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T-Online: Analog- und ISDN-Flatrates vor dem Aus
Exklusiv: Der neue Vorstandschef von T-Online, Thomas Holtrop, wird voraussichtlich am kommenden Donnerstag das Ende der Flatrate-Tarife für Kunden mit analogen und ISDN-Anschlüssen verkünden.
Holtrop, zum Jahresbeginn von der Deutsche Bank 24 auf den Vorstandsposten bei der Telekom-Internettochter gewechselt, hatte bisher vor einer für den 13. März angekündigten Pressekonferenz nicht offiziell zur Strategie des Internetdienstleisters Stellung beziehen wollen.
Nun hingegen wird er nach Informationen aus Unternehmenskreisen doch schon auf einer geplanten, gemeinsamen Pressekonferenz mit Telekom-Technikvorstand Gerd Tenzer in Bonn als ersten strategischen Schnitt ankündigen, die bislang für 79 Mark angeboten unbegrenzten Pauschalangebote zu kippen. Das für 49 Mark vertriebene Flatrate-Angebot für Kunden, die bereits über einen T-DSL-Anschluss verfügen, ist nach WirtschaftsWoche-Informationen jedoch nicht betroffen. Parallel dazu werde Holtrop eine Reihe neuer Tarifmodelle vorstellen, von denen insbesondere Kunden profitieren sollen, die nicht die Flatrate-Angebote nutzen, verlautete am Montag aus dem Unternehmensumfeld.
Offiziell wollten bisher weder T-Online noch die Konzernmutter Stellung beziehen, bestätigten aber den Termin. Es ist ein offenes Geheimnis, dass hinter den Kulissen bereits seit Wochen Gegner und Befürworter erbittert um Fortbestand oder Ende der jetzt vermutlich zur Disposition stehenden Tarife ringen. Kein Wunder, reißt doch die 79-Mark-Offerte seit ihrer Einführung im vergangenen Sommer immer größere Löcher in die Bilanz von Europas größtem Internetdienst.
Denn während die Monatspauschale den Kunden zeitlich unbegrenzten Nutzung des Internets ermöglicht, muss die Telekomtocher den Internetzugang bei der Mutter nichtsdestotrotz minutenweise einkaufen. Damit entwickelte sich die Offerte für Kunden mit Modem- oder ISDN-Anschluß zu einem gigantischen Verlustbringer, denn offensichtlich nutzt die Masse der Flat-Kunden den Pauschaltarif weitaus intensiver, als in der Mischkalkulation von T-Online vorgesehen. "Es sind erschreckend viele Kunden, die sich zum Monatsbeginn einwählen und vor Monatsende nicht mehr auflegen", heißt es dazu beim Internetdienstleister.
Zwar offeriert die Deutsche Telekom schon seit dem vergangenen Jahr auf Druck der Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post eine so genannte Vorleistungsflatrate für Großkunden wie etwa T-Online. Doch auch die hat nichts daran geändert, das der Internetableger die Analog- beziehungsweise ISDN-Flatrate weiterhin bei weitem nicht Kosten deckend anbieten kann. Offensichtlich haben sich daher in Weiterstadt und Bonn nun die Flatrate-Gegner durchgesetzt, obwohl sich die Verluste in der Telekom-eigenen Bilanz neutralisieren: Denn was T-Online an Leitungsgebühren zahlen und folglich als Verlust verbuchen muß, wird gleichzeitig in der Kasse der Mutter als Einnahme verbucht.