Weltsilberlagerbestände zum Jahresende 2002
Die genaue Zahl der Silberlagerbestände ist nicht bekannt, da neben den offiziellen Beständen der COMEX (der Warenterminbörse in New York, die täglich veröffentlicht werden) noch weiteres Silber von Banken, Händlern und Regierungen gehalten wird. Diese Zahlen werden offiziell nicht veröffentlicht und können nur geschätzt werden.
Wie viel Silber steht zu welchem Preis zur Verfügung?
COMEX-Lagerbestände
Entwicklung der sonstigen Silberbestände
Das seit 1990 existierende Angebotsdefizit (kumuliertes Defizit von 1990 bis 2002: rund 1.464 Mio. Feinunzen) ist durch Enthortung, also Abbau von Lagern, bedient worden.
Veröffentlichte und geschätzte Silberlagerbestände (Jahresende 2002):
Mio. Uz.
COMEX (USA)
107
Tocom, Chicago Board of Trade
6
Industrielager
31
Summe offizielle Lager
144
sonstige Lagerstätten in USA
60
Europäische Lagerstätten (London und Zürich/Basel)
160
Asien, Lateinamerika
55
Summe geschätzte Bestände
275
Indien
86
Mexico
7
USA
19
andere Länder
9
Summe Regierungsbestände
121
Gesamtsumme standardisierte leicht übertragbare Lagerbestände
540
Industrielager (geschätzt ca. 14 Tagen Reserve für Produktion)
30
strategischer Investor Warren Buffett
130
sonstige langfristige Investoren in Delaware
26
sonstige langfristige Investoren weltweit (geschätzt)
100
strategische Regierungsreserven Indien
86
Summe der geschätzten nicht verfügbaren Lagerbestände
- 372
geschätzte verfügbare Lagerbestände für industriellen Verbrauch
168
Bei einem durchschnittlichen jährlichen Silberdefizit von rund 112 Mio. Unzen würden die verbleibenden Bestände noch nicht einmal für zwei Jahre ausreichen. Natürlich können die Bestände nicht wirklich ganz auf Null gehen, denn ohne Warenbestand gibt es keinen Markt. Und der Weltsilbermarkt benötigt bei einer ständig wachsenden Nachfrage (2002: 838 Mio. Uz.) einen gewissen Grundstock an verfügbarem Silberbestand. Sonst könnten die industriellen Fertigungsprozesse in zahlreichen unverzichtbaren Anwendungsbereichen nicht gewährleistet werden.
Schlussfolgerung:
Die Silberenthortung ist weit fortgeschritten. Der von Investoren gehaltene Teil steht entweder gar nicht oder nur zu wesentlich höheren Preisen zur Verfügung. Somit stehen wir - nach unserer Auffassung - kurz vor einem langanhaltenden Silberanstieg oder gar vor einer Preisexplosion. Es ergeben sich hervorragende Gewinnaussichten, wie man schon bei der Verknappung von Öl im Jahre 1999 und Palladium im Jahre 2001 feststellen konnte.
Wie viel Silber steht zu welchem Preis zur Verfügung?
Im Jahre 1998 wurde zum ersten Male offensichtlich, dass die Lagerbestände knapp sind. Es wurde bekannt, dass der Milliardär und Großinvestor Warren Buffett 129,71 Mio. Unzen Silber zur Kapitalanlage gekauft hatte.
Der Kauf wurde über einen Zeitraum von ca. 9 Monaten verteilt und im Februar 1998 traten Lieferschwierigkeiten auf, da nicht mehr genug Silber verfügbar war. Der Silberpreis stieg in der Folge um 70%, und die Silberleihezinsen erreichten in der Spitze mit fast 80% pro Jahr ein Rekordhoch.
Buffett gilt als Börsengenie und Valueinvestor. Er ist für seine klugen Anlageentscheidungen und seine Fairness bekannt. Deshalb ist davon auszugehen, dass er Teile seines Silberschatzes verliehen hat. Er schlägt damit drei Fliegen mit einer Klappe: Er treibt die Verkäufer (Spekulanten, die nicht mit Auslieferung rechneten) nicht in die Enge, kassiert einen hohen Zins und spart Lagerkosten.
Er dürfte auch nicht der einzige Investor auf der Welt sein. Silber hat nicht nur in USA schon immer einen Platz in den Anlagestrategien der Anleger. Außerdem dürfte der in USA sehr angesehene Milliardär Buffett, eine Reihe von Nachahmern animiert haben, in physisches Silber zu investieren. Von zwei weiteren Milliardären ist bekannt, dass sie Silberminen gekauft haben.
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COMEX-Lagerbestände
Die offiziellen Lagerbestände an der COMEX waren im Dezember 1990 bei 265 Mio. Feinunzen und betrugen Ende 2002 nur noch 107,4 Mio. Feinunzen (Rückgang um 59,47%).
Früher gab es acht Lagerstätten der COMEX. Jjetzt gibt es nur noch vier, nämlich Brink’s, HSBC Bank USA, Scottia Mocatta und Delaware Depository. Die Schließung der restlichen Lagerstätten deutet darauf hin, dass man auf absehbare Zeit keinen Bedarf an Silberlager mehr vermutet. Das erscheint auch logisch, denn hohe Lagerkapazitäten werden in Zeiten von Überschüssen gebraucht, ein strukturelles Silberdefizit dagegen macht die Lagerkapazitäten überflüssig.
Bei den in Delaware gelagerten Beständen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um das Silber von langfristigen Investoren handelt. Für US-Amerikaner fällt in Delaware keine Sales-Tax an.
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Entwicklung der sonstigen Silberbestände
Notenbankbestände der USA: Das riesige Silberdefizit der sechziger Jahre wurden durch den Verkauf der Reserven des US-Schatzamtes von 2.000 Mio. Unzen ausgeglichen. Die Alt-Bestände der US-Münzanstalt sind inzwischen aufgebraucht. Die U.S. Mint tritt inzwischen als Käufer am Markt auf, um das beliebte Münzprogramm (für den beliebten Silver-Eagle) aufrecht zu erhalten. Der laut Statistik der CPM-Gruppe per Ultimo 2002 aufgeführte Bestand in Höhe von 19 Mio. Uz. musste für die laufende Produktion bereits zugekauft werden.
Europa: Silbermünzen waren bis in die sechziger Jahre offizielles Zahlungsmittel. Sie wurden aus dem Verkehr gezogen, weil der Wert des in ihnen enthaltenen Silbers plötzlich höher war, als der Nominalwert. Das letzte silberhaltige deutsche Fünfmarkstück wurde 1975 aus dem Verkehr gezogen. Das eingeschmolzene Silber wurde anlässlich des hohen Wertes (1980: Spitze US-$ 50/Uz.) verkauft.
China: Die chinesische Regegierung war in den Jahren bis 1997 auf der Käuferseite. Deshalb vermuten wir, dass die Chinesen auf der Höhe der Buffett-Euphorie ihr Silber zu hohen Preisen auf Termin verkauften und erst in den Folgejahren einlieferten. In den Jahren 1998 bis einschließlich 2002 wurden 257 Mio. Unzen enthortet. Durch anhaltend hohes Industriewachstum (über 8%) wird nach Ansicht von Hongkonger Edelmetallhändlern in China der Silberverbrauch überproportional steigen. Man kann davon ausgehen, dass deshalb China künftig Netto-Silber-Importeur wird. Zusätzlich Wachstumsimpulse werden durch die Ausrichtung der Olympischen Spiele im Jahre 2008 in Peking erwartet.
Indien: Der gesamte Silberverbrauch muss importiert werden, da es in Indien keine Silbervorkommen gibt. Für Silberschmuck und Silberwaren werden jährlich 80 Mio. Unzen benötigt. Der industrielle Verbrauch liegt z.Zt. bei 58 Mio. Unzen. Da ein großer Teil der Bevölkerung von der Silberindustrie abhängig ist, dienen die indischen Regierungsbestände als strategische Reserven und stehen dem Weltmarkt damit nicht zur Verfügung.
Industrielager: Bis in die achtziger Jahre war es üblich, dass die Silberverarbeiter größere eigene Lager (ein Jahresverbrauch) unterhielten. Durch die verbesserte Logistik im Zuge der Computerisierung konnte auf "just in time" - Produktion umgestellt werden. Das hatte zur Folge, dass die Lagerhaltung auf ein Minimum zurückgefahren wurde.
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