Biodata auch im Geschäftsfeld Gesichtserkennung tätig .
Einsatz auf Flughäfen etc. Wachstumsbranche
Bilderkennung hilft bei der Verbrechensbekämpfung
cpm. KASSEL, 16. September. Die technischen Möglichkeiten, Verbrechen mit Hilfe der modernen Computertechnik zu verhindern, werden bislang sträflich vernachlässigt. Das sagt Jörg Lamprecht, Erfinder der weltweit einzigen Bildersuchmaschine für das Internet und Vorstandsvorsitzender der Cobion AG, die sich mit der Bilder- und Logosuche in Datennetzen befaßt. Die Cobion gehört zur Biodata AG im nordhessischen Lichtenfels. Biodata entwickelt Sicherheitstechnik für Datennetze wie Firewalls. Nun verbindet die Cobion ihre Fertigkeit, digitalisierte Bilder zu identifizieren, mit der Fähigkeit der Berliner Bio-ID, einem Unternehmen, das zu 15 Prozent zu Biodata gehört. Bio-ID hat sich darauf spezialisiert, die Abbildungen von Gesichtern aus "Live-Video-Streams", also zum Beispiel aus Aufnahmen mit Videokameras, herauszufiltern. Die Personen, deren Gesichter analysiert werden, lassen sich nicht nur anhand ihres Abbildes, sondern auch über die Bewegung ihrer Mundpartie und ihre Stimme identifizieren oder - wie es in der Fachsprache heißt - authentifizieren.
Nach Lamprechts Schilderung ist es möglich, aus dem Datenstrom, den eine Videokamera liefert, die Abbildungen von Gesichtern herauszufiltern und diese mit Hilfe der Software von Cobion mit vorhandenen Bilddateien binnen Sekunden zu vergleichen. Das Verfahren biete zwar keine absolute Sicherheit, arbeite aber mit einer Trefferquote von 90 Prozent. Während heute in Paßkontrollen die Nummern der Pässe "händisch" mit den Nummern der Pässe von gesuchten Personen verglichen werden, könnten mit der Technik der Cobion die Paßfotos mit den Fotos aus Polizeidateien abgeglichen werden. Damit fielen auch Personen auf, die einen falschen Paß verwendeten, in dem der Name und das Bild nicht übereinstimmten. Für das Verfahren könnten vorhandene Videokameras genutzt werden. An den Zugängen zu Flugsteigen, Sportstätten oder Kongreßzentren könnten aber auch Kameras speziell für die Sicherheitskontrolle etwa an den Eingangsschleusen angebracht werden. Dies erlaubte eine ideale Installation der Kameras und der Beleuchtung, so daß die Gesichter gut ausgeleuchtet werden. Eine Schwierigkeit sei es, Personen, deren Gesicht sich verändert habe, durch einen Bildvergleich zu erkennen. Doch es gebe technische Verfahren, Menschen im Bild zum Beispiel altern zu lassen, und mathematische Möglichkeiten, die Streubreite beim Abgleich der Bilder zu verbreitern. Die zusätzliche Sicherheitskontrolle kostete nach Lamprechts Angaben nicht viel Zeit. Der Abgleich eines Bildes mit 10 000 Bildern benötige allenfalls zwei Sekunden, der Abgleich mit 400 000 Bildern vielleicht 4 Sekunden.
Interesse an der Sicherheitstechnik des Kasseler Unternehmens haben schon die australische Einwanderungsbehörde und der Staat Malaysia gezeigt. Es gebe nur einen Mitbewerber. Dieser komme aus Amerika, habe aber nicht die Erfahrung wie Cobion im Umgang mit großen Bildmengen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2001, Nr. 216 / Seite 28