| HANDELSBLATT, Montag, 11. Dezember 2006, 07:27 Uhr | |||
Deutschland, USA, GroßbritannienIndustriestaaten attackieren Hedge-FondsVon Sven AfhüppeHedge-Fonds sind zu einer Großmacht in der Weltwirtschaft aufgestiegen. Das beunruhigt Politiker, denn die billionenschweren Finanziers agieren großteils ohne staatliche Aufsicht. Die Bundesregierung will das ändern. Sie hat für ihren Vorstoß, Hedge-Fonds stärker zu kontrollieren, jetzt zwei wichtige Verbündete in der Welt gewonnen.
mm/tor/ina BERLIN. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) habe seine amerikanischen und britischen Amtskollegen Henry Paulson und Gordon Brown davon überzeugt, eine entsprechende Initiative der Bundesregierung im Rahmen der deutschen G8-Präsidentschaft im nächsten Jahr zu unterstützen. Dies erfuhr das Handelsblatt von einem Vertrauten Steinbrücks: „Mit der Zusage der beiden wichtigsten Finanzmarkt-Länder steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir zu konkreten Beschlüssen kommen.“ In der G8 sind die acht größten Industriestaaten vertreten. Die Unterstützung der Amerikaner ist von besonderer Bedeutung, weil die meisten der insgesamt 9 000 Hedge-Fonds von den USA aus operieren. Steinbrücks Staatssekretär Thomas Mirow wird noch in dieser Woche nach Washington reisen, um unter anderem mit Paulson Details des deutschen Konzepts zu erörtern. Offen ist bislang etwa, ob alle Hedge-Fonds oder nur Branchengrößen zu mehr Transparenz verpflichtet werden sollen. In der Vergangenheit hatten die USA und Großbritannien Transparenzoffensiven zurückgewiesen. Offenbar sind Paulson und Brown zu der Überzeugung gelangt, dass Hedge-Fonds im Interesse eines stabilen internationalen Finanzsystems mehr Informationen preisgeben sollten. Die Fonds verwalten bereits 1,3 Bill. Dollar. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums soll auf dem Treffen der G8-Finanzminister im Februar in Essen zum ersten Mal offiziell über eine stärkere Kontrolle der Fonds verhandelt werden. Auch der künftige Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus, der Demokrat Barney Frank, ist nach eigenen Worten bereit, über die Regulierung von Hedge-Fonds zu verhandeln. Registrierungspflicht Wie es im Bundesfinanzministerium weiter heißt, zielt die deutsche G8-Initiative darauf ab, Informationen über die Geschäftstätigkeit von Hedge-Fonds zu sammeln. Damit sollen drohende Finanzkrisen früh erkannt und vermieden werden können. Zu den relevanten Daten zählt Steinbrück auch Informationen darüber, bei welchen Unternehmen sich Hedge-Fonds eingekauft haben. Konkret durchsetzen will die Bundesregierung, dass Hedge-Fonds sich zentral registrieren lassen. Geplant ist, dass sich die Fonds bei den jeweiligen nationalen Behörden für die Wertpapieraufsicht anmelden müssen. Die Registrierung soll den Plänen zufolge nach einheitlichen Standards erfolgen. Erwünscht sind Informationen darüber, wie viele Hedge-Fonds wo aktiv sind und über welche Finanzmittel sie verfügen. Außerdem erwägt Steinbrück, international eine verbindliche Grenze einzuführen, ab der Hedge-Fonds eine Beteiligung an Unternehmen melden müssen. <!--nodist-->Lesen Sie weiter auf Seite 2: Deutschland ist Vorreiter. <!--/nodist-->In Deutschland gilt ab Anfang 2007 die Regel, dass Investoren schon eine Beteiligung von drei Prozent dem Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht melden müssen. Derzeit gilt als niedrigster meldepflichtiger Wert eine Beteiligung von fünf Prozent. Darüber hinaus hatte Steinbrück gefordert, dass künftig ein koordiniertes Vorgehen verschiedener Finanzmarkt-Aufsichtsbehörden möglich sein sollte. In Deutschland gibt es bereits eine Meldepflicht für Hedge-Fonds. In den USA hat ein Bundesgericht kürzlich die Pflicht der Hedge-Fonds, sich bei der US-Börsenaufsicht SEC registrieren zu lassen, für unwirksam erklärt. Das Gericht machte dafür allerdings nur formale Gründe geltend. Die deutsche G8-Initiative rief in Finanzkreisen sowohl Zustimmung als auch Ablehnung hervor. Der Bundesverband deutscher Banken plädiert ebenfalls für eine Registrierung von Hedge-Fonds. Die Fonds müssten umso mehr ins Blickfeld der nationalen und internationalen Aufsichtsbehörden rücken, je stärker sie an den internationalen Kapitalmärkten an Gewicht gewinnen, fordert Banken-Präsident Klaus-Peter Müller. Die Londoner Man Group, einer der weltgrößten Hedge-Fonds, hatte sich bereits kurz nach dem milliardenschweren Zusammenbruch des Hedge-Fonds Amaranth im Herbst für eine Regulierung der Fonds ausgesprochen. Daran habe sich „nichts geändert“, teilte die Gruppe mit. Widerstand gegen den deutschen Vorstoß kommt dagegen von der britischen Finanzaufsicht FSA. FSA-Chef Callum McCarthy warnt davor, Hedge-Fonds zu dämonisieren. Steinbrücks Initiative hält McCarthy „im besten Falle für wirkungslos und wahrscheinlich für deutlich kontraproduktiv“. Damit spricht er für die große Mehrheit der Londoner City. Auch der deutsche Branchenverband BAI lehnt Steinbrücks Pläne ab. In Deutschland seien Hedge-Fonds schon heute überreguliert. „Das ist ein klarer Wettbewerbsnachteil“, kritisiert der Verband. Die neue Macht Hedge-Fonds sind zu einem wichtigen Spieler in der Unternehmenslandschaft geworden. Sie bestimmen die strategische Ausrichtung von Firmen mit und stoppen Übernahmen. Der US-Hedge-Fonds Knight Vinke zwang Shell zur Einführung einer zentralen Organisation – der Konzern musste die Doppelstruktur in England und Holland aufgeben. Der Londoner TCI-Fonds sorgte dafür, dass die Deutsche Börse ihre Pläne zur Übernahme der Londoner Stock Exchange aufgeben musste. Bei Daimler-Chrysler wird vermutet, dass Hedge-Fonds etwa 20 Prozent der Anteile halten |
In Euro- und Dollarland wächst die Sorge, Hedge-Fonds könnten das Finanzsystem destabilisieren. Foto: dpa