News - 17.05.10 07:40
'FTD': Infineon verhandelt mit Intel über Verkauf seiner Handychipsparte
HAMBURG (dpa-AFX) - Der Halbleiterspezialist Infineon Technologies
verhandelt laut einem Pressebericht mit dem US-Rivalen Intel über den Verkauf
seiner Sparte für Mobilfunkchips. Intel habe großes Interesse, berichtet die
'Financial Times Deutschland' (Montag) und beruft sich auf Infineon-Kreise. 'Es
wird intensiv gesprochen', heiße es. Dabei gibt es dem Bericht zufolge eine
Reihe von Gründen, die gegen einen Verkauf sprechen. Infineon und Intel wollten
dem Blatt keinen Kommentar geben.
Aus Sicht des Münchner Dax-Konzerns sei fraglich, ob eine Trennung von der
gerade erfolgreich sanierten Sparte sinnvoll sei, heißt es weiter. So gelte
Konzernchef Peter Bauer als Gegner eines Verkaufs, obwohl Infineon ein
Milliardenerlös winke. Der weltgrößte Chipkonzern Intel versucht seit Längerem,
in den Markt für Handychips einzusteigen. So gingen die Amerikaner Mitte 2009
eine Kooperation mit dem Mobiltelefonhersteller Nokia ein, um gemeinsam
Datenträger für die mobile Internetnutzung zu entwickeln.
Infineons Sparte sei für Intel besonders attraktiv, weil die Münchner
Halbleiterspeicher für Smartphones wie das iPhone sowie den Tablet-Computer iPad
aus dem Hause Apple lieferten, schreibt die Zeitung. Offiziell gibt es hierzu
jedoch keine Aussage von Infineon. Diese Technik basiert auf dem
Handychip-Standard des britischen Designers ARM, der mit dem Vormarsch der
Smartphones an Bedeutung gewinnen dürfte. Dagegen produziert Intel bislang Chips
für PC nach dem x86-Standard.
In Branchenkreisen werde indes immer wieder angezweifelt, ob Infineons
Handychip-Sparte auf Dauer groß genug sei zum Überleben. Im ersten Halbjahr 2010
kam sie auf 537 Millionen Euro Umsatz und einen schmalen operativen Gewinn von
26 Millionen Euro. Der wichtigste europäische Wettbewerber ST Ericsson ist etwa
doppelt so groß, Weltmarktführer Qualcomm aus den USA erlöste im ersten Halbjahr
sogar umgerechnet mehr als 4 Milliarden Euro. Das lange defizitäre Geschäft hat
sich jedoch zuletzt gut entwickelt und Marktanteile gewonnen.
Gegen einen Verkauf spricht dem Bericht zufolge auch, dass Infineon kein
Geld benötigt. Im Gegenteil: Nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung im
vergangenen Jahr sitze der Konzern auf Geldmitteln von 1,7 Milliarden Euro. Nach
Abzug der Schulden betrage die Nettoliquidität immer noch 1 Milliarde Euro. So
müsste der Vorstand mit massivem Widerstand der Arbeitnehmerseite rechnen, wenn
er ein Viertel seines Geschäfts ohne Not veräußern wollte. Konzernweit hat
Infineon 25.000 Mitarbeiter, davon rund 9.000 in Deutschland./stb/tw
Quelle: dpa-AFX