Softwarehersteller Adobe hat die Analystenerwartungen übertroffen. Auch die Prognose für die kommenden Monate verspricht weiteres Wachstum.
Schalow Communications
Martin Brust
13. Dezember 2002
Adobe Systems Inc.
WKN 871981
Branche Standardsoftware
Land USA
Kurs bei Besprechung 25,25 Euro
Datum 13.12.2002
Börsenkennzahlen
Unternehmen Adobe Systems Inc.
52 Wochen Hoch 47,60 Euro
52 Wochen Tief 17,10 Euro
Marktkapitalisierung 6,2 Mrd. Euro
Erwähnte Unternehmen
Name WKN Kauf Verk. News
Adobe Systems Inc. 871981
Frankfurt – Unternehmen mit verschobenem Geschäftsjahr sind nicht zuletzt deshalb von Interesse, weil ihre Ergebnisse - versetzt zur großen Masse in den Earning Seasons am Anfang des Quartals - Investoren eine Zwischenindikation über die aktuelle Lage geben können. Der kalifornische Softwarehersteller Adobe Systems Inc. gehört in diese Kategorie – gestern am späten Abend europäischer Zeit veröffentlichte das Unternehmen Zahlen für das vierte Quartal 2002 und das Gesamtjahr, das am 29. November beendet worden war.
„Wir freuen uns, im vierten Quartal wieder zu Wachstum im Vergleich zum Vorjahr zurück gekehrt zu sein,“ so CEO Bruce R. Chizen in einer Presseerklärung. In den ersten neun Monaten musste sein Unternehmen im Jahresvergleich jeweils rückläufige Ergebnisse hinnehmen – übertraf jedoch stets die Analystenerwartungen. So auch nun wieder. Adobe berichtete von einem Reingewinn von 40 Mio. USD oder 17 us-cts je Aktie im vierten Quartal gegenüber 0,14 USD je Aktie im Vorjahr. Der Umsatz legte um elf Prozent auf 295 Mio. USD zu und lag damit am oberen Ende der eigenen Prognosen von Oktober. Ohne Sonderbelastungen lag der Gewinn bei 0,25 USD je Aktie gegenüber 0,20 USD im Vorjahr – Analysten hatten einen Gewinn vor Sonderfaktoren von 0,23 USD geschätzt und einen Umsatz von 290 Mio. USD.
Der Gewinn nach US-GAAP hat zwar sequentiell von 47 Mio. USD auf 40 Mio. USD abgenommen, nicht jedoch der Pro-Forma-Gewinn. Dies erklärt sich durch Sonderbelastungen, darunter bereits im Oktober angekündigte Umstrukturierungskosten in Höhe von zehn bis 14 Mio. USD für die Entlassung von sieben Prozent der Angestellten. Für ein gutes operatives Geschäft sprechen auch die verbesserten Margen – während der Betriebsgewinn im vieren Quartal 2001 und im dritten 2002 jeweils gut 25 Prozent vom Umsatz betrug, kletterte dieser Wert im vierten Quartal auf 28,4 Prozent. Für das laufende erste Quartal 2003 strebt Adobe einen Umsatz von 275 Mio. USD mit einer Gewinnspanne von 25 bis 26 Prozent und einem Pro-Forma-Gewinn je Aktie von 0,21 bis 0,23 USD an, die Gewinnmarge von 28 Prozent soll aber im Gesamtjahr gehalten werden.
Adobe hat damit ein positives Signal abgeliefert, das sich von den unterschiedlichen konjunkturellen Daten dieser Woche abhebt. Denn die gestern gemeldeten Einzelhandelsumsätze der USA sind im November wie erwartet recht stark gestiegen, allerdings vor allem in Bereichen rund um das Haus und bei Konsumartikeln, während die Warenhausumsätze etwa, als Indikator für das Weihnachtsgeschäft, abnahmen. Auch höher als erwartete Erstanträge von Arbeitslosen waren gestern gemeldet worden, ein schlechtes Zeichen für den privaten Konsum und damit auch für die gesamte wirtschaftliche Situation.
Adobe als Softwareunternehmen ist von diesen Statistiken konkret wenig berührt, von einer schwachen Konjunktur aber schon. Produktseitig ist für das kommende Quartal eine neue Version seiner Acrobat-Software angekündigt, die sich als Standard für den elektronischen Austausch von Dokumenten durchgesetzt hat. Ein neues Photoshop-Release ist für das Ende des laufenden Geschäftsjahres vorgesehen. Beide Programme sind weit verbreitete Standardanwendungen, dennoch ist das Unternehmen von konjunkturellen Schwankungen betroffen. Photoshop etwa hat sich im Grafikbereich durchgesetzt, ob Medienunternehmen, die in einer tiefen Krise stecken, jedes neue Update kaufen ist deshalb fraglich.
Allerdings sind zuletzt neue Programme veröffentlich worden, denen Wachstum zugetraut werden darf. Der „Document Server“ und der „Graphics Server“ setzen auf vorhandenen Technologien auf und verbessern deren Netzwerkfähigkeit. So soll das PDF-Format künftig vom Ersteller mit einem Rechtemanagement versehen werden können, durch das der User, ausgestattet lediglich mit dem kostenlosen „Acrobat Reader“, vorher definiertet Änderungen an dem Dokument vornehmen kann – beispielsweise Formulare ausfüllen und signieren, Anmerkungen hinzufügen oder Memos abzeichnen. Das ist wichtig zur Verbesserung des elektronischen Workflow oder für Online-Einkäufe.
Die Aktie weist selbst nach Kursverlusten von rund 17 Prozent in den vergangenen beiden Wochen noch immer ein Plus von knapp 60 Prozent gegenüber dem Jahrestief Anfang August und ein KGV für das laufende Geschäftsjahr von 26 auf. Der Konsens der Analysten in den USA empfiehlt „Halten“, allerdings haben die Investmentbanken Bancor Piper Jaffray, Credit Suisse First Boston und RBC Capital aktuell ihre Zwölf-Monats-Kursziele für das Unternehmen auf jeweils über 30 USD angehoben, CSFB ist mit 35 USD am positivsten gestimmt. Ein Fall für die Watchlist ist das Unternehmen allemal, sollte nach den Gewinnen von Oktober und November derzeit wieder eine größere Korrektur laufen, wird möglicherweise auch die Bewertung wieder auf ein attraktiveres Niveau sinken.