08. November 2002
Jetzt haben wir den Salat: Die Zinsfantasie ist verflogen, und die Börsianer suchen händeringend nach Gründen, warum die Kurserholung weitergehen sollte. Hoffnung kommt von der Charttechnik: Wieland Staud von Staud Research sieht Chancen, dass es nicht zu einem Rückfall in den vergangene Woche überwundenen Abwärtstrend beim Dax kommt, der täglich gut 20 Punkte fällt. Und Paul Cherney von Standard & Poor's vertraut auf die Unterstützungszonen beim S&P 500 von 867 bis 905 Punkten und beim Nasdaq Composite bei 1.279 bis 1.361 Punkten.
MIt der Vorgabe vom amerikanischen Rentenmarkt wird auch der Bund-Future einiges anfangen können. Zudem hat Europas Rentenmarkt seine eigene Zinsfantasie: Nun werde im Dezember mit einem sicheren Zinsschritt der EZB gerechnet, meinen Händler. Ein nächster Widerstand liege nun bei 111,25 Prozent. Nach unten bilde die Zone um 110,30 Prozent eine solide Unterstützung. Am Donnerstag hatte der Bund-Future 68 Ticks auf 111,09 Prozent gewonnen.
Knapp behauptet tendiert der Euro am Freitagmorgen. Um 7.16 Uhr kostet ein Euro 1,0079 Dollar nach 1,0095 Dollar am Donnerstagabend in New York. Den anhaltend starken Druck auf die US-Währung führten Händler unter anderem auf die Tatsache zurück, dass die Wall Street am Vortag trotz der überraschend starken US-Leitzinssenkung kräftige Kursverluste verzeichnet hatte. Zum Yen notiert die US-Währung mit 121,09 Yen nach 121,11 Yen am Donnerstag in New York. Nach Einschätzung von Analysten könnte ein Kursrückgang in Richtung 120 Yen einen Eingriff der japanischen Währungshüter in den Devisenmarkt zur Folge haben.
Nach kräftigen Kursverlusten an der Wall Street hat der Aktienmarkt in Tokio am Freitag ebenfalls deutlich im Minus geschlossen. Der Nikkei-Index schloss um 2,57 Prozent niedriger bei 8.690,77 Punkten, der breiter gefasste Topix-Index verlor 2,05 Prozent auf 862,49 Zähler. Händler vermissten positive Nachrichten, die Käufe befördern könnten. Auch das wenig beeindruckende Anti-Deflationspaket der Vorwoche wirke noch nach, hieß es.
Aktien Hongkong am Mittag schwächer
Schwächer zeigt sich die Börse am Freitagmittag (Ortszeit) in Hongkong, da Investoren im Gefolge der schwachen Wall Street Gewinne mitnehmen. Zum Ende der ersten Sitzungshälfte notiert der Hang-Seng-Index um 0,9 Prozent bzw 83 Zähler niedriger bei 9.761. Insbesondere Titel, die am Vortag kräftig zugelegt hatten, werden am Berichtstag abgestoßen. So verlieren etwa Hutchison Whampoa 2,4 Prozent auf 50 Hongkong-Dollar, und Johnson Electric 3,6 Prozent auf 8,15 Hongkong-Dollar. Eine Ausnahme bilden China Unicom, die sich um 2,8 Prozent auf 5,50 Hongkong-Dollar verbessern. Institutionelle Investoren treten hier als Käufer auf, da sie die hastigen Verkäufe der jüngsten Zeit korrigieren wollen.
USA: Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss
Der nachbörsliche Nasdaq-100 After Hours Indicator erholte sich am Donnerstag um 0,3 Prozent auf 1.028,84 Punkte. Im Anschluss an die nachbörslich vorgelegten Quartalszahlen von Walt Disney wurden die Papiere aktiv gehandelt. Bis gegen 1.37 Uhr MEZ fielen die Titel um 1,4 Prozent auf 18,00 Dollar, im regulären Handel hatten sie 3,2 Prozent verloren. Der Gewinn des Unterhaltungskonzerns lag mit einem Pro-Forma-Ergebnis von 0,11 Dollar je Aktie im Rahmen der Erwartungen, der Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar lag über der durchschnittlichen Prognose von 6,0 Milliarden Dollar. Deutlicher unter Druck standen jedoch die Papiere von Tenet Healthcare, nachdem das Unternehmen den Rücktritt von COO Thomas Mackey und von CFO David L. Dennis mitgeteilt hatte und Umstrukturierungen ankündigte. Tenet gaben um 31,3 Prozent auf 19,20 Dollar nach.
Optimismus an der Wall Street deutlich gedämpft
Der trübe Ausblick des Netzwerkausrüsters Cisco Systems hat an den US-Börsen am Donnerstag erneut Zweifel am jüngsten Konjunkturoptimismus aufkommen lassen und die Kurse deutlich ins Minus gedrückt.
Der Dow Jones verlor zum Handelsschluss 2,11 Prozent auf 8.586,24 Punkte, der Nasdaq- Composite gab 2,98 Prozent auf 1.376,71 Zähler nach. Auch der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 2,29 Prozent auf rund 902,65 Punkte.
„Die Cisco-Nachrichten waren das Letzte, was die Leute hören wollten", sagte Tim Heekin von der Investmentbank Thomas Weisel Partners in San Francisco. Analysten sagten, der Markt verdaue noch die Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) vom Vortag. „Ich war überrascht, dass der Markt gestern zugelegt hat. Es gab viel Negatives. Das einzig Positive war, dass die Republikaner gewonnen haben. Eine Senkung um 50 Basispunkte bedeutet für mich, dass die Konjunktur recht schwach ist", sagte Heekin.
Cisco hatte am Vorabend zwar einen Netto-Quartalsgewinn über den Analystenerwartungen ausgewiesen, aber zugleich angekündigt, im laufenden Vierteljahr könne der Umsatz um bis zu vier Prozent sinken. Cisco-Aktien verloren am Donnerstag 4,71 Prozent auf 12,35 Dollar und waren Umsatzspitzenreiter an der Nasdaq. Die Zahlen und Prognosen von Cisco gelten als richtungweisende Indikatoren für die Lage der gesamten Technologiebranche. Der schwache Cisco-Ausblick zog auch andere Technologieaktien nach unten. Die Titel des Softwarekonzerns Microsoft gaben 1,65 Prozent auf 56,09 Dollar ab, die Aktien des Computerherstellers International Business Machines 3,18 Prozent auf 78,95 Dollar.
Die Kursverluste der Titel des Chipherstellers Advanced Micro Devices (AMD) belasteten nach Händlerangaben andere Chipwerte. AMD-Aktien büßten 5,7 Prozent auf 6,82 Dollar ein. Der Hauptkonkurrent des Mikroprozessor-Produzenten Intel hatte mitgeteilt, im vierten Quartal dieses Jahres seien Sonderbelastungen über mehrere hundert Millionen Dollar zu erwarten. Im kommenden Jahr wolle das Unternehmen die Ausgaben um mehr als 350 Millionen Dollar senken und die Investitionen auf etwa 650 Millionen Dollar von 750 Millionen bis 800 Millionen Dollar in diesem Jahr reduzieren. Intel-Aktien rutschten knapp vier Prozent auf 18,44 Dollar ab, die Titel von Texas Instruments rund neun Prozent auf 14,96 Dollar.
Der Dow-Jones-Index wurde nach Händlerangaben vor allem von deutlichen Kursverlusten der Aktien von J.P. Morgan Chase belastet. Die Papiere der zweitgrößten US-Bank verloren rund 6,6 Prozent auf 20,60 Dollar. Händler führten dies auf Gerüchte um milliardenschwere Verluste des Instituts aus dem Goldhandel zurück. J.P. Morgan wies diese Spekulationen aber als falsch und unverantwortlich zurück.
Die Aktien der Bekleidungskette Gap stiegen gegen den Trend um rund fünf Prozent auf 13,42 Dollar. Der Konzern hatte mitgeteilt, der Umsatz in den mindestens seit einem Jahr geöffneten Geschäften sei im Oktober erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder gewachsen. Das Unternehmen hob außerdem seine Gewinnprognose für das dritte Quartal an.
US-Anleihen schließen sehr fest - Langläufer haussieren
Mit sehr fester Tendenz haben sich die US-Anleihen am Donnerstag im späten New Yorker Geschäft gezeigt. Vorherrschendes Thema sei weiterhin die überraschend deutliche Zinssenkung durch die US-Notenbank am Vorabend gewesen, hieß es. Die zehnjährigen Papiere mit einem Kupon von vier Prozent stiegen um 1-7/32 auf 101-5/32. Die Rendite fiel von 4,046 auf 3,861 Prozent. Der mit 5,375 Prozent verzinste Longbond kletterte um 2-23/32 auf 107-18/32 und rentierte mit 4,880 Prozent, nach 5,067 Prozent am Mittwoch.
Die Höhe der Zinssenkung sowie die Aussagen der Fed hätten zu der Ansicht geführt, dass das nun für lange Zeit die letzte Zinssenkung gewesen sein müsste, hieß es. „Es hat etwas gedauert, bis der Markt die volle Bedeutung des Zinsschrittes und die Aussagen der Fed zu verdaut hatte“, sagte James Caron von Merrill Lynch.
Die am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturdaten traten dagegen in den Hintergrund. Die Zahl der Erstanträge war saisonbereinigt US-Arbeitslosenversicherung um 20.000 auf 390.000 gefallen. Volkswirte hatten im Durchschnitt einen Rückgang um 6.000 erwartet. Die Produktivität außerhalb der Landwirtschaft zog im dritten Quartal nach vorläufiger Rechnung um vier Prozent gegenüber dem Vorquartal an und die Lagerbestände stiegen mit plus 0,5 Prozent etwas stärker als erwartet.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.
Den Frühaufsteher können Sie auch als kostenlosen Newsletter bestellen. Klicken Sie hierzu auf „Meine Daten“ in der Kopfzeile.
Text: @la
uf wiedrluagn jack