Interview: „Der Turnaround ist da“


Thema
abonnieren
Beiträge: 2
Zugriffe: 593 / Heute: 1
das Zentrum d.:

Interview: „Der Turnaround ist da“

 
06.12.01 13:34
6. Dez. 2001 Aus Branchen wie Konsum, Energie und dem Gesundheitssektor stammen die aktuellen Favoriten von Lindsay Davidson, Fondsmanager des weltweit anlegenden Aktienfonds Invesco GT Global Value. Davidson setzt bei der Auswahl seiner Einzelwerte auf den so genannten Value-Ansatz. Dabei steht die Beurteilung des einzelnen Unternehmens im Vordergrund im Gegensatz zu einer länder- oder branchenorientierten Strategie. Vorsichtig zeigt sich der Aktienexperte, was Engagements in den Emerging Markets angeht.

Wie würden Sie die wichtigsten Prinzipien Ihres Investment-Stils beschreiben?

Wir verfolgen einen strikten Bottom-up-Ansatz bei der Auswahl der Unternehmen, in die wir investieren. Wir schauen also bewusst auf einzelne Aktien, um über ein gezieltes 'Stock Picking' die besten Werte für den Fonds herauszufiltern. Dazu müssen wir die Daten zu den einzelnen Werten unter Umständen noch einem speziellen Prozess unterziehen, um sie wirklich vergleichbar zu machen. Ein Beispiel: Stahlwerte in Japan, den USA oder Europa unterscheiden sich nach wie vor hinsichtlich der Bilanzierung oder der Einbeziehung des so genannten Good Will. Wir haben ein System, wie wir diese Werte dennoch vergleichbar machen können.

Und schließlich setzen wir auf unsere weltweiten Researchkapazitäten, die es uns ermöglichen, die regionalen Besonderheiten eines Marktes in unsere Entscheidungen mit einzubeziehen. Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist auch eine permanente Risikokontrolle, um so - was die Schwankungen des Fondspreises angeht - deutlich unter dem Vergleichsindex zu bleiben.

Wie sieht Ihre generelle Erwartung für die weltweiten Aktienmärkte im kommenden Jahr aus?

Wir gehen insgesamt schon recht positiv ins nächste Jahr. Die Rahmenbedingungen für eine wieder wachsende Wirtschaft sind gut, die Zinsen sind niedrig und sogar die Nachrichten von der Unternehmensseite haben sich wieder verbessert, wie die vergangenen Tage gezeigt haben. Deshalb gehen wir schon davon aus, dass wir den Boden an den Aktienmärkten gesehen haben. Und wenn auch die Rally der letzten Wochen die Kurse schon etwas zu weit nach oben getrieben haben dürfte: Nach 20 Monaten rückläufiger Kurse ist der Turnaround jetzt da.

Ihr Fonds ist zu rund 50 Prozent in US-Aktien investiert, in Europa sind Sie hauptsächlich in den Niederlanden und in Großbritannien engagiert. Finden Sie keine interessanten Werte in Deutschland?

Es stimmt, dass wir nur relativ wenige Positionen in Deutschland halten. Allerdings haben wir beispielsweise gerade im Oktober unser Investment in SAP weiter ausgebaut. Und auch an der Deutschen Bank halten wir durchaus fest. Beide überzeugen uns einfach auf Grund ihrer historischen Ergebnisse. Wovon wir allerdings die Finger weglassen, das sind Werte wie Deutsche Telekom oder Lufthansa.

Wie sieht Ihre Einschätzung zu Japan aus, wo Ihr Fonds zu rund neun Prozent angelegt ist?

Das mag auf den ersten Blick recht hoch wirken, allerdings beschränkt sich unser Investment auf solche Unternehmen, die von einem schwachen Yen profitieren sollten. Und das sind nun mal in erster Linie die Exportwerte. Canon und Fuji beispielsweise sind Marktführer in Ihren Bereichen. Auch Sony hat seine längere Schwächeperiode jetzt offenbar überwunden. Gut gefällt uns auch Nintendo, die sich in letzter Zeit sehr stark gezeigt haben.

Können Sie uns einige Beispiele nennen für Branchen und Einzelwerte, die Sie derzeit favorisieren?

Im Healthcare-Sektor sind das zum Beispiel Unternehmen wie GlaxoSmithkline oder Merck. Aber auch die Schweizerische Novartis verfügt über ein ausgezeichnetes Produktportfolio. Übergewichtet sind wir mit dem Fonds auch im Bereich Öl und Energie. Ein Unternehmen wie TotalFinaElf arbeitet doch heute profitabler denn ja.

Und schließlich gehören einige Werte aus dem Bereich Konsum zu unserem Favoritenkreis. Nestlé zum Beispiel, aber auch Unilever, bei denen wir zuletzt allerdings zu einem gewissen Teil Gewinne mitgenommen haben. Insgesamt aber dürfte gerade der Konsum-Sektor über gute Kursaussichten verfügen, wobei man hier sicher nicht die Riesensprünge um 50 Prozent erwarten darf.

Nach den Statuten des Fonds können Sie bis zu zehn Prozent des Fondsvermögens in den Emerging Markets anlegen. Wie heißen Ihre Favoriten dort?

Das haben wir in der letzten Zeit kaum genutzt. Wir sind da sehr vorsichtig, um uns keine unnötigen Risiken einzukaufen. Wir halten derzeit kleinere Positionen in der mexikanischen Telefongesellschaft Telmex sowie in der Korea Telecom und Korea Electric Power, einem eher klassischen Versorgerwert, der uns immer noch günstig bewertet erscheint.

Seit einiger Zeit sind es vor allem wieder die Technologiewerte, die zulegen. Ist damit die Zeit der Value-Investoren schon wieder vorbei?

Ganz sicher nicht. Was uns als Value-Investor wirklich zu schaffen gemacht hat, das war vor allem das Jahr 1999 und die Technologieeuphorie. Die Zeiten sind aber vorbei. Zudem schließt in unseren Augen der Value-Ansatz keineswegs aus, dass man sich auch bei Unternehmen wie Intel oder Microsoft engagiert, wenn solche Einzelwerte mit unseren eingangs beschriebenen Erwartungen in Einklang sind.

Und was dürfen Anleger in Ihrem Fonds auf Sicht von zwölf Monaten erwarten?

Ich gehe schon davon aus, dass wir ein Ergebnis im zweistelligen Bereich erwirtschaften können. Ein Anstieg um zehn bis 15 Prozent sollte möglich sein.

 
Das Gespräch führte Hans Heuser.

Text: @hh
Antworten
ztlanger:

Vergleich mit Martin Zweig

 
06.12.01 13:38
Hab in einem Buch folgende Aussagen gefunden, die meiner Meinung nach die aktuelle Situation an dern Hightechbörsen überaus treffend beschreiben:

blau.ariva.de/board/...nr=501375&a=all&showthread=1&nr=92473&4
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--