Nur ein paar Worte zu der GR-Situation. Hat zwar langfristig nicht direkt etwas mit GFT zu tun, aber eine gewisse kurzfristige Wirkung auf den GFT-Kurs kann man schlecht negieren. Außerdem ist Wochenende, und da ist börsenmäßig nichts los, so dass eine kleine Betrachtung zum GR-Thema nicht so sehr off-topic sein sollte.
Das Schäuble so hart war, hat mich nicht gewundert, es hat mich nur überrascht dass er so lange hart geblieben ist. Bis etwas eingetreten ist was mich auf den ersten Blick zugegebenermaßen doch etwas verstört hat. Auf den zweiten Blick aber recht clever erscheint.
Und zwar die Tatsache dass mitten in den Verhandlungen der Junker so viel Verständnis für die griechischen Vorschläge gezeigt hat. Das passte doch irgendwie überhaupt nicht, und ich vermutete schon dass sich die EU uneins ist was die Vorgehensweise in der GR-Sache angeht.
Habe erst gedacht dass das irgendwie total kontraproduktiv wäre, wenn der Juncker so dazwischengrätscht. Und ob es irgendwie positiv sein könnte dass Juncker so redet.
Und da denke ich dass das Schäuble-Juncker-Szenario die Vorgehensweise ist die man bei Polizeiverhören die bad guy-good guy-Methode nennt.
Ein bad-guy (Schäuble), geht aggressiv und hart vor um den zu Verhörenden (Varoufakis/Tsipras) mürbe zu machen. Nach einer gewissen Zeit kommt der good-guy (Juncker) und zeigt Verständnis und Einfühlungsvermögen.
Die Wirkung die das dann auf die zu verhörende Person zeigt kann! enorm sein.
Der Mensch ist nun mal so gepolt dass ein Zuspruch und ein gewisses Verständnis, gerade nach einer harten Tour die genau das überhaupt nicht gezeigt hat, eine positive Wirkung auf ihn hat und das ihn (wenn er gefühlsmäßig nicht total abgestorben ist) dazu ermuntern kann seine bisherige Position vielleicht nicht aufzugeben, aber doch ein gutes Stück davon abzurücken.
Und so sehr Varoufakis auch immer sein Siegerlächeln aufsetzt und den Eindruck erweckt dass er es drauf ankommen lassen wird - dem Mann geht auch die Düse, dass die Verhandlungen scheitern, davon bin ich überzeugt.
Und dass der immer so lächelt - das wird ihm ja teilweise schon sehr übel genommen und als Arroganz/Ignoranz ausgelegt. Das sehe ich auch anders.
Schon bei seinem ersten Auftritt war etwas zu beobachten, dass mir zeigte wie unsicher Varoufakis hinter seiner lächelnden Fassade ist.
Als er in Frankreich empfangen wurde (ich glaube es war der französische Aussenminister), da ging Varaoufakis mit einem jugendlichen Elan, der manche 20jährige neidisch machen könnte, auf den Franzosen zu und gab ihn übers ganze Gesicht lächelnd die Hand. Das konnte man auf den ersten Blick schon in den falschen Hals kriegen, wie er da aufgetreten ist.
Was aber auch zu sehen war:
Varoufakis schüttelte den Franzosen die Hand und ließ dabei seine linke Hand in der seitlichen Tasche seiner Lederjacke. Das hatte ich so noch nie gesehen dass bei einem Treffen zweier Staatsmänner im Moment des Händeschüttelns, einer dabei die andere Hand in der Jacken-/Hosentasche gelassen hat. Das ist ein absolutes NoGo.
Und sowas würde man nur bewusst machen, wenn man den Gegenüber beleidigen/degradieren wollte.
Oder man macht es versehentlich weil man einfach nicht daran denkt, bzw. man die Situation nicht überblickt.
So sehr wie mir bei dieser Begrüßungsszene auf den ersten Blick der Varoufakis absolut unangenehm auffiel - nach dem zweiten Blick konnte ich nur Mitleid für ihn empfinden.
Der ist in vielen Situationen sicherlich unsicher und überfordert. Ist ja auch nur verständlich. Die allermeisten Regierungsmitglieder einer gerade gewählten Regierung haben eine gewisse Phase in der sie sich in die neuen Dinge einarbeiten können. Nicht umsonst gibt es ja den Spruch der "ersten 100 Tage".
Varoufakis und Tsipras mussten sofort mitten in die Höhle des Löwen. Verständlich dass sie da eher zu forsch als zu zögerlich auftreten. Der Löwe soll sich ja beeindruckt von der eigenen Kraft zeigen, und nicht das Gefühl haben dass sich ihm da jemand zum Fraß vorwirft.
Und gerade wegen der Unsicherheit/Überforderung unter der Tsipras und Varoufakis sicherlich leiden (auch wenn sie das niemals zugeben/zeigen würden) denke ich dass die oben erwähnte bad guy-good buy-Methode nicht an den beiden spurlos vorübergehen/-gegangen ist.
Ich wünsche der Regierung Tsipras Alles Gute für die Zukunft. Werden sie auch brauchen. Denn wenn sie es nicht schaffen die Zustände in GR schnell! und massiv! zu verändern, dann sieht es düster aus.
Ich habe vor einigen Tagen in einem anderen Thread mal was zum Griechenlanddilemma geschrieben.
Wen es interessiert - Posting 170429
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