Stumpf weg, bleibt Brehme? 2:1-Sieg im UI-Cup gegen Teplitz. Aber: Spannungen hier, Differenzen da. "Bei uns brennt es", sagt Mario Basler. In Kaiserslautern wurden erste Konsequenzen gezogen. Am Montag tagt der Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern. Das turnusmäßige Treffen wird zur Krisensitzung. Thema: Die Trainerfrage!
Nach einem Gepsräch mit dem bisherigen Cheftrainer Reinhard Stumpf gab der Vorstandsvorsitzende Jürgen Friedrich am Montagmittag die Entlassung des 40-Jährigen bekannt. Der Betroffene selbst zeigte sich von seiner Demission wenig überrascht. Stumpf war nach den Ereignissen der vergangenen Tage, die er als "Kampagne gegen mich" bezeichnet, auf seine Entlassung vorbereitet. Dafür spach auch, dass er am Sonntag beim UI-Cup-Hinspiel gegen Teplitz (2:1) schon nicht mehr auf der Bank, sondern auf der Tribüne saß.
Offen ist, ob auch Team-Manager Andreas Brehme Konsequenzen befürchten muss. Aufsichtsratschef Dr. Robert Wieschemann hat einschneidende Änderungen angekündigt. Sofern sich die Hiobsbotschaften aus dem Trainingscamp bestätigen. Aufklärung erwartet er vom Gespräch mit Vorstandschef Jürgen Friedrich.
Bleibt Andreas Brehme weiterhin bei den "Roten Teufeln"? Oder kommt doch Christoph Daum oder Jürgen Röber? "Wir machen hier nichts hintenherum. Wenn wir etwas tun, dann nur mit offenem Visier", sagt Dr. Wieschemann und bezeichnet Spekulationen über eine neue sportliche Leitung als "totalen Schwachsinn".
Die neuen Turbulenzen in Kaiserslautern überraschen nicht. Genau vor elf Wochen war die Ablösung des Trainergespanns Brehme/Stumpf schon einmal kontrovers diskutiert worden im höchsten Klubgremium. Seinerzeit hatte sich der Aufsichtsrat jedoch nicht zur großen Aufräumaktion beim Tabellensiebten nach Verpassen des Saisonziels "UEFA-Cup" entschließen können. Auch, weil Vorstandsvorsitzender Jürgen Friedrich an jenem 6. Mai eine Trainertrennung mit seinem gleichzeitigen Rückzug verbunden hatte. Und eine Führungskrise wollten die Verantwortlichen nicht riskieren.
Einziger Beschluss damals: Die Beförderung von Team-Manager Brehme zum Alleinverantwortlichen im sportlichen Bereich. Die Demontage des bis dahin gleichberechtigten Cheftrainers Stumpf nahm damit ihren Lauf.
Zur Eskalation kam es in der vergangenen Woche im Trainingslager in Seefeld, nachdem Mannschaftsarzt Dr. Hans-Werner Schmalenbach zurückgetreten war. Der Doc zog Konsequenzen aus wiederholten Auseindersetzungen mit dem Cheftrainer. "Ich bin für die Gesundheit der Spieler zuständig. Hier will Herr Stumpf entscheiden, wer bei welchen Blessuren trainieren kann. Das kann ich nicht vertreten", begründete Dr. Schmalenbach seinen Schritt.
Das Fass zum Überlaufen hatte Stumpf gebracht, als er Lincoln trotz erheblicher Adduktorenprobleme Lauftraining verordnete, was aus Dr. Schmalenbachs Sicht "unverantwortlich war". Dass Neuzugang Christian Timm einen muskulären Rückschlag erlitt, wird ebenfalls dem Cheftrainer angelastet. Vorwürfe, die Stumpf zurückweist: "Sie mussten nichts machen, was sie nicht hätten tun dürfen."
Dr. Schmalenbachs Rücktritt veranlasste Jürgen Friedrich am Mittwoch, nach Seefeld zu reisen. Bei der 2:6-Blamage im Alpencupspiel gegen Fenerbahce Istanbul präsentierte sich der 1. FCK in desolater Verfassung. Friedrich entsetzt: "Diese Außendarstellung kann ich nicht hinnehmen. Ebensowenig die Totengräberstimmung, die hier herrscht. Was ich gesehen habe, ist viel zu wenig. So kann man in der Bundesliga nicht bestehen."
Der Vorstandschef handelte unverzüglich, bestellte das Trainergespann zum Rapport, führte mit Spielern Gespräche, überredete den Teamarzt zum Bleiben . "Es gibt manchmal Irritationen, die schnell ausgeräumt werden müssen. Das sind alles kleinere Scharmützel." Typisch für Friedrich, auch seine jüngste Schlichtungsmission herunterzuspielen.
Was wirklich los ist derzeit bei den "Roten Teufeln", sagt Mario Basler: "Bei uns brennt es an allen Ecken und Enden." Aufräumen oder abstürzen - beim 1. FCK wird man jetzt schnell entscheiden müssen.
Gruß
Happy