Guter Eindruck
Mails/Nachrichten vom 15.10.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der Verlauf des gestrigen Tages machte einen guten Eindruck. Zunächst in Europa, anschließend in New York. Die Markttechnik ist stimmig, liefert aber keine neuen Erkenntnisse. Dennoch bleibe ich dabei: Das Tief wird im Oktober durchschritten, aber auf den letzen Punkt läßt sich das nicht mehr genau definieren. Vorfälle wie Bali gehören mit dazu, aber aussagefähig sind sie nicht. Neue Meinungsakzente gibt es heute von INTEL, die im 3. Quartal mit höherem Ertrag bei stagnierendem Umsatz rechnen. Für das 3. Quartal ergeben sich 13 Cents nach 10 Cents Gewinn je Aktie. Auch die Trendaussage von INTEL fällt positiv aus. Umgekehrt: Merrill Lynch stufte gestern die Autoaktien herunter, aber GENERAL MOTORS erwartet ein besseres 3. Quartal. Unternehmenschef Jack Smith macht sich sogar stark, das Ergebnis deutlich zu verbessern. Per Juli waren es sogar 2,63 $ Gewinn je Aktie. Handicap ist dagegen die Frage, ob GM bei FIAT vorzeitig einsteigen muß. Ergo:
Die nächsten 10 Tage werden die fundamentale Seite deutlicher beleuchten. Bis Ende der kommenden Woche dürften ca. 60 % aller relevanten Unternehmensdaten per 30.9. schon vorliegen. Da aber die Erwartungen sehr negativ sind, rechne ich eher mit positiven Reaktionen des Marktes. Die wichtigsten Firmen hatte ich gestern schon genannt.
Eine Sonderstory zeichnet sich für die Pharmazeutik ab. Gestern gab es einen Vorgeschmack im Patentstreit Astra Zeneca/Schwarz Pharma. Aus allen US-Pharma-Titeln bin ich seit über 18 Monaten total raus. Das war richtig. Jetzt geht es um den Wiedereinstieg auf einem sehr niedrigen Bewertungsniveau. Angefangen von BRISTOL MYERS über MERCK, ELI LILLY, PFIZER und SCHERING PLOUGH. Beobachten Sie diese Titel demnächst genauer. Das färbt auch auf die deutsche Szene ab, siehe ALTANA, SCHWARZ PHARMA und demnächst SCHERING.
Die reduzierten Gewinnschätzungen für die deutschen Großbanken durch Merrill Lynch können Sie beiseite legen. Die gestrige Reaktion sollten Sie ebenfalls übersehen. Ich halte an meinen Auffangkursen in der AB noch fest, werde sie aber zum Wochenende voraussichtlich geringfügig korrigieren. Deshalb sind die Versicherungsaktien heute wichtiger. Ich mahne dies erneut an. Im übrigen aber:
Der „Spiegel“-Titel widmet sich in dieser Woche den deutschen Banken. Lesen Sie ihn nebst Interview mit Breuer. Es ist höchst aufschlußreich und auch richtig, aber stets eine Art Trendwende. Immer dann, wenn der „Spiegel“ dies im Oktober so auf den Punkt bringt, weiß man, daß es der Endpunkt ist. Vor genau 27 Jahren (im Oktober 1974) lief das gleiche Spiel in Sachen Auto, was ich schon einmal erzählt habe. So wie die deutschen Banken jetzt „pleite seien“, waren es damals die Autowerte. In den darauf folgenden Jahren stiegen allesamt um gut 400 %.
Luftfahrt und Touristik meide ich weiterhin. Ich habe dies bereits begründet. Ereignisse wie Bali sind nur ein Teilaspekt, aber nicht zu vermeiden. Die politischen Konsequenzen sind vielfältig und hier nicht zu diskutieren. Machen Sie sich Ihre eigenen Gedanken dazu, aber alles, was damit zusammenhängt, ist kein Feld für Investments.
Wichtiger ist die Grundtendenz in den Märkten, ohne die läuft nichts. Ich möchte erst eine klare Trendwende sehen, bevor seriöse Investments möglich sind. Drei von fünf Indikatoren haben sich bereits ins Positive gedreht. Zwei fehlen noch. Dann wäre grünes Licht möglich.
Ein Blick nach Berlin: Was die neue Regierung an steuerlichen Varianten bietet, ist natürlich kein Vorteil für den deutschen Standort. Darüber gibt es nichts zu diskutieren. Die Kontrollmitteilungen der Banken an das Finanzamt werden die generelle Lage nicht wesentlich verändern, aber hilfreich ist es ebenso wenig. Die Abschaffung der Spekulationsfrist und die durchgehende Besteuerung von Aktiengewinnen sind eine Frage der Gestaltung. Folgt man dem amerikanischen Beispiel einer einheitlichen Besteuerung (Capital Gain), wäre dies akzeptabel. Folgt man dem deutschen Muster der vollen Einbeziehung in die Einkommenssteuer, erwarte ich ein neues Problem. Betrachtet man das Ganze als Volkswirt ohne jede Parteinahme, so kann man nur den Kopf schütteln.
Mein Rat für heute: Meine Auffangkurse bleiben gültig, wie erwähnt. Die wichtigste Branche sind die Finanztitel, also a) die Versicherungen und b) die Banken, doch diese mit einer leichten Verzögerung wegen der wichtigen Zahlen zum 30.9. Das Schwergewicht liegt also in der Erholung der Finanztitel und dies europaweit und nicht nur auf Deutschland beschränkt. Ich hatte Ihnen im Brief Nr. 39 zwei Beispiele für geschickte Verbilligungen vorgerechnet. Haben Sie dies mal nachvollzogen? Das Thema ist noch immer aktuell, siehe ALLIANZ, aber auch SAP und andere.
Ich plädiere also für Augenmaß, eine ruhige Hand und folgen Sie keinen kurzatmigen Gerüchten. Mit dem Durchschreiten des Oktobertiefs beginnt eine bedeutende Erholungsphase über mehrere Monate. Dafür müssen Sie aufgestellt sein.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der Verlauf des gestrigen Tages machte einen guten Eindruck. Zunächst in Europa, anschließend in New York. Die Markttechnik ist stimmig, liefert aber keine neuen Erkenntnisse. Dennoch bleibe ich dabei: Das Tief wird im Oktober durchschritten, aber auf den letzen Punkt läßt sich das nicht mehr genau definieren. Vorfälle wie Bali gehören mit dazu, aber aussagefähig sind sie nicht. Neue Meinungsakzente gibt es heute von INTEL, die im 3. Quartal mit höherem Ertrag bei stagnierendem Umsatz rechnen. Für das 3. Quartal ergeben sich 13 Cents nach 10 Cents Gewinn je Aktie. Auch die Trendaussage von INTEL fällt positiv aus. Umgekehrt: Merrill Lynch stufte gestern die Autoaktien herunter, aber GENERAL MOTORS erwartet ein besseres 3. Quartal. Unternehmenschef Jack Smith macht sich sogar stark, das Ergebnis deutlich zu verbessern. Per Juli waren es sogar 2,63 $ Gewinn je Aktie. Handicap ist dagegen die Frage, ob GM bei FIAT vorzeitig einsteigen muß. Ergo:
Die nächsten 10 Tage werden die fundamentale Seite deutlicher beleuchten. Bis Ende der kommenden Woche dürften ca. 60 % aller relevanten Unternehmensdaten per 30.9. schon vorliegen. Da aber die Erwartungen sehr negativ sind, rechne ich eher mit positiven Reaktionen des Marktes. Die wichtigsten Firmen hatte ich gestern schon genannt.
Eine Sonderstory zeichnet sich für die Pharmazeutik ab. Gestern gab es einen Vorgeschmack im Patentstreit Astra Zeneca/Schwarz Pharma. Aus allen US-Pharma-Titeln bin ich seit über 18 Monaten total raus. Das war richtig. Jetzt geht es um den Wiedereinstieg auf einem sehr niedrigen Bewertungsniveau. Angefangen von BRISTOL MYERS über MERCK, ELI LILLY, PFIZER und SCHERING PLOUGH. Beobachten Sie diese Titel demnächst genauer. Das färbt auch auf die deutsche Szene ab, siehe ALTANA, SCHWARZ PHARMA und demnächst SCHERING.
Die reduzierten Gewinnschätzungen für die deutschen Großbanken durch Merrill Lynch können Sie beiseite legen. Die gestrige Reaktion sollten Sie ebenfalls übersehen. Ich halte an meinen Auffangkursen in der AB noch fest, werde sie aber zum Wochenende voraussichtlich geringfügig korrigieren. Deshalb sind die Versicherungsaktien heute wichtiger. Ich mahne dies erneut an. Im übrigen aber:
Der „Spiegel“-Titel widmet sich in dieser Woche den deutschen Banken. Lesen Sie ihn nebst Interview mit Breuer. Es ist höchst aufschlußreich und auch richtig, aber stets eine Art Trendwende. Immer dann, wenn der „Spiegel“ dies im Oktober so auf den Punkt bringt, weiß man, daß es der Endpunkt ist. Vor genau 27 Jahren (im Oktober 1974) lief das gleiche Spiel in Sachen Auto, was ich schon einmal erzählt habe. So wie die deutschen Banken jetzt „pleite seien“, waren es damals die Autowerte. In den darauf folgenden Jahren stiegen allesamt um gut 400 %.
Luftfahrt und Touristik meide ich weiterhin. Ich habe dies bereits begründet. Ereignisse wie Bali sind nur ein Teilaspekt, aber nicht zu vermeiden. Die politischen Konsequenzen sind vielfältig und hier nicht zu diskutieren. Machen Sie sich Ihre eigenen Gedanken dazu, aber alles, was damit zusammenhängt, ist kein Feld für Investments.
Wichtiger ist die Grundtendenz in den Märkten, ohne die läuft nichts. Ich möchte erst eine klare Trendwende sehen, bevor seriöse Investments möglich sind. Drei von fünf Indikatoren haben sich bereits ins Positive gedreht. Zwei fehlen noch. Dann wäre grünes Licht möglich.
Ein Blick nach Berlin: Was die neue Regierung an steuerlichen Varianten bietet, ist natürlich kein Vorteil für den deutschen Standort. Darüber gibt es nichts zu diskutieren. Die Kontrollmitteilungen der Banken an das Finanzamt werden die generelle Lage nicht wesentlich verändern, aber hilfreich ist es ebenso wenig. Die Abschaffung der Spekulationsfrist und die durchgehende Besteuerung von Aktiengewinnen sind eine Frage der Gestaltung. Folgt man dem amerikanischen Beispiel einer einheitlichen Besteuerung (Capital Gain), wäre dies akzeptabel. Folgt man dem deutschen Muster der vollen Einbeziehung in die Einkommenssteuer, erwarte ich ein neues Problem. Betrachtet man das Ganze als Volkswirt ohne jede Parteinahme, so kann man nur den Kopf schütteln.
Mein Rat für heute: Meine Auffangkurse bleiben gültig, wie erwähnt. Die wichtigste Branche sind die Finanztitel, also a) die Versicherungen und b) die Banken, doch diese mit einer leichten Verzögerung wegen der wichtigen Zahlen zum 30.9. Das Schwergewicht liegt also in der Erholung der Finanztitel und dies europaweit und nicht nur auf Deutschland beschränkt. Ich hatte Ihnen im Brief Nr. 39 zwei Beispiele für geschickte Verbilligungen vorgerechnet. Haben Sie dies mal nachvollzogen? Das Thema ist noch immer aktuell, siehe ALLIANZ, aber auch SAP und andere.
Ich plädiere also für Augenmaß, eine ruhige Hand und folgen Sie keinen kurzatmigen Gerüchten. Mit dem Durchschreiten des Oktobertiefs beginnt eine bedeutende Erholungsphase über mehrere Monate. Dafür müssen Sie aufgestellt sein.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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