Der Internet-Suchmaschinen-Betreiber Google hat zu seinem Börsendebüt ein sattes Kursplus hingelegt. Der Run von institutionellen Investoren und Kleinanlegern katapultierte die Aktie auf einen Schlusskurs von 100,34 Dollar.
Das Unternehmen hatte den Emissionspreis auf 85 Dollar und damit auf das untere Ende der gesenkten Spanne festgesetzt. Aufgrund der schleppenden Nachfrage war die ursprüngliche Bookbuilding-Spanne von 108 bis 135 Dollar auf 85 bis 95 Dollar gesenkt worden. Insgesamt 1,66 Milliarden Dollar spült der IPO in die Google-Kassen - und macht die Transaktion zum fünfgrößten Börsengang dieses Jahres.
Damit erreicht Google am ersten Handelstag eine Marktkapitalisierung von 27,85 Milliarden Dollar. Das liegt noch deutlich unter den 37,4 Milliarden Dollar des Hauptrivalen Yahoo, übertrifft aber bereits gestandene Blue Chips wie den Autobauer General Motors, der auf 23,5 Milliarden Dollar Börsenwert kommt.
Ursprünglich wollten die Internet-Spürnasen, an denen Promis wie Arnold Schwarzenegger, Tiger Woods oder Henry Kissinger vorbörslich beteiligt waren, aber die doppelte Summe einnehmen. Die wachsenden Probleme und Pannen in den vergangenen Wochen zwangen die Google-Verantwortlichen jedoch zu Abstrichen.
So entschlossen sich die Google-Gründer, nur 5,5 Millionen an Stelle der ursprünglich geplanten 11,6 Millionen Papiere zu verkaufen. Insgesamt gelangten damit 15,2 Millionen Google-Papiere oder gerrade einmal sechs Prozent des Free-Floats in den Börsenhandel.
Auch andere Investoren wie die zwei führenden Venture-Capital-Gesellschaften bleiben an Bord. Sie können allerdings ihre Anteile vor dem Ablauf der üblichen Haltefrist von mindestens sechs Monaten veräußern - was die Schwankungsanfälligkeit der Aktie weiter erhöhen wird.
Zahlreiche Kommentatoren aus der Finanzwelt sich beeilten sich daher, das Auktionsverfahren bei der Zeichnung der Google-Aktien als Fehlschlag abzuhaken. Dahinter verbergen sich jedoch die Interessen der Investmentbanken, denen durch das Google-Verfahren saftige Provisionen entgehen. Kein Wunder also, dass zahlreiche Banker und Broker vor dem IPO nicht müde wurden, auf den zu hohen Preis hinzuweisen - um sich nach der drastischen Preissenkung selbst als Käufer zu betätigen.
Ziel von Google war es, per Auktion die Kleinanleger und Nutzer der Suchmaschine zum Zuge kommen zu lassen. Dieses unkonventionelle Verfahren ist zumindest für Unternehmen wie Google eine Überlegung wert, die auf ein bekanntes Label verweisen können.
Wie der Fall Google zeigt, eignen sich IPO-Auktionen zur gerechteren Verteilung der Aktien, weniger aber zur Preisfestsetzung. Gerade im aktuellen Börsenklima - im Monat August wurden in den USA bislang 16 IPOs auf Eis gelegt - erwarten Investoren eher einen IPO-Discount als einen Aufschlag zu bereits gelisteten Peers.
Vor diesem Hintergrund sind größere Schwankungen bei der Google-Aktie vorprogrammiert. Noch nicht vom Tisch sind die Ermittlungen der US-Börsenaufsicht gegen die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin. Die hatten in einem Interview mit dem "Playboy" einige Details zum Börsengang ausgeplaudert und damit gegen die gesetzlich vorgeschriebene Schweigepflicht (quiet period) während des IPO verstoßen. Des Weiteren wird noch geklärt, warum das Unternehmen mehr als 23 Millionen Aktien und 5,6 Millionen Aktienoptionen illegal an Mitarbeiter und Berater ausgegeben hat.
Mit einem 2005er-KGV von 77 ist Google noch höher bewertet als die großen Rivalen Yahoo (60) und eBay (50). Ambitioniert ist der Preis umso mehr, wenn man bedenkt, dass Google bislang noch keine zusätzlichen Einnahmen wie etwa Bannerwerbung oder E-Mail-Accounts generiert.
Um in diesem Punkt zur Konkurrenz aufzuschließen, will Google die 1,66 Milliarden Dollar an frischem Geld aus dem Börsengang verwenden. Wer die Aktie hat, sollte am Ball bleiben. Ein Einstieg drängt sich derzeit aber nicht auf.
Empfehlung: HALTEN
Kurs am 19. August (US-Schlusskurs): 100,34 US-Dollar
Stoppkurs: 78,00 US-Dollar
Quelle: Börse Online