Quelle: Finanznavigator.de
Wer diesen Newsletter schon laenger liest, kennt mich als einen Veraechter der
Charttechniker. Doch mehr noch als die Kaffeesatzleser aergern mich die Analysten und
Journalisten mit ihrem Geschwaetz. Zuletzt wurden von den unverbesserlichen
Boersenoptimisten zwei altbekannte und immer wieder aergerliche Argumente
herangezogen, die letztlich beide auf eine widerwaertige Nabelschau hinauslaufen:
Der Boden ist bald erreicht, weil die Analysten nun fast alle sagen, man solle verkaufen,
und man in der Presse nur noch Negativmeldungen liest.
Da die Kurse nun schon so schrecklich gefallen sind, sollte man jetzt kaufen, und nicht,
wenn die Kurse ganz oben sind.
Erstere und bei weitem aergerlichste Empfehlung wird von jenen Journalisten und
Analysten vermeldet, die sich dadurch hervorzuheben versuchen, dass sie mit dem
Finger auf die vermeintlich anderen tun. Analysten/Journalisten als Kontraindikatoren.
Hier diffamieren sozusagen die, die etwas nicht wahrhaben wollen die, die es noch gar
nicht gemerkt haben. Aergerlich deshalb, weil dieser Grund selbst fuer Charttechniker
ausgesprochen schwach waere. Fuer den normalverstaendigen Investor ist das einfach
eine hanebuechene Aussage - etwa von der gleichen Qualitaet wie eine Kaufempfehlung
auf der Basis eines schoenen Sonnenunterganges.
Die Zweiten wissen nicht, dass Unternehmen ihre Plaene in der Regel in Zeitraeumen
von Quartalen bis mehreren Jahren steuern und nicht in Tagen, wie den Inhalt einer
Tageszeitung. Der Tanker hat gewendet und sie halten es nur fuer eine voruebergehende
Verringerung der Geschwindigkeit. Wenn man bedankt, dass der Dow Jones und mehr
noch die Nadaq historisch unerhoert hohe Unternehmensbewertungen auf dem
gegenwaertigen Niveau fahren, und der Dow hierbei auch lediglich ca. 15% unter
seinem Alltime-High steht, dann wuerde ich gern wissen, wohin die Indizes im jetzigen
Umfeld nach Meinung dieser Mediensklaven steigen soll. Ich meine, dass man sich vor
diesen voreiligen Schluessen aus den Anfaengen der Neubewertung tunlichst hueten
sollte. Ja, Sie haben richtig gelesen: ‚aus den Anfaengen der Neubewertung’!
Wir befinden uns am Anfang einer Neubewertung, die wie immer aus den
Zukunftserwartungen gespeist wird. Und die beziehen sich zunehmend mehr auf den
Markt und weniger auf einzelne Unternehmensbewertungen. Die fussen ja alle auf Zahlen
der Vergangenheit, die sich nun durchwegs zu verschlechtern scheinen. Das
Anlegerverhalten ist vorhersehbar: Wer sich besinnt, was er an der Nasdaq bereits
verloren hat, und wieviel Platz der sehr hohe Dow Jones noch nach unten hat, der wird
sich beizeiten ueberlegen, dem durch den Ausstieg bei den Werten der Old Economy
einen Riegel vorzuschieben. Die Vorstellungen, die in der Szene der Analysten und
Medienleute hingegen vorzuherrschen scheinen, sind von solchen Ueberlegungen
offenbar abgekoppelt. Laengst hat man doch wieder gelernt, dass es vor allem wichtig
ist, auf dem Weg nach unten nicht dabei zu sein – und nicht, sicherzustellen, nach oben
dabei zu sein.