12. Februar 2003 Neue Attentatsdrohungen, eine schwächelnde Wall Street, ein verhaltener Ausblick von Applied Materials und vorsichtige Äusserungen von US-Notenbankchef Alan Greenspan machen wenig Appetit auf Aktien. Die europäischen Märkte dürften zunächst verhalten tendieren.
Rentenmarkt dient weiter als sicherer Hafen
Die geopolitischen Risiken halten an. Selbst US-Notenbankchef Alan Greenspan macht die anhaltende Verunsicherung der Wirtschaftsteilnehmer für die verhaltene Wirtschaftsentwicklung mit verantwortlich und deutet für den Notfall sogar weitere Zinssenkungen an. Das bietet ein gutes Fundament und möglicherweise sogar noch weitere Fantasie für die Rentenmärkte. Sie dürften erst ernsthaft gefährdet sein, wenn sich die politische und wirtschaftliche Lage deutlich erkennbar aufhellt.
Euro gut behauptet bei Kursen um 1,0750 Dollar
Der Euro notiert am Mittwoch behauptet bei Kursen um 1,0750 Dollar. Die anhaltende Unsicherheit angesichts der Irak-Krise sowie die vorsichtigen Äußerungen von US-Notenbank-Chef Alan Greenspan hatten den Dollar bereits am Vortag im US-Handel belastet und den Euro zuletzt wieder bis auf Kurse um 1,0735 Dollar steigen lassen. Auch zur japanischen Währung gab der Dollar leicht nach auf Kurse um 120,75 Yen, nachdem er in New York bereits unter 121 Yen gesunken war.
Aktien in Tokio schließen sehr fest
Sehr fest haben die Aktienkurse am Mittwoch in Tokio den Handel beendet. Der N ikkei-225-Index gewann 2,1 Prozent oder 179 Yen auf 8.664 Yen. Der Topix-Index stieg um 1,7 Prozent oder 15 Punkte auf 857 Punkte.
Aktien Hongkong am Mittag etwas fester
Etwas fester tendiert die Börse in Hongkong am Mittwochmittag (Ortszeit). Zum Ende der ersten Sitzungshälfte verzeichnet der Hang-Seng-Index (HSI) ein Plus von 0,4 Prozent oder 34 Punkten auf 9.229. Nach Verlusten zum Handelsauftakt hätten sich die Kurse wieder etwas erholt, aber der HSI bewege sich im Moment in einer engen Spanne, sagt ein Marktteilnehmer. Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und dem möglichen Irak-Krieg scheuten sich die Anleger größere Positionen einzugehen. Nach den Abschlägen am Dienstag zeigen sich Bank of East Asia erholt, und die Aktie rückt um 2,9 Prozent vor.
Nachbörsliche Entwicklungen am US-Aktienmarkt
Im nachbörslichen Geschäft zeigten sich die US-Aktienkurse am Montag schwächer. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator verlor 2,47 Prozent auf 969,14 Punkte.
Applied Materials haben am Dienstag im nachbörslichen Handel ein Minus verzeichnet. Das Unternehmen hat für das erste Quartal 2002/03 einen Verlust je Aktie von 0,04 Dollar, vor ao Posten von “weniger als“ 0,01 Dollar gemeldet, und damit die Analystenprognosen verfehlt. Diese hatten mit einem Gewinn je Aktie vor ao Posten von 0,02 Dollar gerechnet. Die Aktien reduzierten sich nachbörslich gegen 19.59 Uhr (Ortszeit) auf der Handelsplattform Island.com um 3,9 Prozent auf 11,58 Dollar, nach einem Schlussstand von 11,94 Dollar bei einem Abschlag von 0,6 Prozent.
Im vergangenen Quartal hat der Chiphersteller nach eigenen Angaben einen Einbruch der Aufträge von 35 Prozent verzeichnet. Das Unternehmen rechnet auch im zweiten Quartal mit einer generell schwachen und volatilen Auftragslage. Die Auftragseingänge des Unternehmens dürften jedoch über dem Niveau des ersten Quartals von 1,02 Milliarden Dollar liegen, sagte der Chief Financial Officer Joseph Bronson.
Im Sog von Applied Materials gaben Ciena auf der Handelsplattform Island.com bis gegen 19.58 Uhr (Ortszeit) 1,4 Prozent auf 5,77 Dollar ab. Im regulären Handel hatten Ciena einen Minus von 1,7 Prozent auf 5,75 Dollar verzeichnet. Ebenfalls mit einem nachbörslichen Verlust präsentierten sich Microsoft. Die Aktie fiel gegen 19.58 Uhr (Ortzeit) auf der Handelsplattform Island.com um 2,3 Prozent auf 46,30 Dollar nach einem Schlussstand von 46,44 Dollar.
US-Börse von Nachricht über Bin Laden belastet
Die Ankündigung der Ausstrahlung eines Bandes mit einer Erklärung des Moslem-Extremisten Osama bin Laden im arabischen Fernsehsender El Dschasira hat die US-Börsen am Dienstag im späten Geschäft belastet. Händler sagten, die Meldung habe die Kriegsängste der Investoren wieder verstärkt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,97 Prozent schwächer bei rund 7.843 Punkten. Der technologielastige Nasdaq-Index gab 0,09 Prozent nach auf 1.296 Zähler. Der breiter gefasste S&P-500-Index notierte mit einem Minus von 0,81 Prozent auf 829 Punkten.
Bin Laden hatte einem ihm zugeschriebenen Tonband zufolge Moslems in aller Welt zur Verteidigung Iraks gegen die USA aufgerufen. In dem von dem Sender El Dschasira am Dienstagabend ausgestrahlten Band sagte eine männliche Stimme: „Bekämpft diese Despoten. Ich erinnere euch, dass der Sieg allein von Gott kommt.“ US-Außenminister Colin Powell hatte zuvor gesagt, das Band zeige Verbindungen zwischen bin Laden und Irak.
"Es hat alles mit der Bin-Laden-Nachricht zu tun", sagte Peter Boockvar, Aktienstratege bei Miller Tabak & Co. „Der Markt hat sich gedreht, als Powell von dem Band gesprochen hat. Es hängt alles damit zusammen.“
Andere Analysten sagten, auch der vorsichtige Ausblick von US-Notenbankchef Alan Greenspan zur US-Konjunktur habe den Markt belastet. Greenspan hatte gesagt, die Unsicherheit wegen eines möglichen Kriegs in Irak schaffe „beachtliche Hürden“ für Investitionen. Deshalb sei es schwierig, die Entwicklung der US-Konjunktur zu bewerten. „Einige Analysten leiten daraus ab, dass die zurückhaltende Strategie am Aktienmarkt bis zu einer Lösung des Konflikts die beste Haltung ist“, sagte Rick Meckler, Präsident der Investmentfirma Liberty View.
Halbleiteraktien zeigten sich gegen den Trend robust, nachdem Texas Instruments zuvor seine Gewinnprognosen für das erste Quartal bekräftigt hatte. Die Aktien des weltgrößten Herstellers von Mobiltelefon-Chips kletterten rund 2,4 Prozent auf 15,44 Dollar. Der Halbleiterindex der Philadelphia Stock Exchange stieg rund 0,5 Prozent auf 266,7 Zähler. Die Anleger seien auch an einigen ausgewählten Netzwerkausrüster-Aktien interessiert gewesen, sagten Händler. Die Titel des weltgrößten Netzwerkausrüsters, Cisco Systems stiegen gut 2,4 Prozent auf 13,47 Dollar und waren der umsatzstärkste Wert an der Nasdaq.
Belastend für die Standardwerte waren nach Händlerangaben außerdem die Kursverluste der Titel der zweitgrößten regionalen US-Telefongesellschaft, SBC Communications, die rund 3,2 Prozent auf 23,71 Dollar nachgaben. Die Papiere hatten am Vortag bereits deutlich eingebüßt nach Presseberichten, wonach das Unternehmen an der Übernahme der Hughes Electronics-Tochter DirecTV interessiert sein soll. Die Titel von Aetna Inc, dem zweitgrößten Krankenversicherer der USA, legten 3,7 Prozent auf 43,40 Dollar zu, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, im Schlussquartal 2002 wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt zu sein. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Verlust verbucht.
US-Anleihen schließen uneinheitlich
Uneinheitlich schlossen die US-Anleihen am Dienstag, nachdem der Markt neue fünfjährige Anleihen im Volumen von 24 Milliarden Dollar aufgenommen hatte. Wie Beobachter darstellten, hat es weiterhin geopolitische Sorgen gegeben, die den Anleihe-Markt stützten. Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von vier Prozent stiegen 3/32 auf 100-11/32 und rentierten mit 3,957 Prozent nach 3,969 Prozent. Der mit 5,375 Prozent verzinste 30-jährige Longbond ermäßigte sich dagegen um 4/32 auf 107-25/32. Rendite: 4,863 Prozent nach 4,854 Prozent.
Im Zentrum des Interesses der Investoren stand die Rede von US-Notenbank-Präsident Alan Greenspan vor dem Bankenausschuss des US-Senates. Die Aussagen hatten den Abgabedruck bei den Renten etwas gemildert und den Markt geprägt, sagte ein Händler. Angesichts des drohenden Krieges im Irak sind nach Einschätzung von Greenspan Prognosen über die weitere Entwicklung der US-Konjunktur äußerst schwierig. Greenspan verwies darauf, dass das Kriegsrisiko vor allem eine große Hürde für die Investitionstätigkeit der Unternehmen darstellt. Parallel zu den Äußerungen Greenspans erfuhren die Händler, dass US-Außenminister Colin Powell den Haushaltsausschuss des Senates über ein offenbar neues Statement von Bin Laden in Kenntnis gesetzt hat, dessen Übersetzung er besitze und das auf Al-Jazeera gesendet werden solle. Der arabische Nachrichtensender hat die Existenz eines neues Videos mit Aufnahmen Bin Laden bestritten.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.
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Text: @cri