HRE sichert sich Liquiditätsfazilität über 50 Mrd EUR
Von Rüdiger Schoß
DOW JONES NEWSWIRES
Die Hypo Real Estate Holding AG (HRE) wird wegen der
anhaltenden Finanzkrise im dritten Quartal voraussichtlich 3,1 Mrd EUR Verlust
vor Steuern verbuchen. Wie das Unternehmen am Mittwoch in München mitteilte,
stellen ein Finanzkonsortium, die Bundesbank und der Bund zudem noch in dieser
Woche erste Mittel aus der angekündigten Liquiditätsfazilität über 50 Mrd EUR
bereit. Die Vorlage der Drittquartalszahlen wurde auf den 17. November verlegt.
Vorläufigen Unternehmensangaben zufolge wird wegen der anhaltenden
Finanzmarktkrise der Vorsteuerverlust im dritten Quartal 3,1 Mrd EUR betragen.
Allein die vollständige Abschreibung des Goodwills und anderer immaterieller
Vermögenswerte aus der Erstkonsolidierung der Tochter DEPFA Bank summierten sich
auf rund 2,5 Mrd EUR. Damit schneidet die Bank deutlich schlechter ab, als vom
Finanzmarkt erwartet.
Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem
Minus von 2,44 Mrd EUR gerechnet. Vor Steuern hatte das Plus im
Vorjahreszeitraum 0,23 Mio EUR betragen.
Die Drittquartalszahlen werden darüber hinaus von weiteren 600 Mio EUR belastet,
kündigte HRE an. Hintergrund seien Ausfälle durch den Zusammenbruch von Lehman
Brothers, die Situation in Island, eine Abschreibung auf die Beteiligung an der
australischen Investment- und Beratungsunternehmen Babcock & Brown sowie weitere
Wertverluste bei den Collateralized Debt Obligations (CDO) des Konzerns. Darüber
hinaus seien die Portfolio-Wertberichtigungen um rund 100 Mio EUR erhöht worden.
Mitte August hatte Finanzvorstand Markus Fell angekündigt, in der zweiten
Jahreshälfte würden "maximal 200 Mio EUR" weitere Abschreibungen auf das
Portfolio besicherter Schuldverschreibungen fällig. Im zweiten Quartal nahm der
Immobilienfinanzierer erfolgswirksame Neubewertungen im CDO-Portfolio von 145
Mio EUR vor. Entsprechende Korrekturen hatten das Ergebnis des ersten Quartals
mit 175 Mio EUR belastet.
Die Liquiditätsfazilität hat der Hypo Real Estate zufolge eine Laufzeit bis zum
31. Dezember 2009, sollte der Bund seine Liquiditätsgarantie über den 31. März
2009 hinaus verlängern. Über die Verlängerung der Garantie will die Hypotheken-
und Pfandbriefbank "zu gegebener Zeit" mit dem Bund verhandeln. Als Sicherheit
stellt HRE Darlehen und Wertpapiere über 60 Mrd EUR zur Verfügung. Darüber
hinaus habe sie ihre Anteile an den operativen Tochterbanken der Gruppe als
Sicherheit für die Bundesgarantie verpfändet.
Die Verzinsung der Kreditlinie liegt den Angaben zufolge durchschnittlich um 93
Basispunkte über dem 3-Monats-Euribor. Darüber hinaus sei ein Besserungsschein
vereinbart worden, der im Durchschnitt mit weiteren 90 Basispunkten verzinst
wird. Er werde kumulativ über 7 Jahre bedient, sollte HRE im jeweiligen
Geschäftsjahr ein positives Vorsteuerergebnis erzielen.
Wegen der Kosten der vereinbarten Liquiditätsfazilität sowie der Mehrkosten für
eine Überbrückungsfinanzierung der Bundesbank bis zum 13. Dezember erwartet die
HRE für das vierte Quartal weitere Ergebnisbelastungen. Zudem müssten
Aufwendungen im Zusammenhang mit der Restrukturierung und Neuausrichtung der
Gruppe verbucht werden. Auch 2009 werde die Bilanz durch die Kosten der
Fazilität und des Konzernumbaus belastet, kündigte HRE an.
Wie bereits bekannt, bemüht sich die HRE gegenwärtig über die
Liquiditätsfazilität hinaus um weitere Mittel des "Sonderfonds
Finanzmarktstabilisierung" (SoFFin). Damit solle sowohl zusätzlicher
Liquiditäts- als auch ein "erheblicher" Kapitalbedarf gedeckt werden, teilte die
HRE mit. Die Unterstützung sei Grundlage für die Restrukturierung und
Neuausrichtung. Die entsprechenden Anträge würden derzeit vorbereitet.
Schlechte Aussichten für die Aktionäre der Hypo Real Estate (HRE) attestierte
UniCredit-Analystin Kerstin Vitvar der nächtlichen Mitteilung der Hypotheken-
und Pfandbriefbank. Die niedrige Tier-1-Ratio deute darauf hin, dass die Bank
eine Kapitalerhöhung benötige. Daneben sorgten aber auch der Besserungsschein
der HRE und die unerwartet hohen Kosten für die Liquiditätsfazilität dafür,
"dass der Aktionär nicht mehr viel von der Aktie sehen wird". Ihre Einstufung
"Sell" werde sie deshalb beibehalten.
Er sei in der Unternehmensmitteilung der Hypo Real Estate vergeblich auf der
Suche nach guten Nachrichten gewesen, sagt ein Analyst, der namentlich nicht
genannt werden wollte. Zwar sei es "kein Drama", dass der Quartalsverlust höher
als erwartet ausfalle. Dessen Umfang sei schwer einzuschätzen gewesen. Jedoch
zähle die Mitteilung zahlreiche negative Einflüsse für die Zukunft auf.
So sei die Tier-1-Ratio "erheblich" abgesunken, bestätigte er die Einschätzung
seiner Kollegin. Die Refinanzierung, die nun offenbar gesichert sei, koste in
den kommenden Jahren erhebliche Summen. "Da kommen andere Banken günstiger weg",
sagte er. Zudem würden für das vierte Quartal Mehrkosten angekündigt, ohne diese
genauer zu beziffern, bemängelte der Analyst. "Hypo Real wird nicht untergehen,
aber wir haben Negatives erwartet und dann gab es noch eine Schippe drauf",
sagte er.
Ähnlich vorsichtig bewerteten offensichtlich auch die Anleger die Nachricht von
der rettenden Kreditlinie. Im frühen Handel zeigte sich die Aktie in einem
insgesamt freundlichen Markt mit 3,93 EUR um lediglich 0,26% über dem Vortag.
Ende September waren die Titel noch mit mehr als 15 EUR umgegangen.
Die HRE war vor allem durch ihre vor rund einem Jahr übernommene Tochter DEPFA
in Bedrängnis geraten, die an den angespannten Geldmärkten nicht mehr
ausreichend kurzfristige Kredite erhalten hatte. Ende Oktober hatte HRE
schließlich 15 Mrd EUR Liquiditätsgarantie des Bundes aus dem Rettungsfonds
beantragt. Darüber hinaus sollte das nun beschlossene Rettungspaket von
Regierung und der Finanzindustrie weitere 50 Mrd EUR zur Verfügung stellen.
Webseite: www.hyporealestate.de