesamtmarkt. Bei Mobilcom sollen Branchenkennern zufolge etwa 500 000 Aktien verliehen und leer verkauft sein.

Zwar gilt das Geschäft mit den Leerverkäufen als anrüchig, aber dennoch hat sich eine ganze Leihe-Industrie entwickelt, die für die Hedge-Fonds die Aktien herankarrt. Nahezu alle Banken versuchen am Boommarkt zu partizipieren. So beschäftigt der Marktführer Deutsche Bank weltweit rund 250 Mitarbeiter, deren einzige Aufgabe darin besteht, Aktien von "normalen" Investmentgesellschaften wie DWS oder Union Investment zu leihen und an Hedge-Fonds wieder zu verleihen. Beim deutschen Marktzweiten, der Dresdner Bank, gibt es am so genannten Leihetisch inzwischen über 50 Mitarbeiter. Tendenz steigend. Und auch für die Fondsgesellschaften, die ihre Stücke zur Verfügung stellen, ist die Aktienleihe ein großes Geschäft, da sie im Gegenzug Zinsen bekommen.

Das Zusammenspiel zwischen Investmentgesellschaft und Banken verläuft reibungslos. Union Investment, DWS & Co. übermitteln den Banken elektronisch ihre Aktienbestände, die Verleiher erstellen dann daraus so genannte Wunschlisten.

Die Beteiligten sehen nur Vorteile. "Kurzfristig kann eine Aktie durch Hedge-Fonds mal ins Trudeln geraten. Langfristig setzt sich das faire Kursniveau durch", sagt Eike Reneerkens von Union Investment. Er sieht keine Nachteile durch die Hedge-Fonds. "Die Hedge-Fonds beseitigen Marktineffizienzen", sagt Reneerkens. Für Union-Anleger habe das Geschäft mit der Aktienleihe sogar Vorteile. So polierten die Leihezinsen die Performance des Europafonds um 0,5 Prozentpunkte auf.

Quelle: DIE WELT

Der Terrorismus hat gesiegt

Finanzjongleure ohne Skrupel

Von Bernd Niquet
Ich weiß nicht, ob Sie das anders empfinden. Zwischen dem, was uns täglich in den Medien vorgeführt wird, und dem, was wir mit unseren eigenen Sinnen und unserem eigenen Verstand erfassen können, klaffen riesige Löcher.

Die Welt rückt näher zusammen, steht einig auf der Seite des Guten und des Richtigen und bietet dem Terrorismus die Stirn. Doch während die Bürger um die Opfer von New York trauen, während die Rettungs- und Aufräumkräfte noch immer ihr Leben aufs Spiel setzen und während sich US-Soldaten von ihren tränenüberströmten Familien verabschieden - zur gleichen Zeit leihen sich Finanzjongleure jeglicher Art riesige Aktienpakete, um sie postwendend meistbietend auf die Märkte zu werfen. Ziel ist es dabei, die Panik noch weiter zu schüren, um schließlich die Aktien deutlich billiger wieder zurück zu kaufen (Strategie der Leerverkäufe).

Gemeinsame Sache mit den Terroristen

Und dies geschieht nicht in irgendwelchen orientalischen "Schurkenstaaten". Nein, die Schurken sitzen vielmehr genau unter uns, tragen ein Hemd mit weißem Kragen, eine schmucke Krawatte und einen maßgeschneiderten Anzug. Terroristen werden mit dem Tod bestraft. Die Leerverkäufer werden für ihre gute Performance bewundert. Das ist die gesellschaftliche Realität der westlichen Societies im September des Jahres 2001.

Der Vermögensverlust nach dem Attentat von New York beträgt nach Berechnungen von Delbrück Asset Management alleine an den US-Börsen rund 1,2 Billionen (!) US-Dollar. Dabei ist der Dow Jones seit dem 11. September "nur" um 13 Prozent gefallen, sein deutsches Pendant, der Dax, hingegen sogar um etwa 23 Prozent. Die Vermögenseinbußen bei uns sind relativ gesehen also noch weit höher, absolut betrachtet jedoch deutlich geringer.

Die Leidtragenden

Was steckt nun hinter diesen Vermögensverlusten? Vielleicht ein paar Konsumwünsche, hauptsächlich jedoch die Altersversorgung von uns allen sowie die Ausbildungsrücklagen für die jungen und neuen Generationen, die sowieso schon alleine in der Bundesrepublik eine Schuldenlast von über 5 Billionen Mark zu schultern haben. Der bewaffnete und physische Terrorismus hat beklagenswerte 6.000 von uns getroffen. Der Finanzterrorismus hingegen trifft uns flächendeckend.
Dies ist kein Plädoyer, einen Kleinsparer, der jetzt nervös wird und seine Aktien auf den Markt wirft, zu brandmarken. Dies ist auch kein Plädoyer, ganz normale Aktientransaktionen in derartigen Zeiten zu verdammen. Doch schauen wir bitte auf die Umsätze! Wir haben es mit dem Drehen eines ganz großen Rades zu tun. Mit einer Baissespekulation im großen Stil. Mit Hedge-Fonds und sonstigen Finanzjongleuren, welche die von verbrecherischen Terroristen angezettelte Panik letztlich für ihre eigenen egoistischen Zwecke ausnutzen.


Das Ende des Laissez-faires  

Meine beklemmende Frage lautet daher: Kann eine offene Gesellschaft es sich leisten, dass Teile ihres Finanzsystems identische Teil-Ziele wie der internationale Terrorismus verfolgen? Früher wurden in Zeiten wie den gegenwärtigen Kriegsanleihen emittiert und gezeichnet. Heute hingegen gibt es die Doofen, die Anstand zeigen, und die Skrupellosen, die den Profit einfahren. Wir reden zwar viel davon, dem Terrorismus die Stirn bieten zu wollen. Doch letztlich ist unser Finanzsystem so ausgerichtet, dass Festigkeit keinen besseren Profit bietet als ein brutales Ausnutzen der Macht. Vielleicht sogar genau umgekehrt.
In Anbetracht der Tatsache, dass in den USA bereits nahezu die gesamte Altersversorgung sowie große Teile des laufenden Konsums am Aktienmarkt hängen - und auch bei uns die Tendenz deutlich in diese Richtung läuft (Stichwort: Riester-Rente), muss man daher ganz generell fragen: Können wir uns in Anbetracht der neuen Bedrohungen das Laissez-faire an den Finanzmärkten überhaupt noch weiter leisten?

Wir spielen jetzt zwar die Starken, doch in unserem Inneren sind wir schwach. Dabei müssten wir gerade hier wirkliche Stärke zeigen. Ein System freier Märkte ist labil, noch labiler als Stahl und Beton. Es ist nicht nur anfällig gegen physische Kräfte, es knickt, wie wir gegenwärtig sehen, bereits durch das bloße Hinschauen zusammen. Wenn wir uns tatsächlich dem internationalen Terrorismus widersetzen wollen, dann können wir uns eine derartige Anfälligkeit, wie wir sie gegenwärtig beobachten, nicht mehr leisten.

Natürlich höre ich jetzt den Einwand: Die Kurse werden auch wieder steigen. Das glaube ich zwar auch. Doch welcher Mensch mit Verstand wird zukünftig noch auf lange Sicht Aktien kaufen, wenn er weiß, dass eine Handvoll von Terroristen und ihre Komplizen im Geiste langjährige Gewinne in Stunden vernichten können? Nein, der Schaden ist dauerhaft. Und die Schläfer sind, was besonders ärgerlich ist, zudem noch die Stars der Szenerie. Schon bald werden wir von ihren tollen Anlageerfolgen lesen und den rauschenden Beifall beobachten können. Wahrscheinlich genau dann, wenn ihre "Loader" in Afghanistan gerade zu Tode gebombt werden


WASHINGTON (Reuters) - The ranking Democrat of the House
Financial Services Committee has asked financial regulators on
Monday to consider putting a temporary halt to short selling, saying
the practice may be putting further pressure on already fragile
markets.

"I am concerned that the confluence of negative macroeconomic
forces and possible short selling and speculation in stocks from
industries now under pressure may be adding to the downward cycle
we are seeing in the markets since trading resumed on Monday,"
said John LaFalce (D-N.Y.).

"To the extent that short sellers have played a significant role in
creating the current market conditions, I request that you consider
the appropriateness of certain measures, including inhibiting short
selling," LaFalce said in a letter to Securities and Exchange
Commission head Harvey Pitt.

Get more markets news here

Short selling is a common but risky way of exploiting a fall in share
price by selling borrowed shares, buying them back later at a
cheaper price, and keeping the difference as profit.

The Commission has the power to alter or suspend activities, such
as short selling, if it decides it needs to do so to protect the public
interest of investors, LaFalce said, citing the Securities Exchange
Act of 1934.

Market regulators across the world have begun to look into the
possibility that people with prior knowledge of the Sept. 11 jetliner
attacks in New York and near Washington sold shares short, betting
that the deadly events would drive down stocks, including insurance
and airline shares.

There have also been reports that put options, whose value rises as
underlying shares slip, were bought in large quantities in the run-up
to Sept. 11, when hijacked airliners smashed into the World Trade
Center and the Pentagon.

LaFalce also asked Pitt to analyze current market conditions to
determine whether short selling or other similar activities have
contributed to recent market declines.


Antworten
ecki:

@tom68: Deine Artikel sind schon älter oder?

 
20.04.02 14:08
Und wenn die seit Monaten keine Aktien mehr verleihen, dann sind das wohl echte Verkäufe bei Thiel, oder?

Hedge-fond Lieblinge Brokat, Biodata und andere:
Am besten gehts eben mit den Firmen, die in einer Bewertungsschieflage sind.

Thiel hat massiv verloren wegen den Fondverkäufen und der Bilanzkosmetik!



12.04.2002
Thiel Logistik Bilanzkosmetik
Prior Börse

Bei der Aktie der Thiel Logistik AG (WKN 931705) raten die Aktienexperten der "Prior Börse" zur Wachsamkeit.

Zahlreiche Ungereimtheiten würden im jüngsten Zahlenwerk stecken, so die Experten. Man nehme nur die Segment-Berichterstattung: Quartal für Quartal habe der Konzern fein säuberlich seine Geschäfte in vier Sparten
aufgebröselt. Im Jahresabschluss fehle dann plötzlich das vierte Standbein IT-Solutions. Kein Wunder, schließlich seien hier bis zuletzt nur mikroskopisch kleine Gewinne verzeichnet worden. Günter Thiel kehre so sein
Margenproblem unter den Teppich.

Auch greife der Unternehmenslenker bei der Auslegung der Rechnungslegungsvorschriften gerne in die Trickkiste. Obwohl er die Wettbewerber GST und TK-Logistik erst im November 2001 übernommen habe, lasse er deren
Ergebnisse schon rückwirkend ab Juli 2001 durch die Bücher laufen. Schon im Frühjahr letzten Jahres seien die einfallsreichen Vorstände nach dem gleichen Muster vorgegangen. Die im März erworbenen Gesellschaften KVB
und SKS seien im 1. Quartal voll konsolidiert worden. Der Effekt: Vermutlich habe diese Bilanzierungspraxis einige Millionen Euro zusätzlichen Profit in die Kasse gespült.

Zudem sei der undurchsichtige Posten sonstiger betrieblicher Ertrag von 22,7 Millionen Euro ziemlich aufgeblasen. Hier hätten die Luxemburger Anlagegegenstände und Beteiligungen verkauft, hätten Rückstellungen aufgelöst
und Versicherungsvergütungen eingestrichen.

Thiel habe wohl sein stets bekräftigtes Ergebnis-Ziel von 66 Millionen Euro unbedingt erreichen wollen. Sonst hätte ihm ein Vertrauensverlust ins Haus gestanden. Schließlich habe Thiel noch im Januar 2002 die Planzahlen
ad-hoc bestätigt. Doch trotz aller Bilanzkosmetik seien tatsächlich "nur" 65 Millionen vor Steuern und Zinsen hängen geblieben. Den Umsatz von rund 900 Millionen Euro hätten 137 wild zusammengewürfelte Firmen
erwirtschaftet, im Jahr 2000 seien es erst 60 gewesen. Vermutlich sei auch an anderen ergebniswirksamen Schrauben gedreht worden.

Anleger sollten bei der Thiel-Aktie wachsam sein, so die Experten der "Prior Börse".


Solche Bilanzspielchen sind gerade bei Institutionellen nicht sehr beliebt.
Kleinanleger sagen, Thiel war schon über 50, bei 12 müssen die billig sein!
Antworten
tom68:

Wir waren beim shorten, oder??? o.T.

 
20.04.02 14:10
Antworten
Tradingman:

@ ecki

 
20.04.02 14:21
Die deutschen Investmentgesell. haben ihre Aktienleihe zurückgefahren, nicht eingestellt. Ich glaube aber eher, daß die sich die Aktien in Amerika geliehen haben, denn dort hielten Fonds im großen Stil gute europ. Werte, eben auch Thiel.

Das auslösende Moment für den Sell-out bei Thiel, liegen wie schon angedeutet bei Thiel selbst (KE), die Hedge-Fonds sahen dadurch ein ideales Short-Opfer, daß sie dann auch gespielt haben und immer noch spielen.

Einhalt können in Zukunft nur entsprechende Rahmenbedingungen bieten.

Übrigens habe ich meine Weisheiten bezügl. der Uptick-Regel aus "Der Aktive Trader, April 2002, S. 28-31.

Tradinggrüsse
Antworten
ecki:

Geshortet werden Aktien mit Verlustpotential!

 
20.04.02 14:22
Das t-online nicht noch stärker geshortet wird wundert mich eher.
Liegt wohl dadran, dass t-online mit freefloat von 10% zu leicht von der Mutter und deren Freunden manipuliert (also hochgehalten) werden kann.

Wenn t-online reell bewertet werden würde, dann wären die NM 1000 schnell ganz weit weg.

Alos: shorten wird erschwert, weil immer mehr große Adressen nichts verleihen.
Fonds steigen bei Thiel aus. Viele Analysten pushen aus allen Rohren. Die Aktie fällt. Soweit einfach normal.
Antworten
tom68:

...und Du zitierst Analysten (-pack..) man ecki?!

 
20.04.02 14:22



Antworten
ecki:

tja tom68 ein wunder Punkt

 
20.04.02 14:28
weil ich eigentlich mehr auf den chart schaue.

Und dann schaue ich auch was die Analysten so schreiben und finde soviel Spannbreite, das ich denke Fundamentalanalyse ist mindestens so glückssache wie chartanalyse. :-)

Hier habe ich den Prior nur gebracht, weil tradingman vom konsens fast aller Analysten sprach.
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