Charttechnik update
Wir werden hier mal eine Betrachtung wählen, die sich von häufig geposteten Charts leicht unterscheidet, um den Blickwinkel zu erweitern. Interessante Fehler, die ich im Handeln anderer beobachten konnte und auch bei eigenen Trades festgestellt habe, hätten vermieden werden können, wenn die Charttechnik umfassend genug betrieben worden wäre.
Das Bestreben des täglichen Kurses eine Richtung einzuschlagen, erscheint teils zufällig teils eigenwillig, teils news gesteuert und häufig kommt man in der Betrachtung des Charts nicht weiter oder zu keiner klaren Einschätzung. Fakt ist aber, dass die tägliche Kursbewegung von langfristigen Mustern beeinflusst wird, die an bestimmten Stellen ihre Wirksamkeit (ihr Vorhandensein) erkennbar zeigen.
So auch hier, wo jede Kerze des Charts nicht einen Tag, sondern eine ganze Handelswoche umfasst. Dieser Chart reicht also lange zurück (im Ausschnitt rund 1 1/12 Jahre). Es handelt sich um einen mächtigen, sich kraftvoll bewegenden Chart, den einzelne Tage kaum interessieren, da sie in einer Kerze leicht untergehen und an Bedeutung verlieren. Eine Bewegung eines Streckenabschnitts dieses Charts kommt durch eine Vielzahl von Wochen zustande, jede Kerze = 1 Woche, ein Streckenabschnitt locker z.B. charakterisiert durch 6-7 Kerzen, das sind 1 ½ Monate!
In diesem Chart fallen sofort verschiedene interessante Gegebenheiten ins Auge. Vorausgesetzt man studiert ihn auch

Der Kurs bewegt sich nicht zufällig, sondern in einem übergeordneten Muster, eingebettet in die Figur eines langgestreckten Dreiecks, welches über gut 1 ½ Jahre reicht. Der untere Schenkel (A) bildet zugleich eine Zone der Unterstützung, während der obere Schenkel (B) eine Zone fallender Widerstände beschreibt.
Dieses mächtige "Ungetüm", welches über Wochen (!) Kerzen grobe Bewegeungsrichtungen aufnimmt, die sehr stark in eine Richtung gehen können, wendet innerhalb dieser Schenkel (A+B) auf und ab. Hier ist kein "Auto" oder "Fahrrad" unterwegs, sondern ein "Linienbus". Kein Kurs lag über diese lange Zeit außerhalb der Dreiecksfläche, Versprechen von "10.00/share" sind also vollkommener Unfug, solange der Kurs nicht erkennbar aus dieser Formation ausbricht. An jedem Wendepunkt nahe des fallenen Widerstandes, hätten Werber auch vom Gipfel des Mount Everest das Wort "Distributoren" in den Himmel schreien können, der Kurs wendete, ob sie es nun wollten oder nicht... gut dies zu wissen...
Die Schwungweite nimmt über die Zeit langsam ab, die Dreiecksschenkel konvergieren.
Nun kann man im Kurs in den letzten 1 1/2 Jahren 3 Abwärtsphasen ausmachen, die ich eimal pink eingefasst habe, bezeichnet mit "C", C-Strich und C-2Strich. Während dieser Phasen konnten Leute in den threads sich auf den Kopf stellen und was von 20,30,40 €/share predigen, da gab es keine Chance. Der Wochenchart hat all diese Ansätze und Wünsche plattgewalzt. Erst als es dann wieder in diesem Muster nach oben ging, war Raum für etwas Phantasie. Gut dies zu wissen.
Wie sind diese Abwärtsphasen weiterhin in der Technik charakterisiert?
Der MACD nutzt zwei gleitende Durchschnitte und stellt zu jedem Messpunkt ihre Spreizung fest. Den Grad der Spreizung trägt man dann in einem Balkendiagramm ein. So lässt sich erkennen, wie sich die gleitenden Durchschnitte zueinander verhalten: moving average =>convergence / =>divergence = M A C D. Eine trickreiche und äußerst nützliche Erfindung, die auf das Konto von Gerald Appel geht. Nimmt die Spreizung zu, weil die Kurse sich anschicken zu steigen, baut sich dieses Balkendiagranmm treppenstufen-förmig auf. Nimmt die Spreizung im negativen Sinne zu (Kurse gehen zurück), treppt das Histogramm abwärts, um irgendwo unter die Nulllinie zu treten und dann mit der Zeit nach unten "auszubauchen". Schneiden sich die beiden Linien, ist die Spreizung = 0 an dem Punkt gibt es keinen Balken, da seine Höhe = 0 ist.
Jede Abwärtsphase des Kurses hat in ihrem Kern einen solchen Schnittpunkt durch 0 und zwar abwärts treppend. Der Nulldurchgang ist ein Ereignis, welches mit einer solchen Gefällestrecke vergesellschaftet ist. Umgekehrt ist es genauso, jede Strecke schönen Anstieges "treppt aufwärts". Gut dies zu wissen und im weekly Chart zu studieren.
Z.B. zu Beginn dieses Charts bei Punkt "E", das ist ein bilderbuchmäßiges Histogramm über zunehmende Balken bis zur 0 Linie. Der Kurs hält sich allerdings zunächst stark zurück, dann kam irgendwann die eintscheidende fundamentale Zugabe und im Punkt 0 startet der Kurs zu einem Histogrammhügel von zunächst 4 Balken, dann 3 in gleicher Höhe und dann nochmals 4 Balken die diese an Höhe übertreffen, also insgesamt 11 Balken = 11 Wochen günstige Kursentwicklung. Nicht schlecht! Dann beginnen die Balken allerdings an Höhe zu verlieren und ein Gewinnmitnahmepunkt ist erreicht, egal was in threads gekräht wird... 10,20 oder 30 Euro, damit setzt sich der Chartist nicht auseinander... das kann man auch in der Bild Zeitung nachlesen...
Punkt "D" zeigt einen mustergültigen Abwärtsverlauf im Histogramm und man sieht wie der Kurs zugleich von 4 Euro auf ca. 1.90 fiel, sich also mehr als halbiert.
D.h. das Histogramm des Wochencharts hat bereits vor rd. 4 Wochen verraten, dass der Kurs sich auf dem Weg zum support machen würde, da er am MAJOR Widerstand drehte und dieser support liegt unter <2.00 , so dass meine Einschätzung lautete: Der Kurs wird unter 2.00 sinken.
So kam es aber damals, dass man als "selbsternannter Charttechniker" häufiug ausgelacht wurde

es wurde auf Phasen steiegender Kurse verwiesen und augenscheinlich war meine Prognose falsch!?
Der senior Charttechniker sieht diese Trendphasen auch, er ist ja nicht blind... aber er hat auch die übergeordneten Zeitebenen im Blick und aus dieser Betrachtung heraus, schöpft er ein Plus an Wissen

Etwas, was die "Chart Dummies" (so heißt eine empfohlene Lit.) noch lernen müssen

da sie Charttechnik für trivial halten... wo sind die Jubelperser heute geblieben? und die bunten Charts? wo der Kurs bei 1.90 steht? hmmm

Es macht keinen Unterschied, ob man sich vor ein fahrendes Auto wirft oder langsam von einer Dampfwalze überfahren wird, man wird in jedem Fall Schaden nehmen. Es gab damals keine "schnell fahrenden Autos", die Luft schien rein und es konnte munter drauflos prognostiziert werden... ABER die Dampfwalze war beiereits von hinten bis auf Schrittweite an die "Charttechnik Dummies" herangefahren... ohne das sie es bemerkt hatten... und so wurde es rasch stumm und viel weniger bunt... warum nur? nun... deswegen:

---weekly chart---

Nunstellt sich die Frage, bleibt der Kurs in dieser Formation bzw. in welche Richtung wird er sie verlassen? Wird der Kurs den oberen Schenkel durchbrechen können? also Kurse von über ca. 2.63 und höher halten können? Das wäre bullish! wird aber schwierig, denn das Histogramm ist genau am Nulldurchgang, allerdings auf dem Weg nach unten! Der Kurs müsste sich also gegen diese begleitende Technik "aufbäumen" (was er 3x mal nicht konnte, nämlich am 18.03.12 nicht, am 11.09.2011 nicht und auch am 05.06.2011 nicht). Also etwas viel verlangt? Zugleich ist der Kurs aber am support (A) und sollte drehen, um ihn nicht zu brechen! Der Kurs ist also aktuell in einer "Zwickmühle".
Ich vermute (völlig unverbindlich), aus dieser Konstellation heraus, wird der Kurs das Dreieck nach unten verlassen und auf dem Wege noch Kurse unter 2.00 zu bieten haben.
Denkbar wäre ein Antesten des gesamten Bereichs zwischen 1.90 und 1.00, ob er darüberhinaus unter 1.00 gehen wird, ist aktuell noch schwer zu sagen. Das ist aber nur (m)eine Vermutung, die auf der Charttechnik basiert. Der Kurs kann sich genauso gut einen "harten Kampf" an der Unterstützung liefern... es ist auf jeden Fall spannend! Meine persönliche Einschätzung steht fest, bis sich neue Erkenntnisse aus dem Chart ergeben... solange darf auch gern wieder jubiliert, gelacht und gehänselt werden... aber nun langsam auf einem höheren Niveau beginnen zu charten... sonst leider wieder:



ich wünsche allzeit gute Trades!
und schönen Sonntag!
Wes