Hans Bernecker: Märkte hängen in der Luft


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jack303:

Hans Bernecker: Märkte hängen in der Luft

 
07.06.02 12:26
Märkte hängen in der Luft  


Mails/Nachrichten vom 07.06.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
alle Märkte haben zum Wochenende kritische Marken erreicht bzw. unterschritten. Also eine ähnliche Situation wie im letzten August. Der Ausverkauf von damals wird sich natürlich nicht so wiederholen. Die Märkte sind deutlich überverkauft, aber nach dem Unterschreiten dieser Marken hängen sie tatsächlich in der Luft. Das gilt für Deutschland mehr als für die USA, wobei der Dow Jones noch immer das beste Bild bietet und der Nasdaq um den zweiten Boden kämpft, wie häufig beschrieben.

Grundthese in dieser Situation: Wer jetzt verkauft, wirft sich aus dem Rennen. Wenn Ihre Bank Sie jetzt anruft und zum Verkauf drängt, ist das falsch. Sollten Sie nicht unter möglichem Kreditdruck stehen, folgen sie derartigen Empfehlungen nicht. Buchverluste werden erst dann zu echten Verlusten, wenn sie realisiert sind. Das schreibe ich fast beschwörend, aber aus Überzeugung und langjähriger Erfahrung. Das gilt auch dann, wenn die Kurse im Schnitt um weitere 10 % nachgeben. Seien Sie ganz gewiß: Wer jetzt bei 20 E. verkauft, wird den Tiefstkurs bei 17 E., der vielleicht nur einen Tag gültig ist, nicht erwischen. Die Chance dafür steht nur 10:90. Es ist also richtiger, eine solche Lage auszusitzen, als hektisch zu operieren. Indes:

Was Intel gestern bot, habe ich auf der Seite 1 der heutigen AB mit 2 Zahlen beschrieben. Intel ist ein hervorragendes Unternehmen, wie jeder weiß, aber immer noch zu teuer. Der faire Wert liegt um 18/20 $, aber eben nicht bei 26, 28 oder gar 30 $. Risiko in dieser Aktie also noch gut 30 %. Das sind übrigens sehr schnell 36 Mrd $ Börsenwert. Andererseits:


Lucent und Nortel werden jetzt regelrecht abgeschossen. Hier sind die Werte nach unten überzogen. Für Lucent bedeuten Kurse von 2,94 $ einen Börsenwert von knapp 9 Mrd $ für 17 Mrd $ Technologieumsatz. Das ist ein einwandfreier Kauf, wenn ich auch nicht weiß, ob noch weitere 20 oder 30 Cents nach unten drin sind. Für Nortel zur Information: 6,4 Mrd $ für ca. 10,5 Mrd $ Umsatz sind die gleiche Relation. Beide Firmen sind aber keine Nonvaleurs, sondern Weltmarktführer in ihrer Technologie. In diesen Titeln wird investiert und nicht devestiert. Ich schreibe dies nur als Maßstab und werde die neuen Einschätzungen erst geben, wenn die 6-Monatzahlen vorliegen. Ich zeige Ihnen mit dieser Vergleichsrechnung lediglich, woran Sie erkennen können, wie diese Schieflage in den Bewertungen weiterhin ein Problem bleiben.

Schwierig wird es an einem anderen Ende: Die ansteigende Konjunktur-Temperatur steht seit 8 Wochen im Gegensatz zum Geldmengenwachstum. Die FED hat nicht nur die Zuwachsrate reduziert, sondern eine echte Kontraktion hingenommen. Die EZB fährt einen ähnlichen Kurs. Stabilität und keine Risiken, aber mit dieser Geldpolitik würgen sie die Dynamik ab. Aus der Sicht der Amerikaner läßt sich das vielleicht noch vertreten. Aus der Sicht der Europäer ist es unverständlich. FED-Chef Greenspan nimmt wahrscheinlich auf den schwachen Dollar Rücksicht. Aber auch er riskiert damit eine kritische Konstellation am Kapitalmarkt, so daß ich gespannt bin, wie er damit weiterhin umgehen will. So etwas geht jedenfalls selten gut.

Für Deutschland gilt das gleiche in Grün. Intel läßt sich nicht mit Infineon vergleichen, aber Infineon mit AMD. Das beschrieb ich Ihnen im gestrigen Ticker. Womit Sie wissen, wo die Risiken in diesen deutschen Technologieaktien liegen. Wenn SAP heute in den Medien mit Oracle verglichen wird, so ist das schon sehr illustrativ. Beide Titel sind im Verhältnis zum Umsatz und dem Gewinn noch immer zu teuer. Deshalb fasse ich sie auch weiterhin nicht an. Das schließt kurzfristige Gewinne von bis zu 20 % nicht aus, wie ich immer wieder betone. Aber am Ende landet Oracle wahrscheinlich bei 5 $ und SAP deutlich unter 100 E., so daß man dann über längerfristige Investments diskutieren kann. Beide Unternehmen sind hervorragend, aber eben noch sehr teuer.

These für heute: Gehen sie nicht raus und verkaufen keine einzige Aktie, soweit sie zu meinen Empfehlungen gehören und solide bewertet sind. Das gilt grundsätzlich.

Nachrichtlich: Bilfinger & Berger kauft Rheinhold & Mahla. Damit ist für letztere eine Abfindung gegeben. Ich hatte diese Aktien kürzlich schon empfohlen. Bei Rhön-Klinik, Loewe und Techem sind die Verkäufe ausgelaufen. Hier sind die Rückkäufe weiterhin gültig. Im übrigen verzichte ich heute auf eine aktuelle Empfehlung. Ein bißchen Galgenhumor zum Wochenende, wenn Sie auf die heutigen Kurse schauen: 'Auch der Dumme hat manchmal einen gescheiten Gedanken. Er merkt es nur nicht.'

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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Mützenmacher:

Kenne zwar die schwimmenden Märkte, aber hängende? o.T.

 
07.06.02 12:52
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Tradingman:

DAX, Dow, und Nasdaq haben Unterstützungen...

 
07.06.02 13:06
durchbrochen, warum sollten die Shorties ausgerechnet vor den nächsten Unterstützungen im Niemandsland (hängende Märkte-H.A.Bernecker) halt machen, gibt ja keinen Sinn.

Im Moment haben auf allen Märkten die Bären die Oberhand, scheinbare kurzfristige Erhohlungen nutzen die immer wieder aus, um 'draufzuhauen, die Bullen haben überhaupt keine Chance.

Wartet die nächsten Unterstützungen und die dazugehörige Bodenbildung ab und versucht nicht wie die Lemminge immer wieder scheinbare Alltime-low's aufzugabeln (reicht maximal für 'nen kleinen Pullback) oder geht gleich short (obwohl dies emotional schwieriger ist, als long zu gehen).

Tradinggrüsse
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