insider nach terroranschlag


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insider nach terroranschlag

 
20.09.01 14:02
Terroranschlag: Insider-Verdacht erhärtet

Die Aufsichtsbehörden schlagen Alarm, in Großbritannien wurde ein verdächtiges Konto geschlossen. Nun auch Transaktionen um KLM im Visier

 
Gespannt verfolgen Händler in Frankfurt die Aktienkurse - kurz vor den Anschlägen wurde massiv spekuliert. Foto: dpa
Von Helmut Hetzel und Holger Zschäpitz

Amsterdam/Berlin – Politiker und Börsenaufseher schlagen Alarm. Verdichten sich doch die Hinweise, dass Insider vor dem Anschlag auf das World Trade Center ihr Wissen genutzt haben, um Riesenprofite an den Börsen einzustreichen. Es scheint, als ob der Gebrauch moderner Finanzinstrumente zur Strategie der Terroristen gehörte. Die britische Regierung spricht sogar schon offen von Terrorfinanzierung, andere sehen gar ein neues Kapitel in der Kriminalitätsgeschichte geöffnet.
Eine neue Spur führt in die Niederlande. Hier prüft nun die Aufsichtsbehörde STE einen ungewöhnlichen Kursrückgang bei der Aktie des Luftfahrtunternehmens KLM. So seien auffällige Transaktionen mit diesen Titeln am 7. und am 10. September – kurz vor den Anschlägen – an der Amsterdamer Terminbörse getätigt worden. Wie verschiedene Börsenhändler übereinstimmend berichten, sei an diesen beiden Tagen mit großen Mengen von Verkaufsoptionen (Puts) auf fallende KLM-Notierungen spekuliert worden. „Der Umsatz war zehn Mal höher als normal“, sagt einer der Händler, der nicht namentlich genannt werden will. „Es wurden an diesen Tagen nur und ausschließlich Put-Optionen in KLM-Aktien geordert. Jemand muss gewusst haben, dass der Kurs der KLM-Aktien sinken wird.“ Mit Put-Optionen können Anleger auf sinkende Kurse spekulieren. Je stärker der Kurs der Aktien dann fällt, desto höher ist der Gewinn.

Als Indiz dient auch der Kurs der KLM-Aktie, der vor den Anschlägen bereits kräftig ins Trudeln geriet. Auffällig waren die Umsätze am Freitag vor dem Terrorakt. Mit 847 Millionen gehandelten Aktien wurde ein Rekord aufgestellt. „Wenn am Terminmarkt Puts gekauft werden, wirkt sich das auch an der Börse aus“, so ein Experte. Für einen arabischen Analysten ist klar: „Das traue ich Bin Laden zu.“

Die niederländische Aufsichtsbehörde folgt mit ihren Ermittlungen den Börsenaufsehern Deutschlands, Englands, Japans und der USA. Obwohl die deutschen Aufpasser noch keine stichhaltigen Anhaltspunkte gefunden haben, muten Bewegungen bei einigen Lufthansa-Verkaufsoptionen merkwürdig an. Nach WELT-Informationen wurden am 7. September bei zwei Put-Scheinen so viele Umsätze getätigt, wie ansonsten nur in mehreren Wochen. Noch heftiger fielen die Ausschläge am 10. September aus. Hier wurden von einem Put-Schein 895 Stück gehandelt. Bis dato waren in diesem Monat gerade einmal 103 Verkaufsoptionen an den Anleger gebracht worden. Auch bei der Münchener Rück und Preussag sind an beiden Tagen ungewöhnlich hohe Umsätze auszumachen.

Die US-Behörden scheinen mit ihren Ermittlungen schon weiter. Die Börse von Chicago will konkreten Studien nachgehen, denen zufolge kurz vor den Anschlägen unbekannte Investoren eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Verkaufsoptionen für Aktien der Fluggesellschaften United Airlines und American Airlines erworben hatten. Flugzeuge dieser Gesellschaften wurden von den Terroristen am vergangenen Dienstag entführt. In Chicago wurden zuvor am 6. und 7. September insgesamt 4744 Verkaufsoptionen der Mutterkonzerne AMR und UAL geordert, im Vergleich zu 396 Kaufoptionen (Calls). Am 10. September – einen Tag vor den Anschlägen – belief sich die Nachfrage auf 4516 Puts und 748 Calls. Am ersten Tag des Aktienhandels nach den Anschlägen fielen AMR-Aktien um 39 Prozent, UAL-Papiere sogar um 42 Prozent.

Die neuen Erkenntnisse haben nicht nur zu einer weltweiten Allianz der Börsenaufsichten geführt, auch Politiker wollen einschreiten. Einen ersten Vorstoß startete gestern die britische Regierung. Finanzminister Gordon Brown teilte mit, am Vortag sei ein „verdächtiges Konto“ bei der Barclays Bank geschlossen worden. Britische Banken und andere Finanzinstitutionen hätten eine Liste mit Namen von Personen erhalten, die von der Regierung im Zusammenhang mit den Terrorangriffen überprüft würden. „Es gibt andere Länder in der Welt, die diese Art von Maßnahmen nicht ergreifen. Und wir müssen sicherstellen, dass auch die schwächsten Glieder der Kette geschlossen werden“, forderte Brown auch mit Blick auf das Schweizer Bankgeheimnis.
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