15. November 2002
Die „Oktoberstimmung“ an den Börsen ist wieder zurück. Die Anleger nehmen die Daten von der positiven Seite, wie auch immer sie sein mögen und kaufen Aktien. Allerdings sind viele Anleger ziemlich kurzfristig orientiert. Das kann jederzeit zu Rückschlägen führen. Vor allem, wenn wieder negative Signale kommen sollten. Beispielsweise aus dem Irak oder von der Industrieproduktion oder dem Verbrauchervertrauen in den USA.
„Aktienoptimismus“ spricht gegen den Bund-Future
Steigende Börsen sind kein gutes Vorzeichen für die Rentenmärkte. Solange dort die gute Stimmung anhält, werden die Anleihen unter Druck stehen. Einmal, weil manche Fonds tatsächlich Umschichtungen vornehmen. Zum anderen feht zumindest in den USA die weitere Zinsfantasie, die für Anleihen sprechen könnte.
Euro knapp behauptet
Der Dollar hat am Freitag im fernöstlichen Devisenhandel seine Kursgewinne vom Vortag zum Yen leicht ausgebaut und zum Euro weitgehend gehalten. Dank der US-Einzelhandels- und Arbeitsmarktdaten hatte die US-Währung am Donnerstag sowohl zum Euro als auch zur japanischen Währung zugelegt. Bis gegen 07.00 Uhr MEZ stieg der Dollar zum Yen auf 120,56/ Yen von einem Schlusskurs in New York am Vorabend von 120,32/40 Yen. Der Euro notierte mit 1,0046 Dollar etwa auf dem New Yorker Schlussniveau. Händler blicken nun gespannt auf die für 15.15 Uhr MEZ anstehende Bekanntgabe von Daten zur US-Industrieproduktion im Oktober sowie die Veröffentlichung des Michigan-Indexes zum Verbrauchervertrauen für November (15.45 Uhr MEZ).
Aktien in Tokio sehr fest
Sehr fest haben die Aktienkurse am Freitag in Tokio den Handel beendet. Der Nikkei-225-Index gewann 2,4 Prozent oder 200 Yen auf 8.504. Der Topix-Index legte um 1,9 Prozent oder 15 Punkte auf 839 zu. Händler begründeten die Bewegung zum Teil mit einer technischen Erholung nach dem 19-Jahres-Tief des Vortages. Investoren hätten vor allem Standardwerte wie Sony nachgefragt, sagten Marktteilnehmer.
Aktien Hongkong am Mittag etwas fester - HSBC verlieren
Etwas fester zeigt sich die Börse am Freitagmittag (Ortszeit) in Hongkong. Zum Ende der ersten Sitzungshälfte gewinnt der Hang-Seng-Index 0,5 Prozent bzw 50 Zähler auf 9.791. Insbesondere Titel aus dem Immobiliensektor und dem Telekombereich verbuchen Kursgewinne und präsentieren sich besser als der Gesamtmarkt. Auch Aktien von Unternehmen mit einem starken Engagement auf dem US-Markt legen zu. Ein Händler verweist zur Begründung auf die besser als erwarteten US-Einzelhandelsumsätze im Oktober. China Mobile, China Unicom und SK Properties präsentieren sich mit sehr festen Kursen. Gegen den Trend notieren HSBC sehr schwach.
USA: Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss
Die Aktien von Dell Computer haben sich am Donnerstag im nachbörslichen Geschäft sehr schwach gezeigt, nachdem das Unternehmen Quartalszahlen bekannt gab, welche die Analystenerwartungen erfüllten. Auch die Prognosen für das laufende vierte Quartal wurden bekräftigt. Die Papiere sanken dennoch bis 1.58 Uhr MEZ auf der Handelsplattform Island ECN um 2,8 Prozent auf 30,06 Dollar. Im Tagesgeschäft hatten sie noch 2,9 Prozent zugelegt. Teilnehmer erklärten, es sei spekuliert worden, dass Dell die Erwartungen übertreffe. Dell erwirtschaftete im dritten Quartal einen Gewinn von 0,21 (Vj: 0,16) Dollar je Aktie, bei einem Umsatz von 9,14 (7,46) Milliarden Dollar. Für das vierte Quartal prognostiziert Dell einen Gewinn je Aktie von 0,23 Dollar, und ein Umsatzwachstum von 20 Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar.
BEA Systems bauten nachbörslich ihre Gewinne aus der regulären Sitzung aus und kletterten bis 1.59 Uhr MEZ auf der Handelsplattform Island ECN um 6,6 Prozent auf 9,68 Dollar. In der regulären Sitzung schlossen BEA Systems mit einem Plus von 4,7 Prozent. Das Unternehmen hatte über den Geschäftsverlauf im dritten Quartal berichtet und den Umsatz auf 234,02 Millionen von 219,62 Millionen Dollar im Vorjahresquartalgesteigert. Beim Nettoergebnis meldete BEA Systems 24,72 Millionen Dollar nach einem Verlust von 90,86 Millionen Dollar im Vorjahr.
Citigroup-Nachricht zehrt am Gewinn der US-Börsen
Die überraschend positive Entwicklung der US-Einzelhandelsumsätze hat an den US-Börsen am Donnerstag Hoffnungen auf eine Konjunkturerholung in den USA gestützt und die Kurse angetrieben. Händler sagten, die um den Automobilabsatz bereinigten Daten hätten gezeigt, dass die Verbraucher ihre Ausgaben nicht einschränkten. Auch die Übernahmepläne der Bank HSBC Holdings für den US-Finanzkonzern Household International sowie die positiven Finanzprognosen des Computerkonzerns IBM hätten die Kurse gestützt.
Der Dow-Jones-Index legte zum Handelsschluss 1,7 Prozent auf rund 8.542 Punkte zu. Der technologielastige Nasdaq-Index gewann 3,7 Prozent auf rund 1.412 Zähler und der breiter gefasste S&P-500-Index 2,5 Prozent auf rund 904 Punkte. Der US-Einzelhandel setzte im Oktober ohne den Automobil-Sektor 0,7 Prozent mehr als im Vormonat um. Volkswirte hatten lediglich ein Plus von 0,3 Prozent erwartet. „Jedes Anzeichen für wachsende Verbraucherausgaben ist positiv", sagte Benjamin Pace, Geschäftsführer bei Deutsche Bank Private Banking. Arnie Owen, Geschäftsführer bei Roth Capital Partners, fügte hinzu: „Die Leute sind immer nervös wegen der Bilanzen im vierten Quartal und wegen Weihnachten, aber bisher war es gar nicht so schlecht. Die Fundamentaldaten kommen jetzt ins Spiel und bringen den Markt nach oben.“
Auch die Nachricht, dass die nach Börsenwert größte europäische Bank HSBC Holdings den Finanzkonzern Household International übernehmen will, habe die Kurse ebenfalls gestützt, sagten Börsianer. „Das Thema Fusionen und Zukäufe ist fast gestorben, aber wenn ein Unternehmen wie HSBC Wert in einer Firma wie Household sieht, zeigt das, dass der Markt den Boden erreicht hat", sagte Pace weiter. Die HSBC will nach eigenen Angaben die US-Firma im Zuge eines Aktientausches im Volumen von 14 Milliarden Dollar übernehmen und damit die Präsenz in Nordamerika um 50 Millionen Kunden erweitern. Die auch in New York notierten HSBC-Aktien verloren rund 3,3 Prozent auf 54,20 Dollar. Die Titel von Household International kletterten dagegen rund 22,4 Prozent auf 27,50 Dollar und waren der umsatzstärkste Wert an der New York Stock Exchange. Die Nachricht beflügelte auch andere Finanzwerte. Die Titel von Providian Financial legten um rund 11,4 Prozent auf 4,98 Dollar zu, die Aktien von Capital One Finance stiegen um rund 6,5 Prozent auf 30,00 Dollar.
Die Titel des weltgrößten Computerkonzerns IBM rückten rund 1,7 Prozent auf 80,72 Dollar vor. Das Unternehmen hatte am Vortag nach US-Börsenschluss die Analystenerwartungen für 2003 bestätigt. Umsatz und Gewinn dürften im kommenden Jahre im Rahmen der aktuellen Prognosen liegen, teilte IBM mit. Die Mitteilung des Chipkonzerns Intel über eine Erhöhung des Aktienrückkaufs-Programms um 480 Millionen Aktien habe die Nasdaq beflügelt, sagten Händler. Intel-Aktien schlossen rund sechs Prozent fester auf 19,21 Dollar. Die Technologiewerte stiegen nach Händlerangaben jedoch auch in Erwartung positiver Nachrichten des Computerherstellers Dell, dessen Quartalsbilanz nach US-Börsenschluss erwartet wurde. Dell-Aktien zogen rund drei Prozent auf 30,94 Dollar an.
US-Anleihen baissieren nach robusten Konjunkturdaten
Die sehr festen, teilweise haussierenden Aktienkurse sowie die über den Erwartungen ausgefallenen US-Konjunkturdaten des Tages haben die US-Anleihen am Donnerstag regelrecht einbrechen lassen. So verloren die zehnjährigen Papiere mit einem Kupon von vier Prozent 1-20/32 auf 99-22/32. Die Rendite kletterte damit auf 4,03 Prozent nach 3,84 Prozent am Mittwoch. Der mit 5,375 Prozent verzinste 30-jährige Longbond gab um 2-7/32 nach auf 106-25/32, die Rendite lag bei 4,93 Prozent nach 4,79 Prozent. Tagesgeld wurde zu 1-1/4 Prozent gehandelt. Bei hohen Umsätzen habe es eine hektische Umschichtung in Aktien gegeben, hieß es im Handel.
Die Verkäufe hätten sich beschleunigt, nachdem bekannt geworden war, dass die US-Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung auf ein Dreimonatstief gefallen sind, erklärten Händler. Auch die besser als erwartet ausgefallenen Einzelhandelsumsätze in den USA hätten dazu beigetragen. Da es generell an Käufern mangele, sei es dann recht schnell und stark mit den Kursen nach unten gegangen, berichteten Marktteilnehmer. Die Daten unterstrichen die Aussage der Fed, wonach man es konjunkturell nur mit einer leichten Abschwächung innerhalb einer übergeordneten Erholung zu tun habe, so die Begründung. Das deute zudem darauf hin, dass die jüngste Fed-Zinssenkung vorerst die Letzte gewesen sein dürfte.
Teilnehmer berichteten auch von steigenden Interesse an Unternehmensanleihen, zu deren Gunsten teilweise aus Treasurys umgeschichtet worden sei. Die Aufmerksamkeit auf Unternehmensanleihen habe die Übernahme von Household International durch die britische HSBC Holdings für 14 Milliarden Dollar gelenkt.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.
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Text: @cri