Hochbezahlte Ein-Euro-Jobs!


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Hochbezahlte Ein-Euro-Jobs!

 
31.05.05 06:59
Hochbezahlte Ein-Euro-Jobber VON STEPHAN KAUFMANN


Wer bislang gedacht hat, Ein-Euro-Jobs grenzten an Ausbeutung, der wird nun vom Forschungsinstitut IAB eines besseren belehrt: Ein-Euro-Jobs sind viel zu gut bezahlt! Nach IAB-Berechnungen verfügen nämlich manche Langzeitarbeitslose über ein höheres Einkommen als Beschäftigte in Niedriglohn-Jobs. Das ist zwar recht kompliziert, aber laut IAB möglich, und zwar so: Ein Verheirateter mit zwei Kindern unter sieben Jahren kann es mit Arbeitslosengeld II und einem Ein-Euro-Job mit 30 Stunden die Woche auf monatlich zwischen 1 769 und 2 209 Euro bringen. Dies entspreche auf dem freien Arbeitsmarkt einem Bruttostundenlohn zwischen 6,35 und 10,90 Euro. Für Niedriglohn-Jobs zahlten Unternehmen hingegen im Durchschnitt nur 9,40 Euro pro Stunde.

Die Forscher geben leider nicht an, wie viele langzeitarbeitslose Zweifach-Väter mit 30-stündigem Ein-Euro-Job es hier zu Lande wohl gibt - wie oft also die Gefahr besteht, dass ein solcher satte 1,50 Euro pro Stunde mehr erhält als ein schlecht bezahlter Arbeitnehmer. Statt dessen warnt das IAB lieber, dass "in solchen Fällen die Gefahr besteht, dass für die Betroffenen Anreize für eine Beschäftigung in einem regulären Job verloren gehen".

Einerseits möchte man den Forschern antworten, dass ein Niedriglohn-Job auf Grund eben des miesen Lohnes natürlich nicht besonders "anreizend" ist. Oder man möchte anmerken, dass ihr Befund sich schlicht der Tatsache verdankt, dass der allgemein geforderte Niedriglohnsektor sich ausweitet, die Durchschnittslöhne also in Richtung mickriger Arbeitsloseneinkünfte sinken. Andererseits bemühen die Forscher eine Variation des "Faulenzer"-Verdachts: Die Arbeitslosigkeit sei so hoch, nicht etwa weil Stellen fehlten, sondern weil die Arbeitslosen die - niedrig entlohnten - Stellen nicht wollten. Das nachzuweisen dürfte dem IAB schwer fallen. Und schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass es für einen ALG-II-Empfänger ohnehin nicht viel "Anreiz" zur Arbeitsaufnahme braucht, kann ihn der Staat doch längst zur Annahme jedes legalen Jobs zwingen.

 
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