Hans Bernecker: Frühjahrsrally auf gutem Weg.


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jack303:

Hans Bernecker: Frühjahrsrally auf gutem Weg.

 
07.03.02 12:04
Hans Bernecker: Frühjahrsrally auf gutem Weg.
Mails/Nachrichten vom 07.03.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Frühjahrsrally ist auf gutem Wege. Dieser Ticker ist die Ergänzung zur morgigen AB mit zwei wichtigen Akzenten: 1. Die wichtigste Zahl zur amerikanischen Konjunktur kam gestern heraus: Der Auftragseingang für die amerikanische Industrie. Das ist bekanntlich die zweite Komponente zum Konsum. Die Tabelle, die dahinter steht, lesen Sie morgen in der AB auf S. 6. Das paßt wie die Faust aufs Auge. Heute kommen die ergänzenden Daten zur Produktivität und zum Arbeitsmarkt.

2. Die Bar-Liquidität ist jetzt die entscheidende Größe. Diese Zahl wurde im letzten Herbst mit rd. 3 Bill $ berechnet. Sie erinnern sich an diese Zahl, die ich schon genannt hatte. Davon sind nach jetzigen Erkenntnissen, die jedoch statistisch nicht ganz exakt sind, ca. 1/3 aufgebraucht und in die Märkte geflossen. Man wird unterstellen müssen, daß rd. 1 Bill $ noch zur Disposition stehen. Das ist das Startkapital für die Börsen, wenn diese an den Konjunkturaufschwung glauben.

Der Dow Jones hat die kritische Größe von 10 600/10 700 leicht touchiert. Durchmarschieren kann er nicht sofort. Dagegen spricht lediglich die kurze Markttechnik. Störend sind dabei die großen Technologie-Titel, die zwar nicht im Dow Jones enthalten sind, aber das Stimmungsbild prägen. GE und Microsoft stecken allerdings im Dow und diese zwei Aktien habe ich immer wieder als die entscheidenden Größen neben IBM bezeichnet. Erfreulich konnten sich beide in den letzten Tagen halten und verbessern, womit die Gefahr eines Durchrutschens auf 30 bzw. 50 $ deutlich kleiner geworden ist. Gleiches gilt auch für IBM, die nicht mehr 90, sondern 94,50 $ im Tief erreichten. Bleiben diese im jetzigen Trend, wären das wichtige Stützen für den Dow.

Die Ölspekulation läuft weiter. 23 $ je Barrel für Öl sind eine wichtige Stütze. Deshalb Schlumberger gestern über 61 $ und das nächste Ziel lautet 69 $. Dann ist vorerst Schluß. Amerada Hess über 73,50 $ gegen Einstand um 63 $. Hier kann es noch weitergehen bis 80/82 $. Ich bitte, die letzten AB's dazu in die Hand zu nehmen.

Die großen High Tech's treten dagegen auf der Stelle. Zur Oracle habe ich alles gesagt, gestern war EMC dran. Die Gewinnschätzungen wurden um 1 Cent je Aktie nach unten korrigiert. Sie lesen richtig, es geht um Cents. Daraufhin EMC - 1,8 %, aber wenn der Boden bei 10,30 $ hält, bleibt es bei meiner Kommentierung.

Ansonsten schauen Sie diese Aktien vorerst nicht weiter an.

Die Telekom-Ausrüster bauen den Boden, den ich Ihnen morgen in der AB erkläre. Siehe Seite 6. Das müßte klappen, wie die Kurse von gestern für Corning, Lucent und Nortel zeigen.

Die großen Pharmawerte beginnen sich auf eine Rally vorzubereiten. Hier entsteht ein neuer Trend nach mehr als 24 Monaten. Dazu ebenfalls die morgige AB lesen. Hier sind einige Worte mehr zu berücksichtigen, deshalb verweise ich darauf.

Die Metall-Werte spiegeln die Konjunktur-Erwartung wider. Phelps Dodge gestern erstmals über 41 $ und ich rechne mit zunächst 46/48 $, aber Sie vergessen bitte auch nicht Ford, die dem Kurs von GM weit hinterherlaufen.

Die Palette der Möglichkeiten verbreitert sich also, wie Sie aus diesen kurzen Formulierungen erkennen. Ich plädiere dennoch dafür: Arbeiten Sie nicht nach dem Gießkannen-Prinzip, sondern nach dem konkreten Anlaß: Mit dem Umfeld der Konjunktur entstehen bestimmte Branchentrends, die zu nutzen sind.

Frankfurt steht an der ersten Schwelle zur Überwindung des Abwärtstrends seit dem 10. März 2000. Die Spanne liegt bei 5250/5300. Dem ersten Schwung nach oben folgt aber bei 5700/5800 der erste Widerstand, und erst wenn dieser überwunden ist, stehen 6000 'drauf', sogar mehr. Auch hier spielen die Barreserven der Fonds eine Rolle. Ich schließe deshalb nicht aus, daß wir ab diesen DAX-Größen jeweils schubweise mit neuer Liquidität rechnen müssen, wobei es bei einigen Werten dann ganz schnell gehen kann. Dieser Verlauf ist nicht untypisch vor dem Hintergrund: Erste Phase der Erholung, zweite Phase der Korrektur und nun dritte Phase als Antizipation zur Konjunkturzahl. Alte Hasen kennen diesen Rythmus.

Henkel testete gestern die Marke 70 E. und bleibt die interessanteste Chemie-Aktie Deutschlands. Einiges dazu in der morgigen AB als Ergänzung. Die zweitwichtigste Aktie dieses Segments ist Fresenius Medical, die ich in der AB näher beleuchte. Gestern schon + 3,4 % und damit wird die Mutter Fresenius mitgezogen.

Bei den drei Technologie-Aktien tue ich mich weiterhin schwer. Meine Abstauberkurse ziehen nicht mehr. Dieser Poker war falsch ausgereizt. Kurse von 50 E. für Epcos sind aber kein Kaufgrund. Lassen Sie die Kirche im Dorf. Wie weit kann Infineon noch zurückfallen? Jederzeit um 4 - 6 E., wenn einer der großen Marktspieler schlicht Kasse macht. Das können Sie aus den Riesen-Umsätzen täglich ablesen. Allerdings: Kippt eine solche Aktie in diesem genannten Umfeld, würde ich ab 22/23 E. wohl dabei sein. Entscheidung ist noch offen.

Die amerikanischen Stahl-Zölle interessieren für ThyssenKrupp nicht weiter. 1 oder 2 % Abschlag sind möglich, viel mehr nicht. An der bisherigen Einschätzung ändert sich deshalb nichts.

Kann die Aussicht auf die Frühjahrsrally die Markttechnik der Finanztitel wesentlich verändern? Ja, wenn die Börsenumsätze das Ganze tragen und die Banken davon nachhaltig und nicht nur kurzfristig profitieren. Obwohl bis zur Stunde alle Kurse noch in der Luft hängen, dürfte sich diese Frage in den kommenden zwei Wochen entscheiden. Ich bin in dieser Frage ganz konkret markttechnisch orientert und habe dies schon vielfach begründet. Übrigens: Ausgerechnet die Commerzbank zeigt das beste Bild, nachdem der Kurs gestern 3,3 % zulegte und die 20 E.-Hürde überwand. Hier geht es aber nicht um Qualität, sondern um die bekannten strategischen Schritte einiger Aktionäre.

Gehen Sie in das kommende Wochenende mit Zuversicht und schauen Sie sich Ihr Portfolio an. Fragen Sie sich: Bin ich richtig aufgestellt? Meine hohe Liquiditätspräferenz, die ich im Februar mehrfach empfohlen hatte, setzt Sie in die Lage, jetzt und in Ruhe zu entscheiden, wo Sie wie und warum investieren sollen. Damit wünsche ich Ihnen einen schönen Tag und verbleibe

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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