Hoffnung? Die "Kieler IfW" sind sehr gut!


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Hoffnung? Die "Kieler IfW" sind sehr gut!

 
23.08.01 13:11
Donnerstag, 23. August 2001     Berlin, 12:56 Uhr
         
"Ein überraschender Hoffnungsschimmer"  

Der Kieler Konjunkturforscher Joachim Scheide erwartet eine konjunkturelle Trendwende zum Ende des Jahres

Joachim Scheide, Leiter der Konjunkturabteilung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), sieht das Ende der konjunkturellen Talfahrt in Deutschland näher rücken. Der Ökonom rechnet mit einer baldigen Konjunkturerholung in den USA und betont das Abklingen der negativen Einflüsse für das Wirtschaftswachstum. Mit Scheide sprach Peter Hahne.


DIE WELT: Der Ifo-Geschäftsklima-Index ist überraschend gestiegen - zum ersten Mal seit Januar dieses Jahres. Ist das die lang erwartete Trendwende für die Konjunktur?

Joachim Scheide: Nein, das gewiss noch nicht. Zu einer Trendwende bedarf es schon eines Anstiegs des Index für etwa drei Monate in Folge. Aber es ist ein Hoffnungsschimmer, der uns da in der Flut schlechter Nachrichten überrascht hat. Besonders positiv zu werten ist der Anstieg der Geschäftserwartungen - das ist aller Erfahrung nach ein sehr guter Frühindikator für das allgemeine Konjunkturklima. Zwar wurde die gegenwärtige Geschäftslage noch einmal schlechter bewertet als im Vormonat. Aber die besseren Geschäfterwartungen, die ja auf die Zukunft gerichtet sind, sind wichtiger. Darum ist das Signal aus München sehr positiv zu werten.

DIE WELT:: Das Ende der Talsohle ist also erreicht?

Scheide: Man muss noch ein wenig vorsichtig sein, wenn der Index lediglich einen einmaligen Anstieg verzeichnet, darauf weist das Ifo-Institut selbst immer wieder hin. Wir hatten bereits im Januar eine kurze Aufhellung. Damals wurde die aktuelle Geschäftslage von den Unternehmen positiv bewertet, die Geschäftserwartungen zeigten allerdings nach unten. Seinerzeit hatten sich leider viele zu früh Hoffnungen auf eine Konjunkturbelebung gemacht. Man muss also noch zwei Monate abwarten, um einen Trend ablesen zu können. Meines Erachtens ist der Tiefpunkt zwar noch nicht überwunden, aber er ist näher gerückt. Ich erwarte nicht, dass die Konjunktur noch weiter abrutscht.

DIE WELT: Was macht Sie so optimistisch?

Scheide: Die Vorstellung, dass die wirtschaftliche Entwicklung auf Dauer so schwach bleibt wie heute, ist falsch. Man muss sich die Gründe für den Abschwung in Erinnerung rufen. Eine Vielzahl von Faktoren haben gleichzeitig die Konjunktur belastet, dazu gehören vor allem das schwache Wachstum der Weltwirtschaft und die hohe Inflation. Das hohe Preisniveau für Öl und landwirtschaftliche Erzeugnisse infolge der BSE-Krise haben auch einen Großteil der erhofften Entastungswirkungen durch die Steuerreform zunichte gemacht. Dieser Angebotsschock lässt nun nach: Die Preise steigen weniger stark und in den USA ist auch Besserung in Sicht.

DIE WELT: Wann wird es in den USA wieder aufwärts gehen?

Scheide: Es kann jeden Monat losgehen, vor allem durch die massiven Zinssenkungen der Notenbank. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass es allzu stürmisch nach oben geht. Wachstumsraten von vier bis fünf Prozent wie in den vergangenen Jahren sind so bald nicht mehr zu erwarten. Die Investitionen im IT-Sektor etwa werden massiv zurückgeschraubt, das überlagert die übrige Konjunkturentwicklung. Wegen dieser gegenläufigen Effekte ist auch sehr schwer vorhersehbar, wann genau die US-Konjunktur wieder anspringt.

DIE WELT: Erwarten Sie in Deutschland Unterstützung von der Konsumnachfrage?

Scheide: Durch die nachlassenden Preissteigerungen lässt auch die Verunsicherung der Verbraucher nach - das Konsumklima dürfte sich also aufhellen. Einen ausgeprägter Konsumschub ist aber nicht zu erwarten, dazu trägt vor allem die schlechte Entwicklung am Arbeitsmarkt bei - wenn die Menschen Angst um ihren Job haben, geben sie weniger Geld für Konsumgüter aus.

DIE WELT: Wann rechnen Sie in Deutschland mit der Trendwende?

Schiede: Der Ifo-Test könnte ein Zeichen dafür sein, dass wir noch im späten Verlauf dieses Jahres die Wende sehen. Das wird zwar dann kein massiver Schub sein, dazu bedarf es auch der Unterstützung einer stabileren Weltkonjunktur. Aber die Daten machen Hoffnung, das Ende des Jahres die Durststrecke überwunden ist.

DIE WELT: Wie stark wird die Wirtschaft In der Bundesrepublik im nächsten Jahr wachsen?

Scheide: Wenn die negativen Effekte abgeklungen sind, kann die Konjunktur auch wieder in einem normalem Tempo laufen. Normales Tempo heißt ein Wachstum von rund zwei Prozent.

DIE WELT: Sollte die Europäische Zentralbank den Amerikanern folgen und mit einer Zinssenkung die Wirtschaft anschieben?

Scheide: Die EZB sollte sich generell nicht darum kümmern, was andere Notenbanken machen. Die Amerikaner sind nicht so sehr der Währungsstabilität verpflichtet wie die EZB. Außerdem muss man beachten, dass das gegenwärtige Zinsniveau mit 4,5 Prozent nicht zu hoch ist und wir eine Inflationsrate haben, die deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent liegt. Darum sollte die EZB sehr vorsichtig sein und ihre Glaubwürdigkeit nicht durch übereilte Zinssenkungen aufs Spiel setzen.

www.welt.de/daten/2001/08/23/0823wi276869.htx

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