GSC-Interview mit IMH-Vorstand Andreas Werb vom 25. Oktober 2000
Quelle Homepage IHU
Bis vor nicht allzu langer Zeit galten Aktien der Internet-Holding InternetMediaHouse.com nahezu als Lizenz zum Gelddrucken, erreichte der Kurs doch nach einem etwas verhaltenen Start in den ersten Monaten, während deren kurz der Emissionspreis von 20 Euro touchiert wurde, in der Spitze Anfang diesen Jahres ein Hoch von über 90 Euro.
Doch diese Euphorie ist angesichts des mit dem Markt abgestürzten Kurs längst verflogen, zuletzt konnte die Aktie fast zur Hälfte ihres Emissionspreises eingesammelt werden, gegenüber den Höchstständen hat das Papier fast 90 Prozent verloren, obwohl die zur Emission verkündeten Planzahlen deutlich angehoben wurden, neue Beteiligungen und eine beginnende Internationalisierung gemeldet werden konnten.
Eine Ursache könnte im verschlechterten Emissionsklima liegen, wodurch Exits aus dem Portfolio mit Beteiligungen wie der Internet-Shopping-Mall City24, dem führenden deutschen Webkatalog Bellnet, dem Online-Auftritt der Süddeutschen Zeitung sueddeutsche.de, den Chat-Software-Hersteller Zadu, oder auch dem Preisvergleichsangebot PriceContrast nicht zur erhofften Bewertung erfolgen können oder - wie beim Sportportal sport1.de oder auch Beans bereits geschehen - zunächst verschoben werden.
Jens Rabe sprach mit Andreas Werb, Vorstand der InternetMediaHouse.com AG, über die geänderte Strategie, die weiteren Aussichten und die Hintergründe des Kursverfalls.
Andreas Werb: „Wir wollen einen starken Partners aufnehmen“
GSC Research: Zwei Tage nach der diesjährigen HV endete die Lock-Up Periode der Altaktionäre. Gab es daraufhin Aktienverkäufe der Altaktionäre, insbesondere von Seiten des Vorstandes?
A. Werb: Nein, es gab keine Verkäufe und niemand trägt sich momentan mit dem Gedanken, auch nur ein Stück abzugeben. Die IMH-Gründer Dr. Hubertus Hoffmann und Matthias Düwel, die inzwischen in den Aufsichtsrat gewechselt sind, haben dem Vorstand offiziell versichert, dass sie nach der HV nichts verkauft haben.
GSC Research: Wie laufen derzeit die Aktivitäten der IMH in Asien? Wurde der geplante Fonds schon aufgelegt?
A. Werb: Das Büro in Hong Kong wurde eröffnet. CEO Frank Lavin ist bereits operativ tätig. Geplant ist, mit dem eingesammelten Geld zunächst 4 bis 5 Investitionen zu tätigen um danach mit diesem Portfolio auch in Asien weiteres Fundraising zu betreiben. Sicher ist es in einem besseren Marktumfeld und mit einem gewissen Track Record leichter, dann zusätzliche Mittel einzusammeln.
GSC Research: Wurden neben Wallstraits.com in Singapur schon weitere Beteiligungen in Asien erworben?
A. Werb: Sobald der Fonds geschlossen, werden weitere Akquisitionen ins Auge gefasst. Zu Wallstraits.com ist zu sagen, dass das Unternehmen soeben Dienste für die Märkte in Hong Kong, Australien und Malaysia gelauncht hat. Wallstraits entwickelt sich sehr positiv.
GSC Research: In den Medien kursieren Gerüchte, wonach Ihre Planzahlen für das 3. Quartal deutlich übertroffen wurden. Können Sie dies bestätigen?
A. Werb: Diese Meldungen habe ich auch gelesen. Ich kann sie jedoch nicht nachvollziehen. Zum einen gibt es überhaupt keine Planzahlen für dieses 3.Quartal, denn wir haben bislang immer nur Prognosen für das Gesamtjahr abgegeben. Zum anderen macht eine Quartalsbetrachtung, wie wir sie bislang vorgenommen haben, für uns als Beteiligungsgesellschaft gar keinen Sinn mehr. Wir verkaufen keine Waren oder Dienstleistungen und erzielen folglich auch keine periodischen Umsätze, weswegen aus der Zu- oder Abnahme von Quartalsergebnissen keine Rückschlüsse auf die Jahreszahlen möglich sind.
GSC Research: Sie halten aber doch noch eine Reihe von Mehrheitsbeteiligungen. Das heißt, sie haben noch periodische Erlöse.
A. Werb: Das ist richtig. Aber die Betonung liegt auf dem „noch“, denn seit unserer Satzungsänderung auf der diesjährigen Hauptversammlung, als wir uns von einer Internet-Holding in einen VC gewandelt haben, streben wir eine vollständige Entkonsolidierung unserer Mehrheitsbeteiligungen durch Kapitalerhöhungen oder partielle Desinvestments an. Da es sich hier um Prozesse handelt, die Sie speziell in einem schwierigen Marktumfeld nicht auf Knopfdruck bewerkstelligen, sind wir immer noch in einer Reihe von Investments, die wir voll konsolidieren.
GSC Research: Was bedeutet das für Ihr Q3-Ergebnis?
A. Werb: Die endgültigen Zahlen werden uns erst in zwei bis drei Wochen vorliegen. Aber das dritte Quartal wird noch geprägt von den Ergebnissen unserer Töchter, da wir in diesem Quartal keine Desinvestments vorgenommen haben. Insbesondere das in diesem Jahr noch stark negative Ergebnis der Blue Orbit wird unser Ergebnis belasten. Zudem werden wir Teilwertabschreibungen auf Darlehen bei einigen Gesellschaften vornehmen, deren Anschlussfinanzierungen noch nicht gesichert sind. Das wird zusätzliche Ergebniseffekte haben.
GSC Research: Wer sind Ihre Sorgenkinder?
A. Werb: Aufgrund des derzeitigen Marktumfeldes haben es B2C-Gesellschaften natürlich besonders schwer. Da seit dem Sommer kaum noch ein Venture Capitalist B2C-Firmen in Zweit- oder Drittrunden finanziert, kommen als Investoren nur noch Old Economy-Unternehmen oder große Online-Anbieter in Frage. Um unser B2C-Portfolio ist es angesichts dessen sicher nicht schlecht bestellt: Getmobile steht kurz vor dem IPO, Katalog-Kiosk ist deutlich cashflow-positiv, PriceContrast Ende 2000 Break-Even.
Bei MoreMedia und City24 planen wir eine Bündelung von Ressourcen, um im nächsten Jahr die Gewinnzone zu erreichen. BeautySpy und Toyzone stehen derzeit in intensiven Verhandlungen mit mehreren strategischen Partnern. Dennoch haben Sie als VC nie die Gewähr, dass sich jede investierte Mark verzinst. Deswegen schreiben wir Darlehen ab dem dritten Quartal zum Teil ab.
GSC Research: Wenn das dritte Quartal demzufolge einen Verlust erbringt, können Sie dann Ihre Prognosen für das Gesamtjahr 2000 noch halten?
A. Werb: Unsere Planungen zum Börsengang sahen einen Umsatz von 22 Millionen Mark und ein operatives Minus von weniger als drei Millionen Mark für das Gesamtjahr vor. Diese Prognosen wurden Mitte des Jahres vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Hubertus Hoffmann auf 30 Millionen Mark Umsatz und den Ausweis eines positiven EBIT´s angehoben. In punkto Umsatz kann ich diese Prognose bestätigen. Der Ausweis eines positiven Betriebsergebnisses ist natürlich davon abhängig, in welchem Maße wir in Q4 desinvestieren.
GSC Research: Welche Planungen haben Sie diesbezüglich?
A. Werb: Wir werden uns nur dann von Anteilen trennen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Unsere Aktionäre würden sicher wenig Verständnis dafür aufbringen, wenn wir wichtige Assets nicht optimal verwerten, nur um kurzfristig Ergebnismaximierung zu betreiben. Entscheidend für dieses Geschäftsjahr wird sein, Verlustbringer zu entkonsolidieren, um unsere Gewinn- und Verlustrechnung künftig nicht mehr Monat für Monat zu belasten.
GSC Research: Liegen hier die Gründe Ihrer Umwandlung zur Beteiligungsgesellschaft?
A. Werb: So ist es. Das Modell der Internetholding, das IMH ursprünglich verfolgt hat, funktioniert nur, solange die Kapitalmärkte jahrelange Verluste mittragen, die durch die Mehrheitsbeteiligung an jungen, noch defizitären Firmen zwangsläufig entstehen. Diese Geduld haben die Märkte nicht. Das sieht man auch an einer CMGI oder United Internet. Es macht aber für eine Holding keinen Sinn, die Verluste einzelner Gesellschaften durch Beteiligungsverkäufe ausgleichen, denn letztlich verkauft man die Mehrheiten, die man ja konsolidieren will. Ein kombiniertes Holding/VC-Modell widerspricht sich also und deswegen haben wir uns klar für das VC-Modell entschieden. Bis Ende des Jahres wollen wir die Übergangsperiode abgeschlossen haben.
GSC Research: Wie sehen Ihre Forecasts für das nächste Jahr aus? Bisherige Planungen dürften doch Makulatur sein.
A. Werb: Es ist richtig, die Planungen vom IPO basierten auf anderen Prämissen. Unsere neuen Planungen für 2001 gehen von einer sehr konservativen Marktbewertung unserer über 20 Beteiligungen aus, die wir derzeit bei gut 250 Millionen Mark sehen. Diesen Bewertungen haben wir prozentual gewichtete Wahrscheinlichkeiten eines Abverkaufs entgegengesetzt. Aufgrund dieser Hochrechnung halten wir einen Umsatz von 60 Millionen Mark bei einem EBIT von knapp 10 Millionen Mark in 2001 für realistisch.
GSC Research: Ihre Planungen sahen bislang die Börsengänge der Blue Orbit AG sowie der Beans AG noch im 4 Quartal vor. Können Sie diese Planungen angesichts des momentanen Marktumfeldes noch beibehalten?
A. Werb: Unsere Planungen sahen in der Tat für das 4. Quartal die Börsengänge von Blue Orbit und Beans sowie den Börsengang von Getmobile im 1. Quartal 2001 vor. Getmobile plant nach wie vor den Börsengang im 1 Quartal 2001. Ein Konsortialvertrag mit HSBC wurde hier bereits unterzeichnet. Die Beans AG geht laut dem uns vorliegenden IPO-Fahrplan am 22.01.2001 an den Markt. Konsortialführer ist hier die GZ Bank.
Für die Blue Orbit AG haben wir eine Zulassung der Deutschen Börse AG für den Neuen Markt bekommen, die bekanntlich sechs Monate gilt. Derzeit ist allerdings das Marktumfeld in der Peer-Group der Multimedia-Berater derart schlecht, dass ein IPO einfach keinen Sinn macht, denn der zu erzielende Emissionserlös wäre einfach nicht hoch genug, um den Aufwand zu rechtfertigen und letztlich auch genügend Geld für weiteres Wachstum in die Unternehmenskasse zu spülen. Da Blue Orbit als strategische Beratung mit einem hochkarätigen Vorstand aus Ex-Beratern von BCG und McKinsey jedoch sehr gut positioniert ist, gibt es namhafte in- und ausländische Wettbewerber, die großes Interesse an einer Übernahme der Blue Orbit haben.
GSC Research: Könnte dies noch im 4 Quartal 2000 geschehen?
A. Werb: Unser Ziel ist, wie gesagt, Blue Orbit in diesem Quartal aus der Konsolidierung zu nehmen. Dazu müssten wir die Mehrheit abgeben, soviel ist sicher.
GSC Research: Führen Sie aktuell Gespräche mit Banken und Großinvestoren und sind Roadshows oder dergleichen geplant?
A. Werb: Ja, natürlich. Wir haben im Oktober und November national und international mehrere Roadshows geplant. Anfang der Woche waren wir auf einer Konferenz in Mailand, weitere Termine werden folgen. Wir haben auch in Kürze einen amerikanischen Fonds zu Gast, der sich stärker bei uns engagieren möchte.
GSC Research: Viele Anleger fragen sich, warum Sie in den letzten Wochen kaum über Neugeschäft berichtet haben.
A. Werb: Angesichts der sehr schwierigen Marktverhältnisse haben wir uns voll auf unser bestehendes Geschäft konzentriert, was sicher Anfang des Jahrs nicht oberste Priorität war. Zum intensiven Portfoliomanagement gehört, dass Sie ständig Business-Pläne überarbeiten, das Kostenmanagement der Gesellschaften verbessern, Investoren suchen und vieles mehr. Das sind ein extrem aufwändige Prozesse, die derzeit viele VC-Gesellschaften beschäftigen.
GSC Research: Bedeutet dies, dass Sie kein Neugeschäft anbahnen?
A. Werb: Ganz und gar nicht. Wir haben aktuell über 40 Geschäftspläne vorliegen, die wir intensiv überprüfen. Sicher werden wir schon in Kürze über neue Transaktionen berichten können. Unser Fokus liegt dabei im Technologiebereich, da wir uns hier das größte Wachstum erwarten.
GSC Research: Bedeutet dies auch eine Abwendung von der reinen Internetschiene, die sich ja auch im Namen InternetMediaHouse dokumentiert, hin zur Technologiebeteiligungsgesellschaft?
A. Werb: Ja. Sicher ist unser Firmenname noch Relikt der Zeit, als man sich im Spannungsfeld zwischen alten und neuen Medien positioniert hat. Heute halten wir bereits eine Reihe sehr vielversprechender Technologiebeteiligungen.
GSC Research: Was sagen Sie zum Kursverlauf Ihrer Aktie?
A. Werb: Der Aktienkurs war in den letzten Monaten aufgrund der Marktbewegungen sehr stark unter Druck, so dass IMH wie viele andere Werte mittlerweile auch unter Emissionspreis notiert. Natürlich sind wir mit allen Internettiteln am Neuen Markt herabgerissen wurden. Zusätzlich leiden wir immer noch an der Entwicklung der CMGI-Aktie in den USA, zu deren Peer-Group wir immer noch gezählt werden. Das heißt, immer wenn CMGI in den USA verprügelt wird, trifft uns dies auch. Entscheidend wird sein, dass wir ab nächstem Jahr mit einer klaren Positionierung am Markt sind und insbesondere durch den Börsengang von Getmobile auch fungible Anteile erhalten.
Darüber hinaus, das wird unsere Aktionäre sicher interessieren, planen wir auf Holding-Ebene die Aufnahme eines starken Partners als Gesellschafter, um die Gruppe langfristig gegen Marktschwankungen unabhängig zu machen. Hier wurden bereits erste vielversprechende Gespräche geführt.
GSC Research: Derzeit ist IMH durch den sehr niedrigen Kurs faktisch ein klarer Übernahmekandidat.
A. Werb: Das lässt sich objektiv nicht bestreiten, denn der Wert unseres Portfolios ist wie gesagt deutlich höher als unser momentaner Market Cap. Wenn das erkannt ist, werden wir auch wieder eine faire Bewertung erhalten.
GSC Research: Herr Werb, wir bedanken uns herzlich für dieses Gespräch.
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Bis vor nicht allzu langer Zeit galten Aktien der Internet-Holding InternetMediaHouse.com nahezu als Lizenz zum Gelddrucken, erreichte der Kurs doch nach einem etwas verhaltenen Start in den ersten Monaten, während deren kurz der Emissionspreis von 20 Euro touchiert wurde, in der Spitze Anfang diesen Jahres ein Hoch von über 90 Euro.
Doch diese Euphorie ist angesichts des mit dem Markt abgestürzten Kurs längst verflogen, zuletzt konnte die Aktie fast zur Hälfte ihres Emissionspreises eingesammelt werden, gegenüber den Höchstständen hat das Papier fast 90 Prozent verloren, obwohl die zur Emission verkündeten Planzahlen deutlich angehoben wurden, neue Beteiligungen und eine beginnende Internationalisierung gemeldet werden konnten.
Eine Ursache könnte im verschlechterten Emissionsklima liegen, wodurch Exits aus dem Portfolio mit Beteiligungen wie der Internet-Shopping-Mall City24, dem führenden deutschen Webkatalog Bellnet, dem Online-Auftritt der Süddeutschen Zeitung sueddeutsche.de, den Chat-Software-Hersteller Zadu, oder auch dem Preisvergleichsangebot PriceContrast nicht zur erhofften Bewertung erfolgen können oder - wie beim Sportportal sport1.de oder auch Beans bereits geschehen - zunächst verschoben werden.
Jens Rabe sprach mit Andreas Werb, Vorstand der InternetMediaHouse.com AG, über die geänderte Strategie, die weiteren Aussichten und die Hintergründe des Kursverfalls.
Andreas Werb: „Wir wollen einen starken Partners aufnehmen“
GSC Research: Zwei Tage nach der diesjährigen HV endete die Lock-Up Periode der Altaktionäre. Gab es daraufhin Aktienverkäufe der Altaktionäre, insbesondere von Seiten des Vorstandes?
A. Werb: Nein, es gab keine Verkäufe und niemand trägt sich momentan mit dem Gedanken, auch nur ein Stück abzugeben. Die IMH-Gründer Dr. Hubertus Hoffmann und Matthias Düwel, die inzwischen in den Aufsichtsrat gewechselt sind, haben dem Vorstand offiziell versichert, dass sie nach der HV nichts verkauft haben.
GSC Research: Wie laufen derzeit die Aktivitäten der IMH in Asien? Wurde der geplante Fonds schon aufgelegt?
A. Werb: Das Büro in Hong Kong wurde eröffnet. CEO Frank Lavin ist bereits operativ tätig. Geplant ist, mit dem eingesammelten Geld zunächst 4 bis 5 Investitionen zu tätigen um danach mit diesem Portfolio auch in Asien weiteres Fundraising zu betreiben. Sicher ist es in einem besseren Marktumfeld und mit einem gewissen Track Record leichter, dann zusätzliche Mittel einzusammeln.
GSC Research: Wurden neben Wallstraits.com in Singapur schon weitere Beteiligungen in Asien erworben?
A. Werb: Sobald der Fonds geschlossen, werden weitere Akquisitionen ins Auge gefasst. Zu Wallstraits.com ist zu sagen, dass das Unternehmen soeben Dienste für die Märkte in Hong Kong, Australien und Malaysia gelauncht hat. Wallstraits entwickelt sich sehr positiv.
GSC Research: In den Medien kursieren Gerüchte, wonach Ihre Planzahlen für das 3. Quartal deutlich übertroffen wurden. Können Sie dies bestätigen?
A. Werb: Diese Meldungen habe ich auch gelesen. Ich kann sie jedoch nicht nachvollziehen. Zum einen gibt es überhaupt keine Planzahlen für dieses 3.Quartal, denn wir haben bislang immer nur Prognosen für das Gesamtjahr abgegeben. Zum anderen macht eine Quartalsbetrachtung, wie wir sie bislang vorgenommen haben, für uns als Beteiligungsgesellschaft gar keinen Sinn mehr. Wir verkaufen keine Waren oder Dienstleistungen und erzielen folglich auch keine periodischen Umsätze, weswegen aus der Zu- oder Abnahme von Quartalsergebnissen keine Rückschlüsse auf die Jahreszahlen möglich sind.
GSC Research: Sie halten aber doch noch eine Reihe von Mehrheitsbeteiligungen. Das heißt, sie haben noch periodische Erlöse.
A. Werb: Das ist richtig. Aber die Betonung liegt auf dem „noch“, denn seit unserer Satzungsänderung auf der diesjährigen Hauptversammlung, als wir uns von einer Internet-Holding in einen VC gewandelt haben, streben wir eine vollständige Entkonsolidierung unserer Mehrheitsbeteiligungen durch Kapitalerhöhungen oder partielle Desinvestments an. Da es sich hier um Prozesse handelt, die Sie speziell in einem schwierigen Marktumfeld nicht auf Knopfdruck bewerkstelligen, sind wir immer noch in einer Reihe von Investments, die wir voll konsolidieren.
GSC Research: Was bedeutet das für Ihr Q3-Ergebnis?
A. Werb: Die endgültigen Zahlen werden uns erst in zwei bis drei Wochen vorliegen. Aber das dritte Quartal wird noch geprägt von den Ergebnissen unserer Töchter, da wir in diesem Quartal keine Desinvestments vorgenommen haben. Insbesondere das in diesem Jahr noch stark negative Ergebnis der Blue Orbit wird unser Ergebnis belasten. Zudem werden wir Teilwertabschreibungen auf Darlehen bei einigen Gesellschaften vornehmen, deren Anschlussfinanzierungen noch nicht gesichert sind. Das wird zusätzliche Ergebniseffekte haben.
GSC Research: Wer sind Ihre Sorgenkinder?
A. Werb: Aufgrund des derzeitigen Marktumfeldes haben es B2C-Gesellschaften natürlich besonders schwer. Da seit dem Sommer kaum noch ein Venture Capitalist B2C-Firmen in Zweit- oder Drittrunden finanziert, kommen als Investoren nur noch Old Economy-Unternehmen oder große Online-Anbieter in Frage. Um unser B2C-Portfolio ist es angesichts dessen sicher nicht schlecht bestellt: Getmobile steht kurz vor dem IPO, Katalog-Kiosk ist deutlich cashflow-positiv, PriceContrast Ende 2000 Break-Even.
Bei MoreMedia und City24 planen wir eine Bündelung von Ressourcen, um im nächsten Jahr die Gewinnzone zu erreichen. BeautySpy und Toyzone stehen derzeit in intensiven Verhandlungen mit mehreren strategischen Partnern. Dennoch haben Sie als VC nie die Gewähr, dass sich jede investierte Mark verzinst. Deswegen schreiben wir Darlehen ab dem dritten Quartal zum Teil ab.
GSC Research: Wenn das dritte Quartal demzufolge einen Verlust erbringt, können Sie dann Ihre Prognosen für das Gesamtjahr 2000 noch halten?
A. Werb: Unsere Planungen zum Börsengang sahen einen Umsatz von 22 Millionen Mark und ein operatives Minus von weniger als drei Millionen Mark für das Gesamtjahr vor. Diese Prognosen wurden Mitte des Jahres vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Hubertus Hoffmann auf 30 Millionen Mark Umsatz und den Ausweis eines positiven EBIT´s angehoben. In punkto Umsatz kann ich diese Prognose bestätigen. Der Ausweis eines positiven Betriebsergebnisses ist natürlich davon abhängig, in welchem Maße wir in Q4 desinvestieren.
GSC Research: Welche Planungen haben Sie diesbezüglich?
A. Werb: Wir werden uns nur dann von Anteilen trennen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Unsere Aktionäre würden sicher wenig Verständnis dafür aufbringen, wenn wir wichtige Assets nicht optimal verwerten, nur um kurzfristig Ergebnismaximierung zu betreiben. Entscheidend für dieses Geschäftsjahr wird sein, Verlustbringer zu entkonsolidieren, um unsere Gewinn- und Verlustrechnung künftig nicht mehr Monat für Monat zu belasten.
GSC Research: Liegen hier die Gründe Ihrer Umwandlung zur Beteiligungsgesellschaft?
A. Werb: So ist es. Das Modell der Internetholding, das IMH ursprünglich verfolgt hat, funktioniert nur, solange die Kapitalmärkte jahrelange Verluste mittragen, die durch die Mehrheitsbeteiligung an jungen, noch defizitären Firmen zwangsläufig entstehen. Diese Geduld haben die Märkte nicht. Das sieht man auch an einer CMGI oder United Internet. Es macht aber für eine Holding keinen Sinn, die Verluste einzelner Gesellschaften durch Beteiligungsverkäufe ausgleichen, denn letztlich verkauft man die Mehrheiten, die man ja konsolidieren will. Ein kombiniertes Holding/VC-Modell widerspricht sich also und deswegen haben wir uns klar für das VC-Modell entschieden. Bis Ende des Jahres wollen wir die Übergangsperiode abgeschlossen haben.
GSC Research: Wie sehen Ihre Forecasts für das nächste Jahr aus? Bisherige Planungen dürften doch Makulatur sein.
A. Werb: Es ist richtig, die Planungen vom IPO basierten auf anderen Prämissen. Unsere neuen Planungen für 2001 gehen von einer sehr konservativen Marktbewertung unserer über 20 Beteiligungen aus, die wir derzeit bei gut 250 Millionen Mark sehen. Diesen Bewertungen haben wir prozentual gewichtete Wahrscheinlichkeiten eines Abverkaufs entgegengesetzt. Aufgrund dieser Hochrechnung halten wir einen Umsatz von 60 Millionen Mark bei einem EBIT von knapp 10 Millionen Mark in 2001 für realistisch.
GSC Research: Ihre Planungen sahen bislang die Börsengänge der Blue Orbit AG sowie der Beans AG noch im 4 Quartal vor. Können Sie diese Planungen angesichts des momentanen Marktumfeldes noch beibehalten?
A. Werb: Unsere Planungen sahen in der Tat für das 4. Quartal die Börsengänge von Blue Orbit und Beans sowie den Börsengang von Getmobile im 1. Quartal 2001 vor. Getmobile plant nach wie vor den Börsengang im 1 Quartal 2001. Ein Konsortialvertrag mit HSBC wurde hier bereits unterzeichnet. Die Beans AG geht laut dem uns vorliegenden IPO-Fahrplan am 22.01.2001 an den Markt. Konsortialführer ist hier die GZ Bank.
Für die Blue Orbit AG haben wir eine Zulassung der Deutschen Börse AG für den Neuen Markt bekommen, die bekanntlich sechs Monate gilt. Derzeit ist allerdings das Marktumfeld in der Peer-Group der Multimedia-Berater derart schlecht, dass ein IPO einfach keinen Sinn macht, denn der zu erzielende Emissionserlös wäre einfach nicht hoch genug, um den Aufwand zu rechtfertigen und letztlich auch genügend Geld für weiteres Wachstum in die Unternehmenskasse zu spülen. Da Blue Orbit als strategische Beratung mit einem hochkarätigen Vorstand aus Ex-Beratern von BCG und McKinsey jedoch sehr gut positioniert ist, gibt es namhafte in- und ausländische Wettbewerber, die großes Interesse an einer Übernahme der Blue Orbit haben.
GSC Research: Könnte dies noch im 4 Quartal 2000 geschehen?
A. Werb: Unser Ziel ist, wie gesagt, Blue Orbit in diesem Quartal aus der Konsolidierung zu nehmen. Dazu müssten wir die Mehrheit abgeben, soviel ist sicher.
GSC Research: Führen Sie aktuell Gespräche mit Banken und Großinvestoren und sind Roadshows oder dergleichen geplant?
A. Werb: Ja, natürlich. Wir haben im Oktober und November national und international mehrere Roadshows geplant. Anfang der Woche waren wir auf einer Konferenz in Mailand, weitere Termine werden folgen. Wir haben auch in Kürze einen amerikanischen Fonds zu Gast, der sich stärker bei uns engagieren möchte.
GSC Research: Viele Anleger fragen sich, warum Sie in den letzten Wochen kaum über Neugeschäft berichtet haben.
A. Werb: Angesichts der sehr schwierigen Marktverhältnisse haben wir uns voll auf unser bestehendes Geschäft konzentriert, was sicher Anfang des Jahrs nicht oberste Priorität war. Zum intensiven Portfoliomanagement gehört, dass Sie ständig Business-Pläne überarbeiten, das Kostenmanagement der Gesellschaften verbessern, Investoren suchen und vieles mehr. Das sind ein extrem aufwändige Prozesse, die derzeit viele VC-Gesellschaften beschäftigen.
GSC Research: Bedeutet dies, dass Sie kein Neugeschäft anbahnen?
A. Werb: Ganz und gar nicht. Wir haben aktuell über 40 Geschäftspläne vorliegen, die wir intensiv überprüfen. Sicher werden wir schon in Kürze über neue Transaktionen berichten können. Unser Fokus liegt dabei im Technologiebereich, da wir uns hier das größte Wachstum erwarten.
GSC Research: Bedeutet dies auch eine Abwendung von der reinen Internetschiene, die sich ja auch im Namen InternetMediaHouse dokumentiert, hin zur Technologiebeteiligungsgesellschaft?
A. Werb: Ja. Sicher ist unser Firmenname noch Relikt der Zeit, als man sich im Spannungsfeld zwischen alten und neuen Medien positioniert hat. Heute halten wir bereits eine Reihe sehr vielversprechender Technologiebeteiligungen.
GSC Research: Was sagen Sie zum Kursverlauf Ihrer Aktie?
A. Werb: Der Aktienkurs war in den letzten Monaten aufgrund der Marktbewegungen sehr stark unter Druck, so dass IMH wie viele andere Werte mittlerweile auch unter Emissionspreis notiert. Natürlich sind wir mit allen Internettiteln am Neuen Markt herabgerissen wurden. Zusätzlich leiden wir immer noch an der Entwicklung der CMGI-Aktie in den USA, zu deren Peer-Group wir immer noch gezählt werden. Das heißt, immer wenn CMGI in den USA verprügelt wird, trifft uns dies auch. Entscheidend wird sein, dass wir ab nächstem Jahr mit einer klaren Positionierung am Markt sind und insbesondere durch den Börsengang von Getmobile auch fungible Anteile erhalten.
Darüber hinaus, das wird unsere Aktionäre sicher interessieren, planen wir auf Holding-Ebene die Aufnahme eines starken Partners als Gesellschafter, um die Gruppe langfristig gegen Marktschwankungen unabhängig zu machen. Hier wurden bereits erste vielversprechende Gespräche geführt.
GSC Research: Derzeit ist IMH durch den sehr niedrigen Kurs faktisch ein klarer Übernahmekandidat.
A. Werb: Das lässt sich objektiv nicht bestreiten, denn der Wert unseres Portfolios ist wie gesagt deutlich höher als unser momentaner Market Cap. Wenn das erkannt ist, werden wir auch wieder eine faire Bewertung erhalten.
GSC Research: Herr Werb, wir bedanken uns herzlich für dieses Gespräch.
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