INFLATIONS-HYSTERIE der Banker, Analysten...


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INFLATIONS-HYSTERIE der Banker, Analysten...

 
27.04.01 11:02
Zinsen runter!
 
Von Martin Stephan
Es ist für den unabhängigen Betrachter schon zum Verzweifeln, überall sehen die sogenannten Experten einen beängstigenden Inflationsanstieg. Sicher, die absolute Inflationsrate liegt in der EU mit 2,9 Prozent auf einem ärgerlich hohen Niveau, wobei der deutliche Inflationsanstieg in Deutschland auf inzwischen 2,8 Prozent fast noch schwerer wiegt. Da scheint doch jedwede Zinssenkungsaufforderung an die EZB geradezu gefährlich zu sein - so schnell, wie sich unser schönes Geld entwertet...

Gut, das es die EZB so einfach hat: Sie ist nur der Geldwertstabilität verpflichtet und eben dieser Geldwert ist in Gefahr, die Inflationszahlen lügen nicht!
Das Problem liegt denn auch in der Herangehensweise der Zentralbänker sowie der Analysten und Volkswirte an das Problem "Stabilität", denn: Inflation ist eben nicht gleich Inflation. Hier nach dem 'Schema F' zu analysieren, ist ein Kardinalsfehler, der sich irgendwann rächen wird.

Die EZB hat mit Ihrer Betrachtungs-Sturheit was die Inflations angeht, übrigens einen prominenten Vordenker: Die gute alte Deutsche Bundesbank. Auch diese Institution bekämpfte Anfang der 90er Jahre den wiedervereinigungsbedingten Inflationsschub in Deutschland mit drakonischen Zinserhöhungen. Das Emporschnellen des Preisauftriebs mit einer Steigerungsrate von jährlich nicht einmal 4 Prozent wurde mit Letzinsen von oberhalb von 8 Prozent bekämpft - mit durchschlagendem Erfolg: So sank nicht nur die gesamtdeutsche Inflationsrate binnen eines Jahres auf unter 2,5 Prozent, auch die Konjunktur kippte ab und bescherte Deutschland jahrelanges reales Nullwachstum.

EZB würgt Konjunktur ab

Was hat nun die heutige Situation mit der damaligen gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht allzuviel: Durch das insgesamt zu hohe, da politisch motivierte, Umtauschverhältnis von Ost- zu Westmark entstand eine zu hohe Nachfrage auf dem Konsumgütermarkt, die zu höheren Preisen führte. Das ist klassische Inflation, wie man sie aus dem Lehrbuch kennt. Sie untergräbt den Geldwert und muss von der Zentralbank bekämpft werden, sofern diese die entsprechende Aufgabe hat.

Der Vorwurf an die Deutsche Bundesbank kommt denn auch von einer anderen Seite: Das Problem ist die der Inflationsrate NACHGELAGERTE Geldpolitik! Niemand besser als eben die Bundesbank wusste haargenau, wieviel Geld im Osten Deutschlands im Umlauf war. So war klar ersichtlich, dass die Konsumwut in den neuen Budesländern ein jähes Ende finden würde und nicht zu einem Dauerproblem mutieren würde, so dass der Vorlauf der Leitzinsen von stellenweise 4 vollen Prozentpunkten oberhalb der Inflationsrate nie notwendig war, um den Nachfrageüberhang zu beseitigen. Denn leider kämpft man mit einem zu hohem Zinsniveau AUCH gegen die Konjunktur und die ist im allgemeinen deutlich schneller zu beeindrucken und letztlich abzuwürgen als die überbordene Nachfrage der Verbraucher...

Ohne Geld keine Nachfrage


Doch zurück in die Gegenwart. Wie sieht es heute aus, woher kommt der derzeitige Preisauftrieb in Europa? Ist er nachhaltig oder ebenso vorübergehend wie die damalige berechenbare Kaufwut in Ostdeutschland? Ist die jetzige Geldentwertung überhaupt nachfragegetrieben und ist das am Ende überhaupt entscheidend?
Hier die Antworten: Ein Blick in den "Warenkorb" gibt Aufschluss darüber, wo das Geld geblieben ist. Besonders stark sind im April - wen wundert's - die Preise von Mineralölprodukten und Lebensmitteln nach oben ausgeschlagen. Hier sind die Verursacher der "Geldentwertung" zu finden.

Ist dies jetzt ein Grund zur Beunruhigung?
Ich meine: Ja, allerdings! Es ist beunruhigend, dass dem europäischen Geldumlauf Mittel entwendet werden, die dringend benötigt werden und jetzt auf der Nachfrageseite fehlen! Denn: Die Preiserhöhungen im Lebensmittelbereich sind BSE- und MKS-getrieben, sie sind einmalig und nicht nachhaltig!
Die Preiserhöhungen bei Mineralölprodukten sind zum einen steuer- und zum zweiten ölpreisbedingt. Im ersten Fall behält der Staat das vereinnahmte Geld - ein "Ökosteuer-Konjunktur-Programm", das diese Mittel wieder freisetzt, ist nicht existent. Im zweiten Fall kassieren größtenteils die Ölexporteure die Gelder - ein Rückfluss in die Abnehmerländer wie Deutschland findet, wenn überhaupt, nur sehr zeitverzögert über Kapitalinvestitionen statt. Ob der Anstieg der Mineralölpreise nachhaltig sein wird, kann nicht mit Sicherheit entschieden werden. Er darf aber eher angezweifelt werden, wie die vergangenen Jahrzehnte zeigen.

Vorbild: USA

Welche Auswirkungen haben diese preistreibenden Komponenten nun auf die Nachfrage und die Konjunktur in Europa?
Da sich kein Verbraucher und kein Unternehmen diesen Mehrausgaben nachhaltig entziehen kann, fehlen an anderer Stelle Gelder und Mittel und daher sinkt die Nachfrage, sowohl auf dem Konsumgüter- als auch auf dem Investitionsgütermarkt. Dem kann mit ZINSSENKUNGEN entgegen gewirkt werden! Doch das darf die EZB nicht! Ihre überholten Modelle, die immer nachgelagerte Entscheidungen mit sich führen, verbieten es ihr. So ist eine vorbeugende Politik gänzlich unmöglich, sehr zum Leidwesen aller Wirtschafts-Beteiligten.

Und sollten bespielsweise die Rolölpreise international weiter anziehen, dann wir die Inflationsrate gar nicht mehr auf EZB-konforme Werte zurückkommen und noch weniger Geld dem Euro-Kreislauf zur Verfügung stehen, die Konjunktur noch schlechter laufen...
Doch der Zentralbank sind die Hände gebunden!

Die Forderung muss daher lauten:
Die EZB muss endlich einen wichtigeren Auftrag als die Geldwertstabilitätssicherung bekommen: Sie muss die Preisentwicklung UND die Euro-Konjunktur im Auge haben, und zwar nicht nur nachgelagert sondern VORAUSSCHAUEND. Willkommen im 21. Jahrhundert!

So macht es zum Beispiel die US-Notenbank... und die US-Konjunktur, Arbeitgeber und Arbeitnehmer UND die Staatskassen auf Bundes- und Kommunal-Ebene danken es ihr. Und das - oh Wunder - bei Geldwertstabilität...





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