Mails/Nachrichten vom 21.05.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die gestrige Börse hätte am besten gar nicht stattgefunden. Bei in Europa halbierten oder geviertelten Kursen gab es mehr Zufalls- als Realkurse. Der Wall Street fehlten wiederum so einige Anregungen, nachdem die neuesten Wirtschaftsdaten einen leicht abgeschwächten Eindruck machten. Die Gründe hatte ich schon beschrieben. Mich interessieren die Wirtschaftsdaten erst ab Juni. Das gilt übrigens auch für die maßgebenden Leute in der FED.
Die Markttechnik in Wall Street: Nyse zeigt verschlechterte Daten für A/D, aber positive für new high/new low. Das Downside-Volume übertraf das Upside-Volume im Verhältnis 1,5:1. Die Nasdaq zeigt eine ähnliche Relation. Worum es geht:
Alle waren erleichtert, daß DELL COMPUTER 1 Cent (!) mehr je Aktie verdient hat. Der Umsatz von 8,1 Mrd $ im letzten Quartal lag im Bereich der Erwartung. Einen weiteren Cent mehr je Aktie gibt es im laufenden Quartal. Das werden also 18 Cents oder für das ganze Jahr 72 – 75 Cents je Aktie. Und wo liegt die Börsenkapitalisierung? Bei 70 Mrd $ für einen Umsatz von voraussichtlich 32 - 33 Mrd $. Wie weit kann eine solche Aktie also steigen? DELL ist der dritte Fall nach CISCO und APP MATERIALS, worüber in den letzten 10 Tagen heftig diskutiert wurde. Ich halte die Bewertungsblase in vielen (nicht mehr in allen) Technologieaktien für noch nicht beendet. Darunter leidet der gesamte Markt.
Pharma und Biotech machen es nach. Nun ist PFIZER dran. Nach Lipobay von BAYER heißt das Medikament Lipitor von PFIZER. Mit 6,5 Mrd $ Umsatz das meist- verkaufte Arzneimittel der Welt. Dafür hat PFIZER aber mit einem Börsenwert von über 200 Mrd $ eine satte Prämie im Kurs. Somit ist PFIZER der Letzte nach SCHERING PLOUGH bzw. E. LILLY, der die frühere Überbewertung weitgehend beendet hat. Die Bioszene habe ich entsprechend kommentiert, siehe AMGEN, BIOGEN etc. Das alles ist sehr, sehr positiv. Warum?
Eine Konjunkturbörse orientiert sich nicht an Fantasien der Analysten und Investment Banker, sondern an den Realitäten der Firmenzahlen. Deshalb steigen die Kurse dieser Titel Schritt für Schritt und weiterhin, während der übrige Rest seine Probleme hat. Wann diese letztlich beseitigt sein werden, weiß ich nicht. Daß sie aber beseitigt werden, dessen bin ich sicher. Wer ist schon unten?
Eine ganze Reihe von ersten Adressen, die niemand mehr haben will. Das sind LUCENT, XEROX, demnächst wahrscheinlich auch NORTEL, was ich noch offen lasse, aber auch UNISYS und HEWLETT PACKARD nach der Fusion mit COMPAQ, um nur einige bekannte Namen zu nennen. Auf die anderen Segmente habe ich schon wiederholt hingewiesen. Sogar SEARS ROEBUCK ist ein weiterer Kauf nach dem Übernahmeangebot für LAND’s END. KGV 10 und eine weitere 20 - 25-%-Chance. Schließlich der Sektor Autozulieferung mit einer erweiterten Empfehlung in der nächsten AB, ein Ausbau der Ölservice-Investments und auch Gold.
Das alles klingt natürlich etwas „old“, was es nicht ist. Die Konjunktur von 285 Mio Amerikanern orientiert sich aber an anderen Dingen als lediglich an der Technologie. Diese Konjunktur ist der Hintergrund für Ihre Aktieninvestments.
Frankfurt spielte gestern Pfingstbörse. Ob dies bei einem geviertelten Umsatz Sinn macht, lasse ich offen. Auch hier: Die Degradierung von MLP geht natürlich in Ordnung, obwohl es sich um ein erstklassiges Unternehmen handelt. Wie oft habe vorgerechnet, daß die Bewertung nicht stimmt, aber eine solche Aktie permanent „gespielt“ wurde und wird, worin der Unterschied liegt. Jetzt erst beginnen die Mitspieler mit dem Rückzug. Damit ist der Titel vorerst kein Investmentpapier.
Die DEGUSSA-Spekulation geht mit einem Gewinn von 46 % aus dem Rennen. Die Abfindung kommt mit 38 E., aktuell um 34/35 E., und ich würde ab 37 E. über den Markt Kasse machen. Eigentlich ist dieser Kurs noch etwas zu niedrig, doch Abfindung ist Abfindung. Im übrigen trifft dieser Kurs ziemlich genau meine Berechnung für den DEGUSSA-Kurs, die Sie in der AB mehrfach nachlesen konnten.
Als nächstes ist STINNES dran. Zwischengewinn hier schon um 25 - 35 %, je nach Einkauf. Und was bedeutet dies für die Mutter E.ON? Das erkläre ich in der nächsten AB.
13 Mrd E. gelten als Kaufpreis für BEIERSDORF. Das wäre sensationell. Aktueller Börsenwert um 11 Mrd E., so daß die Restmarge nur noch bescheiden bleibt. Je Aktie ca. 145/150 E., falls die Preisangabe stimmt. Kolportiert wurde sie von der „Financial Times“, die in diesen Dingen allerdings stets etwas großzügig ist. Indes: Ab 140/142 E. machen Sie bitte Kasse, und das freie Geld geht woanders hin. Auch dazu in der nächsten AB mehr.
Kolportiert wird auch der erste Ansatz einer deutschen ANLAGEBAU AG unter dem Dach von THYSSENKRUPP. Ich hatte darüber schon in der AB berichtet. In Düsseldorf gibt es unterschiedliche Denkansätze. Richtig ist jedoch: THYSSENKRUPP handelt in dieser Sache im Einvernehmen mit der NRW-Regierung bzw. der West-LB. Es gibt also politische Aspekte, die mir weniger gefallen. Denken Sie an die Bedingungen der damaligen Fusion THYSSEN/KRUPP. Die Qualität des THYSSEN-Managements ist für diese Problematik eher zu gering. Machbar wäre das Ganze zweifellos.
Die Rückstufungen für MAN durch einige Investmentadressen können Sie ignorieren. Die Zahlen von MAN müssen zweimal gelesen werden. Spätestens bei 25 E. ist diese Aktie wieder ein neuer Kauf. Im Kleinformat konnten Sie das schon nachvollziehen. Vor 4 Wochen wurde LOEWE von ähnlichen Adressen zurückgestuft, worauf der Kurs von 35 auf 29 E. absackte. Inzwischen ist diese Aktie wieder ein Favorit nach der Vorlage der neuen Zahlen, und der Kurs liegt über 32,50 E. Das gleiche Spiel erleben Sie jetzt mit RHÖN-KLINIK, worauf ich in der AB noch eingehe.
Kurz zum Gold: Meine Goldpreisprognose bleibt intakt. Konzentrieren Sie sich auf die Qualitätsaktien, wie in der AB skizziert. Die Ergänzung steht im nächsten Brief.
Schließlich: Der Euro hat die Marke 92 Cents gestern überschritten. Nächstes Ziel 94/95 Cents. Dann ist aber eine technische Pause fällig. Die Basisdaten dazu hatte ich Ihnen sehr frühzeitig dargestellt.
Das war’s für heute,
herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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