Intershop feuert ein Drittel der Belegschaft


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Intershop feuert ein Drittel der Belegschaft

 
13.02.02 08:43
Von Joachim Zepelin, Hamburg

Das Jenaer Softwarehaus Intershop will bis Ende Juni ein Drittel der verbliebenen 733 Mitarbeiter entlassen, um bis zum Jahresende in die Gewinnzone zu kommen. Außerdem soll das Management deutlich ausgedünnt und wieder am alten Hauptsitz in Thüringen zusammengeführt werden.

Firmenchef Stephan Schambach ist bereits aus San Francisco an seinen Heimatort Jena zurückgekehrt. Im Gespräch mit der Financial Times Deutschland kündigte der Intershop-Gründer an, sich auf Kunden aus den Branchen Hochtechnologie, Einzelhandel und industrielle Produktion konzentrieren zu wollen.

"Wir haben eine andere Firma gebaut", fasste Schambach seinen vorläufig letzten Umbau zusammen. Schon seit einem Jahr versucht das einstige Vorzeigeunternehmen der deutschen Internetwirtschaft, wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Doch bislang blieb der Erfolg aus. Der Umsatz, der inzwischen zu mehr als 80 Prozent aus Europa stammt, brach immer weiter ein. Die Verluste verdreifachten sich im vergangenen Jahr auf 131,8 Mio. Euro. Jetzt wird der oberste Verantwortliche für den Sparkurs, Chief Operating Officer und Mitgründer Wilfried Beeck, das Unternehmen verlassen. Beeck hatte noch im Oktober weitere Entlassungen ausgeschlossen, nachdem die Belegschaft bereits um ein Viertel verkleinert worden war.

Betrübliche Kassenlage

Intershop verfehlte auch im vierten Quartal 2001 die eigenen Prognosen und enttäuschte damit die Erwartungen der Analysten noch einmal. In den letzten drei Monaten des Geschäftsjahres 2001 blieb das am Neuen Markt in Frankfurt notierte Unternehmen mit einem Umsatz von 11,7 Mio. Euro um weitere 3 Mio. Euro unter den Einnahmen des Vorquartals. Noch kurz vor Weihnachten hatte das Management einen Umsatz zwischen 12 Mio. und 13 Mio. Euro prognostiziert. Man habe Auftragsabschlüsse in das erste Quartal verlegen müssen, begründete Schambach das verfehlte Ziel.

Analysten sorgen sich seit einigen Quartalen um die Kassenlage des Softwarehauses. Die im vergangenen Quartal verbrauchten Barmittel von 8,9 Mio. Euro ließen die Reserven auf 36 Mio. Euro absinken. Schambach ist jedoch zuversichtlich, dass dieses Polster mindestens bis zum Jahresende reicht. "Wir haben außerdem die Möglichkeit, uns noch mal am Kapitalmarkt zu platzieren", sagte Schambach. Die Frage, ob es konkrete Überlegungen für eine Emission gebe, wollte er am Dienstag nicht beantworten.

Intershop betonte am Dienstag, dass die Kosten im Jahresvergleich um 63 Prozent auf 22,3 Mio. Euro gesenkt wurden. Vom gleichzeitig um 61,3 Prozent geschrumpften Umsatz sprachen die Jenaer kaum. Der Quartalsverlust reduzierte sich um 23 Prozent von 32,1 Mio. Euro auf ein Minus von 24,7 Mio. Euro.

Schambach hofft auf das Lizenzgeschäft, das mit einem Umsatz von 4,1 Mio. Euro um 47 Prozent gestiegen ist und rund ein Drittel des Umsatzes ausmacht. Üblicherweise erzielen Softwareunternehmen rund die Hälfte ihrer Erlöse mit den besonders profitablen Lizenzen. Diesen Wert strebt auch Schambach an.

Sven Olaf Kürten von Bankhaus Metzler hat das Vertrauen in Intershop verloren. Der Analyst rät bei der Aktie zum Verkauf und hält ein Kursziel von 1,10 Euro für angemessen. Am Dienstag gab das Papier um neun Prozent auf 1,39 Euro nach.

Kürten sieht im Umbau von Intershop vor allem eine Panikreaktion: "Ich kann hier keine besondere neue Strategie erkennen." Intershop stehe angesichts der sinkenden Barbestände mit dem Rücken zur Wand. "Auch andere Softwareunternehmen haben durch drastische Personalkürzungen in erster Linie an Umsatz eingebüßt und damit die Liquiditätslage nicht entschärft." Kürtens Kollege Norbert Loeken von der WestLB kommentiert ähnlich: "Unserer Meinung nach befindet sich Intershop nach wie vor in dem Dilemma, die Kosten zu senken und gleichzeitig die Umsatzzahlen zu erhöhen." Auch Loeken hält Intershop noch für überbewertet. Sein Kursziel lautet 1 Euro.



© 2002 Financial Times Deutschland
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