Fondsverwalter - so viel Liquidität wie nie zuvor


Thema
abonnieren
Beiträge: 3
Zugriffe: 439 / Heute: 1
Dixie:

Fondsverwalter - so viel Liquidität wie nie zuvor

 
17.10.01 09:01
Der letzte Rest an Optimismus gegenüber Technologieaktien ist verflogen

Merrill Lynch stellt bei Vermögensverwaltern so viel Liquidität fest wie nie zuvor / Umfragen seit Januar 2000


gap. FRANKFURT, 16. Oktober. Fondsverwalter im Euro-Raum zeigen sich mit Blick auf das Wirtschaftswachstum und auf die Unternehmensergebnisse überwiegend pessimistisch, doch mehr als die Hälfte hält Aktien in der Region für unterbewertet. Der Anteil der liquiden Mittel am gesamten von ihnen zu betreuenden Kapital lag zuletzt bei 7,8 Prozent. Die Fondsmanager erwarten, daß "Substanz" oder "Sachwert" als Anlagethema "Wachstum" künftig übertreffen wird. Dies ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage, die Merrill Lynch unter Fondsverwaltern vorgenommen und am Dienstag vorgelegt hat. Sie fand zwischen dem 4. und dem 11. Oktober statt und gibt erstmals umfassend Auskunft über deren Haltung nach den Terroranschlägen vom 11. September.

Die Investmentbank hebt hervor, daß die Liquidität der Verwalter mit 7,8 Prozent des Gesamtkapitals den höchsten Stand seit dem Beginn der Umfragen im Januar 2000 erreicht hat. 54 Prozent der Befragten hielten liquide Mittel übergewichtet. Sie weist ferner darauf hin, daß die meisten Fondsmanager erstmals seit Beginn der Befragung Baissestimmung gegenüber dem Technologiesektor zeigten. Dies sei zwar noch kein Kaufsignal im Sinne der "gegensätzlichen Meinung" (contrary opinion), doch zeige dies, daß nun hier der letzte Rest von Optimismus verflogen sein dürfte. Dagegen habe sich die Stimmung gegenüber Telekom-Aktien besonders stark gebessert. Sie sei nun so ausgeprägt wie seit März 2000 nicht mehr. Sehr positiv sei nun auch die Haltung zu zyklischen Industriewerten und Bankenaktien, während gegenüber defensiven Gruppen wie Nahrungsmittel und Pharma eine herausragende Baissestimmung herrsche. Zu der Feststellung, daß gut 52 Prozent der Verwalter Aktien in der Euro-Zone als unterbewertet bezeichnen, merkt Merrill Lynch an, zuletzt sei ein derart hoher Wert im April 2001 und im Oktober 1998 verzeichnet worden. In beiden Fällen hätten sich ausgedehnte Kurssteigerungen angeschlossen.

Merrill Lynch tätigt die Umfragen unter den Fondsmanagern nicht allein zum Zweck der "Bestandsaufnahme". Ihr tieferer Sinn liegt darin, die Stimmung in dieser einflußreichen Anlegergruppe zu ermitteln und eine "herrschende Meinung" herauszuarbeiten, die anlagepolitisch im Sinne der "contrary opinion" genutzt werden kann. Denn wenn alle oder die meisten zur gleichen Zeit das gleiche tun, kann dies an der Börse nicht im Sinne dieser Anleger aufgehen. Die Investmentbank weiß zudem sehr wohl, daß die Befragten nicht immer das darlegen, was sie in Wirklichkeit denken und unternehmen, sondern daß sie zum Teil opportun erscheinende Absichten oder sogar Hoffnungen äußern.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2001, Nr. 241 / Seite 34
Antworten
Dixie:

Gewinne aus Phantasialand

 
17.10.01 09:53
EUROPÄISCHE AKTIEN

Gewinne aus Phantasialand

Von Thomas Hillenbrand

Aktienanalysten haben in den vergangenen Monaten ihre Prognosen kräftig nach unten korrigiert. Trotzdem gehört der Großteil der Gewinnschätzungen immer noch ins Reich der Märchen.

 
DPA

Hellseherin: Unternehmensgewinne vorherzusagen ist ein schwieriges Geschäft.


Wann ist eine Aktie billig? Eine einfache Antwort gibt es nicht - andernfalls würden Banken und Investmentfonds kaum Heerscharen von Analysten beschäftigen, um diese Frage immer wieder aufs Neue zu klären.
Die Analyseabteilungen versuchen, halbwegs verlässliche Aussagen über die erwarteten Unternehmensgewinne zu treffen. Denn von den Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre hängt es ab, ob eine Aktie bei ihrem derzeitigen Kurs als überteuert oder als günstig gilt.

Bewertungen bar jeder Vernunft

Eine neue Studie der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch  legt nahe, dass die Analystenschätzungen für europäische Unternehmen viel zu optimistisch sind und drastisch nach unten revidiert werden müssen. Wenn die Unternehmensgewinne in den kommenden Jahren magerer ausfallen als bisher erwartet wären viele Aktien, die nach den derzeitigen Bewertungsmodellen als Schnäppchen erscheinen, bereits viel zu teuer.

Die Börse nimmt mit den aktuellen Kursen die Zukunft vorweg. Die Gewinnaussichten für die folgenden sechs Monate sind im Preis der Aktien bereits berücksichtigt - "eingepreist" heißt das im Börsenjargon. Interessant für die Finanzmärkte sind deshalb vor allem die Gewinnprognosen für die Jahre 2002 und 2003.

Und die scheinen bar jeder Vernunft zu sein. Merrill Lynch hat das durchschnittliche von Analysten prognostizierte Gewinnwachstum in verschiedenen europäischen Wirtschaftszweigen von 2001 bis 2003 untersucht und mit den Prognosen aus den Jahren 1991 bis 1993 verglichen - dem Zeitraum, als es in Europa zuletzt eine Rezession gab.

Rosige Gewinnausichten, düstere Kursprognosen

 
DPA

Börsianer: Viele Gewinnprognosen gehören in die Abteilung 'Märchen'.


Das Ergebnis der Studie legt nahe, dass die Banken die Zukunft zu rosig sehen: Während die europäischen Gewinne von 1991 bis 1993 im Schnitt um 21 Prozent fielen, sagen Analysten für 2001 bis 2003 einen Gewinnanstieg um satte 30 Prozent voraus. In einzelnen Branchen sind die Vorhersagen der Analysten noch abenteuerlicher. Für die Elektronikbranche sagen sie bis Ende 2003 ein Gewinnwachstum von 230 Prozent, für IT Hardware gar eines um unglaubliche 530 Prozent voraus.

Peter Saacke, Autor der Studie und europäischer Aktienstratege bei Merrill Lynch in London, geht davon aus, "dass die 30 Prozent hoffnungslos optimistisch sind. Selbst wenn man berücksichtigt, dass sich die Rezession vor zehn Jahren von der jetzigen unterscheidet - an einer Revision der Prognosen führt kein Weg vorbei."
Antworten
Dixie:

Es muß schlimmer werden,bevor es besser wird

 
17.10.01 09:54
Es muss schlimmer werden, bevor es besser werden kann

Das wird sich seiner Ansicht nach negativ auf die Kurse auswirken. Das Freudenfeuer der vergangenen drei Wochen - der Index MSCI Europe hatte um 18 Prozent zugelegt - beeindruckt Saacke nicht: "Das war nur eine Bärenmarkt-Rallye." Spätestens wenn die Analysten begönnen, ihre luftigen Prognosen nach unten zu korrigieren, werde es erneut abwärts gehen. "Ich kann mir vorstellen, dass wir die Tiefststände vom September noch einmal sehen."

Saacke steht mit seiner These nicht allein, auch Ingo Schmitz, Aktienstratege der Deutschen Bank  , warnt vor "übertriebenen Schätzungen." Richard Davidson von Morgan Stanley  erwartet gar, dass die Gewinne europäischer Unternehmen bis Anfang 2003 rückläufig sein werden.

An den düsteren Aussichten ändert auch die hohe Liquidität der Märkte nichts. Derzeit haben Investoren mangels Anlagemöglichkeiten soviel Geld auf kurzfristigen Konten geparkt wie schon seit zwanzig Jahren nicht mehr, "aber der Cash hat sich auch schon Anfang des Jahres aufgetürmt, ohne dass es zu einer längeren Rallye gekommen wäre", so der Merrill-Stratege. Zunächst müssten die Prognosen nochmals unters Messer. Erst wenn der Optimismus vollständig aus dem Markt gewichen sei, könne es zu einer längerfristigen Erholung kommen. "Die Stimmung", so Saacke, "muss noch mal richtig schlecht werden."


Gewinnprognosen für europäische Unternehmen

Branche Gewinnwachstum 1991-1993 Gewinnwachstum 2001-2002
Banken -65% +25%
Lebensversicherungen +150% +30%
Versicherungen -250% +34%
IT Hardware +11% +530%
Elektronik +4% +230%
Medien +17% +40%
Software -102% +59%
Bau -37% +24%
Chemie -58% +42%
Autos -120% +73%
Einzelhandel +68% +38%
Pharma +33% +26%
Nahrungsmittel +31% +30%
Transport -3% +66%
Telekom -36% +43%

Quelle: Merrill Lynch


Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--