Gestern ein König
von Astrid Dörner (New York) und Angela Maier (München)
Stephen Schwarzman galt als glorreicher Anführer der Private-Equity-Branche. Mit Blackstone verdiente er Milliarden. Nun bekommt sein Unternehmen kaum noch Kapital für neue Projekte - und manch alter Deal könnte ihm zum Verhängnis werden.
Steve Schwarzman hat sich verschanzt. Der Chef von Blackstone brütet über Analysen und ist nicht zu sprechen. Selbst die Mitarbeiter des Private-Equity-Unternehmens haben ihn zwei Tage lang nicht in den Büroräumen an der Park Avenue in New York gesehen.
So kennt man Schwarzman gar nicht, den großen Finanzier, den das US-Magazin "Fortune" 2007 zum "Neuen König der Wall Street" ausgerufen hat.
Es waren goldene Zeiten damals. Nun sieht es nicht gut aus für die Branche, für die Blackstone immer ein Synonym war. Schwarzmans Unternehmen macht Verluste, neues Geld gibt es kaum - und bei manchem gefeierten Deal beginnt es immer fauler zu riechen.
Schwarzman stand an der Spitze einer Zunft, die die Kreditblase bis zum Äußersten getrieben und wie keine andere von ihr profitiert hat. Es war die Zeit der Milliardendeals mit immer neuen Rekorden, eine Zeit von blindem Wetteifer und grenzenloser Gier. Arthur Levitt, Berater von Carlyle, sagte damals: "Wir glauben, dass wir alles in Gold verwandeln können." Das glaubten auch die Investoren: 2006 und 2007 sammelten Private-Equity-Firmen weltweit jeweils über 500 Mrd. $ ein, fast dreimal so viel wie 2004. Treiber dieser Welle waren Leute wie Schwarzman und Henry Kravis, Mitgründer des Erzrivalen KKR.
Das Muster war stets das gleiche: In ihr klassisches Geschäftsmodell - kaufen, umstrukturieren, mit Gewinn verkaufen - bauten die Firmen immer öfter einen Renditeturbo ein: Sie kauften mit wenig Eigenkapital, luden ihren Objekten jede Menge Schulden auf - und pressten üppige Sonderdividenden raus.
Das zahlte sich aus, die Jäger wurden reich. So gab Schwarzman 3 Mio. $ für die Feier seines 60. Geburtstags aus, auf der Rod Stewart angeblich für 1 Mio. $ Gage auftrat und der ehemalige US-Außenminister Colin Powell per Videobotschaft grüßte. Schwarzman soll seinen Butler entlassen haben, weil dessen Schuhe quietschten. Zum Lunch bestellt er gern Krabben für 400 $. Doch er war auch Big Spender: 100 Mio. $ gab er für ein Gebäude der New York Public Library an der 5th Avenue.
Auf dem Höhepunkt des Hypes brachte Schwarzman, der bereits mit 31 Managing Director bei Lehman Brothers war, Blackstone an die Börse - und kassierte dafür fast 500 Mio. $ sowie Aktien im Wert mehrerer Milliarden.
Das alles scheinen heute Geschichten aus einer anderen Ära. Es ist still geworden um Schwarzman. Investoren stehen nicht mehr Schlange, der Chef muss angeblich höchstpersönlich zu potenziellen Geldgebern und Werbung machen: Jetzt sei die beste Zeit zu investieren, verkündet er gebetsmühlenartig in Interviews und Meetings.
Auf fruchtbaren Boden fällt das bislang kaum: Blackstone wollte bis zum Sommer 2008 einen 20-Mrd.-$-Fonds aufstellen. "Institutionelle Investoren sind skeptisch geworden", sagt Richard Peterson von Standard & Poor's. "Viele US-Pensionsfonds und Universitätsstiftungen stecken in Liquiditätsnöten - sie befürchten geringere Renditen als in der Vergangenheit."
Zwar habe Schwarzman bereits 9 Mrd. $ eingesammelt, heißt es im Umfeld von Blackstone. Auf Seiten institutioneller Investoren wird allerdings damit gerechnet, dass man sich mit nur 10 Mrd. $ zufriedengeben muss - und das Fundraising bis 2010 dauert.
Aus der FTD vom 16.01.2009
© 2009 Financial Times Deutschland, © Illustration: reuters
www.ftd.de/koepfe/whoiswho/...-Gestern-ein-K%F6nig/461546.html
von Astrid Dörner (New York) und Angela Maier (München)
Stephen Schwarzman galt als glorreicher Anführer der Private-Equity-Branche. Mit Blackstone verdiente er Milliarden. Nun bekommt sein Unternehmen kaum noch Kapital für neue Projekte - und manch alter Deal könnte ihm zum Verhängnis werden.
Steve Schwarzman hat sich verschanzt. Der Chef von Blackstone brütet über Analysen und ist nicht zu sprechen. Selbst die Mitarbeiter des Private-Equity-Unternehmens haben ihn zwei Tage lang nicht in den Büroräumen an der Park Avenue in New York gesehen.
So kennt man Schwarzman gar nicht, den großen Finanzier, den das US-Magazin "Fortune" 2007 zum "Neuen König der Wall Street" ausgerufen hat.
Es waren goldene Zeiten damals. Nun sieht es nicht gut aus für die Branche, für die Blackstone immer ein Synonym war. Schwarzmans Unternehmen macht Verluste, neues Geld gibt es kaum - und bei manchem gefeierten Deal beginnt es immer fauler zu riechen.
Schwarzman stand an der Spitze einer Zunft, die die Kreditblase bis zum Äußersten getrieben und wie keine andere von ihr profitiert hat. Es war die Zeit der Milliardendeals mit immer neuen Rekorden, eine Zeit von blindem Wetteifer und grenzenloser Gier. Arthur Levitt, Berater von Carlyle, sagte damals: "Wir glauben, dass wir alles in Gold verwandeln können." Das glaubten auch die Investoren: 2006 und 2007 sammelten Private-Equity-Firmen weltweit jeweils über 500 Mrd. $ ein, fast dreimal so viel wie 2004. Treiber dieser Welle waren Leute wie Schwarzman und Henry Kravis, Mitgründer des Erzrivalen KKR.
Das Muster war stets das gleiche: In ihr klassisches Geschäftsmodell - kaufen, umstrukturieren, mit Gewinn verkaufen - bauten die Firmen immer öfter einen Renditeturbo ein: Sie kauften mit wenig Eigenkapital, luden ihren Objekten jede Menge Schulden auf - und pressten üppige Sonderdividenden raus.
Das zahlte sich aus, die Jäger wurden reich. So gab Schwarzman 3 Mio. $ für die Feier seines 60. Geburtstags aus, auf der Rod Stewart angeblich für 1 Mio. $ Gage auftrat und der ehemalige US-Außenminister Colin Powell per Videobotschaft grüßte. Schwarzman soll seinen Butler entlassen haben, weil dessen Schuhe quietschten. Zum Lunch bestellt er gern Krabben für 400 $. Doch er war auch Big Spender: 100 Mio. $ gab er für ein Gebäude der New York Public Library an der 5th Avenue.
Auf dem Höhepunkt des Hypes brachte Schwarzman, der bereits mit 31 Managing Director bei Lehman Brothers war, Blackstone an die Börse - und kassierte dafür fast 500 Mio. $ sowie Aktien im Wert mehrerer Milliarden.
Das alles scheinen heute Geschichten aus einer anderen Ära. Es ist still geworden um Schwarzman. Investoren stehen nicht mehr Schlange, der Chef muss angeblich höchstpersönlich zu potenziellen Geldgebern und Werbung machen: Jetzt sei die beste Zeit zu investieren, verkündet er gebetsmühlenartig in Interviews und Meetings.
Auf fruchtbaren Boden fällt das bislang kaum: Blackstone wollte bis zum Sommer 2008 einen 20-Mrd.-$-Fonds aufstellen. "Institutionelle Investoren sind skeptisch geworden", sagt Richard Peterson von Standard & Poor's. "Viele US-Pensionsfonds und Universitätsstiftungen stecken in Liquiditätsnöten - sie befürchten geringere Renditen als in der Vergangenheit."
Zwar habe Schwarzman bereits 9 Mrd. $ eingesammelt, heißt es im Umfeld von Blackstone. Auf Seiten institutioneller Investoren wird allerdings damit gerechnet, dass man sich mit nur 10 Mrd. $ zufriedengeben muss - und das Fundraising bis 2010 dauert.
Aus der FTD vom 16.01.2009
© 2009 Financial Times Deutschland, © Illustration: reuters
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Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. Konrad Adenauer