"Ich will wissen: Ist mein Geld in Gefahr?"


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EinsamerSam.:

"Ich will wissen: Ist mein Geld in Gefahr?"

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26.01.06 10:59
Immobilienfonds-Krise

"Ich will wissen: Ist mein Geld in Gefahr?"

Keine Termine, keine Auskünfte, keine Ahnung: So manche Bank lässt ihre Privatkunden mit der Immobilienfonds-Krise alleine. Viele Kleinanleger verzweifeln.

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SIEGBURG/FRANKFURT. Eigentlich ist es ein ziemlich ruhiger Nachmittag in der Filiale der Post im rheinischen Siegburg – so wie eigentlich immer hier in der Provinz zwischen Frankfurt und Bonn. Nur die beiden Postbank-Berater für vermögensbildende Leistungen sind schwer beschäftigt – zu beschäftigt, um der verstörten Kundin weiterzuhelfen. „Einen Termin? Jetzt gleich? Ausgeschlossen!“

Auch als die ältere Dame dringenden Beratungsbedarf in Sachen Immobilienfonds anmeldet, erntet sie nur Schulterzucken. „Nichts zu machen. Sie sehen ja selbst ...“

Aber die Dame lässt sich nicht abwimmeln. Gerade hat sie erfahren, dass wieder ein deutscher Immobilienfonds schließen muss. Es ist der dritte, seit die Branche im Dezember in die Krise rutschte. 10 000 Euro hat die Rentnerin in den von der Postbank vertriebenen Immobilienfonds CS Real gesteckt. Der ist noch offen, aber wie lange noch? Resolut geht die Pensionärin dazwischen, als der Postbank-Berater endlich den Hörer auflegt. „Hören Sie bitte: Ich will nur wissen: Ist mein Geld in Gefahr?“

Diese Frage stellen sich alle Kleinanleger, die einen Teil ihres Vermögens in offenen Immobilienfonds angelegt haben. Doch verlässliche Antworten sind in diesen unruhigen Tagen ein rares Gut – nicht nur in Siegburg. Die Branche tut sich schwer, ihren Kunden die Wahrheit beizubringen. Kein Wunder: Wenn auch noch die Privatanleger, so wie schon viele Großinvestoren, die Nerven verlieren, droht der Branche der Kollaps.

„Sicher, liquide, rentabel“: Mit diesem Versprechen verkaufen Banken und Vermögensverwalter jahrzehntelang offene Fonds. Schon lange bröckelt es an der Fassade. Doch am 13. Dezember 2005 ziehen sich die ersten Risse durchs Mauerwerk. An diesem Tag schließt die Deutsche Bank – gegen den Rat der Finanzaufsicht – ihren Fonds „Grundbesitz Invest“.

Die Krise hat die Bank selbst provoziert. Drei Tage vor Schließung teilt sie ihren Beratern mit, dass die Immobilien des Fonds wegen der Krise am deutschen Markt wohl abgewertet werden müssten. Daraufhin ziehen die Anleger so viel Kapital ab, dass die Liquidität in Gefahr gerät.

Die Deka Bank oder die Hypo-Vereinsbank kamen in ähnlichen Situationen ihren Fonds mit eigenem Geld zu Hilfe. Die Deutsche Bank jedoch weigert sich und zieht die Reißleine. Mindestens bis Februar kommen 300 000 Anleger nicht an ihr Geld.

„Der 13. Dezember war ein schwarzer Tag für uns alle“, erinnert sich ein Beamter der Finanzaufsicht. Die Kontrolleure fürchten eine Massenpanik und mobilisieren die Größen der deutschen Finanzwirtschaft. Bankenpräsident Klaus-Peter Müller, Sparkassen-Chef Dietrich Hoppenstedt und Christopher Pleister, oberster Funktionär der Volks- und Raiffeisenbank, sollen zur Not auch mit Geldspritzen verhindern, dass aus dem Zündeln der Deutschen Bank ein Flächenbrand wird.

Vor Weihnachten muss der Löschzug zwar nicht eingreifen. Doch im Januar rutschen weitere Fonds in die Vertrauenskrise. Die Münchener Gesellschaft Kanam muss zuerst einen Nordamerika-Fonds, nur Tage später auch einen internationalen Fonds schließen. Bei anderen Anbietern fließen ebenfalls massiv Mittel ab (siehe: Rette sich, wer kann). Vor allem Großinvestoren steigen aus, beobachtet die Geschäftsführerin von SEB Immobilien-Investment, Barbara Knoflach. Die Maxime der Profis lautet: „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“.

Den Privatanlegern bleiben dagegen nur die Beruhigungspillen von Politikern, Bundesbankern und Finanzmanagern. Die Pensionärin im Schalterraum in Siegburg will nur eines wissen: „Wird auch mein Fonds geschlossen?“ Doch der Postbank-Berater ist ahnungslos: „Was sagen Sie da? Kanam hat einen zweiten Fonds geschlossen? Davon habe ich noch nichts gehört...“

„Können Sie mir wenigstens sagen, wie hoch die Abflüsse bei den von Ihnen vertriebenen Fonds sind?“ bohrt die Dame weiter. „Das kann ich leider nicht. Diese Informationen halten die Anbieter unter Verschluss.“ Inzwischen müssen die Fondsgesellschaften zwar zweimal täglich ihre Mittelabflüsse an die Finanzaufsicht melden. Doch die brisanten Daten sind geheim. Erst vorgestern lüftete der Branchenverband BVI den Schleier ein wenig – und das Ergebnis ist wenig beruhigend. Allein im Dezember zogen die Investoren über drei Milliarden Euro aus den Fonds ab. Nun gelobt die Branche tief greifende Reformen, um den Kollaps zu verhindern. Aber das wird noch dauern.

Und bis dahin? „Wir bekommen täglich mehr Anfragen von verunsicherten Anlegern“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Viele Bankberater seien überfordert. „Es gibt Banker, die ihren Kunden lieber unsere Telefonnummer geben, als eigene Fehler zu machen“, erzählt der Anlegerschützer aus seiner Praxis.

Geldhäuser wie die Deka Bank, der Fondsanbieter der Sparkassen, bereiten ihre Berater immerhin gezielt auf die verunsicherten Kunden vor. Ob die Fondskrise ausgestanden sei, könne derzeit niemand mit Sicherheit sagen, räumt der junge Mann mit dem akkuraten Seitenscheitel in einer Frankfurter Sparkasse ein. Für den deutschen Deka-Immobilienfonds gebe es aber eine Rückgabegarantie.

Und Licht am Ende des Tunnels sei auch zu sehen, wird dem Kunden erläutert. Experten glaubten nämlich, dass Preise und Mieten von Gewerbeimmobilien sich 2007 wieder erholen werden. Immerhin.

Der nächste Rückschlag droht hingegen schon im Februar. Ein Investmentbanker in Frankfurt prophezeit: „Wenn die Deutsche Bank ihren Grundbesitzfonds wieder aufmacht, werden wütende Investoren so viel Geld abziehen, dass sie ihn gleich wieder schließen kann.“

Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 26. Januar 2006, 10:50 Uhr

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