09.06.2007 - 13:07 Uhr
FTD: Zinsangst lähmt die Börsen weltweit
Die Aussicht auf höhere Anleihenrenditen drückt die Stimmung der Börsianer. Festverzinslichen drohen nach Ansicht von Experten weitere Kursverluste - trübe Aussichten für die weltweiten Aktienmärkte in der nächsten Woche.
Die stark angestiegene Volatilität und die hohen Umsätze der vergangenen Tage zeigen, dass viele Anleger nervös und die Märkte angeschlagen sind. Von einer Trendwende sprechen bisher aber kaum Beobachter.
Am Freitag weiteten Europas Börsen ihre Verluste aus. Auf Wochensicht fiel der Dax um knapp fünf Prozent auf 7590,5 Punkte, zwischenzeitlich war er sogar unter 7500 Zähler gerutscht. Der Stoxx 50 gab knapp drei Prozent nach. In den USA büßte der S&P 500 1,9 Prozent ein, der Dow Jones fiel um 1,8 Prozent, und der Nasdaq Composite gab um 1,5 Prozent nach.
In den vergangenen Tagen trieb die Furcht vor einer strafferen Geldpolitik in Europa und den USA die Bondrenditen auf Höchststände. So stieg die Rendite zehnjähriger US-Bonds erstmals seit August wieder über 5 Prozent. Bill Gross, der größte Bondsmanager in den USA, wechselte seit 20 Jahren wieder in das Lager der Bären. Laut Gross könnte die Rendite in den nächsten drei bis fünf Jahren bis auf 6,5 Prozent anziehen. Die Börsen reagierten mit dem stärksten Kursrutsch seit Ende Februar. Damals hatten sie sich allerdings sehr schnell wieder erholt.
Härtere Zeiten für den Dax
Diesmal spricht jedoch einiges dafür, dass sich die Korrektur hinziehen dürfte. Es drohe eine längere Durststrecke für den Dax, schreiben die Experten von HSBC Trinkaus & Burkhardt, deren Analyse auf technischen Faktoren fußt. Für den europäischen Stoxx 50 seien die nächsten Handelstage wichtig, heißt es bei den technischen Analysten der WGZ Bank. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass sich der Trend nach unten fortsetze, sagt Christian Schmidt, Marktstratege der Helaba: "Die Korrektur kann noch etwas anhalten."
Um eine dauerhafte Baisse handele es sich dabei nicht, sagt Bruce Stout, Fondsmanager globale Aktien bei Aberdeen Asset Management. "Es ist ein Rückschlag, aber wir starten nicht in eine Bärenphase. Es ist ein vorübergehendes Phänomen. Wir haben den Eindruck, dass das eine Überreaktion ist." Stout verweist unter anderem auf das Wirtschaftswachstum in Europa, das die Märkte wieder antreiben dürfte.
Wegweisend für den deutschen Aktienmarkt dürfte auch der "dreifache Hexensabbat" am kommenden Freitag sein. Dann verfallen an der Terminbörse mehrere Derivatetypen. Von Unternehmen stehen wenige Neuigkeiten an. Quartalzahlen legen unter anderem die US-Investmentbanken Lehman Brothers und Goldman Sachs vor. Finanzwerte zählten beim aktuellen Kursrutsch zu den großen Verlierern.
Auch die Wall Street leidet unter der Sorge, dass höhere Zinsen die Liquidität und damit den Kaufrausch der vergangenen Monate abkühlen könnten. Denn angetrieben wurde die Kurseuphorie der vergangenen Wochen durch die schuldenfinanzierten Unternehmenskäufe der Private-Equity-Investoren, deren Finanzierung sich dank steigender Zinsen nun verteuern dürfte.
"Für den S&P 500 gibt es bis auf 1465 Punkte keinen großen Widerstand, also weitere zwei Prozent Kurskorrektur sind ohne größere Mühe drin", sagt Howard Simons, Chefökonom von Bianco Research.
Gespanntes Warten auf US-Inflationsdaten
Entscheidend für die weitere Entwicklung der Renditen sind US-Inflationsdaten, die am Donnerstag und Freitag veröffentlicht werden, und die Einzelhandelsumsätze im Mai, die am Mittwoch anstehen. Dem US-Konjunkturbericht Beige Book, der am Dienstag ansteht, wird keine entscheidende Bedeutung zugemessen. "Trotz neuer Jahreshöchststände bei den Renditen bleibt in der nächsten Zeit das Risiko weiterer Kursverluste hoch", schreibt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.
Für höhere Renditen spreche zudem das große Angebot an neuen Emissionen, sagt Wee-Khoon Chong, Zinsstratege bei Bank of America: "Spanien begibt beispielsweise eine Anleihe langer Laufzeit. Das muss der Markt erstmal verdauen
"
Beim Euro wird mehrheitlich mit tieferen Kursen gerechnet. Die Gemeinschaftswährung wurde am Freitag bei 1,3349 $ gehandelt. "Die Marke von 1,3250 $ ist durchaus realistisch", sagt Folker Hellmeyer, Devisenstratege bei der Bremer Landesbank.
http://www.finanztreff.de/ftreff/news,id,27143789,sektion,ftd.html
Autor/Autoren: Tobias Bayer und Elisabeth Atzler (Frankfurt) und Jens Korte ( New York)
FTD: Zinsangst lähmt die Börsen weltweit
Die Aussicht auf höhere Anleihenrenditen drückt die Stimmung der Börsianer. Festverzinslichen drohen nach Ansicht von Experten weitere Kursverluste - trübe Aussichten für die weltweiten Aktienmärkte in der nächsten Woche.
Die stark angestiegene Volatilität und die hohen Umsätze der vergangenen Tage zeigen, dass viele Anleger nervös und die Märkte angeschlagen sind. Von einer Trendwende sprechen bisher aber kaum Beobachter.
Am Freitag weiteten Europas Börsen ihre Verluste aus. Auf Wochensicht fiel der Dax um knapp fünf Prozent auf 7590,5 Punkte, zwischenzeitlich war er sogar unter 7500 Zähler gerutscht. Der Stoxx 50 gab knapp drei Prozent nach. In den USA büßte der S&P 500 1,9 Prozent ein, der Dow Jones fiel um 1,8 Prozent, und der Nasdaq Composite gab um 1,5 Prozent nach.
In den vergangenen Tagen trieb die Furcht vor einer strafferen Geldpolitik in Europa und den USA die Bondrenditen auf Höchststände. So stieg die Rendite zehnjähriger US-Bonds erstmals seit August wieder über 5 Prozent. Bill Gross, der größte Bondsmanager in den USA, wechselte seit 20 Jahren wieder in das Lager der Bären. Laut Gross könnte die Rendite in den nächsten drei bis fünf Jahren bis auf 6,5 Prozent anziehen. Die Börsen reagierten mit dem stärksten Kursrutsch seit Ende Februar. Damals hatten sie sich allerdings sehr schnell wieder erholt.
Härtere Zeiten für den Dax
Diesmal spricht jedoch einiges dafür, dass sich die Korrektur hinziehen dürfte. Es drohe eine längere Durststrecke für den Dax, schreiben die Experten von HSBC Trinkaus & Burkhardt, deren Analyse auf technischen Faktoren fußt. Für den europäischen Stoxx 50 seien die nächsten Handelstage wichtig, heißt es bei den technischen Analysten der WGZ Bank. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass sich der Trend nach unten fortsetze, sagt Christian Schmidt, Marktstratege der Helaba: "Die Korrektur kann noch etwas anhalten."
Um eine dauerhafte Baisse handele es sich dabei nicht, sagt Bruce Stout, Fondsmanager globale Aktien bei Aberdeen Asset Management. "Es ist ein Rückschlag, aber wir starten nicht in eine Bärenphase. Es ist ein vorübergehendes Phänomen. Wir haben den Eindruck, dass das eine Überreaktion ist." Stout verweist unter anderem auf das Wirtschaftswachstum in Europa, das die Märkte wieder antreiben dürfte.
Wegweisend für den deutschen Aktienmarkt dürfte auch der "dreifache Hexensabbat" am kommenden Freitag sein. Dann verfallen an der Terminbörse mehrere Derivatetypen. Von Unternehmen stehen wenige Neuigkeiten an. Quartalzahlen legen unter anderem die US-Investmentbanken Lehman Brothers und Goldman Sachs vor. Finanzwerte zählten beim aktuellen Kursrutsch zu den großen Verlierern.
Auch die Wall Street leidet unter der Sorge, dass höhere Zinsen die Liquidität und damit den Kaufrausch der vergangenen Monate abkühlen könnten. Denn angetrieben wurde die Kurseuphorie der vergangenen Wochen durch die schuldenfinanzierten Unternehmenskäufe der Private-Equity-Investoren, deren Finanzierung sich dank steigender Zinsen nun verteuern dürfte.
"Für den S&P 500 gibt es bis auf 1465 Punkte keinen großen Widerstand, also weitere zwei Prozent Kurskorrektur sind ohne größere Mühe drin", sagt Howard Simons, Chefökonom von Bianco Research.
Gespanntes Warten auf US-Inflationsdaten
Entscheidend für die weitere Entwicklung der Renditen sind US-Inflationsdaten, die am Donnerstag und Freitag veröffentlicht werden, und die Einzelhandelsumsätze im Mai, die am Mittwoch anstehen. Dem US-Konjunkturbericht Beige Book, der am Dienstag ansteht, wird keine entscheidende Bedeutung zugemessen. "Trotz neuer Jahreshöchststände bei den Renditen bleibt in der nächsten Zeit das Risiko weiterer Kursverluste hoch", schreibt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.
Für höhere Renditen spreche zudem das große Angebot an neuen Emissionen, sagt Wee-Khoon Chong, Zinsstratege bei Bank of America: "Spanien begibt beispielsweise eine Anleihe langer Laufzeit. Das muss der Markt erstmal verdauen
"
Beim Euro wird mehrheitlich mit tieferen Kursen gerechnet. Die Gemeinschaftswährung wurde am Freitag bei 1,3349 $ gehandelt. "Die Marke von 1,3250 $ ist durchaus realistisch", sagt Folker Hellmeyer, Devisenstratege bei der Bremer Landesbank.
http://www.finanztreff.de/ftreff/news,id,27143789,sektion,ftd.html
Autor/Autoren: Tobias Bayer und Elisabeth Atzler (Frankfurt) und Jens Korte ( New York)

bye bye peet
do you know - there´s a story about a new-born child and the sparrow´s song