Am 19., 20. und 21. Dezember, kurz vor dem Weihnachtsfest, stehen
die außerordentlichen Hauptversammlungen der drei Fusionskandidaten
an. In München trafen wir Globalware-Vorstand und Mastermind der
Verschmelzung, Jörg Ott.
Die geplanten Zahlen klingen ja gut: Der neue Konzern soll im Jahr
2006 knapp 20 Mio. EUR umsetzen und dabei 1,5 Mio. EUR Gewinn
machen, im Folgejahr sogar 2,5 Mio. EUR Gewinn bei knapp 22 Mio.
EUR Umsatz. Das wäre ein 07er-KGV von 5. So weit so gut. Aber die
Hürde dahin besteht nicht nur im Erreichen dieser operativen Ziele,
sondern in einer Meisterung der HVs ohne eine Kanonade an
Anfechtungsklagen. Ott versucht daher bereits im Vorfeld möglichen
Dissonanzen vorzubeugen, indem mit bestimmten Kreisen vorab geredet
wird. Trotzdem ist die Gefahr gegeben, dass HV-Querulanten die
Eintragungen der Kapitalmaßnahmen ins Handelsregister blockieren
bzw. verzögern. Aus unserer Sicht ist das derzeit das größte
Investitionshindernis in die Aktien.
Diese Unsicherheit spiegelt sich auch in den derzeitigen Kursen wider:
Die geplanten Umtauschverhältnisse sind: Für 1 GAP-Aktie gibt es 1
Globalware-Aktie plus 1 Cent cash, für 1 Group-Aktie 13 Global-
ware-Aktien plus 7 Cent cash. Die derzeitigen Kurse zeigen eine
leichte Überbewertung der Group und eine leichte Unterbewertung der
GAP in Relation zu Globalware. V.a. bei Group ist das verständlich:
Scheitert die Fusion, steht diese Gesellschaft substantiell noch am
besten da. Aber gehen wir mal von einer Zustimmung (die ist wohl nicht
gefährdet) und keinen Anfechtungsklagen aus.
Dann ist ein Einstieg in GAP (aktuell rund 58 Cent) oder Globalware
(aktuell rund 62 Cent) schon überlegenswert. Zumal Otts Lieblingskind,
die E-Mail-Software Twister, mit keinem einzigen Euro in den Planungen
drin ist. Twister wird wohl zur CeBIT 2006 fertig und soll dann ab April
vermarktet werden – u.a. in einer Aktion mit Medion über Aldi. Otts
neueste Marketing-Idee: Die 10 EUR Jahresgebühr kann man sich fürs
erste Jahr sparen, wenn man einen neuen Kunden anwirbt. Auf diese
Weise soll die Software eine massive Verteilung erfahren – zunächst also
nur mit marginalem bzw. gar keinem Umsatzbeitrag. Otts Kalkül: »Wer
Twister einmal installiert hat gibt es nicht mehr her«.
Das Endziel bleibt klar: In 24 bis 36 Monaten soll der neue Konzern (der
dann von Globalware in Group umbenannt werden wird) komplett
verkaufen. 2 bis 2,5 EUR/Aktie sieht dabei Ott als Untergrenze an.
Wenn die Planung Wirklichkeit wird, ist das auch realistisch. Jetzt muss
aber erstmal die Fusion reibungslos klappen.
Wer bei dieser Spekulation mitmachen will, sollte sich an obigen
Umtauschverhältnissen orientieren und die billigste Aktie nehmen.
Übrigens, noch eine interessante Information: Neuer CEO der Gruppe
soll Gary MacDonald werden - der war vorher immerhin Marketing-Vice-
President vom Speicherhersteller Kingston Technology. Auch nicht die
schlechteste Referenz.