Sanduhr der Baisse ist leer
Mails/Nachrichten vom 14.10.2002, Bernecker & Cie.
--------------------------------------------------
Guten Morgen, meine Damen und Herren,
über den Börsenverlauf der vergangenen zwei Tage (Donnerstag und Freitag) wird noch viel gerätselt werden. Zunächst ist festzustellen: Die Sanduhr der Baisse ist leer, wie in der AB formuliert. Unmögliches wird demnächst sofort erledigt, aber Wunder dauern etwas länger. Ich hatte Ihnen für den Oktober das Durchschreiten des Tiefs avisiert. Die Hälfte ist um. Überaus scharfe Reaktionen bedingen natürlich auch entsprechende technische Korrekturen. Das wird in den nächsten Tagen zu beobachten sein, wobei insbesondere die Finanzaktien im Mittelpunkt des Interesses stehen. Sämtliche Zahlen habe ich Ihnen dazu in den letzten Briefen an die Hand gegeben. Die teils unverantwortlichen Gerüchte, Vermutungen, Verdächtigungen und sonstigen Varianten sind stets das Ende einer Baisse. Nämlich dadurch gekennzeichnet, daß niemand mehr etwas Genaues weiß, aber gern fabuliert.
In New York ist heute Columbus Day. Die Aktienmärkte sind aber geöffnet. Banken sind geschlossen. Das führt in der Regel zu etwas eingeschränkten Geschäften. Am Freitag wurden 2 Mrd Stück an der Nyse umgesetzt. Ein Tag vorher waren es 1,8 Mrd. Nach aktuellen Schätzungen entfielen etwa 60 % davon auf Eindeckungen der Short-Positionen. Ein Trend beginnt aber erst dann und wirklich, wenn die echten Investments beginnen. Deshalb bin ich zuversichtlich, aber vorsichtig. Mit dem Verlauf bin ich gleichwohl zufrieden. Am wichtigsten ist für mich: Die großen Schwergewichte in der Kapitalisierung haben sich, wenn auch extrem mühevoll, einigermaßen halten können. Das gilt auch für GENERAL ELECTRIC, die zwei Tage unter 23 $ lagen, inzwischen 24,25 $. Auch IBM war durchgesackt, inzwischen jedoch knapp 64 $. Schließlich konnten auch INTEL und MICROSOFT das gleiche vorweisen. CISCO hat dagegen das 8 $-Tief testen müssen, inzwischen knapp über 10 $. Das müßte es gewesen sein. Dennoch: Die Basis ist vorerst noch sehr dünn.
Der Grund liegt darin: Die Indizes sind in die alten Trendkanäle zurückgefallen, die von 1982 bis 1994 gegolten haben, aber diese Kanäle wiederum haben eine Schwankungsbreite von gut 10 %. Da die Volatilität noch sehr hoch ist, ist also für die kommenden Wochen noch mit sprunghaften Veränderungen zu rechnen. Lediglich der Trend dürfte sich stabilisierend entwickeln. Das bedeutet: Technische Schwächen sind demnächst Korrekturen im Aufwärtstrend und das genaue Gegenteil dessen, was Sie in den vergangenen 5 Monaten erlebten, nämlich Korrekturen im Abwärtstrend. Kaufen Sie also nicht an festen, sondern lediglich an schwachen Tagen, dann aber konsequent. Das wird im einzelnen zu präzisieren sein.
Der DAX zeigt Ihnen das exemplarisch, worauf ich schon kurz eingegangen bin. Erstmals seit vier Jahren ist die Markttechnik im DAX-Monats-, im DAX-Wochen- und im DAX-Tagesverlauf identisch. Ich werde Ihnen in der AB auf den Seiten 1 und 2 zeigen, worauf es wirklich ankommt. Wenn Sie diese Markttechnik sehen, so ist dies die logische Ergänzung dessen, was ich Ihnen für den Verlauf der Baisse in den letzten 6 Wochen an mehreren Fallbeispielen erläutert habe. Ergebnis:
Wenn der DAX 14 % in zwei Tagen zulegt, muß er natürlich auch 4 oder 5 % wieder abgeben. Das sind die gemeinten technischen Korrekturen. Alles zusammen gehört zur Wende der Märkte in diesen Wochen, worauf noch keine einzige Analyse eingeht, wenn ich die Kommentare in den Medien richtig verstehe. Deshalb verzichte ich heute auf eine Detailanalyse, doch als Beispiel: Wenn die ALLIANZ von 74 E. auf 96 E. anzieht, muß sie auch nochmals auf 88 E. zurückfallen können. Ob Sie 1 oder 3 E. mehr zahlen, ist mir nicht wichtig. Das Gesamtpotential liegt bedeutend höher. Unter 50 % läuft nichts. Das mittelfristige Kursziel dieser Aktie geht weit über 190/200 E. hinaus. Dazu ebenfalls die weiteren Details in der AB. Aber: Bitte machen Sie mir keine Vorwürfe, wenn ich angesichts dieser Volatilität nicht den tiefsten Kaufkurs erwische. Das kann nur Jesus.
Werfen Sie einen Blick auf den Bondmarkt. Die Renditen steigen, weil die Kurse fallen. Nicht umgekehrt, was merkwürdig klingt. Der Grund: Das Kapital wechselt aus dem sicheren Hafen der Treasury Bonds Schritt für Schritt in Aktien. Es werden also Bonds verkauft, was die Kurse drückt und mithin die Zinsen anhebt. Unterscheiden Sie also zwischen Ursache und Wirkung.
Warum ist das wichtig? Sie werden jetzt einen Wechsel in den Kapitalströmen erleben, der nicht unbeträchtlich ist. Auch dies läuft über Monate und nicht drei Tage. Keiner der großen Fonds ist schon auf der Käuferseite.
In der letzten AB habe ich Ihnen beschrieben, wie alle Baisseperioden ausgelaufen und alle anschließenden Hausseperioden verlaufen sind. Allesamt habe ich persönlich erlebt. Ihnen ist noch nichts davongelaufen, aber bitte: Operieren Sie mit Augenmaß und nicht mit wilder Hektik. Ganz wichtig: In der AB Nr. 40 hatte ich eine sog. Dreisäulenstrategie skizziert. Was das heißt, machte die Börse bereits vor.
Die erste Gruppe repräsentiert sich am besten in den Finanzaktien. Die zweite Gruppe in den Technologietiteln mit dem Beispiel SAP. Mein Tief mit 38/42 E. als „worst case“ wurde nur einen Tag erreicht, anschließend 56 E. Diese Aktien haben also den größten Hebel, aber dafür auch nur ein begrenztes Potential. Die dritte Gruppe sind schließlich die Titel mit der höchsten relativen Stärke. Also bitte Nr. 40 nachlesen und gedanklich nachvollziehen, aber dann auch konsequent umsetzen.
Zum fünften Mal hintereinander lese ich die wachsenden Empfehlungen für Telekom-Serviceunternehmen, die sowohl in den USA als auch in Europa hochgestuft werden. Merrill Lynch macht sich für AT&T stark. Wer gibt die nächste Kaufempfehlung für DT. TELEKOM? Darauf sollten Sie jetzt sehr scharf achten. Die Meinungswende in USA hatte ich in der AB schon dreimal kommentiert. Das sind keine schnellen Renner, aber ganz wichtige Träger der künftigen Tendenz.
Wenn Sie die aktuellen Konjunkturzahlen lesen, so denken Sie daran: Die Börse hat in den vergangenen 8 Monaten das vorweggenommen bzw. eingepreist, was die Konjunktur in allen Facetten jetzt statistisch bestätigt. Das jedoch, was die Börse in den kommenden Monaten „antizipieren“ wird, wird sich in den entsprechenden Wirtschaftsdaten frühestens in 1 oder 1 ½ Jahren darstellen. Deshalb schauen Sie auf die aktuellen Konjunkturdaten überhaupt nicht, denn sie sind nur die Bestätigung der gesunkenen Kurse, aber keine Perspektive mehr, die die Börse selbst „aufbaut“.
Nachrichtlich: Morgen kommen die Zahlen von GENERAL MOTORS, INTEL, MOTOROLA und CITIGROUP sowie PHILIPS. Am Mittwoch folgen APPLE COMPUTER, AMD und FORD sowie IBM, MC DONALD’S, J.P. MORGAN und SIEBEL. Am Donnerstag sind dran: SAP, NOKIA und DANONE. Auch ich bin gespannt.
Morgen geht es weiter.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
--------------------------------------------------
Served by sonne02.bern-stein.de on 14.10.2002 13:58:49 for 80.129.68.195
WebText © 2001 by 1STEIN GmbH + + + eMail: info@bern-stein.de
Mails/Nachrichten vom 14.10.2002, Bernecker & Cie.
--------------------------------------------------
Guten Morgen, meine Damen und Herren,
über den Börsenverlauf der vergangenen zwei Tage (Donnerstag und Freitag) wird noch viel gerätselt werden. Zunächst ist festzustellen: Die Sanduhr der Baisse ist leer, wie in der AB formuliert. Unmögliches wird demnächst sofort erledigt, aber Wunder dauern etwas länger. Ich hatte Ihnen für den Oktober das Durchschreiten des Tiefs avisiert. Die Hälfte ist um. Überaus scharfe Reaktionen bedingen natürlich auch entsprechende technische Korrekturen. Das wird in den nächsten Tagen zu beobachten sein, wobei insbesondere die Finanzaktien im Mittelpunkt des Interesses stehen. Sämtliche Zahlen habe ich Ihnen dazu in den letzten Briefen an die Hand gegeben. Die teils unverantwortlichen Gerüchte, Vermutungen, Verdächtigungen und sonstigen Varianten sind stets das Ende einer Baisse. Nämlich dadurch gekennzeichnet, daß niemand mehr etwas Genaues weiß, aber gern fabuliert.
In New York ist heute Columbus Day. Die Aktienmärkte sind aber geöffnet. Banken sind geschlossen. Das führt in der Regel zu etwas eingeschränkten Geschäften. Am Freitag wurden 2 Mrd Stück an der Nyse umgesetzt. Ein Tag vorher waren es 1,8 Mrd. Nach aktuellen Schätzungen entfielen etwa 60 % davon auf Eindeckungen der Short-Positionen. Ein Trend beginnt aber erst dann und wirklich, wenn die echten Investments beginnen. Deshalb bin ich zuversichtlich, aber vorsichtig. Mit dem Verlauf bin ich gleichwohl zufrieden. Am wichtigsten ist für mich: Die großen Schwergewichte in der Kapitalisierung haben sich, wenn auch extrem mühevoll, einigermaßen halten können. Das gilt auch für GENERAL ELECTRIC, die zwei Tage unter 23 $ lagen, inzwischen 24,25 $. Auch IBM war durchgesackt, inzwischen jedoch knapp 64 $. Schließlich konnten auch INTEL und MICROSOFT das gleiche vorweisen. CISCO hat dagegen das 8 $-Tief testen müssen, inzwischen knapp über 10 $. Das müßte es gewesen sein. Dennoch: Die Basis ist vorerst noch sehr dünn.
Der Grund liegt darin: Die Indizes sind in die alten Trendkanäle zurückgefallen, die von 1982 bis 1994 gegolten haben, aber diese Kanäle wiederum haben eine Schwankungsbreite von gut 10 %. Da die Volatilität noch sehr hoch ist, ist also für die kommenden Wochen noch mit sprunghaften Veränderungen zu rechnen. Lediglich der Trend dürfte sich stabilisierend entwickeln. Das bedeutet: Technische Schwächen sind demnächst Korrekturen im Aufwärtstrend und das genaue Gegenteil dessen, was Sie in den vergangenen 5 Monaten erlebten, nämlich Korrekturen im Abwärtstrend. Kaufen Sie also nicht an festen, sondern lediglich an schwachen Tagen, dann aber konsequent. Das wird im einzelnen zu präzisieren sein.
Der DAX zeigt Ihnen das exemplarisch, worauf ich schon kurz eingegangen bin. Erstmals seit vier Jahren ist die Markttechnik im DAX-Monats-, im DAX-Wochen- und im DAX-Tagesverlauf identisch. Ich werde Ihnen in der AB auf den Seiten 1 und 2 zeigen, worauf es wirklich ankommt. Wenn Sie diese Markttechnik sehen, so ist dies die logische Ergänzung dessen, was ich Ihnen für den Verlauf der Baisse in den letzten 6 Wochen an mehreren Fallbeispielen erläutert habe. Ergebnis:
Wenn der DAX 14 % in zwei Tagen zulegt, muß er natürlich auch 4 oder 5 % wieder abgeben. Das sind die gemeinten technischen Korrekturen. Alles zusammen gehört zur Wende der Märkte in diesen Wochen, worauf noch keine einzige Analyse eingeht, wenn ich die Kommentare in den Medien richtig verstehe. Deshalb verzichte ich heute auf eine Detailanalyse, doch als Beispiel: Wenn die ALLIANZ von 74 E. auf 96 E. anzieht, muß sie auch nochmals auf 88 E. zurückfallen können. Ob Sie 1 oder 3 E. mehr zahlen, ist mir nicht wichtig. Das Gesamtpotential liegt bedeutend höher. Unter 50 % läuft nichts. Das mittelfristige Kursziel dieser Aktie geht weit über 190/200 E. hinaus. Dazu ebenfalls die weiteren Details in der AB. Aber: Bitte machen Sie mir keine Vorwürfe, wenn ich angesichts dieser Volatilität nicht den tiefsten Kaufkurs erwische. Das kann nur Jesus.
Werfen Sie einen Blick auf den Bondmarkt. Die Renditen steigen, weil die Kurse fallen. Nicht umgekehrt, was merkwürdig klingt. Der Grund: Das Kapital wechselt aus dem sicheren Hafen der Treasury Bonds Schritt für Schritt in Aktien. Es werden also Bonds verkauft, was die Kurse drückt und mithin die Zinsen anhebt. Unterscheiden Sie also zwischen Ursache und Wirkung.
Warum ist das wichtig? Sie werden jetzt einen Wechsel in den Kapitalströmen erleben, der nicht unbeträchtlich ist. Auch dies läuft über Monate und nicht drei Tage. Keiner der großen Fonds ist schon auf der Käuferseite.
In der letzten AB habe ich Ihnen beschrieben, wie alle Baisseperioden ausgelaufen und alle anschließenden Hausseperioden verlaufen sind. Allesamt habe ich persönlich erlebt. Ihnen ist noch nichts davongelaufen, aber bitte: Operieren Sie mit Augenmaß und nicht mit wilder Hektik. Ganz wichtig: In der AB Nr. 40 hatte ich eine sog. Dreisäulenstrategie skizziert. Was das heißt, machte die Börse bereits vor.
Die erste Gruppe repräsentiert sich am besten in den Finanzaktien. Die zweite Gruppe in den Technologietiteln mit dem Beispiel SAP. Mein Tief mit 38/42 E. als „worst case“ wurde nur einen Tag erreicht, anschließend 56 E. Diese Aktien haben also den größten Hebel, aber dafür auch nur ein begrenztes Potential. Die dritte Gruppe sind schließlich die Titel mit der höchsten relativen Stärke. Also bitte Nr. 40 nachlesen und gedanklich nachvollziehen, aber dann auch konsequent umsetzen.
Zum fünften Mal hintereinander lese ich die wachsenden Empfehlungen für Telekom-Serviceunternehmen, die sowohl in den USA als auch in Europa hochgestuft werden. Merrill Lynch macht sich für AT&T stark. Wer gibt die nächste Kaufempfehlung für DT. TELEKOM? Darauf sollten Sie jetzt sehr scharf achten. Die Meinungswende in USA hatte ich in der AB schon dreimal kommentiert. Das sind keine schnellen Renner, aber ganz wichtige Träger der künftigen Tendenz.
Wenn Sie die aktuellen Konjunkturzahlen lesen, so denken Sie daran: Die Börse hat in den vergangenen 8 Monaten das vorweggenommen bzw. eingepreist, was die Konjunktur in allen Facetten jetzt statistisch bestätigt. Das jedoch, was die Börse in den kommenden Monaten „antizipieren“ wird, wird sich in den entsprechenden Wirtschaftsdaten frühestens in 1 oder 1 ½ Jahren darstellen. Deshalb schauen Sie auf die aktuellen Konjunkturdaten überhaupt nicht, denn sie sind nur die Bestätigung der gesunkenen Kurse, aber keine Perspektive mehr, die die Börse selbst „aufbaut“.
Nachrichtlich: Morgen kommen die Zahlen von GENERAL MOTORS, INTEL, MOTOROLA und CITIGROUP sowie PHILIPS. Am Mittwoch folgen APPLE COMPUTER, AMD und FORD sowie IBM, MC DONALD’S, J.P. MORGAN und SIEBEL. Am Donnerstag sind dran: SAP, NOKIA und DANONE. Auch ich bin gespannt.
Morgen geht es weiter.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
--------------------------------------------------
Served by sonne02.bern-stein.de on 14.10.2002 13:58:49 for 80.129.68.195
WebText © 2001 by 1STEIN GmbH + + + eMail: info@bern-stein.de
