Indien wird kommen – Teil 2
Von Dr. Steve Sjuggerud
Im ersten Teil habe ich Ihnen von einem Interview mit dem Fondsmanager Rahul Saraogi von Atyant Capital berichtet.
Er glaubt, dass Indien größere Chancen bietet, als China, und dass für lange Zeit.
Er könnte Recht haben, wie Sie heute sehen werden.
Rahul nennt 4 Schlüsselfaktoren dafür, dass Indien in den nächsten Jahren als Anlageziel besser laufen wird, als China.
Schutz des Kapitals
Schutz des geistigen Eigentums
Solides Bank- und Währungssystem
Unternehmerisches Denken und Gewinnorientierung
4 Gründe, die Indien jetzt zu einem ausgezeichneten Investment machen
Steve Sjuggerud: Rahul, erzählen Sie uns bitte mehr über die 4 Gründe warum Indien so attraktiv ist.
Rahul Saraogi: Der erste Grund ist der Schutz des Kapitals. Indien hat einen sehr dynamischen Kapitalmarkt und der Markt sorgt für eine wirtschaftliche Verteilung des Geldes. Die Regierung hat genug eigene Finanzprobleme und kann deshalb nicht auch noch die Kapitalströme lenken oder sich stark in die Wirtschaft einmischen.
China dagegen hat eine sehr aktive zentrale und auch lokale Regierungen, die die Wirtschaft beeinflussen. China trägt die Altlasten seiner Planwirtschaft und passte es an die neuen Erfordernisse an, die, so wird dort behauptet, vom Markt gefordert werden.
Während staatlich geplante und gelenkte Investitionen Chinas Boom schädigen können, schaffen sie eine stark wachsende Basis für Fehlinvestitionen und schlimme Fehlallokationen. Sehen Sie sich doch die ehemalige UdSSR an. Die Geschichte hat uns mehrmals gezeigt, dass der Markt, obwohl er ein gnadenloser Mechanismus für die Allokation ist, trotzdem viel besser funktioniert, als die Lenkung durch einzelne Personen oder Führungsschichten.
Wer China besucht, dem fällt als erstes die sehr gute und riesige Infrastruktur auf. Pudong in der Nähe von Shanghai wird in einem Atemzug mit New York und London genannt. Die Fragen, die einem im Kopf umgehen sind "ist das überhaupt noch ein Entwicklungsland?" "Wo haben sich die Leute sonst noch getäuscht?" Aber geschickte Präsentation ist Teil der kommunistischen Ideologie. Es ist die einzige Möglichkeit, wie die Kommunisten an der Macht bleiben können. Ich nenne noch einmal das Beispiel der Sowjet Union.
Aber egal, wenn Sie herausfinden, dass mehr als die Hälfte der Immobilien in Shanghai leer stehen, oder dass nur 2 der 25 Flugsteige am Flughafen von Pudong in Betrieb sind, fragt man sich langsam, wer das alles bezahlt.
Um auf Jim Rogers zu kommen: Indien hat anders als China seine Infrastruktur arg vernachlässigt. Alles in Indien ist überfüllt. Immer. Aber tatsächlich baut Indien heute seine Infrastruktur auf. Sie wird nach wie vor nicht von der Regierung geplant. Die gesamten Investitionen in Infrastruktur sind teilweise privat finanziert und orientieren sich an Renditegesichtspunkten. Deshalb werden in Indien die lukrativeren Projekte wie Telekommunikation, Energie, Häfen, Flughäfen und Gebäude, schneller ausgeführt, als die weniger profitablen wie Straßen oder die städtische Infrastruktur.
Steve Sjuggerud: Und wie steht es um den Schutz des geistigen Eigentums?
Rahul Saraogi: Die Chinesen haben die technischen Ressourcen und Rohstoffe. Bei Forschung und Entwicklung haben sie nicht viel zu bieten. Indien ist China meilenweit voraus bei der Entwicklung seiner Forschung. Während die Chinesen in der Grundbildung vor Indien liegen, ist Indien bei der höheren Bildung viel besser.
Indien hat dynamische IT-, Pharma- und Ingenieur Branchen. Die Inder kennen Markenbildung und freie Kaufentscheidung. Es gibt eine ausgeprägte Musik- und Unterhaltungsindustrie. Die Medien und Werbebranche ist erstklassig. Die Hälfte des Volkseinkommens in Indien wird mit Dienstleistungen erzielt. In China dagegen dreht sich alles um Rohstoffe. Innovation wird nicht gefördert, die Wirtschaft lebt von Plagiaten und ausländischen Patentrechten. China steht für Waren, Indien für Dienstleistung.
Steve Sjuggerud: Und das angeblich überlegene Banken- und Geldsystem?
Rahul Saraogi: Die Hälfte der Kredite in China sind faul. Indien dagegen hat Problemkredite im Umfang von 3,5 % des Gesamtvolumens. Chinas Problem mit den faulen Krediten ist Folge seiner staatlich gelenkten Kreditvergabe. Die Zinsen werden vollständig behördlich reguliert und die 4 großen Banken, die 95 % des Geschäfts ausmachen, haben kein Ranking für Kredite oder Konditionen, die sich am Risiko orientieren. Es ist unglaublich.
Indien dagegen hat einen ausgeprägten heimischen Kreditmarkt mit einem gut ausgebauten Markt für Unternehmens- und Staatsanleihen sowie für andere Zinspapiere und Derivate. Die Zinsen in Indien werden vom Markt bestimmt und das Banksystem kennt die Preismechanismen im Kreditgeschäft ganz genau.
Die Märkte für die einzelnen Vermögenswerte sind in China ähnlich wie in Japan. Sie sind stark verschuldet und vor allem von Spekulation angetrieben. Der chinesische Immobilienmarkt zusammen mit der hohen Verschuldung und dem finanziell schlecht ausgestatteten Bankensystem stellen eine große Gefahr dar. Indien hat nicht solche Probleme.
Steve Sjuggerud: Und der Unterschied beim Unternehmertum und der Gewinnorientierung in Indien im Vergleich zu China ...
Rahul Saraogi: Die Initiatoren der wirtschaftlichen Aktivität in China sind die staatlichen Unternehmen, die Unternehmen, bei denen der Staat starken Einfluß hat und ausländische Firmen. Während die Chinesen im Ausland großartige Unternehmer sind, gibt es im Land selbst kaum welche.
Indien dagegen wird völlig von privaten Unternehmen beeinflusst. Das Unternehmertum durchzieht Indien bis in den letzten Winkel. Indien hat die zweit höchste Zahl an Unternehmern pro Kopf der Bevölkerung nach Thailand und insgesamt nach der Anzahl, die meisten auf der Welt.
An der Börse in Bombay sind mehr als 6000 Firmen notiert. Man findet dort jede nur erdenkbare Art wirtschaftlicher Aktivität. Es gibt nur eine Sache, die den indischen Unternehmer antreibt und das ist "Gewinn". Das kann man von China nicht sagen. Die Geschichte in China ist voll von zweifelhaften wirtschaftlichen Zielen und ist bekannt für seine schlimmen Fehlinvestitionen beim Streben nach Vormachtstellung.
Unserer Einschätzung nach machen diese Faktoren Indien zu einem wesentlich besseren Ort für nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum.
Steve Sjuggerud: Okay, Sie haben einige gute Gründe genannt, warum Indien China auf lange Sicht übertreffen kann. Aber warum sollte ich daran gerade jetzt interessiert sein? Die Emerging Markets haben zu kämpfen und Indien ist nach wie vor von außen betrachtet, ein großes Durcheinander. Der Wechsel ist schwer zu erkennen ... Warum jetzt Indien und nicht China?
Rahul Saraogi: Ich habe Ihnen den großen Überblick gegeben. Aber es gibt genau so gut kurzfristige Faktoren, die Indien attraktiv machen. Der erste ist das gut entwickelte Finanzsystem in Indien. Indien hat eine gesunde Basis im Handel und bei institutionellen Investoren. Alle die investieren, wissen, wie der Markt funktioniert.
Als Ausländer wollen Sie jederzeit aus dem Markt aussteigen können. In China ist das schwer. Die chinesischen Börsen sind erst in der jüngsten Zeit entstanden. China hat keine entwickelte Basis von Investoren und es gibt zahlreiche strukturelle Probleme, vornehm ausgedrückt.
Die Börse in Bombay wurde um 1870 gegründet und ist die älteste in Asien. Mit seinen 6000 Firmen aus allen nur denkbaren Industrien, ist es viel leichter am Wachstum in Indien teilzuhaben. In China sind nicht annähernd so viele Aktien gelistet und die Auswahlmöglichkeiten sind sehr begrenzt. Die staatlichen Unternehmen haben einen hohen Anteil an der Marktkapitalisierung an den Börsen.
Ein weiteres großes Plus von Indien, ist seine verhältnismäßig niedrige Abhängigkeit vom Export. Nur 10 % der Wirtschaft hängt vom internationalen Handel ab. In China sind es 40-50 %. Indien hat auch viele Unternehmen, die vom Wachstum im Inland profitieren. Es gibt hier zahlreiche Kaufgelegenheiten von kleinen und mittleren Aktien. Was ich damit sagen möchte ist: Wenn es in den westlichen Konsumwirtschaften Probleme gibt, wird China stark getroffen. Während die Folgen für Indien sein werden, dass Geld ins Land fließt um vom dortigen Wachstum zu profitieren.
Rahul hat gute Argumente für Indien. Aktien von den Emerging Markets sind derzeit in einem Abwärtstrend. Wenn Rahul Recht behält, wenn sich die Strömung umdreht, könnte Indien China auf lange Sicht übertreffen ...
Mal sehen ...Indien wird kommen