Geldanlage: Zocken wie die Weltmeister
Mit Wetten auf die Fußball-WM ist viel Geld zu verdienen, vorausgesetzt man hat den richtigen Riecher und hält sich an die Regularien. Andernfalls drohen Totalverlust oder ein Besuch vom Staatsanwalt.
Vielleicht war es besonders schlau, vielleicht mutig, vielleicht auch einfach nur das Glück der Dummen. Ganz bestimmt aber war es lukrativ, vor dem Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft auf einen Sieg der Außenseiter aus Senegal gegen die Franzosen zu wetten. Immerhin traten die Afrikaner gegen die amtierenden Weltmeister an, und entsprechend hoch war mit einem Wert von 12 die Gewinnquote beim Sportwetten-Anbieter Intertops.
Wer bei den österreichischen Buchmachern zehn Euro auf einen Sieg der Afrikaner gesetzt hatte, bekam nach deren erfolgreichen WM-Einstand satte 120 Euro zurück. In die Röhre guckten dagegen die vielen weniger risikofreudigen Wetter, die auf einen scheinbar sicheren Sieg der Franzosen gesetzt hatten. Sie sahen von ihrem Einsatz keinen Cent wieder.
Rekorde bei den Buchmachern
Die Anbieter von Sportwetten verzeichnen seit dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Korea Rekordgeschäfte. Während dümpelnde Aktienkurse und die beginnende Sommer-Lethargie die Anleger an den Kapitalmärkten langweilen, klingeln bei den Buchmachern die Kassen. Der Salzburger Anbieter Intertops rechnet damit, während der Weltmeisterschaft rund ein Viertel seines Jahresumsatzes zu erzielen. "Besonders gut laufen die Wetten auf Spiele unserer Nationalmannschaft", freut sich auch Xaver Faul von Oddset, dem Sportwetten-Anbieter der deutschen Staatlichen Lotterieverwaltung.
Das hohe Risiko der Sportwetten scheuen die Glücksspieler nicht, obwohl es mit dem von Optionsscheinen zu vergleichen ist. Wer den richtigen Riecher hat, kann hohe Gewinne einfahren. Wer mit seinem Tipp danebenliegt, verliert den kompletten Einsatz. Grundsätzlich gilt: Je unwahrscheinlicher das Ergebnis, auf das man wettet, desto höher die Gewinnquote.
Für eine Wette auf den WM-Sieg Saudi-Arabiens zum Beispiel können Spieler einen Betrag in bis zu 5000-facher Höhe des Einsatzes kassieren - wenn Saudi-Arabien gewinnt. Für den Sieg Chinas ist immerhin noch eine Quote von 3000 ausgesetzt. Gewinnt Tunesien, multipliziert sich der Einsatz nur noch mit 750.
Mehr Nervenkitzel als bei Optionsscheinen
Im Vergleich zu Optionsscheinen, mit denen man entweder auf steigende oder auf fallende Kurse setzt, bietet das Sport-Glücksspiel weitaus mehr Nervenkitzel und Abwechslung. Es gibt Wetten auf den Vorrundensieger der Gruppe C, Wetten auf den ersten Torschützen in der Begegnung zwischen Argentinien und England, Wetten auf die Anzahl der Eckstöße in diesem Spiel und sogar Wetten auf den Spieler, der den ersten Einwurf macht. Ereignisse, die kaum vorherzusagen sind.
Zur Tabelle: www.ftd.de/bm/ga/1014399171816.htm
Buchmacher, Kontakte, Beispiel-Quoten
Doch genauso wenig wie das Risiko, mit einem Tipp falsch zu liegen, schreckt viele deutsche Fußballfans die Gefahr, sich mit einer Sportwette strafbar zu machen. Per Telefon oder Internet geben sie ihre Tipps bei ausländischen Buchmachern ab, obwohl das in Deutschland als illegales Glücksspiel gilt. Erfährt die Staatsanwaltschaft von einer Wette bei einem ausländischen Anbieter, muss sie ein Ermittlungsverfahren gegen den Spieler einleiten. Allerdings werden diese Verfahren in den meisten Fällen eingestellt, ohne dass es zu einem Prozess kommt.
Illegale Wetten im Ausland
Und die Gefahr, ertappt zu werden, ist ohnehin gering. Erlaubt ist das Wetten auf Sportereignisse in Deutschland lediglich bei zwei Anbietern. Platzhirsch am Markt ist der Buchmacher Oddset, der zur staatlichen Lotterieverwaltung gehört. Einziger privater Konkurrent ist das Unternehmen Sportwetten Gera, das noch über eine Konzession aus der Wendezeit verfügt.
Das staatliche Quasi-Glücksspielmonopol soll Oddset die Konkurrenz vom Hals halten, denn die Sportwetten spülen viel Geld in die Haushalte der Bundesländer. Im vergangenen Jahr haben die öffentlichen Buchmacher nicht nur rund 83 Mio. Euro Lotteriesteuer gezahlt, die Länder durften sich zusätzlich auch noch über etwa 50 Mio. Euro vom Gewinn der Sportwetten-Veranstalter freuen. Das belegen die Zahlen der Lotterieverwaltung.
Damit behält Oddset bis zu 40 Prozent des Wetteinsatzes ein, nur 60 Prozent werden an die Gewinner ausgeschüttet. Entsprechend gering sind die Gewinnquoten. Während zum Beispiel der britische Buchmacher Sportingbet für den Sieg der Deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM einen Gewinn in Höhe des 13-fachen Einsatzes verspricht, bekommen die Spieler bei Oddset für den gleiche Tipp nur den neunfachen Einsatz zurück. Diese vergleichsweise schlechten Quoten treiben viele deutsche Spieler in die Arme ausländischer Anbieter - allen Verboten zum Trotz.
Beim österreichischen Buchmacher Interwetten etwa ist bereits jeder fünfte Kunde ein Deutscher. Das Unternehmen schüttet nach eigener Aussage über 90 Prozent der Einsätze wieder aus, anderthalb Mal so viel wie der deutsche Monopolist Oddset. Die juristischen Probleme kümmern Interwetten-Vorstand Heinz Patzelt verständlicherweise nicht: "Damit sollen sich deutsche Juristen beschäftigen."
Durchschnittstipper gesucht
Die Buchmacher von Oddset setzen gegen die höheren Gewinnquoten im Ausland auf die Demonstration von Seriosität und Zuverlässigkeit. "Wir wollen ohnehin keine Zocker als Kunden", sagt Produktmanager Xaver Faul, "sondern die Durchschnittstipper, die auch mal Lotto spielen."
Manchmal gibt es jedoch selbst bei Oddset Ausnahmen von den staatlich verordneten mageren Gewinnen. Nämlich dann, wenn sich die Buchmacher mit ihren Quoten verkalkulieren. Besonders schmerzhaft war für Oddset die Fußball-Europameisterschaft vor zwei Jahren. Vor allem in Hessen lagen unerwartet viele Tipper mit ihren Spiel-vorhersagen goldrichtig. In manchen Wochen musste Oddset bis zu 137 Prozent des Einsatzes an die erfolgreichen Kunden auszahlen.
Mit ein wenig Glück für die Spieler könnte sich diese Situation bei der laufenden Weltmeisterschaft wiederholen. Denn die Ergebnisse von Meisterschaftsspielen vorherzusagen - das gilt unter den Quotenmachern der Branche als besonders schwierig.
© 2002 Financial Times Deutschland
Mit Wetten auf die Fußball-WM ist viel Geld zu verdienen, vorausgesetzt man hat den richtigen Riecher und hält sich an die Regularien. Andernfalls drohen Totalverlust oder ein Besuch vom Staatsanwalt.
Vielleicht war es besonders schlau, vielleicht mutig, vielleicht auch einfach nur das Glück der Dummen. Ganz bestimmt aber war es lukrativ, vor dem Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft auf einen Sieg der Außenseiter aus Senegal gegen die Franzosen zu wetten. Immerhin traten die Afrikaner gegen die amtierenden Weltmeister an, und entsprechend hoch war mit einem Wert von 12 die Gewinnquote beim Sportwetten-Anbieter Intertops.
Wer bei den österreichischen Buchmachern zehn Euro auf einen Sieg der Afrikaner gesetzt hatte, bekam nach deren erfolgreichen WM-Einstand satte 120 Euro zurück. In die Röhre guckten dagegen die vielen weniger risikofreudigen Wetter, die auf einen scheinbar sicheren Sieg der Franzosen gesetzt hatten. Sie sahen von ihrem Einsatz keinen Cent wieder.
Rekorde bei den Buchmachern
Die Anbieter von Sportwetten verzeichnen seit dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Korea Rekordgeschäfte. Während dümpelnde Aktienkurse und die beginnende Sommer-Lethargie die Anleger an den Kapitalmärkten langweilen, klingeln bei den Buchmachern die Kassen. Der Salzburger Anbieter Intertops rechnet damit, während der Weltmeisterschaft rund ein Viertel seines Jahresumsatzes zu erzielen. "Besonders gut laufen die Wetten auf Spiele unserer Nationalmannschaft", freut sich auch Xaver Faul von Oddset, dem Sportwetten-Anbieter der deutschen Staatlichen Lotterieverwaltung.
Das hohe Risiko der Sportwetten scheuen die Glücksspieler nicht, obwohl es mit dem von Optionsscheinen zu vergleichen ist. Wer den richtigen Riecher hat, kann hohe Gewinne einfahren. Wer mit seinem Tipp danebenliegt, verliert den kompletten Einsatz. Grundsätzlich gilt: Je unwahrscheinlicher das Ergebnis, auf das man wettet, desto höher die Gewinnquote.
Für eine Wette auf den WM-Sieg Saudi-Arabiens zum Beispiel können Spieler einen Betrag in bis zu 5000-facher Höhe des Einsatzes kassieren - wenn Saudi-Arabien gewinnt. Für den Sieg Chinas ist immerhin noch eine Quote von 3000 ausgesetzt. Gewinnt Tunesien, multipliziert sich der Einsatz nur noch mit 750.
Mehr Nervenkitzel als bei Optionsscheinen
Im Vergleich zu Optionsscheinen, mit denen man entweder auf steigende oder auf fallende Kurse setzt, bietet das Sport-Glücksspiel weitaus mehr Nervenkitzel und Abwechslung. Es gibt Wetten auf den Vorrundensieger der Gruppe C, Wetten auf den ersten Torschützen in der Begegnung zwischen Argentinien und England, Wetten auf die Anzahl der Eckstöße in diesem Spiel und sogar Wetten auf den Spieler, der den ersten Einwurf macht. Ereignisse, die kaum vorherzusagen sind.
Zur Tabelle: www.ftd.de/bm/ga/1014399171816.htm
Buchmacher, Kontakte, Beispiel-Quoten
Doch genauso wenig wie das Risiko, mit einem Tipp falsch zu liegen, schreckt viele deutsche Fußballfans die Gefahr, sich mit einer Sportwette strafbar zu machen. Per Telefon oder Internet geben sie ihre Tipps bei ausländischen Buchmachern ab, obwohl das in Deutschland als illegales Glücksspiel gilt. Erfährt die Staatsanwaltschaft von einer Wette bei einem ausländischen Anbieter, muss sie ein Ermittlungsverfahren gegen den Spieler einleiten. Allerdings werden diese Verfahren in den meisten Fällen eingestellt, ohne dass es zu einem Prozess kommt.
Illegale Wetten im Ausland
Und die Gefahr, ertappt zu werden, ist ohnehin gering. Erlaubt ist das Wetten auf Sportereignisse in Deutschland lediglich bei zwei Anbietern. Platzhirsch am Markt ist der Buchmacher Oddset, der zur staatlichen Lotterieverwaltung gehört. Einziger privater Konkurrent ist das Unternehmen Sportwetten Gera, das noch über eine Konzession aus der Wendezeit verfügt.
Das staatliche Quasi-Glücksspielmonopol soll Oddset die Konkurrenz vom Hals halten, denn die Sportwetten spülen viel Geld in die Haushalte der Bundesländer. Im vergangenen Jahr haben die öffentlichen Buchmacher nicht nur rund 83 Mio. Euro Lotteriesteuer gezahlt, die Länder durften sich zusätzlich auch noch über etwa 50 Mio. Euro vom Gewinn der Sportwetten-Veranstalter freuen. Das belegen die Zahlen der Lotterieverwaltung.
Damit behält Oddset bis zu 40 Prozent des Wetteinsatzes ein, nur 60 Prozent werden an die Gewinner ausgeschüttet. Entsprechend gering sind die Gewinnquoten. Während zum Beispiel der britische Buchmacher Sportingbet für den Sieg der Deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM einen Gewinn in Höhe des 13-fachen Einsatzes verspricht, bekommen die Spieler bei Oddset für den gleiche Tipp nur den neunfachen Einsatz zurück. Diese vergleichsweise schlechten Quoten treiben viele deutsche Spieler in die Arme ausländischer Anbieter - allen Verboten zum Trotz.
Beim österreichischen Buchmacher Interwetten etwa ist bereits jeder fünfte Kunde ein Deutscher. Das Unternehmen schüttet nach eigener Aussage über 90 Prozent der Einsätze wieder aus, anderthalb Mal so viel wie der deutsche Monopolist Oddset. Die juristischen Probleme kümmern Interwetten-Vorstand Heinz Patzelt verständlicherweise nicht: "Damit sollen sich deutsche Juristen beschäftigen."
Durchschnittstipper gesucht
Die Buchmacher von Oddset setzen gegen die höheren Gewinnquoten im Ausland auf die Demonstration von Seriosität und Zuverlässigkeit. "Wir wollen ohnehin keine Zocker als Kunden", sagt Produktmanager Xaver Faul, "sondern die Durchschnittstipper, die auch mal Lotto spielen."
Manchmal gibt es jedoch selbst bei Oddset Ausnahmen von den staatlich verordneten mageren Gewinnen. Nämlich dann, wenn sich die Buchmacher mit ihren Quoten verkalkulieren. Besonders schmerzhaft war für Oddset die Fußball-Europameisterschaft vor zwei Jahren. Vor allem in Hessen lagen unerwartet viele Tipper mit ihren Spiel-vorhersagen goldrichtig. In manchen Wochen musste Oddset bis zu 137 Prozent des Einsatzes an die erfolgreichen Kunden auszahlen.
Mit ein wenig Glück für die Spieler könnte sich diese Situation bei der laufenden Weltmeisterschaft wiederholen. Denn die Ergebnisse von Meisterschaftsspielen vorherzusagen - das gilt unter den Quotenmachern der Branche als besonders schwierig.
© 2002 Financial Times Deutschland