Fondsmanager sehen US-Kursrally bald auslaufen
25. November 2002 Der seit sieben Wochen andauernde Aufwärtstrend an den US-Börsen wird bald zu Ende sein, erwarten Fondsmanager. Seit dem Tief vom Oktober hat der Standard & Poor's 500-Index 20 Prozent zugelegt. Das entspricht den vorherigen Aufwärtsbewegungen der letzten 18 Monaten. Aber auf diese Zwischenspurts folgte der Rutsch auf neue Tiefstände.
Der jüngste Kursaufschwung ist keine Ouvertüre zu einer neuen Hausse, sondern "lediglich eine Kursrallye in einem Bärenmarkt," erklärt Jon Goebel, Fondsmanager bei SouthTrust Value Fund. "Das sieht nicht nach einem neuen Bullenmarkt aus." Zwar haben Gewinnsteigerungen bei den Unternehmen die Kurse nach oben getrieben, aber die Gewinndynamik sei jetzt bereits im Kursniveau eingepreist, führt er an. Und für einen weiteren Aufschwung an der Börse sei das Gewinnwachstum nicht stark genug. So hat General Electric Co. letzte Woche seine Gewinnprognose gesenkt und Home Depot warnte, die Baumarktkette werde ihr Gewinnziel verfehlen.
Drittes Verlustjahr in Folge droht
Trotz der jüngsten Kursgewinne steuern die Indizes auf das dritte Jahr mit Verlusten zu: Der S&P 500-Index hat dieses Jahr 19 Prozent, der Nasdaq Composite Index 25 Prozent und der Dow Jones Industrial Average Index zwölf Prozent eingebüßt.
Auch David Tice von dem Aktienanalyse-Unternehmen Davis Research rechnet damit, dass die Kurse wieder fallen werden. Sein Fonds Prudent Bear Fund hat dieses Jahr 50 Prozent zugelegt und rangiert unter den besten ein Prozent, die Bloomberg in den letzten drei Jahren verfolgt hat. Er hat erfolgreich auf fallende Kurse gesetzt, in dem er geliehene Aktien verkaufte, in der Hoffnung, sie später zu einem günstigeren Kurs zurückkaufen zu können. "Hier handelt es sich um eine sehr verführerische Rallye innerhalb eines Bärenmarktes," konstatiert er. "Wir erwarten, dass der Markt wieder nach unten geht."
Ähnliches Kursmuster wie in früheren Bärenmarktrallys?
In den letzten 18 Monaten verzeichnete der S&P 500 zwei Aufwärtsbewegungen mit einem Plus von 21 Prozent und eine mit einem Anstieg von 19 Prozent. Er fiel jedoch am 9. Oktober auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren und konnte die Kurssteigerungen, die er zwischen dem 23. Juli und 22. August eingefahren hatte, nicht halten. Leerverkäufer wie Tice sagen, auch diesmal sei das Verlaufsmuster dasselbe. Die Unternehmensgewinne und die Wirtschaft wachsen nicht schnell genug, um weitere Kursgewinne zu rechtfertigen.
Analysten rechnen für die Aktien im S&P 500-Index mit einem Gewinnanstieg von 16,3 Prozent im vierten Quartal, ergab eine Umfrage von Thomson First Call. Für das Gesamtjahr prognostizieren sie eine Verbesserung von 1,8 Prozent und für das nächste Jahr ein Plus von 14,3 Prozent. 2001 sind die Gewinne um 17,3 Prozent gesunken.
Kriterien für Bullenmarkt noch nicht erfüllt
Andere Investoren sind jedoch der Meinung, dass Schlimmste der Abwärtsphase sei vorbei. Die Wirtschaft wächst und die Aktien sind "angemessen bewertet," betont Michael Kenneally, Chief Investment Officer bei Banc of America Capital Management in St. Louis. Er rechnet bei den Aktien mit einer Rendite von sieben bis neun Prozent im nächsten Jahr und empfiehlt Unternehmen, die eine Dividende zahlen. Kenneally berichtet, dass die jüngste Kursrallye teilweise durch Leerverkäufer angeheizt wurde, die ihre Verkaufspositionen eindeckten, um sich gegen weitere Kursgewinne abzusichern. "
Die Marktstärke wurde durch Leerverkäufer angetrieben. In erster Linie haben stark angeschlagene Werte zugelegt." Beispielsweise hat sich der Aktienkurs von Corning Inc., dem größten Glasfaserhersteller, fast verfünffacht. Der Titel notiert 96 Prozent unter seinem Rekordhoch. Spring Corp (PCS Group) haben sich mehr als verdoppelt, so dass sich der Kursverlust des Mobilfunkanbieters in diesem Jahr auf 78 Prozent begrenzt.
Der Anstieg beim Dow Jones-Index von 21 Prozent innerhalb der letzten sieben Wochen erfüllt jedoch nicht die Definition von Ned Davis für einen Bullenmarkt. Der Dow müsste innerhalb von 50 Tagen 30 Prozent steigen oder innerhalb von 155 Tagen 13 Prozent anziehen. Erst dann wäre es ein "Bullenmarkt". Zum letzten Mal befand sich der Dow Jones im März in einer Hausse-Phase. Es war jedoch unter 33 die viertschwächste und viertkürzeste Hausse, die es bisher gegeben habe, so Ned Davis. "Die Gewinne verbessern sich," bestätigt Goebel. "Aber es ist fraglich, ob sie schnell genug wachsen, um einen erneuten Börsenaufschwung zu tragen."
Text: @JüB
25. November 2002 Der seit sieben Wochen andauernde Aufwärtstrend an den US-Börsen wird bald zu Ende sein, erwarten Fondsmanager. Seit dem Tief vom Oktober hat der Standard & Poor's 500-Index 20 Prozent zugelegt. Das entspricht den vorherigen Aufwärtsbewegungen der letzten 18 Monaten. Aber auf diese Zwischenspurts folgte der Rutsch auf neue Tiefstände.
Der jüngste Kursaufschwung ist keine Ouvertüre zu einer neuen Hausse, sondern "lediglich eine Kursrallye in einem Bärenmarkt," erklärt Jon Goebel, Fondsmanager bei SouthTrust Value Fund. "Das sieht nicht nach einem neuen Bullenmarkt aus." Zwar haben Gewinnsteigerungen bei den Unternehmen die Kurse nach oben getrieben, aber die Gewinndynamik sei jetzt bereits im Kursniveau eingepreist, führt er an. Und für einen weiteren Aufschwung an der Börse sei das Gewinnwachstum nicht stark genug. So hat General Electric Co. letzte Woche seine Gewinnprognose gesenkt und Home Depot warnte, die Baumarktkette werde ihr Gewinnziel verfehlen.
Drittes Verlustjahr in Folge droht
Trotz der jüngsten Kursgewinne steuern die Indizes auf das dritte Jahr mit Verlusten zu: Der S&P 500-Index hat dieses Jahr 19 Prozent, der Nasdaq Composite Index 25 Prozent und der Dow Jones Industrial Average Index zwölf Prozent eingebüßt.
Auch David Tice von dem Aktienanalyse-Unternehmen Davis Research rechnet damit, dass die Kurse wieder fallen werden. Sein Fonds Prudent Bear Fund hat dieses Jahr 50 Prozent zugelegt und rangiert unter den besten ein Prozent, die Bloomberg in den letzten drei Jahren verfolgt hat. Er hat erfolgreich auf fallende Kurse gesetzt, in dem er geliehene Aktien verkaufte, in der Hoffnung, sie später zu einem günstigeren Kurs zurückkaufen zu können. "Hier handelt es sich um eine sehr verführerische Rallye innerhalb eines Bärenmarktes," konstatiert er. "Wir erwarten, dass der Markt wieder nach unten geht."
Ähnliches Kursmuster wie in früheren Bärenmarktrallys?
In den letzten 18 Monaten verzeichnete der S&P 500 zwei Aufwärtsbewegungen mit einem Plus von 21 Prozent und eine mit einem Anstieg von 19 Prozent. Er fiel jedoch am 9. Oktober auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren und konnte die Kurssteigerungen, die er zwischen dem 23. Juli und 22. August eingefahren hatte, nicht halten. Leerverkäufer wie Tice sagen, auch diesmal sei das Verlaufsmuster dasselbe. Die Unternehmensgewinne und die Wirtschaft wachsen nicht schnell genug, um weitere Kursgewinne zu rechtfertigen.
Analysten rechnen für die Aktien im S&P 500-Index mit einem Gewinnanstieg von 16,3 Prozent im vierten Quartal, ergab eine Umfrage von Thomson First Call. Für das Gesamtjahr prognostizieren sie eine Verbesserung von 1,8 Prozent und für das nächste Jahr ein Plus von 14,3 Prozent. 2001 sind die Gewinne um 17,3 Prozent gesunken.
Kriterien für Bullenmarkt noch nicht erfüllt
Andere Investoren sind jedoch der Meinung, dass Schlimmste der Abwärtsphase sei vorbei. Die Wirtschaft wächst und die Aktien sind "angemessen bewertet," betont Michael Kenneally, Chief Investment Officer bei Banc of America Capital Management in St. Louis. Er rechnet bei den Aktien mit einer Rendite von sieben bis neun Prozent im nächsten Jahr und empfiehlt Unternehmen, die eine Dividende zahlen. Kenneally berichtet, dass die jüngste Kursrallye teilweise durch Leerverkäufer angeheizt wurde, die ihre Verkaufspositionen eindeckten, um sich gegen weitere Kursgewinne abzusichern. "
Die Marktstärke wurde durch Leerverkäufer angetrieben. In erster Linie haben stark angeschlagene Werte zugelegt." Beispielsweise hat sich der Aktienkurs von Corning Inc., dem größten Glasfaserhersteller, fast verfünffacht. Der Titel notiert 96 Prozent unter seinem Rekordhoch. Spring Corp (PCS Group) haben sich mehr als verdoppelt, so dass sich der Kursverlust des Mobilfunkanbieters in diesem Jahr auf 78 Prozent begrenzt.
Der Anstieg beim Dow Jones-Index von 21 Prozent innerhalb der letzten sieben Wochen erfüllt jedoch nicht die Definition von Ned Davis für einen Bullenmarkt. Der Dow müsste innerhalb von 50 Tagen 30 Prozent steigen oder innerhalb von 155 Tagen 13 Prozent anziehen. Erst dann wäre es ein "Bullenmarkt". Zum letzten Mal befand sich der Dow Jones im März in einer Hausse-Phase. Es war jedoch unter 33 die viertschwächste und viertkürzeste Hausse, die es bisher gegeben habe, so Ned Davis. "Die Gewinne verbessern sich," bestätigt Goebel. "Aber es ist fraglich, ob sie schnell genug wachsen, um einen erneuten Börsenaufschwung zu tragen."
Text: @JüB