von Jochen Steffens
Sie wissen, ich verfolge immer noch die "leicht zweifelhafte" Theorie, dass Alan Greenspan ein persönliches Interesse daran haben könnte, den Dow zum Ende seiner langen Amtszeit rein aus Eitelkeit auf ein neues Allzeithoch zu bringen.
Aussetzen der US-Zinserhöhungen ein Verkaufsargument?
Nun muss man sich fragen, wie wird er das wohl bewerkstelligen. Denn bis jetzt hatte er ein Problem. Stellen wir uns vor, Alan Greenspan hätte die Zinserhöhungsphase aus Sicht der Analysten "zu früh" ausgesetzt. Die üblichen "ich finde aber auch jedes Haar in der Börsensuppe"-Analysten wären dann sicherlich auf die seltsame Idee gekommen, Alan Greenspan hätte die Zinserhöhungen aussetzen müssen, weil die US-Wirtschaft nicht mehr stark genug sei, mit den Ölpreisen und den steigenden Zinsen fertig zu werden – ein klares Verkaufsargument!
Das wiederum hätte eine kleine nette Massenpanik an den Märkten hervorrufen können, – hätte – können.
Greenspan hat nun passende Argumente zur Hand
Doch jetzt ist alles wesentlich einfacher. Sofern Alan Greenspan tatsächlich die Zinserhöhungen im Herbst dieses Jahres aussetzen will (wie gesagt, bis jetzt ist das alles noch nicht mehr als eine Unterstellung), um die Märkte anzufeuern, hat er nun das schlagende Argument an der Hand, folgende Aussage wäre denkbar:
Die Katastrophe in New Orleans mache es erforderlich, die Zinserhöhungen zumindest zeitweise auszusetzen.
Die Begründung wäre auch sofort zur Hand: Der Zusammenbruch der Wirtschaftregion wird das Wirtschaftswachstum der USA in diesem Jahr in einem Maße belasten, dass dieser Schritt notwendig ist. Damit keine Panik aufkommt, könnte er dann noch anfügen, dass es für das nächste Jahr schon wesentlich besser aussehe und dies nur ein vorrübergehender Schritt sei, und die Zinserhöhungen bald wieder aufgenommen werden (nach seiner Amtszeit natürlich). Wie man weiß: In Krisenzeiten muss die Fed Liquidität zur Verfügung stellen, hier warnen ansonsten die Erfahrungen von 1929.
Niedrige Zinsen führen zu einer Überhitzung des Immobilienmarktes
Natürlich müsste Greenspan dann, um ein Überhitzen der Immobilienspekulationen durch niedrige Zinsen in den USA zu verhindern, etwas tun. Er könnte zum Beispiel davor warnen, dass die Preise auf dem Immobiliensektor deutlich sinken werden. Wie ich gelesen habe, hat er das auch brav bereits gemacht – perfekt! Dass er diese Warnung bereits vor dem Hurrikan und seinen katastrophalen Auswirkungen verlauten lies, grenzt natürlich an hellseherischer Genialität.
Sie können diese Anspielung Greenspans allerdings auch als deutliches Anzeichen dafür werten, dass die Immobilienblase in den USA eine solche ist und nun bald platzen wird. "Da in den USA alles viel schlimmer ist, als die Fed und die Regierung zugeben will, sah sich Greenspan dazu veranlasst, derart deutliche Worte an die Spekulanten zu richten." Das wird die vornehmliche Interpretation der Bären sein. Seltsam genug, dass sie dieses Mal auf die Worte Greenspans "hören", wo sie ihn doch ansonsten so gerne als "unfähig" ausweisen.
Sie können diese Anspielung, wie gesagt, aber auch dahingehend interpretieren, dass Alan Greenspan bereits vorsichtig darauf hinarbeitet, die den Immobilienmarkt dämpfenden Zinserhöhungen bald auszusetzen. Doch ob Greenspan derart hinterlistig ist? Wer kann schon in den Kopf von Old Greeny schauen? Der Markt wird es weisen, also richten wir unseren Focus auf die Kurse.
Zum Markt
Im Moment ist alles bullish, die Kurse steigen weiter. Wenn die Zinserhöhungen ausgesetzt werden sollten, werden wir zwei Dinge erleben: Stark steigende US-Märkte und einen sinkenden Dollar. Letztes wird die Rohstoffpreise weiter anfeuern, ersteres den Dax.
Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass der Dax wenigstens einmal kurz nachschauen will, wie sich so die Luft oberhalb der 5000er Marke anfühlt. Sollte dies nun in einem Rutsch gehen, wird ein Überwinden der 5000er Marke den Dax vergleichsweise schnell auf die 5150/5200 Punkte bringen, danach ist ein Testen der 5000er Marke von oben durchaus denkbar.
Sollten sich meine Zinsgedanken bewahrheiten, dann haben wir im Dax sicherlich bis zum Ende des Jahres noch Platz bis zur 5500 Punkte und mehr.
