Greenspan grenzgenial, oder? von Jochen Steffens


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daxbunny:

Greenspan grenzgenial, oder? von Jochen Steffens

 
06.09.05 18:15
Greenspan grenzgenial, oder?

von Jochen Steffens

Sie wissen, ich verfolge immer noch die "leicht zweifelhafte" Theorie, dass Alan Greenspan ein persönliches Interesse daran haben könnte, den Dow zum Ende seiner langen Amtszeit rein aus Eitelkeit auf ein neues Allzeithoch zu bringen.

Aussetzen der US-Zinserhöhungen ein Verkaufsargument?

Nun muss man sich fragen, wie wird er das wohl bewerkstelligen. Denn bis jetzt hatte er ein Problem. Stellen wir uns vor, Alan Greenspan hätte die Zinserhöhungsphase aus Sicht der Analysten "zu früh" ausgesetzt. Die üblichen "ich finde aber auch jedes Haar in der Börsensuppe"-Analysten wären dann sicherlich auf die seltsame Idee gekommen, Alan Greenspan hätte die Zinserhöhungen aussetzen müssen, weil die US-Wirtschaft nicht mehr stark genug sei, mit den Ölpreisen und den steigenden Zinsen fertig zu werden – ein klares Verkaufsargument!

Das wiederum hätte eine kleine nette Massenpanik an den Märkten hervorrufen können, – hätte – können.

Greenspan hat nun passende Argumente zur Hand

Doch jetzt ist alles wesentlich einfacher. Sofern Alan Greenspan tatsächlich die Zinserhöhungen im Herbst dieses Jahres aussetzen will (wie gesagt, bis jetzt ist das alles noch nicht mehr als eine Unterstellung), um die Märkte anzufeuern, hat er nun das schlagende Argument an der Hand, folgende Aussage wäre denkbar:

Die Katastrophe in New Orleans mache es erforderlich, die Zinserhöhungen zumindest zeitweise auszusetzen.

Die Begründung wäre auch sofort zur Hand: Der Zusammenbruch der Wirtschaftregion wird das Wirtschaftswachstum der USA in diesem Jahr in einem Maße belasten, dass dieser Schritt notwendig ist. Damit keine Panik aufkommt, könnte er dann noch anfügen, dass es für das nächste Jahr schon wesentlich besser aussehe und dies nur ein vorrübergehender Schritt sei, und die Zinserhöhungen bald wieder aufgenommen werden (nach seiner Amtszeit natürlich). Wie man weiß: In Krisenzeiten muss die Fed Liquidität zur Verfügung stellen, hier warnen ansonsten die Erfahrungen von 1929.

Niedrige Zinsen führen zu einer Überhitzung des Immobilienmarktes

Natürlich müsste Greenspan dann, um ein Überhitzen der Immobilienspekulationen durch niedrige Zinsen in den USA zu verhindern, etwas tun. Er könnte zum Beispiel davor warnen, dass die Preise auf dem Immobiliensektor deutlich sinken werden. Wie ich gelesen habe, hat er das auch brav bereits gemacht – perfekt! Dass er diese Warnung bereits vor dem Hurrikan und seinen katastrophalen Auswirkungen verlauten lies, grenzt natürlich an hellseherischer Genialität.

Sie können diese Anspielung Greenspans allerdings auch als deutliches Anzeichen dafür werten, dass die Immobilienblase in den USA eine solche ist und nun bald platzen wird. "Da in den USA alles viel schlimmer ist, als die Fed und die Regierung zugeben will, sah sich Greenspan dazu veranlasst, derart deutliche Worte an die Spekulanten zu richten." Das wird die vornehmliche Interpretation der Bären sein. Seltsam genug, dass sie dieses Mal auf die Worte Greenspans "hören", wo sie ihn doch ansonsten so gerne als "unfähig" ausweisen.

Sie können diese Anspielung, wie gesagt, aber auch dahingehend interpretieren, dass Alan Greenspan bereits vorsichtig darauf hinarbeitet, die den Immobilienmarkt dämpfenden Zinserhöhungen bald auszusetzen. Doch ob Greenspan derart hinterlistig ist? Wer kann schon in den Kopf von Old Greeny schauen? Der Markt wird es weisen, also richten wir unseren Focus auf die Kurse.

Zum Markt

Im Moment ist alles bullish, die Kurse steigen weiter. Wenn die Zinserhöhungen ausgesetzt werden sollten, werden wir zwei Dinge erleben: Stark steigende US-Märkte und einen sinkenden Dollar. Letztes wird die Rohstoffpreise weiter anfeuern, ersteres den Dax.

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass der Dax wenigstens einmal kurz nachschauen will, wie sich so die Luft oberhalb der 5000er Marke anfühlt. Sollte dies nun in einem Rutsch gehen, wird ein Überwinden der 5000er Marke den Dax vergleichsweise schnell auf die 5150/5200 Punkte bringen, danach ist ein Testen der 5000er Marke von oben durchaus denkbar.

Sollten sich meine Zinsgedanken bewahrheiten, dann haben wir im Dax sicherlich bis zum Ende des Jahres noch Platz bis zur 5500 Punkte und mehr.




Antworten
quantas:

Der Magier der Geldpolitik

 
25.10.05 07:42
Alan Greenspan ist eine lebende Legende. "Einen Anspruch auf den Titel des größten Zentralbankers, der jemals gelebt hat", bescheinigen ihm die Princeton-Ökonomen Alan Blinder und Ricardo Reis. "Der beste aller amerikanischen Zentralbankpräsidenten", findet Allan Meltzer, einer der führenden monetaristischen Ökonomen. "Außerordentlich gute Noten" erteilt ihm auch der bekannte Stanford-Professor John Taylor.
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Jackson Hole ist der Name eines Ferienorts im amerikanischen Bundesstaat Wyoming, umgeben von den majestätischen Teton-Bergen und nicht weit vom berühmten Yellowstone-Nationalpark entfernt. In Jackson Hole findet jedes Jahr die wichtigste geldpolitische Tagung der Welt statt, erstklassig besetzt mit prominenten Geldpolitikern und namhaften Ökonomen.

„Mächtigster Mann der Welt”


Das diesjährige Thema bildete die 18 Jahre währende Amtszeit Alan Greenspans als Vorsitzender der amerikanischen Zentralbank, des Federal Reserve Board (Fed). Alleine das Sujet verdeutlicht die außerordentliche Prominenz des 79 Jahre alten, immer noch sehr fit wirkenden Greenspan, um den sich ein Personenkult gebildet hat wie noch um keinen anderen Geldpolitiker. Gelegentlich wird der Amerikaner in Medien gar als "mächtigster Mann der Welt" bezeichnet - eine Überhöhung, auch wenn Greenspan fraglos zu den einflußreichsten Männern in der Wirtschaftswelt zählt.

Denn obgleich die Fed nur für die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten zuständig ist, beeinflußt sie als Zentralbank der größten Wirtschaftsnation der Welt auch die Geldpolitik auf anderen Kontinenten. "Wir können uns nicht vollständig emanzipieren", räumt ein europäischer Geldpolitiker ein.

In seiner Bilanz gibt es auch Passivposten

Der Grund, eine Bilanz der Ära Greenspan zu ziehen, bildet das Ausscheiden des Amerikaners aus seinem Amt Ende Januar 2006. Dann endet sein viertes und letztes Mandat. Manche der Lobeshymnen auf Greenspan, die zu hören und zu lesen sind, erinnern an verfrühte Nekrologe. Lob wird selbst von ansonsten zu ätzender Kritik neigenden amerikanischen Starökonomen großzügig verteilt, während sich Bedenken in Nebensätzen verstecken. Doch in Greenspans Bilanz gibt es auch Passivposten.

Der wichtigste Grund für die hohe Wertschätzung des Fed-Chefs bildet die insgesamt sehr erfreuliche Wirtschaftsentwicklung in Amerika seit seiner Ernennung 1987 (siehe auch: Die wichtigsten Stationen des Alan Greenspan). In dieser Zeit hat das Land drei lange Konjunkturaufschwünge bei nur zwei kurzen und milden Rezessionen erlebt. Das Wirtschaftswachstum war rege bei fallender Inflationsrate, gleichzeitig entstanden 27 Millionen zusätzlicher Arbeitsplätze. Von einer solchen Bilanz kann Europa nur träumen.

Das große Greenspan-Rätsel

Greenspans Leistung ist um so herausragender, als die politische und wirtschaftliche Großwetterlage während seiner Amtszeit unruhig war. Kurz nach seiner Ernennung fand im Herbst 1987 ein schwerer Börsenkrach statt, Amerika führte zwei Kriege gegen den Irak, Krisen in Rußland und Südostasien bedrohten die Stabilität der Finanzmärkte, und an den außerordentlichen Boom der "New Economy" Ende der neunziger Jahre schloß sich ein schwerer Zusammenbruch an. Außerdem weisen die Amerikaner ein sogenanntes "Zwillingsdefizit" auf - hohe Fehlbeträge in Leistungsbilanz und Staatshaushalt.

Das große Greenspan-Rätsel beginnt mit der naheliegenden Frage, welcher Art von Geldpolitik der Amerikaner eigentlich seine Erfolge verdankt. Denn rasch zeigt sich, daß die Fed unter Greenspan überhaupt keine Strategie verfolgte, wie sie die moderne Wirtschaftstheorie empfiehlt. Damit steht die Fed im Gegensatz zur EZB und zu anderen Zentralbanken, die zumindest versuchen, ihrer Politik eine theoretische Fundierung zu geben.

Geldpolitik als Kunst

Daher rührt auch eine unverkennbare Verbitterung, die mancherorts hinter verschlossenen Türen zu hören ist. Ja, der Amerikaner sei erfolgreich, aber eigentlich mit einer ganz unmöglichen Strategie, klagen Ökonomen und Geldpolitiker in anderen Ländern. "Ich verstehe EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing besser als Greenspan", sagte kürzlich Nobelpreisträger Bob Lucas. Angesichts dieses Widerspruchs bezeichnen die Medien Greenspan gerne - und etwas hilflos - als Magier. In diesem Bild drückt sich auch die Überzeugung aus, daß Greenspans Erfolg ein schwer erklärbarer Einzelfall sei und sein Nachfolger - wer immer es wird - eine konventionellere Geldpolitik betreiben müsse.

Die herrschende Lehre sagt: "Zentralbanken sollen ihre Geldpolitik an langfristigen, transparenten Regeln ausrichten und Unternehmen wie Verbraucher nicht durch kurzfristige Manöver verwirren." Greenspan sagt hingegen: "Die Wirtschaft ist ein kompliziertes, dauernden Veränderungen unterliegendes Gebilde, in der kaum stabile Beziehungen zwischen ökonomischen Größen existieren. Daher kann Geldpolitik nicht langfristigen Regeln folgen, sondern muß situationsgebunden agieren." Mitarbeitern, die ihm formal elegante Modelle zeigen, hält er entgegen: "Glauben Sie wirklich, damit könne man die Realität erklären?" Für die herrschende Lehre sind solche Sätze ein Graus. Bei Greenspan fühlt man sich an das alte Bonmot erinnert, wonach Geldpolitik keine angewandte Wissenschaft, sondern Kunst sei.

Die dunklen Andeutungen des Zahlenfetischisten

Statt auf Theorie stützt sich Greenspan, ein Empiriker par excellence, auf Statistiken, was ihm den Ruf eines Zahlenfetischisten eingetragen hat. Immer noch liest und verarbeitet er pausenlos Datensätze. Seine Neigung, sogar Sitzungen zu unterbrechen, um sich die neuesten Wirtschaftsdaten auf dem Nachrichtenticker anzusehen, wird von Kollegen kopfschüttelnd als Manie abgetan.

Greenspans legendärer Status beruht auch auf unkonventionellen Auftritten, die von seiner unangefochtenen Chefposition profitieren. Der Vorsitzende der Fed besitzt intern eine größere Macht als der Präsident der EZB. Während die Theorie und der gesunde Menschenverstand nahelegen, daß sich eine Zentralbank nachvollziehbar zu ihrer Politik äußern sollte, gefiel sich der Amerikaner lange in dunklen Andeutungen.

„Wie früher Mao bei den Chinesen”

Berühmt geworden ist ein Satz aus einer Anhörung vor Abgeordneten: "Wenn Sie mich jetzt verstanden haben, habe ich etwas falsch gemacht." Dazu paßt eine oft erzählte Geschichte aus seinem Privatleben: Angeblich mußte Greenspan seiner späteren Frau drei Heiratsanträge machen, ehe die Angebetete überhaupt verstand, was ihr Alan wollte.

Mag der Amerikaner bei anderen Geldpolitikern (teils widerwilligen) Respekt genießen: Die größten Greenspan-Fans sitzen an den Finanzmärkten - und das nicht ohne Grund. "Dort steht er im Rufe der Unfehlbarkeit wie früher Mao bei den Chinesen", bemerken Blinder und Reis sarkastisch. Dabei geht es um die Frage, ob - und wenn ja: wie - eine Zentralbank neben der Preisentwicklung von Gütern und Dienstleistungen auch Trends an Finanz- und Immobilienmärkten ins Kalkül ziehen sollte.

„Greenspan-Put”

Unter Greenspan hat die Fed starke, durch billiges Geld begünstigte Haussen an Finanz- und Immobilienmärkten toleriert. Daher machen ihn Kritiker für den Boom und den späteren Kollaps der "New Economy" mitverantwortlich. Doch während Greenspan Haussen laufen ließ, senkte er hilfreich die Zinsen, wenn eine starke Baisse einsetzte - mit der Begründung, die Fed müsse die Stabilität der Finanzmärkte gewährleisten.

Dieses einseitige, die Spekulation geradezu einladende Verhalten wurde "Greenspan-Put" getauft - "Put" ist das englische Wort für Verkaufsoption. Kein Wunder, daß die Finanzmärkte den Fed-Chef lieben. In anderen Zentralbanken gilt dieser "Put" jedoch als das schlimmste Erbe Greenspans.


Text: F.A.Z., 23.10.2005
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quantas:

Greenspan Nachfolge

 
25.10.05 07:47

25. Oktober 2005 Alan Greenspans Nachfolger steht fest: Der amerikanische Präsident George W. Bush hat seinen Wirtschaftsberater Ben Bernanke zum neuen Notenbankchef der Vereinigten Staaten nominiert.

Der 51 Jahre alte Ökonom führt seit dem Sommer den Stab der Wirtschaftsberater im Weißen Haus. Zuvor gehörte er drei Jahre lang dem Direktorium der Fed an, das zusammen mit Vertretern der regionalen Zentralbanken die zinspolitischen Entscheidungen trifft. Vor seinem Umzug in die amerikanische Hauptstadt hat Bernanke viele Jahre an der Elite-Universität Princeton gelehrt und geforscht (siehe auch: Ben Bernanke: Vom Wissenschaftler zum Fed-Chef). Die Nominierung muß vom amerikanischen Senat bestätigt werden.

Greenspan als Vater des Wirtschaftsaufschwungs

18 Jahre an der Spitze der Fed: Alan Greenspan
Die Amtszeit Greenspans endet am 31. Januar 2006. Der Währungshüter, der wenige Wochen später 80 Jahre alt wird, führt die Geschicke der amerikanischen Geldpolitik seit August 1987 (siehe auch: Die wichtigsten Stationen des Alan Greenspan). Während dieser Zeit hat sich Greenspan nicht nur an den Finanzmärkten einen legendären Ruf erworben, sein wirtschafts- und finanzpolitischer Rat ist auch in der Regierung und im amerikanischen Kongreß sehr gefragt. Mitunter hat ihm dies den Vorwurf eingetragen, politisch nicht unbefangen zu sein (siehe auch: Alan Greenspan: Der Magier der Geldpolitik).

Zahlreiche Demokraten verübeln Greenspan, daß er im Frühjahr 2001 Bushs Vorhaben umfangreicher Steuersenkungen unterstützte und zum Stimmungsumschwung im Kongreß beitrug. Viele sehen in Greenspan gleichwohl den Vater des Wirtschaftsaufschwungs in den neunziger Jahren, dem es gelungen sei, über lange Zeit ein hohes und zugleich inflationsfreies Wachstum in Amerika zu sichern.

Fachmann für Geldtheorie und Geldpolitik

Erst vor wenigen Wochen hatte sich Bush erstmals zu der bevorstehenden Personalentscheidung geäußert. Sie wird weithin als eine der wichtigsten in seiner zweiten Amtszeit angesehen. Es komme ihm darauf an, einen Kandidaten zu finden, der die geldpolitischen Entscheidungen unabhängig von der Politik treffe.

Bernankes Name hatte auf allen Listen möglicher Greenspan-Nachfolger weit oben gestanden. In der akademischen Welt genießt der Ökonom einen hervorragenden Ruf als Fachmann für Geldtheorie und Geldpolitik. Bernanke ist Befürworter einer stärker regelgebundenen Geldpolitik als Greenspan. Auf behutsame Weise setzt er sich für ein Inflationsziel als geldpolitische Strategie ein. Im Rahmen eines solchen Konzepts gibt die Notenbank zunächst eine Inflationsrate vor, die sie mit der Sicherung der Geldwertstabilität für vereinbar hält. In der Folge bemühen sich die Währungshüter, diese Inflationsrate mittelfristig mit den Mitteln der Zinspolitik und in Abhängigkeit von der Wirtschaftslage zu erreichen.

Auch andere Berater waren im Gespräch

Greenspan hat die Festlegung auf ein solches Inflationsziel bisher abgelehnt. Seiner Ansicht nach ist die ökonomische Realität zu kompliziert, als daß sie sich in einem Modell abbilden ließe, aus dem dann Handlungsanweisungen für die Geldpolitik abgeleitet werden können. Die Fed hat bisher nicht dargelegt, welche Teuerungsrate sie für vertretbar hält.

Als mögliche Nachfolger Greenspans waren auch noch der Harvard-Ökonom Martin Feldstein sowie die beiden früheren Wirtschaftsberater Bushs, Lawrence Lindsey und Glenn Hubbard, genannt worden. Zuletzt hatte auch ein enger Vertrauter Greenspans, Fed-Direktoriumsmitglied Donald Kohn, als aussichtsreich gegolten.

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