Leviathan-Feld
Israel stoppt Countdown zur Gasförderung
Vor fast zehn Jahren entdeckten Geologen ein Erdgasfeld vor der Küste Israels. Die Ausbeutung ist mit großen Hoffnungen - aber auch mit Sorgen vor Gesundheitsschäden - verbunden. Nun werden Einwände noch einmal überprüft.
Blick auf das Leviathan-Gasfeld von der israelischen Stadt Caesarea aus
Jack Guez/ AFP
Blick auf das Leviathan-Gasfeld von der israelischen Stadt Caesarea aus
Dienstag, 24.12.2019 09:31 UhrDruckenNutzungsrechteFeedbackKommentieren
Der geplante Beginn der Förderung von Erdgas auf Israels größtem Gasfeld im Mittelmeer ist am Dienstag in letzter Minute verschoben worden. Eine Sprecherin des israelischen Unternehmens Delek sagte, das Leviathan-Feld solle nun erst in einigen Tagen in Betrieb genommen werden.
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Angeordnet hatte den Aufschub das israelische Umweltministerium. Die Betreiber des Gasfelds müssten zunächst sicherstellen, dass durch die Produktion keine Gesundheitsschäden für Bewohner der israelischen Küste zu befürchten seien, hieß es zur Begründung. Es war damit gerechnet worden, dass bei Produktionsbeginn auch Giftstoffe entweichen könnten. Daher waren an Israels nördlicher Mittelmeerküste bereits Häuser geräumt worden.
Leviathan liegt rund 130 Kilometer westlich der Hafenstadt Haifa in etwa 1700 Meter Meerestiefe. Die Bohranlage mit Plattform befindet sich zehn Kilometer vor der israelischen Küste. Die Lizenz zur Ausbeutung teilt sich das US-Unternehmen Noble Energy mit den israelischen Unternehmen Delek und Ratio Oil Exploration.
Die privat finanzierte Entwicklung des größten Energieprojekts in Israels Geschichte kostete bislang umgerechnet mehr als 3,4 Milliarden Euro. Kurz nach Beginn der Gasförderung sollen Exporte nach Ägypten und Jordanien beginnen.
Israel verfügt über weitere Erdgasfelder, die Förderung aus dem Tamar-Feld hatte bereits 2013 begonnen. Mit dem Erdgas will sich das kleine Land, das in der Region viele Feinde hat, seine Energieunabhängigkeit sichern. Es soll Israel außerdem den Kohleausstieg ermöglichen und das Land zum Energieexporteur machen. Davon erhofft sich der jüdische Staat auch bessere Beziehungen zu seinen Nachbarn. Über eine Pipeline will Israel außerdem von 2025 an Gas nach Europa liefern.
In der vergangenen Woche hatten Kommunen an der Küste Petitionen gegen Arbeiten an der Leviathan-Plattform eingereicht, weil sie das Austreten giftiger Gase befürchten. Das Bezirksgericht in Jerusalem hatte allerdings nach einem kurzen Betriebsstopp zwei Petitionen zurückgewiesen. Die Anhörung einer weiteren Petition wurde nach Angaben des Gerichts vom Sonntag auf Anfang Januar verschoben.
mik/dpa