Gestern ein König


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tom68:

Gestern ein König

 
15.01.09 22:06
Gestern ein König
von Astrid Dörner (New York) und Angela Maier (München)

Stephen Schwarzman galt als glorreicher Anführer der Private-Equity-Branche. Mit Blackstone verdiente er Milliarden. Nun bekommt sein Unternehmen kaum noch Kapital für neue Projekte - und manch alter Deal könnte ihm zum Verhängnis werden.

Steve Schwarzman hat sich verschanzt. Der Chef von Blackstone brütet über Analysen und ist nicht zu sprechen. Selbst die Mitarbeiter des Private-Equity-Unternehmens haben ihn zwei Tage lang nicht in den Büroräumen an der Park Avenue in New York gesehen.

So kennt man Schwarzman gar nicht, den großen Finanzier, den das US-Magazin "Fortune" 2007 zum "Neuen König der Wall Street" ausgerufen hat.

Es waren goldene Zeiten damals. Nun sieht es nicht gut aus für die Branche, für die Blackstone immer ein Synonym war. Schwarzmans Unternehmen macht Verluste, neues Geld gibt es kaum - und bei manchem gefeierten Deal beginnt es immer fauler zu riechen.

Schwarzman stand an der Spitze einer Zunft, die die Kreditblase bis zum Äußersten getrieben und wie keine andere von ihr profitiert hat. Es war die Zeit der Milliardendeals mit immer neuen Rekorden, eine Zeit von blindem Wetteifer und grenzenloser Gier. Arthur Levitt, Berater von Carlyle, sagte damals: "Wir glauben, dass wir alles in Gold verwandeln können." Das glaubten auch die Investoren: 2006 und 2007 sammelten Private-Equity-Firmen weltweit jeweils über 500 Mrd. $ ein, fast dreimal so viel wie 2004. Treiber dieser Welle waren Leute wie Schwarzman und Henry Kravis, Mitgründer des Erzrivalen KKR.

Das Muster war stets das gleiche: In ihr klassisches Geschäftsmodell - kaufen, umstrukturieren, mit Gewinn verkaufen - bauten die Firmen immer öfter einen Renditeturbo ein: Sie kauften mit wenig Eigenkapital, luden ihren Objekten jede Menge Schulden auf - und pressten üppige Sonderdividenden raus.

Das zahlte sich aus, die Jäger wurden reich. So gab Schwarzman 3 Mio. $ für die Feier seines 60. Geburtstags aus, auf der Rod Stewart angeblich für 1 Mio. $ Gage auftrat und der ehemalige US-Außenminister Colin Powell per Videobotschaft grüßte. Schwarzman soll seinen Butler entlassen haben, weil dessen Schuhe quietschten. Zum Lunch bestellt er gern Krabben für 400 $. Doch er war auch Big Spender: 100 Mio. $ gab er für ein Gebäude der New York Public Library an der 5th Avenue.

Auf dem Höhepunkt des Hypes brachte Schwarzman, der bereits mit 31 Managing Director bei Lehman Brothers war, Blackstone an die Börse - und kassierte dafür fast 500 Mio. $ sowie Aktien im Wert mehrerer Milliarden.

Das alles scheinen heute Geschichten aus einer anderen Ära. Es ist still geworden um Schwarzman. Investoren stehen nicht mehr Schlange, der Chef muss angeblich höchstpersönlich zu potenziellen Geldgebern und Werbung machen: Jetzt sei die beste Zeit zu investieren, verkündet er gebetsmühlenartig in Interviews und Meetings.

Auf fruchtbaren Boden fällt das bislang kaum: Blackstone wollte bis zum Sommer 2008 einen 20-Mrd.-$-Fonds aufstellen. "Institutionelle Investoren sind skeptisch geworden", sagt Richard Peterson von Standard & Poor's. "Viele US-Pensionsfonds und Universitätsstiftungen stecken in Liquiditätsnöten - sie befürchten geringere Renditen als in der Vergangenheit."

Zwar habe Schwarzman bereits 9 Mrd. $ eingesammelt, heißt es im Umfeld von Blackstone. Auf Seiten institutioneller Investoren wird allerdings damit gerechnet, dass man sich mit nur 10 Mrd. $ zufriedengeben muss - und das Fundraising bis 2010 dauert.

Aus der FTD vom 16.01.2009
© 2009 Financial Times Deutschland, © Illustration: reuters

www.ftd.de/koepfe/whoiswho/...-Gestern-ein-K%F6nig/461546.html
Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.  Konrad Adenauer
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tom68:

Teil 2, 3 & 4

 
15.01.09 22:08
www.ftd.de/koepfe/whoiswho/...tern-ein-K%F6nig/461546.html?p=2

www.ftd.de/koepfe/whoiswho/...tern-ein-K%F6nig/461546.html?p=3

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Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.  Konrad Adenauer
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Parocorp:

so sieht er aus

 
15.01.09 22:13
und so spricht er...

Most psychiatrists or analysts are a waste of time
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tom68:

Die unverbesserliche Super-Heuschrecke

 
28.01.09 17:36
Schwarzman in Davos
Die unverbesserliche Super-Heuschrecke
von Tim Bartz (Davos)

Angesichts des weltweiten Abschwungs geben sich viele Unternehmenschefs in Davos bescheiden. Ganz anders Stephen Schwarzman: Der einstige Star der Private-Equity-Branche hat ungewöhnliche Rezepte gegen die Krise: mehr Schulden und weniger Transparenz.

Eigentlich könnte man meinen, dass die sogenannten Heuschrecken von einst angesichts der Krise harmlos geworden sind. Keine Bank leiht ihnen mehr Geld, ihre wenigen Deals platzen reihenweise, und das öffentliche Ansehen der Private-Equity-Investoren konkurriert mit dem von Totengräbern. Ganz anders dagegen Stephen Schwarzmann: Der Gründer und Chef der amerikanischen Blackstone Group glaubt auch jetzt noch, dass das wirtschaftliche Elend unserer Tage am besten mit weniger Regeln und mehr Risiko zu lösen ist. Deutlich wurde das am Mittwoch, zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos.

Schwarzman - für viele Kritiker so etwas wie der Gottseibeiuns der Finanzmärkte - stellt seine provokanten Thesen in einer von CNBC-Anchorwoman und "Money Honey" Maria Bartiromo moderierten Diskussionsrunde vor. Das Prinzip der Veranstaltung: Prominente Wirtschaftsexperten stellen ihre Thesen zur Lösung der Krise vor, Bartiromo gibt ihnen 60 Sekunden Zeit dafür. Anschließend läutet sie zur Ringschlacht: Eine Jury mit Hochkarätern wie Nouriel Roubini gibt Kontra, anschließend stimmt das Publikum ab: Stimmt die These- oder die Antithese?

Während Südafrikas Finanzminister Trevor Manuel und Duncan Niederauer, Chef der New Yorker Börse NYSE, mit ihren Forderungen nach mehr internationaler Zusammenarbeit und härterer Regulierung der Märkte den Nerv der Zeit und des Publikums treffen, gibt Schwarzman mit Wonne den Außenseiter.

Seine These: Der Krise sei nur beizukommen, indem die verflixte "Fair Value"-Zeitwertbilanzierung, die die Banken zu Milliarden-Wertberichtigungen auf ihre faulen Wertpapiere zwingt, noch stärker aufgeweicht wird - auch wenn dabei die Transparenz auf der Strecke bleibt. Mehr Klarheit über Bilanzen und Investments sei sowieso nicht gerade der Weisheit letzter Schluss, findet Schwarzman. "Wir haben schon so wahnsinnig viel Transparenz und zugleich eine Megakrise. Man sieht ja, wohin das führt."

Von den Kontrahenten gibt es Saures

Schwarzmans zweiter Vorschlag ist noch gewöhnungsbedürftiger: Die Finanzakteure sollten ihre Verschuldungsquoten erhöhen dürfen, die Eigenkapitalvorschriften der Aufseher dagegen müssen sinken. Dass Laisser-faire-Kapitalismus à la Schwarzmann den Ausgangspunkt der Krise bildet, ficht den milliardenschweren Unternehmer nicht an. Denn um die Krise zu lösen, hat er einen weiteren Vorschlag: Staat und Notenbanken sollen dafür sorgen, dass auf den Geld- und Verbriefungsmärkten wieder gehandelt wird. Mit dem Geld der Steuerzahler natürlich.

Von seinen Kontrahenten auf dem Podium kriegt Schwarzman kräftig Saures, im Publikum können sich immerhin erstaunliche 30 Prozent mit seinen kruden Thesen anfreunden. Vielleicht ist es sein dritter Punkt, der Hilferuf nach dem Staat, der bei einigen Zuhörern verfangen hat. Erfahrung mit dem Staat, dem deutschen zumal, hat der Amerikaner übrigens tatsächlich: Blackstone gehören 4,5 Prozent der Deutschen Telekom. Ein Investment indes, das sich bis jetzt nicht ausgezahlt hat. Vielleicht sollte Schwarzman einige seiner Thesen überdenken.



FTD.de, 13:30 Uhr
© 2009 Financial Times Deutschland, © Illustration: blackstone.com
www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/...ecke/466958.html
Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.  Konrad Adenauer
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tom68:

"Heuschrecken" werden Firmensanierer

 
08.02.09 12:02
"Heuschrecken" werden Firmensanierer
von Angela Maier (Berlin)

Große Beteiligungsgesellschaften erwägen wegen der schweren Kreditkrise eine Änderung ihres Geschäftsmodells. Mega-Fonds wie KKR, Blackstone, Carlyle, Thomas Lee oder Apollo wollen nach eigenen Angaben verstärkt in Restrukturierungsfälle investieren.

Ein Plan ist, Firmenkredite zu kaufen, die wegen der Krise teils mit Abschlägen von 50 Prozent oder mehr auf die Forderungen gehandelt werden. Alternative Strategien sehen die komplette Übernahme hoch verschuldeter Unternehmen von Banken vor.

"Wir sind an Unternehmen interessiert, die an sich gesund sind und nur zu hohe Schulden haben", sagte etwa Scott Sperling, Co-Präsident von Thomas Lee, am Rande der Branchenkonferenz "Super Return" in Berlin. "Von solchen Fällen habe ich einen ganzen Stapel auf dem Tisch", so ein Manager eines anderen großen US-Hauses.

Damit ziehen die großen Private-Equity-Gesellschaften die Konsequenz daraus, dass die Existenznöte der Banken ihrem althergebrachten Geschäftsmodell der schuldenfinanzierten Übernahme den Garaus machen. "Mangels Krediten ist das traditionelle Private-Equity-Geschäft tot, mindestens für die nächsten anderthalb Jahre", so Apollo-Mitgründer Leon Black. "Solange die Banken Geld vom Staat haben, werden sie keine Megadeals mit mehreren Milliarden Euro neu finanzieren dürfen", sagte Christopher O' Brien, Private-Equity-Chef von Investcorp.

Noch vor zwei Jahren hatte die Branche auf der Konferenz über Übernahmen im Wert von 50 Mrd. $ oder noch mehr diskutiert. Denn bis Mitte 2007 hatte die Kreditblase den Investoren immer größere Deals ermöglicht. Nun will die Branche am "Deleveraging" nochmals verdienen: daran, dass selbst an sich gesunde Unternehmen durch die Finanz- und Wirtschaftskrise wegen ihrer Schulden ins Trudeln geraten und refinanziert werden müssen. "Wir werden mehr Szenarien haben, in denen die Banken den Verkaufsprozess treiben, weil das Kapital der Eigentümer nichts mehr wert ist", sagt Willkie-Partner Mario Schmidt.

Die ersten Beispiele gibt es auch in Deutschland: So müssen die Merckle-Familiengesellschafter auf Druck der Banken wohl die Generika-Firma Ratiopharm, den Pharmahändler Phoenix sowie ihre Anteile an Heidelcement veräußern. Mit Argusaugen beobachtet die Private-Equity-Branche die bevorstehenden Umbauten der Schaeffler-Continental-Gruppe, die bei Banken mit 22 Mrd. Euro in der Kreide steht. Angesichts der Rezession haben die Banken Finanzkreisen zufolge den Druck erhöht, dass Contis Reifensparte abgespalten wird und dabei ein großer Teil der Kredite mit verkauft wird. Möglicher Käufer wären Private-Equity-Firmen, die so nur einen relativ kleinen Anteil Eigenkapital aufbringen müssten.

"Wenn man solche Deals niemals zuvor gemacht hat, ist das gefährlich", warnt hingegen Black, der seit der Gründung von Apollo 1990 in Kredite und in Sanierungsfälle investiert. Fraglich sei auch, ob die Geldgeber der Private-Equity-Fonds einen solchen schleichenden Strategiewechsel mitmachten, so O'Brien: "Die Investoren sind deswegen ziemlich nervös."


Aus der FTD vom 04.02.2009
© 2009 Financial Times Deutschland, © Illustration: Bloomberg
Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.  Konrad Adenauer
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tom68:

Kravis nimmt Banken in die Pflicht

 
08.02.09 12:04
Kravis nimmt Banken in die Pflicht

Die Weltwirtschaftskrise hat Finanzinvestoren besonders gebeutelt. So schreibt der KKR-Gründer Kravis die Hoffnung auf 20-Prozent-Renditen ab. Seine Einsicht zur Finanzbranche: "Banken bringen sich alle zehn Jahre in Schwierigkeiten".

Finanzinvestoren müssen nach Auffassung von KKR-Gründer Henry Kravis künftig wohl kleinere Brötchen backen. Besonders Private-Equity-Fonds müssten sich auf schrumpfende Gewinne einstellen, sagte der Investor der "Welt am Sonntag". Es könne sein, dass "unsere Branche in den nächsten Jahren keine Renditen von 20 oder 25 Prozent mehr erzielen wird". Dennoch blieben solche Fonds attraktiv für Investoren: Auch weniger Rendite könne ein gutes Ergebnis sein, "solange es mehr ist, als andere im Schnitt erwirtschaften".

Ein schnelles Ende der Finanzkrise sieht Kravis nicht. Die Zinssenkungen der US-Notenbank und das Konjunkturprogramm der US-Regierung würden "irgendwann greifen". Der Ursprung des Häuserbooms in den USA, der die Krise ausgelöst hat, reiche bis in die 1970er-Jahre zurück. "Die Probleme, die sich über eine lange Zeit aufgebaut haben, können wir nicht über Nacht beseitigen."

Zudem seien Krisen nie ganz zu verhindern. "Erfahrungsgemäß bringen sich die Banken eben alle zehn Jahre in Schwierigkeiten", kritisierte der Finanzinvestor die Kreditinstitute, von denen sich etliche mit komplizierten Finanzinstrumenten bis zur Existenznot verspekuliert hatten.

Regierungen müssten die Banken schärferen Regeln unterwerfen, forderte Kravis, dessen Branche sich immer für weniger staatliche Fesseln starkgemacht hatte. "Eine gewisse Regulierung muss sein, zum Beispiel in Form von strengeren Eigenkapitalvorschriften", sagte er.


FTD.de, 07.02.2009
© 2009 Financial Times Deutschland, © Illustration: Bloomberg
Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.  Konrad Adenauer
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tom68:

Dossier Märklin - Der große Eisenbahnraub

 
18.02.09 10:38
genda
Dossier Märklin - Der große Eisenbahnraub
von Angela Maier (München) und Steffen Klusmann (Hamburg)

Finanzinvestoren werden oft als "Heuschrecken" beschimpft, die in Unternehmen einfallen, abgrasen und weiterziehen. Was beim Spielzeughersteller Märklin unter dem Deckmantel der Sanierung geschah, war anders: Es war noch schlimmer.

Der Mann spricht kaum Deutsch, und in seinem bisherigen Job als Vorstand des Strumpfherstellers Kunert hat er ziemlich versagt. Trotzdem soll Robert Calhoun im Herbst 2008 neuer Chef bei Märklin werden. Den Amerikaner zeichnen zwei Dinge aus, die bei dem Modelleisenbahnhersteller offenbar von Vorteil sind: Calhoun ist ein Vertrauter von Mathias Hink, dem Gründer des Finanzinvestors Kingsbridge. Und er ist sehr, sehr teuer.

Kingsbridge, eine Beteiligungsgesellschaft aus London, gehören in Deutschland sowohl Märklin als auch Kunert. Der Strumpfhersteller aus Immenstadt kämpft seit Jahren ums Überleben, unter der Ägide von Calhoun hat er zuletzt die Lizenz für seine größte und wichtigste Einzelmarke verloren: Burlington. Dieser Calhoun soll jetzt im 180 Kilometer entfernten Göppingen Märklin vor der Pleite retten. Ein Witz? Nein, es ist Methode.

Als Hinks Co-Investor bei Märklin, die Investmentbank Goldman Sachs, von dem Plan erfährt, vereitelt sie den wundersamen Aufstieg des Amerikaners zum obersten Modelllokführer. Doch Hink bleibt hartnäckig. Wenn er Calhoun nicht an der Märklin-Spitze installieren kann, dann als Berater. Allein für die letzten Monate des vergangenen Jahres kassieren Calhoun und Mary, seine Sekretärin, gut 250.000 Euro. Für den Januar gehen nochmals rund 45.000 Euro an Rob und die gleiche Summe an seine Spitzenkraft Mary. Geholfen hat es nicht. Am 4. Februar meldet Märklin Insolvenz an.


Die Pleite der Göppinger Traditionsfirma ist viel mehr als nur die Folge schlechten Managements. Sie ist ein Paradebeispiel für zügellose Raffgier und dafür, wie pervers das Geschäft mit Sanierungen bisweilen betrieben wird. Und wie schamlos sich Investoren und ihre Geschäftspartner dabei bereichern. Ohne Rücksicht auf das Wohl der Firma und ihrer Beschäftigten. Bei Märklin wurden systematisch Jahr für Jahr Millionen abgesaugt - durch astronomische Geschäftsführer- und Aufsichtsratsbezüge, sündhaft teure Darlehen, Bestandsverminderungen zu Schleuderpreisen und horrende Beraterhonorare.

Als der Insolvenzverwalter Michael Pluta eine Bestandsaufnahme macht, ist er entsetzt: jedes Jahr Honorare in Millionenhöhe. 2006 sind es 10,7 Mio. Euro bei einem Verlust von 13 Mio. Euro. 2007 13,8 Mio. Euro beim Verlust von 16 Mio. Euro. Mit der Durchsicht der Zahlen 2008 ist er noch nicht fertig, doch dürfte sich wenig geändert haben. "Da tränen einem die Augen", sagt Pluta. Ohne diese Beratungskosten "wäre die Firma nicht pleite". Plutas erste Amtshandlung: "Alle Berater raus."

Die Dreistigkeit, in der Märklin von seinen vermeintlichen Sanierern geschröpft wurde, wird erst allmählich erkennbar - und stellt vieles in Deutschland Dagewesene in den Schatten. Dokumente, die der FTD vorliegen, vermitteln vor allem einen Eindruck: Bei Märklin waren moderne Raubritter am Werk. "Das Unternehmen war offenbar von Beginn an als Selbstbedienungsladen konfiguriert", sagt einer, dem die Vorgänge in Göppingen bestens vertraut sind.

Teil 2: Heuschrecken als Hoffnungsträger >>
www.ftd.de/unternehmen/industrie/...enbahnraub/475799.html?p=2
Teil 3: Kein Manager stand auf der Kostenbremse >>
www.ftd.de/unternehmen/industrie/...enbahnraub/475799.html?p=3
Teil 4: Die Plage der externen Manager >>
www.ftd.de/unternehmen/industrie/...enbahnraub/475799.html?p=4
Teil 5: Der Orion-Eigner bleibt im Dunkeln >>
www.ftd.de/unternehmen/industrie/...enbahnraub/475799.html?p=5
Teil 6: Ausgenommen, ausgezehrt, insolvent >>
www.ftd.de/unternehmen/industrie/...enbahnraub/475799.html?p=6

Aus der FTD vom 18.02.2009
© 2009 Financial Times Deutschland
Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.  Konrad Adenauer
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tom68:

KKR verliert mehr als der Dow

 
02.03.09 13:00
Private-Equity-Pionier
KKR verliert mehr als der Dow

Schwere Zeiten für Heuschrecken. Nachdem bereits Blackstone einen horrenden Verlust auswies, zeigt sich nun auch beim Erzrivalen KKR: Das Geschäftsmodell funktioniert in der Krise nicht.

Die Kreditkrise hat Kohlberg Kravis Roberts (KKR) richtig gebeutelt: Im vierten Quartal musste die Beteiligungsgesellschaft ihr gelistetes Firmenportfolio KPE um 32 Prozent abschreiben. Der Wertverlust ist höher als die Verluste des Dow Jones Industrial Average, der über denselben Zeitraum "nur" 20 Prozent einbüßte. KKR-Gründer Henry Kravis begründete die Wertberichtigungen mit den "globalen weltwirtschaftlichen Bedingungen" und "Marktpreisentwicklungen".

Die KKR-Ergebnisse unterstreichen, dass die Marktturbulenzen keine Vermögensklasse verschonen. Bereits am Freitag hatte Rivale Blackstone seine Ergebnisse vorgestellt und Abschreibungen von 20 Prozent öffentlich gemacht. Im vierten Quartal häufte der KKR-Konkurrent einen Verlust von 827 Mio. $ an.

Die Beteiligungsgesellschaften leiden auch unter neuen buchhalterischen Bestimmungen: Über lange Zeit konnten sie übernommene Unternehmen zu den Akquisitionskosten bewerten. Die Regel FAS 157 schreibt nun aber vor, dass die Engagements zu Marktpreisen bilanziert werden müssen. Das führt wie bei den Banken zu erheblichen Abschreibungen.
Fragezeichen hinter Börsengang

Das Fragezeichen hinter den Börsenplänen von KKR wird angesichts der schwierigen finanziellen Situation immer größer. Mitte 2007 hatte Kravis angekündigt, die komplette Gesellschaft an die Börse zu bringen. Im Juli 2008 wurde das Vorhaben wegen der Kreditkrise verändert. Stattdessen sollte das Listing über das bereits börsennotierte Vehikel KKR Private Equity (KPE) erfolgen. Doch angesichts der dramatischen Kursentwicklung - die KPE-Aktie verlor im vergangenen Jahr 85 Prozent - und der enttäuschenden Ergebnisse wurde das Parkettdebüt erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Private-Equity-Pioniere klingen jedenfalls skeptisch: "Seit Juli 2008 haben sich die Finanzwelt und die Weltmärkte grundlegend geändert", heißt es in am Montag veröffentlichten Mitteilung . KKR überprüfe nun die Auswirkung dieser Veränderungen auf die angedachte Transaktion. In den kommenden Woche hoffe man, die Analyse abzuschließen. Das "WSJ" erfuhr, dass auch eine endgültige Absage nicht ausgeschlossen wird.
Keine Freude mit Pro Sieben Sat1

KPE ging 2006 an die Börse. Sonderlich erfolgreich fiel die Performance aber nicht aus: Der Nettovermögenswert fiel seitdem um 46 Prozent. Fast sämtliche Beteiligungen bereiten Probleme: Die Anteile an dem Kreditkartenabwickler First Data wurden im vierten Quartal um weitere 40 Prozent abgeschrieben, bei dem texanischen Energieversorger TXU - der heute unter dem Namen Energy Futures Holding firmiert - lag der Wertberichtigungsbedarf bei 30 Prozent. Auch Deutschland bereitet Kravis keine Freude: Die Anteile an der Senderkette Pro Sieben Sat.1 von 220 Mio. $ schrieb KKR auf null ab.

FTD.de, 10:37 Uhr
© 2009 Financial Times Deutschland
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