Hans Bernecker: Aufatmen


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jack303:

Hans Bernecker: Aufatmen

 
17.04.02 11:05

Mails/Nachrichten vom 17.04.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
allgemeines Aufatmen. Man konnte es förmlich spüren oder hören. In der Tat: Mit über 200 Punkten Gewinn des Dow Jones und + 4,34 % bzw. + 3,59 % für die zwei Nasdaq-Indizes ist mindestens erreicht, daß die bisherigen Trends (seit September letzten Jahres) nicht nachhaltig beschädigt wurden. Am besten sieht dabei nach wie vor der Dow Jones aus. Insgesamt war es aber beeindruckend:

An der NYSE lag gestern das Verhältnis Advance/Decline bei 2129 zu 1017. An der Nasdaq bei 2548 zu 1037. Die Relation new highs/new lows erreichte 193:9 und 276:41. Schließlich: Das upside-volume sprang auf 877 Mio gegen downside 149 Mio und an der Nasdaq waren es sogar 1,37 Mrd Stück gegen 174 Mio. Das bedeu-tet: Gestern wurde zum ersten Mal massiv und auf breiter Front gekauft und nicht verkauft. Ist damit die Gefahrenzone überwunden? Natürlich bin ich mit dieser Ent-wicklung sehr zufrieden, aber aus der Reserve lasse ich mich dennoch nicht komplett locken. Sie können sich zuerst einmal zurücklehnen und feststellen:

Die Crash-Kurse vom September werden nicht unterboten und wenn, dann nur im Ausnahmefall. Dann aber entsteht die schon mehrfach beschriebene Marktlage des doppelten Bodens oder eine W-Formation, die eine der besten Signale für eine kommende Rally darstellt. In der letzten AB habe ich es schon gesagt: Die Frühjahrsrally ist noch nicht zu Ende.

Die amerikanische Konjunktur ist der große Rahmen dafür. Dazu ist FED-Chef Greenspan vor dem US-Kongress mit seinem Kommentar dran. Die US-Industrie folgt exakt dem Rahmen, der vorgegeben war: Dem massiven Lagerabbau des Vor-jahres folgt der massive Lageraufbau dieses Jahres. Dem folgen später die Investi-tionen und erst dann entsteht ein selbsttragender Aufschwung. Die Industrieprodukti-on legte im März schon gute 0,7 % zu und die Kapazitätsauslastung stieg auf 75,4 %. Daraus folgern die Experten ein Wachstumstempo für das 1. Quartal von 5 %. Ich wage es kaum zu schreiben und halte es auch für etwas überzogen. Demgegenüber stiegen die Verbraucherpreise nur um 0,3 %. Ohne Energie sind es 0,1 % in der so-genannten Kernrate. Lediglich der Wohnungsbau gab etwas nach, was saisonale Gründe hat.

Soll man jetzt schon kaufen, zukaufen, neu kaufen und Verlustpositionen durch Ver-billigungen in die bessere Ausgangslage bringen? Im Grundsatz warte ich dazu bis zur nächsten Woche, wenn die Mehrzahl aller großen Unternehmen ihre Fakten vor-gelegt haben. Aufschlußreich dürfte sein, wie sich die Chipproduzenten demnächst äußern. TEXAS INSTRUMENTS sagte gestern eine deutliche Marktverbesserung voraus. TXN ist der größte Hersteller der Speicherchips für Mobilphone. Davon wur-den alle mehr oder minder mitgezogen. Achten Sie in diesem Zusammenhang auf AGERE SYSTEMS, die Chiptochter von LUCENT, die im letzten Jahr an die Börse kam, aber noch mehrheitlich zu LUCENT gehört. Gestern + 17 % auf 3,77 $. Ich hatte die ersten Käufe bei 5 $ gewagt, was zu früh war. Spitze lag zwischenzeitlich bei 9 $. Eines der interessantesten Papiere dieser Art, weil die Neuemission unter dem Baissedruck erfolgte und damit weit unter fairem Preis. Für heute:

Der Nasdaq-100-Tracking Stock bzw. seine deutschen Varianten legten gestern + 1,4 % zu. Das sind die Aktien, mit denen Sie unverändert den Markttrend am besten erfassen. Übrigens zu LUCENT: Bezüglich neuer Käufe warte ich lediglich auf die Quartalszahlen und das, was CEO Ross für das Jahr vorgibt. Sie ist übrigens die dritte Topmanagerin Amerikas auf dem Stuhl eines Weltkonzerns. Ich habe allerdings den Verdacht, daß sie nach ihrem kürzlichen Antritt einige Altlasten schnellstmög-lichst bereinigen wird, um sie dem Vorgänger anzuhängen. Warten wir es ab.

Zu den Internet-Titeln: Die Zahlen von COMMERCE ONE für Umsatz und Gewinn entsprechen denjenigen für die anderen, siehe BROADVISION. Hier ist lediglich wichtig, daß sie überleben. Wenn alle Zahlen vorliegen, komme ich darauf zurück.

Frankfurt müßte heute eine feste Börse präsentieren. Tatsächlich ist dies auch aus markttechnischer Sicht gut unterlegt. Sowohl auf der daily- als auch auf der weekly-Basis ist ein Dreh nach oben möglich. Zeichnen Sie den Chart aus der letzten AB auf S. 1 einmal nach. Daraus folgt: Schließt Frankfurt heute mit deutlichem Plus, so dre-hen beide technischen Indikatoren in die Plusrichtung. Darauf komme ich morgen zurück. Chart-Freunde hätten daran Spaß. Denn dann wäre der Abwärtstrend seit April 2000 gebrochen, daraufhin gab es die kürzliche, kleine technische Korrektur und wenn nun der Widerstand bei etwa 5400 im DAX überwunden wird, ergibt sich daraus die Sachlage, wie vor vier Wochen beschrieben. Faktisch ist der deutsche Markt dann offen bis 6200, was man im Moment kaum glauben mag. Das klingt alles sehr kompliziert, ist es aber nicht. Die nächsten zwei Wochen dürften es aber zeigen. Konsequenz:

Marschiert der DAX, marschieren alle. Das ist in Deutschland nun mal so. Die Analy-sten werden sich die Bälle zuspielen und jeden zweiten Tag einen Favoriten ausguk-ken. Ich meine, Sie sind ausreichend investiert. Die Schwerpunkte habe ich genannt, Autos, Chemie und seit drei Wochen die Finanzaktien. Die HYPOVEREINSBANK zu den Favoriten unter den Banken zu erklären, schien etwas mutig. Inzwischen 42 E. mit Kursziel 52 E. und die DT. BANK legte gestern sogar + 4 % zu. Sie wissen: Die deutsche Börse benötigt für ihren Basistrend stets die Begleitung durch die Finanzaktien.

Der dritte Anlauf in Tokio? Am 09.03. berührte ich dieses Thema, jetzt wird es kon-kreter. Ich glaube, Sie müssen sich mit Tokio neu befassen. Das Problem besteht jedoch darin: Nur die Markttechnik gibt im Moment ein solches Signal, während die Politik nach wie vor ein komplettes Durcheinander ergibt. Hier gilt nur eine Erfahrung: „Look on the market“, denn die Börse nimmt stets die realen Dinge von morgen schon heute vorweg. Favoriten sind in dieser Situation nur die großen, bekannten Namen der Elektronik. Die Markttechnik lesen Sie in der nächsten AB. Ich halte den Aufbau von Anfangspositionen für diskutabel. Ein volles Engagement noch nicht, was sich erst in den nächsten Wochen konkretisieren läßt.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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