Der letzte Rest an Optimismus gegenüber Technologieaktien ist verflogen
Merrill Lynch stellt bei Vermögensverwaltern so viel Liquidität fest wie nie zuvor / Umfragen seit Januar 2000
gap. FRANKFURT, 16. Oktober. Fondsverwalter im Euro-Raum zeigen sich mit Blick auf das Wirtschaftswachstum und auf die Unternehmensergebnisse überwiegend pessimistisch, doch mehr als die Hälfte hält Aktien in der Region für unterbewertet. Der Anteil der liquiden Mittel am gesamten von ihnen zu betreuenden Kapital lag zuletzt bei 7,8 Prozent. Die Fondsmanager erwarten, daß "Substanz" oder "Sachwert" als Anlagethema "Wachstum" künftig übertreffen wird. Dies ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage, die Merrill Lynch unter Fondsverwaltern vorgenommen und am Dienstag vorgelegt hat. Sie fand zwischen dem 4. und dem 11. Oktober statt und gibt erstmals umfassend Auskunft über deren Haltung nach den Terroranschlägen vom 11. September.
Die Investmentbank hebt hervor, daß die Liquidität der Verwalter mit 7,8 Prozent des Gesamtkapitals den höchsten Stand seit dem Beginn der Umfragen im Januar 2000 erreicht hat. 54 Prozent der Befragten hielten liquide Mittel übergewichtet. Sie weist ferner darauf hin, daß die meisten Fondsmanager erstmals seit Beginn der Befragung Baissestimmung gegenüber dem Technologiesektor zeigten. Dies sei zwar noch kein Kaufsignal im Sinne der "gegensätzlichen Meinung" (contrary opinion), doch zeige dies, daß nun hier der letzte Rest von Optimismus verflogen sein dürfte. Dagegen habe sich die Stimmung gegenüber Telekom-Aktien besonders stark gebessert. Sie sei nun so ausgeprägt wie seit März 2000 nicht mehr. Sehr positiv sei nun auch die Haltung zu zyklischen Industriewerten und Bankenaktien, während gegenüber defensiven Gruppen wie Nahrungsmittel und Pharma eine herausragende Baissestimmung herrsche. Zu der Feststellung, daß gut 52 Prozent der Verwalter Aktien in der Euro-Zone als unterbewertet bezeichnen, merkt Merrill Lynch an, zuletzt sei ein derart hoher Wert im April 2001 und im Oktober 1998 verzeichnet worden. In beiden Fällen hätten sich ausgedehnte Kurssteigerungen angeschlossen.
Merrill Lynch tätigt die Umfragen unter den Fondsmanagern nicht allein zum Zweck der "Bestandsaufnahme". Ihr tieferer Sinn liegt darin, die Stimmung in dieser einflußreichen Anlegergruppe zu ermitteln und eine "herrschende Meinung" herauszuarbeiten, die anlagepolitisch im Sinne der "contrary opinion" genutzt werden kann. Denn wenn alle oder die meisten zur gleichen Zeit das gleiche tun, kann dies an der Börse nicht im Sinne dieser Anleger aufgehen. Die Investmentbank weiß zudem sehr wohl, daß die Befragten nicht immer das darlegen, was sie in Wirklichkeit denken und unternehmen, sondern daß sie zum Teil opportun erscheinende Absichten oder sogar Hoffnungen äußern.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2001, Nr. 241 / Seite 34
Merrill Lynch stellt bei Vermögensverwaltern so viel Liquidität fest wie nie zuvor / Umfragen seit Januar 2000
gap. FRANKFURT, 16. Oktober. Fondsverwalter im Euro-Raum zeigen sich mit Blick auf das Wirtschaftswachstum und auf die Unternehmensergebnisse überwiegend pessimistisch, doch mehr als die Hälfte hält Aktien in der Region für unterbewertet. Der Anteil der liquiden Mittel am gesamten von ihnen zu betreuenden Kapital lag zuletzt bei 7,8 Prozent. Die Fondsmanager erwarten, daß "Substanz" oder "Sachwert" als Anlagethema "Wachstum" künftig übertreffen wird. Dies ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage, die Merrill Lynch unter Fondsverwaltern vorgenommen und am Dienstag vorgelegt hat. Sie fand zwischen dem 4. und dem 11. Oktober statt und gibt erstmals umfassend Auskunft über deren Haltung nach den Terroranschlägen vom 11. September.
Die Investmentbank hebt hervor, daß die Liquidität der Verwalter mit 7,8 Prozent des Gesamtkapitals den höchsten Stand seit dem Beginn der Umfragen im Januar 2000 erreicht hat. 54 Prozent der Befragten hielten liquide Mittel übergewichtet. Sie weist ferner darauf hin, daß die meisten Fondsmanager erstmals seit Beginn der Befragung Baissestimmung gegenüber dem Technologiesektor zeigten. Dies sei zwar noch kein Kaufsignal im Sinne der "gegensätzlichen Meinung" (contrary opinion), doch zeige dies, daß nun hier der letzte Rest von Optimismus verflogen sein dürfte. Dagegen habe sich die Stimmung gegenüber Telekom-Aktien besonders stark gebessert. Sie sei nun so ausgeprägt wie seit März 2000 nicht mehr. Sehr positiv sei nun auch die Haltung zu zyklischen Industriewerten und Bankenaktien, während gegenüber defensiven Gruppen wie Nahrungsmittel und Pharma eine herausragende Baissestimmung herrsche. Zu der Feststellung, daß gut 52 Prozent der Verwalter Aktien in der Euro-Zone als unterbewertet bezeichnen, merkt Merrill Lynch an, zuletzt sei ein derart hoher Wert im April 2001 und im Oktober 1998 verzeichnet worden. In beiden Fällen hätten sich ausgedehnte Kurssteigerungen angeschlossen.
Merrill Lynch tätigt die Umfragen unter den Fondsmanagern nicht allein zum Zweck der "Bestandsaufnahme". Ihr tieferer Sinn liegt darin, die Stimmung in dieser einflußreichen Anlegergruppe zu ermitteln und eine "herrschende Meinung" herauszuarbeiten, die anlagepolitisch im Sinne der "contrary opinion" genutzt werden kann. Denn wenn alle oder die meisten zur gleichen Zeit das gleiche tun, kann dies an der Börse nicht im Sinne dieser Anleger aufgehen. Die Investmentbank weiß zudem sehr wohl, daß die Befragten nicht immer das darlegen, was sie in Wirklichkeit denken und unternehmen, sondern daß sie zum Teil opportun erscheinende Absichten oder sogar Hoffnungen äußern.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2001, Nr. 241 / Seite 34