soviel steht für mich schon fest. Wer nur 20 % des Marktes nach Stückzahlen bzw. 12 % des Marktes nach Umsatz bedient, verdient wegen der geringeren Stückzahlen weniger pro verkauftem Prozessor: die Margen sind kleiner. Senkt Intel nun die P4-Preise um 60 %, muss AMD mitziehen, weil die Athlons sonst unverkäuflich in den Regalen vergammeln. Die Preise, die AMD dann noch erzielt, sind aber vermutlich nicht mehr kostendeckend. Im Extremfall könnte dies AMD in die Pleite treiben, was bei so großen Investitionen wie in der Halbleiterindustrie schnell geschehen kann. Im Jahr 2003 stand AMD schon einmal kurz vor der Pleite.
Würde mich nicht wundern, wenn AMD eine Klage anstrebt, in dem Intel Dumping-Preise vorgeworfen werden, die die Konkurrenz ruinieren sollen. Intel wird sich aber mit der Umstellung auf die - teure - Core-Serie und dem Abbau von Lagerbeständen rausreden können. AMD konkurriert mit seiner jetzigen Produktpalette, die technologisch auch nach Umstieg auf Sockel AM2 praktisch stagniert, mit der alten P4-Reihe von Intel. Die drastischen Preissenkungen von Intel im P4-Sektor könnte AMD daher ruinieren.
Sollte AMD in dem Preiskampf tatsächlich die Puste ausgehen, wäre das für Intel - nach kurzfristigen eigenen Gewinneinbußen - sensationell: Intel wäre dann wieder Monopolist und könnte wie Microsoft dem Markt die Preis diktieren. Dass AMD überhaupt so weit gekommen ist wie bislang, ist in einer derart kapitalintensiven Branche schon beachtlich:
Allein was Intel in den letzten fünf Jahren in neue Fabriken und Technologien investiert hat - 25 Milliarden Dollar - entspricht mehr als dem Doppelten der Marktkapitalisierung von AMD (z. Z. 11,8 Mrd. Dollar).
Diese Investitionen hätte Intel nicht getätigt, wenn damit keine Entwicklungsvorsprünge erzielt worden wären. Sie zeigen sich u. a. deutlich im Vorsprung in der 65-nm- und nächstes Jahr in der 45-nm-Technik sowie im völlig neuartigen stromsparenden Tri-Gate-Transistor (P. 1903). All dies zahlt sich auch unmittelbar wirtschaftlich aus (z. B. mehr CPUs pro Wafer bei annähernd gleichen Kosten).
Doktore, der DIE (Chipgrundfläche) wird tatsächlich größer bei den AMD-Athlon 64 mit AM2-Sockel. AMD will die daraus resultierende niedrigere Ausbeute pro Wafer (da passen nun weniger CPUs rauf) dadurch kompensieren, dass die Wafer-Größe von 200 auf 300 mm vergrößert wird. Intel arbeitet aber bereits seit Anfang des Jahrtausends mit 300 mm Wafern. Auch hier zeigt sich, das frühzeitige Innovationen sich auszahlen.
Zu Prudential: Es ist lächerlich, das Kursziel für AMD von 65 auf 45 zu senken, NACHDEM die Aktie in den letzten drei Monaten von 44 auf 24 USD gefallen ist. Realistisch ist ein Kursiel von 15 Dollar. AMD scheint mir nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge eher eine Short-Empfehlung. Wall Street ist aber mental immer noch auf "strong buy" - da der Wissenstand bei 2005 stehen geblieben ist. Das Umdenken - kombiniert mit vernichtenden Downgrades - wird wohl erst kommen, wenn AMDs nächste Zahlen "stark unter den Erwartungen" ausfallen.
Ich wäre ja mal gespannt, welches KZ Analysten Intel geben würden, wenn sie jetzt schon wüssten, dass AMD bankrott geht. Ich schätze: über 40 Dollar.