Immobilien gefährden Weltwirtschaft


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EinsamerSam.:

Immobilien gefährden Weltwirtschaft

 
30.08.05 10:31
Immobilien gefährden Weltwirtschaft

Allein die Tatsache, dass inzwischen sämtliche US-Zeitungen auf ihren Titelseiten über die Spekulationsblase auf dem US-Häusermarkt berichtet haben, sei der Beweis dafür, dass die Preise ein gefährliches Niveau erreicht haben, meint der "Economist". Das britisch-amerikanische Magazin spricht von einer "alarmierenden Rate", mit der die Hauspreise in den vergangenen Jahren gestiegen seien - nicht nur in den USA, sondern weltweit.

Das Wochenblatt spricht auf Basis eigener Berechnungen sogar von der "größten Finanzblase aller Zeiten". Wenn sie platzt, wird die Weltwirtschaft schwer beeinträchtigt, hatte bereits der Internationale Währungsfonds gewarnt. "Je größer der Boom, je größer der mögliche Zusammenbruch", schrieb der "Economist". "Das wird nicht schön", kommentierte das Blatt jüngst.

Deutschland und Japan sind die Ausnahme

In der Tat haben die Hauspreise in vielen Staaten der Welt in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Ausnahme unter den weltweit wichtigsten Volkswirtschaften sind Deutschland und Japan - aus bekannten Gründen. Die deutschen Preise leiden noch immer unter dem im Vereinigungsboom entstandenen Überangebot, das durch Steuerabschreibungsmodelle noch gefördert wurde. Insbesondere in Ostdeutschland fallen die Preise angesichts des fortdauernden Wegzugs großer Bevölkerungsteile, betroffen sind auch ländliche Regionen im Westen.

Japan hat seine eigenen Erfahrungen mit Haus- und Immobilienspekulationen gemacht. Das Platzen der dortigen Blase in den späten 80er Jahren riss den Aktienmarkt in den Abgrund. Seitdem kriecht die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt durch eine Rezession, die mit fast ständig fallenden Konsumentenpreisen verbunden ist. Die Deflation sorgt natürlich auch für ein weiteres Abrutschen der Häuserpreise.

Häuser als Geldautomaten

Anders dagegen die USA: Hier haben sich die Kosten für den Kauf eines Eigenheims binnen fünf Jahren im Schnitt um die Hälfte erhöht. In besseren Lagen sind die Zuwächse noch weitaus höher. Laut "Economist", der die Entwicklung seit 2002 kritisch begleitet, lagen die Zuwachsraten in Großbritannien und Australien, aber auch in Frankreich und Spanien sogar noch höher. Auf den britischen Inseln und dem australischen Kontinent geben die Preise inzwischen wieder etwas nach. Die USA werden bald folgen, eine Abkühlung ist an den jüngsten Konjunkturdaten bereits abzulesen.

Die Weltwirtschaft indes würde vor allem von einem Einbruch in den USA gefährdet. Dort hat das Platzen der Internetblase am Aktienmarkt viele Anleger dazu gebracht, mit Häusern zu spekulieren. Aber auch der ganz normale Konsument ist betroffen: Viele haben ihr Haus in Niedrigstzinsphasen quasi wie einen Geldautomaten eingesetzt. Waren die Leitzinsen wieder einmal gefallen, schuldeten sie ihre Hypotheken um. Die Differenz der Zins- und Tilgungszahlungen nutzten sie, um weiter zu konsumieren. Außerdem machte der höhere Papierwert der Gebäude höhere Leihsummen möglich.

Selbst Greenspan redet Klartext

Dabei leben viele Amerikaner von jeher auf Pump und geben mehr aus als ihnen an Einkommen zur Verfügung stand. Angesichts der herausragenden Bedeutung des Konsums für die Wirtschaft in den USA und damit weltweit hat das zu hohen Wachstumsraten, aber auch zum enormen Außenhandelsdefizit der USA beigetragen.

Die Entwicklung hat inzwischen bedrohliche Ausmaße angenommen. Das musste selbst der sonst für seine mehr als zurückhaltende Wortwahl bekannte scheidende US-Notenbank-Präsident Alan Greenspan anerkennen. Auf einer traditionellen Veranstaltung der Fed in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming wurde Greenspan in der vergangenen Woche mehr als deutlich: "In näherer Zukunft wird sich wird sich der Boom am Immobilienmarkt unweigerlich abschwächen", sagte er.

Fed für Häuserboom mit verantwortlich

Dabei ist Greenspan mit seiner Niedrigstzinspolitik nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht ganz unschuldig: Sie hat andere Anlageformen, etwa Staats- und Unternehmensanleihen völlig unattraktiv gemacht. Zugleich sorgte sie für hohe Liquidität, die sich ihren Weg zur Rendite suchte und ihn in den steigenden Häuserpreisen fand. Der Trend schlug sich unter anderem darin nieder, dass immer mehr Unternehmen am Häusermarkt aktiv wurden und die Zahl der Käufer, die das Haus selbst bewohnen, relativ dazu zurückfiel.

Greenspan hat vielleicht zu spät reagiert - auch wenn er auf der Tagung in Wyoming mit stehendem Applaus als "Notenbanker des Jahrhunderts" verabschiedet wurde. Seine Zentralbankkollegen in Großbritannien und Australien hatten bereits seit Monaten vor der Spekulationsblase gewarnt und damit für einen zunächst langsamem Rückgang der Preise gesorgt.

Rückgang oder Einbruch?

Möglicherweise hat Greenspan noch jene wenigen Kritiker im Kopf, die ihm nach dem Platzen der Internetblase am Aktienmarkt zu zögerliches Verhalten vorwarfen und will ähnlichen Anwürfen diesmal zuvorkommen. Vielleicht interessiert es den 79-Jährigen, der nach dem Ende der laufenden Amtszeit im Januar 2006 nicht mehr für eine weitere zur Verfügung steht, auch gar nicht, und er wollte seinem noch nicht ernannten Nachfolger einfach einen guten Rat mit auf den Weg geben.

Handeln muss die US-Notenbank auf jeden Fall - egal, wer künftig an ihrer Spitze steht. Insbesondere gilt das dann, wenn die Hauspreise nicht langsam zurückgehen, sondern heftig ins Rutschen geraten. Das wäre angesichts der Ware - Häuser verkaufen sich eben nicht so schnell wie Aktien - zwar ungewöhnlich, aber wegen der vielen Nichteigentümer am Markt auch nicht ausgeschlossen. Je stärker der Preisverfall, desto stärker würde die globale Wirtschaft beeinträchtigt.

Erster Rückgang seit der Großen Depression

Bislang haben insbesondere die Buchgewinne aus den steigenden Hauspreisen eine echte Beeinträchtigung der US- wie der globalen Wirtschaft durch den hohen Ölpreis verhindert. Aber die Notierung für die Sorte Light Crude erreichte erst am Montag mit mehr als 70 Dollar je Fass (159 Liter) einen neuen Rekordstand. Das Angebot kann mit der starken Nachfrage auch aus China nicht mehr mithalten. Neue Quellen sind zudem selten. Sie legen außerdem häufig vor der Küste, was die Förderung verteuert. Einen durchgreifenden Preisrückgang beim Öl erwarten Experten daher nicht.

Für den "Economist" jedenfalls ist das Verhältnis zwischen Miet- und Kaufpreis das Maß der Dinge, wenn es um die weltweite Hausblase geht. Demnach sind die Preise in den USA um gut ein Drittel, in Großbritannien und Australien sogar um mehr als die Hälfte zu hoch, schlussfolgert das Wirtschaftsmagazin. Sie müssten also fallen. In den USA wäre es das erste Mal seit der Großen Depression Ende der 20-er Jahre. Und auch die hatte verheerende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Quelle: N24.de, Netzeitung

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