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Handelblatt: Anleger brauchen noch viel Geduld


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Handelblatt: Anleger brauchen noch viel Geduld

 
30.07.01 09:34
An der Wall Street verderben Quartalszahlen die Chancen auf rasche Erholung

Trotz starker Kursrückgänge sind viele US-Aktien immer noch ambitioniert bewertet. Die Gewinne der Unternehmen gehen rasant zurück.

NEW YORK. Marktstratege Alan Ackerman vom Brokerhaus Fahnestock & Co. hat in 40 Jahren Wall Street schon viel erlebt. Doch so eine vertrackte Phase wie jetzt hatten wir noch nie, meint er. Viele Unwägbarkeiten hätten die Anleger vollkommen verunsichert. Es gebe jetzt nicht mehr nur the bulls and bears die Bullen und Bären , sondern vor allem the bewildered: die Gruppe der Verwirrten.

Der US-Aktienmarkt ist für Anleger nicht mehr das, was er einmal war. Seit nunmehr zwei Jahren bewegt sich der Dow-Jones-Index der 30 wichtigsten Industriewerte seitwärts. Seit Anfang des Jahres hat der Dow unter dem Strich etwa 2 % abgegeben, der breiter gefasste Standard& Poors -500-Index hat 8% verloren und der Technologie lastige Nasdaq-Index hat nach dem Platzen der Blase noch einmal 15% eingebüßt. Die Leute brauchen jetzt eine handfeste langfristige Strategie, glaubt Ackerman.

Kurzfristig, wird sich nicht allzu viel bewegen, fürchten Experten. Der Dow schafft bis zum Jahresende allenfalls wieder die 11 100-Marke, der Nasdaq Composite bleibt im Wesentlichen wo er ist, schätzt Ackermans Kollege Ed Yardeni von der Deutschen Bank in New York. Die neunziger Jahre mit ihren 20%igen Kurssteigerungen seien vorbei. Die Märkte werden ab dem nächsten Jahr wieder zum langfristigen Durchschnitt von 7 % im Jahr zurückkehren, schätzt er.

Gewinneinbrüche auch bei defensiven Unternehmen

Hin- und hergezogen zwischen den potenziell positiven Effekten der drastischen Zinssenkungen durch die US-Notenbank und den schlechten Nachrichten aus den Unternehmen stecken die US-Aktien fest. Selbst ehemals solide Standardwerte wie der Pharmakonzern Merck, der Einzelhandelskonzern Federated Express, dem das Kaufhaus Macy's gehört, oder der Elektrokonzern Emerson haben starke Gewinneinbrüche gemeldet und für neue Schockwellen gesorgt. Bis auf wenige Ausnahmen wie Microsoft und IBM ist die Lage im gesamten Technologie-Sektor desolat. Die Gewinne dürften im vergangen Quartal um 18 % gesunken sein, schätzen Analysten nach Berechnung des Finanz-Informationsdienstes Thomson Financial/First Call. Im gesamten Jahr gehen sie vermutlich um 7 % zurück. Doch selbst diese Schätzungen könnten noch zu positiv sein.

Hoffnung macht lediglich die unerschütterliche Konsumfreude der Amerikaner und die Aussicht, dass Steuererleichterungen von insgesamt 44 Mrd. $ bis Jahresende für einen neuen Ausgabeschub sorgen. Außerdem dürften die Zinssenkungen mit zeitlicher Verzögerung letztendlich doch noch Wirkung zeigen.

Anlegern verspricht der US-Markt derzeit nicht das schnelle Geld. Doch wer auf die richtigen Werte setzt, könnte trotzdem Kursgewinne erzielen. Technologie-Aktien sind immer noch hoch bewertet, doch die übrigen Werte haben inzwischen wieder realistische Kurs-Niveaus erreicht. Während die im Standard & Poors-500-Index notierten Technologie-Aktien immer noch ein durchschnittliches Kurs-Gewinnverhältnis von 30 aufweisen, beträgt es bei den übrigen Werten nur 15. Vor allem Nebenwerte und preisgünstige Standard-Werte (Value Stocks) haben in der ersten Jahreshälfte ansehnliche Kursgewinne erzielt. Der Trend dürfte noch andauern.

Industrie-Anleihen und Renten werden favorisiert
Alan Ackerman empfiehlt angesichts der andauernden ökonomischen Flaute, auf defensive Werte zu setzen. Dazu gehöre etwa der Lebensmittelkonzern General Mills, der in seinem jüngsten Quartalsbericht positiv überraschte. Preisgünstig seien außerdem der Mischkonzern Tyco, der Hersteller von medizinischen Geräten Tenet Health Care, der auf Tiefsee-Bohrungen spezialisierte Technologie-Konzern Transocean und die Erdölraffinerien Occidental Petroleum. Sinkende Ölpreise brauchten bei vielen Unternehmen im Energie-Sektor nicht zu beunruhigen, weil der Preisrückgang in den Kalkulationen berücksichtigt sei.

Ed Yardeni empfiehlt, auf den Konsumgüterbereich und die positive demographische Entwicklung zu setzen. In den USA wachse nicht nur die Zahl der Älteren. Die Zuwanderer sorgten dafür, dass immer mehr Kinder geboren werden. Yardeni favorisiert Aktien wie den auf Jugendmode spezialisierten Bekleidungshersteller Abercrombie & Fitch, Budweiser. Außerdem rät er zu den Hypotheken-Finanzierungsgesellschaften Fannie Mae und Freddy Mac. Damit könne der Anleger vom Eigenheim-Boom profitieren.

Chefökonom Jim Paulsen von der Wells Capital Vermögensverwaltung in Minneapolis ist auf der vorsichtigen Seite. Er hält es angesichts der vielen Entlassungen in den USA für möglich, dass die Konsumfreude nachlässt und es zu einer Rezession kommt. Er empfiehlt, Industrie-Anleihen und Staatspapiere mit in das Portfolio aufzunehmen. Wenn der Aufschwung weiter auf sich warten lässt, könnte die Zentralbank wie Notenbankchef Alan Greenspan zuletzt andeutete  zu neuen Zinsschritten gezwungen sein. Damit würden die Kurse der Bonds weiter steigen. Festverzinsliche haben schon seit vielen Monaten eine bessere Kursentwicklung als Aktien, sagt Paulsen.

Und wie hoch ist für deutsche Anleger das Währungsrisiko? Der Dollar bleibt weiter stark, glaubt Paulsen, denn wenn die Weltkonjunktur lahmt, flüchtet das Kapital stets in die USA.
HANDELSBLATT
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Handelsblatt: Onlinebroker vor Ausleseprozess

 
30.07.01 09:46
Schlechtes Marktumfeld erhöht Druck auf Direct-Broker in Europa

Die Online-Broker geraten wegen des trüben Marktumfeldes und der schlechten Ergebnisse im zweiten Quartal zunehmend unter Druck. Experten rechnen damit, dass die Konsolidierung noch im Laufe des Jahres abgeschlossen ist. Allerdings muss nicht immer der ganze Betrieb übernommen werden, interessant sind vor allem die Kunden.

FRANKFURT/M. Die Marktbereinigung bei Onlinebrokern ist in vollem Gange. Nach dem herausragenden Jahr 2000, als die Anbieter die Nachfrage kaum noch befriedigen konnten, ist das Zähneknirschen gegenwärtig groß. Das schlechte Marktumfeld hat den Unternehmen das Ergebnis in den ersten beiden Quartalen gründlich verhagelt. Sinkende Transaktionszahlen lasten auf den Erträgen und große IT- und Personalapparate treiben die Kosten in die Höhe. Da die Kosten den veränderten Marktbedingungen nicht so rasch angepasst werden können wie die Erträge sinken, werden vor allem zusätzliche Ertragspotenziale gesucht. Der Einstieg von Consors in das Beratungsgeschäft ist ein Beispiel. Ziel ist es bei all diesen Massnahmen, die Abhängigkeit des Geschäfts vom Börsenumfeld zu verringern.

Andere Möglichkeiten liegen in Zusammenschlüssen, um mehr Größe zu erlangen. Das Größenspiel hat einen Riesenreiz, räumt Consors-Chef Karl-Matthäus Schmidt ein. Dadurch können über schnelles Volumenwachstum die Fixkosten gesenkt werden. Auch der Chef der DAB Bank, Matthias Kröner, erwartet, dass das zweite Quartal die Konsolidierung in Europa beschleunigen werde. In seinen Augen wackelt sogar die weitverbreitete Annahme, dass 5 bis 6 große Online-Broker sich den Markt in Europa teilen werden.

Experten rechnen damit, dass die Konsolidierung bis Jahresende weitestgehend abgeschlossen ist. Ich erwarte, dass sich im laufenden Jahr noch einiges tut, sagt zum Beispiel Unternehmensberater Hans-Paul Bürkner von der Boston Consulting Group. Consors-Chef Schmidt sieht ebenfalls wachsenden Konsolidierungsdruck, allerdings weniger in Deutschland als vielmehr im europäischen Ausland. Allein in Frankreich gebe es noch über 50 Broker, so Schmidt. Diesen Prozess betrachte Consors sehr aufmerksam, wobei der Vorstandschef Zukäufe in Ländern, wo Consors schon präsent ist, ausschloss. Hier seien nur Abkommen zur Übernahme von Kunden denkbar. Kröner will im europäischen Konsolidierungsprozess eine aktive Rolle spielen, kündigte er an. Mit der Akquisition des französischen Online-Brokers Selftrade im vergangenen Jahr hat die DAB bereits ein gute Ausgangsposition auf den europäischen Kernmärkten Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien.

Deutscher Markt ist weitestgehend ausgereizt
Allerdings sagt der DAB-Chef: Wer sich im künftigen Wettbewerb behaupten will, muss auf seinem Heimatmarkt die Nummer eins sein. Und das mit einem ordentlichen Abstand zur Nummer zwei. Am deutschen Markt bieten sich jedoch nur noch wenige Konsolidierungsmöglichkeiten. Die drei großen Online-Broker Comdirect, Consors und DAB dominieren den Markt. Konkurrenten wie der Sparkassenbroker Pulsiv oder maxblue von der Deutschen Bank stecken noch in den Kinderschuhen. Kleinere Anbieter wie Systracom sind vom Markt verschwunden.

Aufgrund dieser oligopolistischen Strukturen ist es auch für ausländische Anbieter sehr schwierig, sich auf dem deutschen Markt zu behaupten. Anbieter wie Fimatex oder EQ Online haben sich weitestgehend zurückgezogen oder das Geschäft auf ein Minimum reduziert.

Mangel an klaren Strategien
Analysten von der BHF-Bank haben nun Marktgerüchte aufgegriffen und rechnen ihrer neuesten Studie zufolge damit, dass die DAB Bank und die Comdirect angesichts der defizitären Lage von den Müttern Commerzbank und Hypo-Vereinsbank enger in den Konzernvertrieb eingebunden werden. Dies dürfte jedoch eher für Comdirect als für die DAB zutreffen. Die Direct-Brokerage-Tochter der Commerzbank stellt mit ihren mehr als 600 000 zwar ein reizvolles Übernahmeobjekt dar, wirkt aber seit geraumer Zeit nach außen konzeptlos. Es fehlen klare Strategien, wie die schwierige Marktlage überstanden werden soll. Zudem wirft Fragen auf, warum sich Comdirect kurzfristig dazu entschlossen hat, keine vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal mehr zu veröffentlichen.

Äußerungen aus der Hypo-Vereinsbank deuten dagegen darauf hin, dass von einer Eingliederung der DAB keine Rede ist, auch wenn man mit der Ergebnisentwicklung alles andere als zufrieden ist. Consors-Chef Schmidt ist einer Konsolidierung nicht abgeneigt, sieht aber Perspektiven für den Weg alleine: Wir rechnen damit, im nächsten Jahr wieder eine schwarze Null zu schreiben, sagte er.

Allerdings fehlt sowohl Comdirect, als auch Consors und der DAB die kritische Masse, um Schwächeperioden einfach auszusitzen. Großes Vorbild ist hier nach wie der amerikansiche Online-Broker Charles Schwab, der es verstanden hat, neben dem Internetgeschäft auch den stationären Vertrieb zu etablieren.
HANDELSBLATT  
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HandelsblattDax-Ausblick: Anhaltende Unsicherheit

 
30.07.01 09:47
Wenig Handlungsbedarf für Engagements
Dax-Ausblick: Anhaltende Unsicherheit

In der nächsten Woche rollt die Welle der Quartalsmeldungen weiter: Dienstag melden Metro und Deutsche Telekom aktuelle Zahlen, einen Tag später ist die deutsche Deutsche Bank an der Reihe.

dpa/afp/vwd/jr DÜSSELDORF. Skepsis und Pessimismus herrschen weiterhin bei den Analysten verschiedener Banken mit Blick auf die deutschen Aktienmärkte der kommenden Woche vor. Der Aufwärtstrend am Freitag und Donnerstag dieser Woche erscheint ihnen noch zu ungewiss, zumal fundamentale Fakten wie die schwache Konjunkturentwicklung mit entsprechenden Vorgaben aus den USA gegen eine bereits vollzogene Trendwende sprächen.

Nach Ansicht der DG Bank besteht derzeit wenig Handlungsbedarf für Engagements, Anleger sollten ihr Pulver trocken halten. Zumal sich auch die Markttechnik beim Dax leicht verschlechtert hat. Wichtig ist nun, dass die Unterstützung zwischen 5 650 und 5 600 einer weiteren Belastung standhält, schreiben die Banker in ihrem Wochenausblick. Nach einem Unterschreiten der Marke wäre die nächste Chartlinie bei 5 400 Punkten.

Von den Top 15-Favoriten aus Deutschland und Europa zählen für die Bank aus dem Dax die Deutsche Bank, SAP und RWE sowie vom Neuen Markt Aixtron, International Media, Kontron und Thiel Logistik zu den aussichtsreichsten Wertpapieren.

Commerzbank: Anhaltende Unsicherheit

Die Situation an den Aktienmärkten hat sich zuletzt weiter eingetrübt. Gründe sind enttäuschende Quartalsberichte einiger großer Dax-Titel, die leichte Schwäche des US-Dollar und die Ankündigung der Kürzung der Öl-Fördermengen durch die Opec. Zudem greife der allgemeine Konjunkturpessimismus weiter um sich, stellen die Analysten der Commerzbank fest.

Die Quartalsberichterstattung dominiert die derzeitige Stimmung am Markt und überlagert damit sowohl die Fantasie auf Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank als auch die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung gegen Jahresende.

Die zuletzt rückläufigen Inflationsraten verstärken den Druck auf die EZB, in der Zinsfrage aktiv zu werden, zumal FED-Chef Alan Greenspan eine weitere Zinssenkung signalisiert hat. Dadurch könnte sich das Stimmungsbild aufhellen und wieder Zuversicht aufkommen. Um einen nachhaltigen Aufschwung an der Börse zu erreichen, müssen jedoch die Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung eindeutig sein. Bis es so weit ist, wird die Börse wohl in einer abwartenden Seitwärtsentwicklung verharren.

Im Hinblick auf bessere Tage empfiehlt die Commerzbank für mittelfristig orientierte Anleger Käufe in Qualitätsaktien wie Allianz Holding, Bayer, Deutsche Telekom, Infineon, Linde, SAP oder Siemens.

GZ-Bank: Anhaltende Nervosität und sommerliche Abstinanz

Die Analysten der GZ-Bank gehen von einer weiter am Aktienmarkt herrschenden Nervosität aus. Hinzu käme die sommerbedingte Abstinenz vieler Marktteilnehmer, die einer Stabilisierung der Aktienkurse "nicht immer dienlich" sei. Die Flaute im Technologie-Sektor sei noch nicht beigelegt, mit weiteren vereinzelten neuen Enttäuschungen müsse gerechnet werden. Auch Maschinenbau- und Chemietitel steuerten eine vorläufig unsichere Zukunft an. Im Ganzen rechnen die GZ-Bank-Experten mit einer Fortsetzung der uneinheitlichen Börsenentwicklung. Zum Kauf empfehlen sie unter anderem Schering und Fresenius Medical Care.

Anleger bislang von Quartalsberichten nicht überzeugt

Das Bankhaus Ellwanger & Geiger in Stuttgart glaubt nicht an ein Ende der Aktien-Talfahrt. Die bisher vorgelegten Quartalsabschlüsse hätten die Anleger überwiegend nicht überzeugt. Die Gewinnaussichten blieben düster. Positiv zu werten sei, dass der Dax die Unterstützungslinie von 5 550 Punkten getestet, aber nicht durchbrochen habe. Mit entscheidend werde jedoch beispielsweise sein, wie die Technologiewerte ihre schwachen Zahlen «verdauen» würden und endlich einen Boden fänden. Die schwäbischen Experten empfehlen Fresenius Medical Care, Thyssen-Krupp und Daimler-Chrysler.

BG Berlin: Volatiler Markt - Seitwärtstrend bis Herbst

Die Fachleute der Bankgesellschaft Berlin sehen schließlich ein "nicht geringes Risiko, dass die Börse auch noch in der nächsten Zeit mit Konjunktur- und Ertragsenttäuschungen zu kämpfen hat". Zu befürchten sei auch, das zahlreiche weitere Gewinnprognosen in der kommenden Zeit nach unten revidiert werden müssten. Die Entwicklung am Aktienmarkt werde volatil und seitwärts verlaufen und dies voraussichtlich noch bis in den Herbst hinein. Die Berliner empfehlen Epcos zu reduzieren und Deutsche Post zu kaufen.

In den USA werden in der kommenden Woche die Einkaufsmanager-Indizes, Zahlen zum - nicht nur für Alan Greenspan so wichtigen - Verbrauchervertrauen sowie der Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. In Deutschland äußert sich der Branchenverband des Maschinen- und Anlagenbaus zur aktuellen Situation. Neue Unternehmensberichte gibt es unter anderem von Metro, Fresenius Medical Care, Conti, Celanese, Schwarz Pharma, AVA und Dyckerhoff.
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Handelsblatt: Konjunktur in Amerika

 
30.07.01 09:54
Steuerrückzahlung soll Verbraucher in Kauflaune halten
Wachstumsschwäche in USA verschärft sich


Ein Kollaps der Investitionen und eine wachsende Zurückhaltung der Verbraucher haben das Wirtschaftswachstum in den USA fast zum Erliegen gebracht. Eine Besserung der Lage ist vorerst nicht in Sicht.

NEW YORK. Die gute Botschaft kam aus Moskau und klang wie das Pfeifen im Walde: Die US-Wirtschaft hat sich entsprechend unserer Erwartungen entwickelt und wir rechnen weiterhin mit einem besseren Ergebnis im 4. Quartal. So kommentierte der in Russland weilende US-Finanzminister Paul ONeill das schwächste Wirtschaftswachstum in den USA seit acht Jahren.

Zuvor hatte das Handelsministerium das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im 2. Quartal auf nur noch 0,7 % geschätzt. Schlimmer war es zuletzt nur Anfang 1993, als die größte Volkswirtschaft der Erde mit einer Jahresrate von 0,1 % schrumpfte. Das Bruttoinlandsprodukt ist der umfassendste Begriff für die in einer Wirtschaft erstellten Güter und Dienstleistungen.

Weitere Zinssenkung wird wahrscheinlicher
Die wirtschaftliche Abschwächung versetzt den Hoffnungen auf einen baldigen Wiederaufschwung in den USA einen Dämpfer. Offenbar ist der Konjunktureinbruch stärker als bisher angenommen. Die düsteren Ausblicke vieler US-Unternehmen in der vergangenen Woche deuten darauf hin, dass mit einer Besserung vorerst nicht zu rechnen ist. Zudem ist eine weitere Zinssenkung durch die amerikanische Notenbank Fed wahrscheinlicher geworden. Die Fed hat die Leitzinsen seit Jahresbeginn bereits um 275 Basispunkte auf 3,75 % gesenkt.

Es war ein schmerzhaftes Quartal. Zumindest wächst die Wirtschaft noch, sagte Bill Cheney, Chefökonom des Finanzdienstleisters John Hancock, dem Wall Street Journal. Ob es dabei bleibt, ist unsicher. Aus dem leichten Plus kann nach Auswertung aller Daten durchaus noch ein Minus werden. So korrigierte das Handelsministerium die Wachstumsrate aus dem vergangenen Jahr von 5 % auf 4,1 % nach unten. Die Jahresrate im 1. Quartal 2001 wurde allerdings leicht von 1,2 % auf 1,3 % herauf gesetzt.

Deutlicher Einbruch der Investitionen
Besonders deutlich wird der Einbruch der US-Wirtschaft bei den Investitionen der Unternehmen. Sie gingen im 2. Quartal um 13,6 % zurück, die Ausgaben für Software und Computer brachen gar um 14,5 % ein. Die Aufträge für Telekommunikationsausrüstungen sind nach Berechnungen der Investmentbank Merrill Lynch um 74 % gesunken. Wir erleben einen wahren Investitionskollaps, der die Wirtschaft umbringt, sagte Avery Shenfeld, Ökonom bei CIBC Markets, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Welche Spuren das bei den Unternehmen hinterlässt, zeigen die Meldungen über Milliardenverluste und Massenentlassungen der Telekomzulieferer Nortel, Lucent und JDS Uniphase. Der Lagerabbau bei den US-Unternehmen hat sich mit 26,9 Mrd. $ im 2. Quartal etwas verlangsamt.

Weniger starke, aber doch sichtliche Spuren hat der Abschwung auch bei den Verbrauchern hinterlassen. Ihre Konsumausgaben stiegen nur noch um 2,1 % nach 3 % im Vorquartal. Der private Konsum generiert etwa zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes und gilt deshalb als wichtigster Pfeiler der US-Wirtschaft. Gestützt wird der private Konsum durch einen nach wie vor starken Immobilienmarkt. Die Hausverkäufe sind im Juni um 1,7 % gestiegen, was einer Jahresrate von 922 000 Stück entspricht. Die Stimmung der Verbraucher hat sich im Juli jedoch weiter verschlechtert. Der Vertrauensindex der Universität Michigan sank leicht von 92,6 auf 92,4 Punkte.

Die Konsumenten sind freilich die einzige Hoffnung der Ökonomen. Beflügelt durch die nun anlaufende Steuerrückzahlung von insgesamt 38 Mrd. $ sollen die Verbraucher der US-Wirtschaft über die aktuelle Schwächephase hinweg helfen. Bruce Steinberg, Chefökonom bei Merrill Lynch, vertraut darauf und erwartet in der zweiten Jahreshälfte wieder höhere Wachstumsraten von bis zu 3,5 %.
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