"Jahr der Kapitalvernichtung"


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Peet:

"Jahr der Kapitalvernichtung"

 
06.08.01 20:06
Montag, 6. August 2001
"Jahr der Kapitalvernichtung"
Jahrespressekonferenz der SdK  


Auf der Jahrespressekonferenz der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) am Montag stand vor allem der Neue Markt in der Kritik der Aktionärsschützer.

"Das letzte Jahr was das Jahr der Kapitalvernichtung", brachte SdK-Vorstandschef Klaus Schneider die Unzufriedenheit der Kleinaktionäre auf den Punkt. Dies gelte insbesondere für den Neuen Markt. Dennoch hält die SdK das Börsensegment nicht für tot, rechnet aber mit einer längeren Konsolidierungsphase.

"Investigative Analysten " gefordert

Wegen der großen Unsicherheit über die Geschäftsaussichten vieler Unternehmen und der dadurch erschwerten Bewertung der Aktien fordert die SdK "investigative Analysten". Ihre Aufgabe soll es sein, ausführlich die Qualität des Managements und den Wert der angebotenen Produkte und Dienstleistungen zu untersuchen.

Von der Deutschen Börse werden Maßnahmen gegen den Vertrauensverlust gefordert. SdK-Vorstandsmitglied Markus Straub sagte, offenbar habe man an der Börse Probleme, die notwendige Verschärfung der Zulassungskritereien offen zu diskutieren. Die Deutsche Börse solle nun für mehr Qualität am Neuen Markt sorgen, indem sie Banken mehr an sich binde und Börsenanwärter gründlicher prüfe.

SdK und DSW - Interessenvertretungen der Kleinanleger

Die SdK besteht seit 1959 als Interessenvereinigung privater Minderheitsaktionäre. Als Ziel ihrer Tätigkeit definiert die SdK die Sicherung des Substanzerhalts des Kapitals und seiner risikogerechten Vezinsung. Außerdem setzt sie sich für die zeitgerechte und umfassende Information der Minderheitsaktionäre über alle relevanten Geschehnisse in den Aktiengesellschaften ein.

Aktien stehen dabei als langfristige Anlagen und Instrument zur Vermögensbildung im Vordergrund. Zockermentalität und kurzfristige Spekulation finden hier kein Forum.

Ebenso wie die bereits 1947 gegründete Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) konnte sich die SdK gegenüber Unternehmen, Banken und Politik über Jahrzehnte hinweg als ernstzunehmender Gesprächspartner etablieren.

Verdacht auf Kursmanipulationen, Insidergeschäfte, Missmanagement und dergleichen mehr: Berichten und Gerüchten zu diesen Themen folgen meist umgehend Wortmeldungen der SdK oder der DSW.

Besser zwei kritische Stimmen als eine ...

Beide Organisationen artikulieren die Interessen privater Aktionäre und verleihen deren Stimmen auf Hauptversammlungen Gewicht. Auch zu Fragen der Gesetzgebung in Sachen Aktienrecht oder Besteuerung äußern sie sich regelmäßig. Die Mitgliedschaft steht jedem Interessierten gegen Zahlung eines Beitrages offen. Neben Information und Beratung bieten die Vereinigungen ihren Mitgliedern auch die Ausübung der Stimmrechte auf Hauptversammlungen an. Nicht jeder Anleger möchte damit seine Depotbank beauftragen.

Gelegentlich wird die Frage laut, warum beide Organisationen nicht einfach miteinander fusionieren. Doch weniger ist nicht immer mehr. "Manchmal ist es durchaus von Vorteil, wenn dieselbe Kritik unabhängig von zwei Seiten kommt", so Petra Krüll, Pressesprecherin der DSW. Auch bei Hauptversammlungen sei die Vertretung der Privatanleger durch mehrere Organisationen kein Nachteil - mal habe eben der eine bessere Argumente, mal der andere.  

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Peet:

SdK erwartet keine Erholung am Neuen Markt

 
06.08.01 21:56
Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre erwartet keine schnelle Erholung am Neuen Markt

 
Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) rechnet nicht mit einer baldigen Erholung am Neuen Markt. Die jüngste Entwicklung mit zahlreichen Pleiten und dramatischen Kursverlusten sei eine Marktbereinigung, die "noch mehrere Jahre" andauern könne, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SdK, Markus Straub, am Montag in Frankfurt am Main. Aufgrund der stark gefallenen Kurse, der Skandale und des erlittenen nachhaltigen Vertrauensverlustes drohe der Neue Markt in die Bedeutungslosigkeit abzusinken. "Privatanleger haben sich mit neuen Engagements vom Markt weitgehend zurückgezogen. Dies gilt auch für institutionelle und im besonderen ausländische Investoren", so Straub. Für Institutionelle werde es schon aufgrund der geringen Bewertungen und Umsätze schwer, überhaupt noch am Neuen Markt zu agieren.

Da der Neue Markt auch für Kapitalerhöhungen praktisch dicht sei und für die meisten dieser Firmen eine Fremdkapitalfinanzierung von Seiten der Banken scheitern wird, drohten noch etliche böse Überraschungen auch bei "gesunden" Firmen. Noch dramatischer als das Firmensterben am Neuen Markt sei das Sterben der vorbörslichen Unternehmen. Straub: "Der VC-Markt ist völlig zusammengebrochen. Die hohen Verluste durch Abschreibungen bei vorbörslichen Beteiligungen hinterlassen tiefe Spuren in den Portfolios der VC-Gesellschaften." Er betonte aber zugleich, der Neue Markt sei trotz der derzeitigen Probleme "nicht tot." Die sehr wichtige Aufgabe, die der Neue Markt in der deutschen Kapitalmarkt- und Wirtschaftsstruktur erfüllt, werde nach der Marktbereinigung zu einem langfristigen Erfolg führen.

Der Aktionärsschützer forderte die Deutsche Börse auf, verstärkt gegen den Vertrauensverlust in ihrem Wachstumssegment anzukämpfen. Die "dringend notwendigen Maßnahmen" seien bisher "weitgehend" ausgeblieben. Statt einer tief greifenden Reform des Marktes mit "strengen Zulassungs- und Listingkriterien" versuche man, die Probleme durch "den Rauswurf der Penny Stocks zu kaschieren."

Derzeit notieren 342 Unternehmen am Neuen Markt. Weniger als 20 Prozent dieser Firmen notieren über dem Emissionskurs. 46 Unternehmen weisen eine Gesamtkapitalisierung von unter 10 Millionen Euro auf. 94 Unternehmen haben eine Gesamtkapitalisierung von unter 20 Millionen Euro und 172 Firmen bringen es auf unter 50 Millionen Euro. Gerade 40 Unternehmen können eine für Fonds wichtige Marktbewertung des Streubesitzes von mehr als 100 Millionen Euro aufweisen. (as)  
 
 

 
[Mon, 06.08.2001] - © 2001 de.internet.com


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jopius:

... JAHRE ! der Kapitalvernichtung .. o.T.

 
06.08.01 22:04
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DarkKnight:

Interessant auch folg. (=my view of things):

 
06.08.01 22:07
Der böse Börsenbube

Von Walther Becker

Was ist schlechter als die Delisting-Regeln der Deutschen Börse zum Neuen Markt? Die Vorschläge, die sie sich zur Neuordnung anhören muss. Das jüngste Beispiel dafür liefert die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Dringend nötige Schritte, um gegen den Vertrauensverlust anzukämpfen, blieben von Seiten der Börse weitgehend aus, moniert sie. Statt den Markt mit strengen Zulassungs- und Listingkriterien zu reformieren, versuche sie, die Probleme mit dem Rauswurf von Penny Stocks zu kaschieren.
Wenn viel Geld verloren ist, klingt es immer gut, nach mehr Schärfe zu rufen. Das Postulat "Wir brauchen Qualität" ist ebenso richtig wie abgedroschen und inhaltsleer. Mindestens genauso schön macht es sich, gleich auf den bösen Buben, die Börse, zu zeigen. Zur Erinnerung: Als die Aktien nach oben schossen, da forderte niemand eine Verschärfung. Heute, nachdem die Kurse in den Brunnen gefallen sind, heißt es, die Börse hätte von Anfang des Neuen Marktes an das strengere Nasdaq-Regime kopieren sollen.

Die Börse solle erstens ein Ranking der Emissionsbanken erstellen und zweitens selbst diejenigen Unternehmen qualitativ prüfen, die eine Notierung anstreben. Mit der inhaltlichen Ausgestaltung kann die Streubesitz-Lobby nicht dienen. Nach welchen Kriterien ist die Arbeit eines Emissionshauses zu messen? Richtet sich das Rating für eine Platzierung nach der absoluten Kursentwicklung seit dem IPO oder der relativen Performance zu einer wie auch immer definierten Vergleichsgruppe? Fließen Emissionen volumengewichtet ins Rating ein, oder schlägt eine Mini-Transaktion wie Init im selben Maß zu Buche wie eine T-Online? Wer trägt den Aufwand? Schließlich hat die Börse ihre Delisting-Regeln auch deshalb simpler als das Nasdaq-Muster gestrickt, um billiger wegzukommen - was man kritisieren kann.

Die Börse als Rating-Instanz? Das können einschlägige Agenturen besser. Soll auch die Börse die Bücher potenzieller Emittenten unter die Lupe nehmen? Da sind die hoch bezahlten Investmentbanker und Analysten vor. Schließlich würde ein solches Testat der Börse höchstselbst als Brief und Siegel für Qualität verstanden - kaum vorzustellen das Geschrei, wenn die Performance einer so geadelten Gesellschaft enttäuscht oder diese gar Pleite geht.

Die Börse, dieser Zwitter aus öffentlich-rechtlicher Veranstaltung und AG mit privatrechtlichen Verträgen am Neuen Markt, steckt in der Zwickmühle. Ihr in dieser Lage weitere Aufgaben zuzuschustern, ist keine Lösung. Es wird leicht vergessen, dass die Börse in erster Linie die Plattform für einen möglichst liquiden Handel stellt. So ist es allzu wohlfeil, ihr beim tiefen Fall der Kurse den Schwarzen Peter unterzujubeln.




Börsen-Zeitung, 7.8.2001
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