Hans Bernecker: Merck ein Mosaiksteinchen


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jack303:

Hans Bernecker: Merck ein Mosaiksteinchen

 
10.07.02 10:44
Merck ein Mosaiksteinchen  

Hans Bernecker: Merck ein Mosaiksteinchen
Mails/Nachrichten vom 09.07.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
nun soll’s Bush richten. Der amerikanische Präsident wird heute eine „Brandrede“ gegen die Bilanzmanipulationen halten, so die Erwartung in den Medien. Ich bleibe diesbezüglich eher zurückhaltend. Bewirken kann er zunächst nichts. Gleichwohl:

Der jüngste Fall MERCK ist nur ein Steinchen im Mosaik. Wie ich schon ankündigte, erwarte ich noch eine ganze Reihe solcher Entdeckungen, insbesondere mit der neuen SEC-Entscheidung, von jedem führenden Manager eine persönliche Erklärung hinsichtlich dieser Fragen zu verlangen. Das wird dazu führen, daß die Halbjahresbilanzen einem großen Reinemachen nahe kommen. Doch auch dies ist wiederum zu relativieren: Bilanzkreativität ist nicht Bilanzbetrug. Das unterscheiden Sie bitte. Aber ich hatte das Thema und deren Kausalität in der letzten AB schon beschrieben. Eine schöne Ergänzung dazu lesen Sie im neuesten „Spiegel“. Es ist gewissermaßen die detaillierte Beschreibung dessen, was ich in Kurzform auf der Seite 1 formuliert habe. Und noch eines sage ich dazu: In sechs Monaten spricht niemand mehr darüber. Kommen wir also zur Sache:

Der gestrige Verlauf war die technische Konsolidierung in Bezug auf die zwei Vortage. Es bleibt also dabei: Diszipliniert zuschauen, aber noch nicht handeln, solange die Zahlen und Fakten nicht vorliegen. Allein daran orientieren Sie sich bitte weiterhin. Dazu gilt wiederum: Mir kommt es sehr darauf an, daß mit diesen Zahlen die Septembertiefs aus der Schockphase möglichst nicht unterschritten werden. Kleine Abweichungen sind möglich, große aber nicht. Das muß einfach abgewartet werden. Ferner:

Das Thema Baisse-Spekulation ist noch nicht zu Ende. Die nächsten Opfer werden ausgeguckt, was Sie bitte wörtlich nehmen. Unterscheiden Sie jetzt zwischen zwei Denkansätzen, die ich schon beschrieben habe: Der erste ist fundamental und orientiert sich an der Frage, was zu teuer ist. Das ist auch die Ursache für viele meiner kritischen Bemerkungen gewesen (zu hohe Umsatzbewertung). Der zweite orientiert sich an den technischen Möglichkeiten der Trendfolgeanalyse. Das spielt vor allem beim Dollar eine Rolle. Seine gestrige Schwäche bezog sich übrigens auf MERCK, so daß mein gestriger Kommentar voreilig war. Ich hatte ihn um 08.30 Uhr diktiert und erst anschließend gewann der Euro noch einmal einen Cent. An der Beschreibung insgesamt hat dies nichts geändert.

Die Linie für heute in New York: Sie unternehmen nichts! Einzige Ausnahme sind weitere Käufe in PHILIP MORRIS, die bereits wieder 47 $ erreichten. Das Tief nach dem Tabakurteil lag bei 42 $, und ich hatte zu sofortigen Käufen geraten. Dabei bleibt es. Alles Nähere lesen Sie in der AB.

Frankfurt schaut auf TELEKOM. Fällt er oder fällt er nicht, der ehemalige Shooting Star unter den Managern, nämlich Ron Sommer. Seien Sie sicher, er fällt. Ungewöhnlich interessant ist allerdings die Frage, wer folgt. Unterschätzen Sie die Wirkung nicht und Sie lesen es bereits in der heutigen Presse: TELEKOM steht vor einer Radikalkur, und deshalb muß Sommer gehen. Mit dem gleichen Kopf läßt sich das nicht machen. Die Ergänzungen dazu lesen Sie in der AB, und hier baue ich auf ein sehr persönliches Informationsnetz, wie schon in den letzten Wochen. Klar ist auch, daß die Baisse-Spekulation ihre Positionen reduziert. Auch hier gilt:

Nach den starken Tagen hat sich gestern der Markt wieder gesetzt und der VDAX liegt bei 33 und somit unverändert in einer Art neutralen Zone. Das mißfällt mir. Würde er kontinuierlich fallen, wäre dies mittelfristig positiv. Schöner wäre ein Sprung über 42/45, nämlich ein Ausverkauf, um dann gewissermaßen mit Schwung in eine Sommer-Rally zu starten. Mit dieser Ausgangslage funktioniert das nicht.

Seien Sie also auch hier konsequent: Schauen Sie sich das Ganze an, aber handeln Sie heute nicht. Auch hier ist der Grund: Ich möchte die Zahlen zum 30.6. sehen oder einigermaßen greifen können.

Ein Wort zu BABCOCK. Für die Aktionäre ein Desaster. „Mit den von BABCOCK gelieferten Daten war keine Fundamentalanalyse mehr möglich“, so gestern ein Kenner der Verhältnisse. Ich habe ebenfalls versucht, wie Sie sich erinnern, Licht in die Vermögensverhältnisse zu bringen, die unverändert so galten: Der innere Wert aller Beteiligungen ist deutlich höher als der Börsenwert gewesen. Das gilt auch jetzt noch. Aber die nicht offengelegten Querverhältnisse führten zur Zahlungsunfähigkeit. Das ist ein gleiches Bilanzproblem wie es für die Amerikaner zur Zeit in den Schlagzeilen dargestellt wird. Wo ist denn der deutsche Wirtschaftsprüfer, der diese Konzernbilanzen geprüft und testiert hat?

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Sowohl bei HOLZMANN als auch bei KIRCH oder in diesem Falle bei BABCOCK lief es kaum anders als in den USA. Ich bin gleichwohl erschreckt, wie lässig man mit diesen Dingen umgeht, wenn man gleichzeitig die anderen als halbe Kriminelle bezeichnet. Bis jetzt habe ich von einer Strafanzeige oder offiziellen Prüfungen der zuständigen Stellen bei keinem dieser Fälle etwas gehört oder gelesen.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen,

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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