06. Oktober 2003 Die Bereinigung im Internet-Sektor ist weitgehend beendet. Online-Unternehmen, die sich im Geschäft mit privaten Endkunden tummeln, erzielen kräftige Zuwächse. Seitdem auch die Gewinne im Internet stimmen, steigen die Aktienkurse in luftige Höhen. Wer zum Beispiel vor einem Jahr 1000 Euro investierte, besitzt heute - je nach gewählter Internet-Aktie - zwischen 1500 und 11 000 Euro.
Im Vergleich deutscher und amerikanischer Internet-Aktien zeigen die amerikanischen Schwergewichte Ebay, Amazon und Yahoo zwar eine besonders konstante Aufwärtsentwicklung, doch der Spitzenreiter kommt aus Deutschland: Die Aktie des Internet-Zugangsdienstes Freenet ist in den vergangenen zwölf Monaten um rund 1000 Prozent gestiegen. Gut 900 Millionen Euro ist die Mobilcom-Tochtergesellschaft, die sich an zweiter Position im Zugangsgeschäft etabliert hat, inzwischen an der Börse wert. Trotz der jüngsten Kurskorrektur sehen die Analysten weiteres Potential für das Papier. Die Ausweitung des Streubesitzes erhöhe die Kursaussichten, meint zum Beispiel die Investmentbank WestLB Panmure und rät zum Kauf der Aktie. Die Verknüpfung des Produktportfolios mit Telekommunikationsdiensten schaffe neues Wachstumspotential, ergänzen die Analysten der BNP Paribas und nennen ein Kursziel von 60 Euro.
Die Aktie des Internet-Portals Yahoo hat in den vergangenen zwölf Monaten von der erfolgreichen Änderung des Geschäftsmodells profitiert und 320 Prozent an Wert gewonnen. Vorstandschef Terry Semel hat mit Overture und Hotjobs zwei attraktive Internet-Unternehmen gekauft und die Abhängigkeit vom konjunkturabhängigen Online-Werbemarkt gesenkt. Die Analysten der US Bancorp Piper Jaffray sehen den fairen Wert der Yahoo-Aktie bei 42 Dollar. Zur Zeit wird die Aktie mit etwa 39 Dollar und das Unternehmen insgesamt mit 18 Milliarden Dollar bewertet. Mit Spannung wartet der Markt auf die richtungweisenden Quartalszahlen in dieser Woche.
Gut 250 Prozent Wertzuwachs hat United Internet in den vergangenen zwölf Monaten geschafft. United Internet hat sich auf Dienste für professionelle Internet-Nutzer wie Speicherplatz im Internet (Web-Hosting) und schnelle DSL-Internetzugänge spezialisiert. Gerade hat das Unternehmen den Sprung auf den harten amerikanischen Markt gewagt. Wiederholt hat Unternehmensgründer Ralph Dommermuth in den vergangenen Monaten die Umsatz- und Gewinnziele angehoben. "Das Unternehmen bezeichnet sich mit Recht als die weltweite Nummer 1 der Web-Hosting-Anbieter", sagen die Analysten der WeltLB Panmure und erwarten einen Kursanstieg von heute 16,50 auf 24,50 Euro. Doch sind einige Analysten angesichts des Börsenwertes von mehr als 1 Milliarde Euro skeptisch, ob das Unternehmen das Wachstumstempo halten kann. Die DZ-Bank sieht den fairen Aktienkurs bei 18 Euro.
Immerhin rund 220 Prozent Zuwachs hat die Amazon-Aktie in diesem Zeitraum zu verzeichnen. Trotz hoher Schulden sind die meisten Analysten inzwischen vom Geschäftsmodell des weltgrößten Online-Händlers überzeugt. Allerdings erscheint der Börsenwert mit rund 21 Milliarden Dollar als üppig. Schließlich ist er etwa doppelt so hoch wie der Wert der Handelskette Metro und übersteigt den Wert der Karstadt-Quelle AG gar um das Achtfache.
Etwa 120 Prozent Steigerung haben die Ebay-Aktionäre binnen Jahresfrist erzielt. Die Aktie des weltgrößten Online-Marktplatzes befindet sich auf einem historischen Höchststand und scheint aufgrund der konstant hohen Wachstumsraten des Unternehmens weiter nach oben zu drängen. Das Unternehmen wird inzwischen mit 37 Milliarden Dollar bewertet. Trotzdem raten die Analysten von JP Morgan Chase weiter zum Kauf der Aktie.
Schlußlicht im Aktienvergleich ist T-Online. Die Aktie der Telekom-Tochtergesellschaft hat lediglich etwa 50 Prozent Wertzuwachs in den vergangenen zwölf Monaten aufzuweisen. Die meisten Analysten sind zwar vom Geschäftsmodell des Unternehmens überzeugt, sehen das Potential für die Aktie angesichts der für europäische Verhältnisse hohen Bewertung von 11,5 Milliarden Euro aber als begrenzt an.
Text: ht., Frankfurter Allgemeine Zeitung