- Der KI-Zyklus steht laut Dries Dury am Anfang.
- Die Entwicklung folgt einem Muster von Adaption und Monetarisierung.
- Die Nachfrage nach KI wächst exponentiell bei begrenztem Angebot.
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Der KI-Zyklus steht aus Sicht von Dries Dury, Fondsmanager bei DPAM, erst am Anfang und dürfte noch viele Jahre andauern. In einer Analyse beschreibt er künstliche Intelligenz nicht als kurzfristige Mode, sondern als langfristigen Investitions- und Produktivitätstreiber.
Nach Einschätzung von Dury folgt die Entwicklung einem bekannten Muster. Zunächst steht die Adaption, die Monetarisierung kommt später. Er verweist auf die Entwicklung des Internets und sozialer Netzwerke. Unternehmen wie Facebook (Facebook Aktie) hätten beim Börsengang bereits rund eine Milliarde Nutzer gehabt, die wirtschaftliche Nutzung sei jedoch erst Jahre später erfolgt.
Auch bei ChatGPT sieht Dury Parallelen. Bereits 20 US-Dollar pro Monat seien im Verhältnis zur eingesparten Arbeitszeit günstig. Kostenlose Nutzer dürften gezielte Werbung akzeptieren. Würden ausgereifte KI-Assistenten pro aktivem Nutzer monatlich zehn US-Dollar erlösen, ergäbe sich bei einer Milliarde Nutzer ein jährliches Umsatzpotenzial von rund 120 Milliarden US-Dollar.
Der Aufbau globaler Plattformen bleibe jedoch teuer. Netflix (Netflix Aktie), Spotify und Uber hätten jahrelang Verluste geschrieben, bevor sie skalierten. KI-Plattformen befänden sich nun in einer ähnlichen Phase. Gleichzeitig seien die Produktivitätsgewinne für Nutzer bereits messbar. KI senkt Kosten, erhöht den Durchsatz und beschleunigt Entscheidungen.
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| Strategie | Hebel | |||
| Steigender Kurs |
Call
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5
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10
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| Fallender Kurs |
Put
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5
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10
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15
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Dury betont, dass Aktienrenditen langfristig den Gewinnen folgen. In echten Blasen lösten sich Kurse von der Realität. Ende der 1990er-Jahre sei der MSCI World Information Technology Index mit dem 50-fachen der Gewinne bewertet gewesen.
Aktuell entwickelten sich die Kurse im Technologiesektor weitgehend parallel zum Gewinnwachstum. Bislang verhalte sich KI eher wie ein starkes Wachstumssegment als wie eine spekulative Manie. Cloud-Plattformen wie Microsoft (Microsoft Aktie) Azure, Amazon (Amazon Aktie) Web Services, Google Cloud und Oracle Cloud Infrastructure wüchsen stark. Neue Kapazitäten seien sofort ausgelastet. Diese Anbieter erzielten zuletzt ein Umsatzwachstum von 31 Prozent bei weiterhin hoher Profitabilität.
Auch die Bewertungen hält Dury im aktuellen Umfeld für vertretbar. Marktführer im KI-Bereich würden zwar mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber dem Gesamtmarkt gehandelt. Dieser reflektiere jedoch schnelleres Wachstum, hohe Margen, starke Wettbewerbsvorteile und geringe Verschuldung.
Viele dieser Unternehmen würden weiterhin nahe ihren durchschnittlichen Bewertungsniveaus der vergangenen fünf Jahre gehandelt. Sollten die Gewinne in den nächsten drei bis vier Jahren deutlich schneller wachsen als der Markt, könnten sich die Bewertungen relativieren. Die Halbleiterbranche zeige, wie groß der verbleibende Spielraum sei.
Ein weiterer Treiber ist die rasant wachsende Rechenleistung. Schlussfolgerungen, autonome Agenten, Bild- und Videogenerierung sowie komplexe Forschung erforderten deutlich mehr Rechenkapazität als frühere KI-Generationen. Aufgaben, die früher Wochen dauerten, ließen sich heute in etwa zwanzig Minuten erledigen. Sinkende Kosten pro Recheneinheit machten Projekte günstiger und erhöhten das Volumen. Je billiger KI werde, desto schneller steige ihre Nutzung.
Der Verbrauch wachse bereits exponentiell. Google (Alphabet A Aktie) meldete zwischen Dezember 2024 und August 2025 einen etwa 14-fachen Anstieg der verarbeiteten Token in nur acht Monaten. Das entspreche einer Verdopplung etwa alle drei Monate. Geringe Einstiegshürden, starke Anreize zum Experimentieren und klare Produktivitätsgewinne sorgten für dieses Tempo. Wenn die Nachfrage so schnell wachse und das Angebot kaum Schritt halte, entstehe ein mehrjähriger Investitions-Superzyklus.
Nach Einschätzung von Dury ist das Angebot derzeit die eigentliche Bremse. In klassischen Blasen komme es zu Überkapazitäten. Im KI-Markt herrsche das Gegenteil. Grafikkartenprozessoren seien vollständig ausgelastet. Engpässe begrenzten den Ausbau.
Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company habe die Nachfrage nach KI-Chips als extrem hoch bezeichnet und zugleich eingeräumt, dass die Kapazitäten für fortschrittliche Fertigungsstufen unzureichend seien. Auch Speicher und Hochbandbreiten-Komponenten seien knapp. Hinzu kämen Beschränkungen bei Stromversorgung, Kühlung, Grundstücken und Netzanbindungen. Diese Faktoren wirkten wie eine natürliche Bremse für Überinvestitionen.
Für Rechenzentren sieht Dury enormes Wachstumspotenzial. Nvidia rechnet bis 2030 mit einem jährlichen Investitionswachstum von rund 40 Prozent. Die Markterwartungen für den KI-Umsatz lägen dagegen nur bei etwa 12 Prozent pro Jahr. Sollte Nvidia auch nur annähernd recht behalten, unterschätze der Markt Größe und Dauer des Zyklus. Nvidia werde mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 25 bewertet. Das sei hoch, aber nicht extrem. Selbst das konservativere Konsenswachstum sei noch nicht vollständig eingepreist.
Besonders dynamisch entwickeln sich KI-native Unternehmen. Diese erreichten häufig innerhalb von ein bis zwei Jahren einen wiederkehrenden Jahresumsatz von 100 Millionen US-Dollar. Frühere Software-Generationen hätten dafür zwei- bis dreimal so lange benötigt.
Dury warnt dennoch vor Risiken
Der KI-Zyklus werde nicht geradlinig verlaufen. Preissetzungsmacht könne sinken, wenn Basismodelle schneller zur Massenware würden. Regulierung und Datenvorgaben könnten die Einführung bremsen. Geopolitische Risiken rund um Chips, Taiwan und kritische Materialien könnten das Angebot einschränken. Die hohe Kapitalintensität bedeute zudem, dass Fehlallokationen bestraft würden.
Diese Faktoren dürften jedoch vor allem das Tempo, nicht die Richtung verändern. Die Produktivitätsgewinne seien bereits sichtbar und kaum umkehrbar. Aus Sicht von DPAM steht damit ein langer und kräftiger KI-Investitionszyklus bevor, der zwar von Schwankungen begleitet wird, für Anleger aber vor allem Chancen bietet.
Autor: sbh-Redaktion/neb
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