Homm haut wieder auf den Putz


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Camenber:

Homm haut wieder auf den Putz

 
19.02.06 08:55
Postbank droht eine Klage
19.02.2006 Ausgabe 08/06
Homm haut wieder auf den Putz 2395768Homm haut wieder auf den Putz 2395768Homm haut wieder auf den Putz 2395768Homm haut wieder auf den Putz 2395768Florian Homm gehört zu den umstrittendsten Großinvestoren des Landes. Auch, weil sich der Hedgefondsmanager gern mit Firmenchefs anlegt. In EURO erläutert er die Gründe Seite 30von Tobias MeisterHomm haut wieder auf den Putz 2395768Euro am Sonntag: Von Unternehmensvorständen wird die Hedgefonds-Industrie regelmäßig
angeprangert. Leidet das Image eines Hedgefonds-Managers darunter, daß er auch mal
unpopuläre Entscheidungen treffen muß?
Florian Homm: Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften haben in Deutschland im
zurückliegenden Jahrzehnt mehr Arbeitsplätze geschaffen als alle DAX-30-Unternehmen
zusammen. Unpopuläre und unangenehme Entscheidungen sind halt oft richtig. Konfliktfähigkeit
ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Es täte der deutschen Wirtschaft gut, wenn sich Manager
und Aufsichtsräte mehr um inhaltliche Themen und weniger um Augenwischerei kümmern
würden. Daran krankt der Patient Deutschland nämlich, am fehlenden Realitätsbewußtsein und
daran, daß nicht gehandelt wird, wo es nötig wäre. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht
naß. Wie soll denn das gehen?

Euro: Was sagen Sie Kritikern?
Homm: Wir Hedgefonds-Manager machen nichts anderes, als die Spreu vom Weizen zu trennen.
Daß dann ab und zu die Emotionen hochgehen, liegt auf der Hand. Wer professionell handelt, tut
dies nicht allein. Unser 30-Mitarbeiter-Stab ist keine Wildwest-Truppe. Es sind erfahrene,
renommierte Investmentstrategen, die hart für unsere Erfolge arbeiten.

Euro: Dennoch haben Sie nicht immer Erfolg.
Homm: Den hat nur Gott. Selbstverständlich habe ich nicht immer Erfolg. Aber meistens. Mein
Track-Record der letzten 20 Jahre, die unzähligen Auszeichnungen und die Tatsache, daß
unsere Kunden langfristig viel Geld verdient haben: Das ist unser Erfolgsrezept und die beste
Werbung.
Euro: Was heißt das in Zahlen?
Homm: Wir haben rund 750 Millionen Euro in der Vermögensverwaltung. Wir könnten mehr
haben, wenn wir wollten. Zwei unserer Fonds sind schon länger geschlossen. Bei zuviel Geld
können sie aber nur schwerlich noch gute Renditen erwirtschaften. Unser bester Fonds lag 2005
bei 47 Prozent Nettogewinn, unser schlechtester bei 16 Prozent. 2004 lag unser
Deutschland-Fonds mit 34 Prozent mit weitem Abstand vor der Konkurrenz.

Euro: Nehmen wir den aktuellsten Fall, die BHW-Übernahme durch die Postbank. Nehmen Sie
das Squeeze-out-Angebot, das am 23. Februar ausläuft, an?
Homm: Ja, daran führt kein Weg vorbei. Aber darum geht es gar nicht. Das haben weder die
BaFin noch Postbank und BHW verstanden. Sonst wären sie längst auf unsere Forderungen
eingegangen.

Euro: Haben sie aber nicht getan. Ist der Fall damit nicht erledigt?
Homm: Mit Bestimmtheit nicht. Es geht um Schadensersatz, weil die Märkte mit falschen
Informationen abgefüttert worden sind, weil Vorstands-Chef Wulf von Schimmelmann nachweisbar
Geschäftsgeheimnisse verletzt und sein Insiderwissen mißbraucht hat. Dies hatte Einfluß auf die
Bewertungen des
Titels. Und seit vergangener Woche wissen wir auch, daß die Rechtslage für uns spricht. In der
Sprache der Anwälte heißt dies: gravierende Verstöße gegen kapitalmarktrechtliche Vorschriften.
In dieser Sache ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Bestimmt nicht.

Euro: Bekannt geworden sind Sie durch den Einstieg beim Krisen-Club Borussia Dortmund. Die
Aktie ist nicht gerade ein Renner.
Homm: Warum? Wir liegen ganz gut in der Gewinnzone. Was die Börse noch nicht bemerkt hat:
Die Neuausrichtung des Fußballstadions und die höheren Fernsehgelder bringen markante
Mehreinnahmen in Millionenhöhe. Borussia Dortmund ist ein Turnaround-Fall. Und dieser
entwickelt sich mittlerweile sportlich und wirtschaftlich erfreulich. Die Schuldenlast wurde um
rund 30 Prozent gesenkt. Und nach 60 Millionen Euro Verlust fährt der Club Richtung
Gewinnzone. Das Potential des BVB ist erheblich.
Euro: Auch sportlich?
Homm: Das Top-Management sowie die Mitarbeiter sind hochmotiviert, ehrlich und machen einen
klasse Job. Dortmund hat die jüngste Bundesliga-Mannschaft und kämpft nicht mehr um den
Abstieg, sondern um einen UEFA-Cup-Platz. Kein anderer Club in Europa hat mehr Zuschauer,
die Schulden und Kosten wurden seit unserem Eintritt dramatisch reduziert, sportlich läuft es
auch wieder, dazu eine super Fangemeinde von rund drei Millionen. Kein anderer Erstligist hat
wirtschaftlich gesehen noch soviel Wachstums- und Ausbaupotential. Eine langfristige
Refinanzierung der Verbindlichkeiten wird zunehmend wahrscheinlicher, und auch für die
Sponsorensuche bin ich zuversichtlich.

Euro: Mal engagieren Sie sich bei Fußball-Aktien, mal bei Autozulieferern. Wie wählen Sie die
Titel aus?
Homm: Wir arbeiten mit Datenbanken und professionellem Research. Das sind jährlich mehrere
hundert Gesellschaften, hauptsächlich in Deutschland und der Schweiz, die wir durchleuchten.
Die Targetgroup untersuchen wir im Detail und verfolgen das Management. Manchmal über
Monate. Wenn der Moment richtig ist, investieren wir. Wichtig: Wir schauen nicht, ob der Kurs
zu niedrig ist, sondern wie es mit den Bewertungsrelationen steht. Besonders interessiert uns
das Chance/Risiko-Verhältnis. Das tun nur sehr wenige Investoren.

Euro: So einfach geht das?
Homm: Einfach ist dies nicht. Sonst könnten es viele. Die Bewertung ist nur ein Baustein von
vielen. Oft reden wir auch mit Kunden, Zulieferern, Wettbewerbern und ehemaligen leitenden
Angestellten der Gesellschaften, in die wir investieren. Und das auf globaler Ebene. Unsere
Analyse ist sicherlich nicht oberflächlich, wir graben tief. Das bedeutet natürlich auch, daß wir
nicht immer auf Gold stoßen, sondern manchmal auch auf Gülle, und dann setzen wir auf
fallende Kurse.

Euro: Dann sind Sie also doch der Shortseller, als der Sie von der bösen Presse dargestellt
werden?
Homm: Wieso sollte Shortselling böse sein? Unsere Kunden haben 2002, im Crash-Jahr, 29
Prozent verdient, ein durchschnittliches deutsches Aktienportefeuille hat 40 Prozent verloren.
Was ist Ihnen lieber? Wollen Sie beliebt sein oder profitabel arbeiten? Das ist ja genau der
Vorteil von Hedgefonds, daß sie in beide Richtungen arbeiten können. Für uns gibt es nur zwei
Kategorien von Aktien: Wertzerstörer ud Wertschöpfer. Der Wertschöpfer erwirtschaftet eine
ordentliche Eigenkapitalrendite und hat in der Regel eine sehr gute Bilanzstruktur.

Euro: Warum sind Sie bei Concord Effekten eingestiegen? Bis vor kurzem stand das
Unternehmen vor dem Aus.
Homm: Allein der Geschäftszweig, der gebrauchte Lebensversicherungen handelt, rechtfertigt
einen Großteil der jetzigen Bewertung. Auch die anderen Bereiche haben sich erfreulich
entwickelt. Die Concord-Börsengänge gehören mittlerweile zu den besten am deutschen Markt.
Und durch das laufende IPO- und Investmentbanking-Geschäft kommt noch ein richtiger Hebel
rein. Zudem sind wir selbst hochzufriedene Kunden von Concord
im Handels- und Corporate-Finance-Bereich.

Euro: Wie schätzen Sie den Gesamtmarkt ein?
Homm: Ich rechne mit einer Korrektur von sieben bis 15 Prozent. Zuvor können die Märkte aber
noch um zehn bis 15 Prozent steigen.

Euro: Was bedeutet dies für das IPO-Geschäft von Concord?
Homm: Mit der Korrektur wird nicht das gesamte IPO-Geschäft vor die Hunde gehen. Auch hier
wird der Markt zwischen Wertschöpfern und Wertvernichtern unterscheiden.
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