W.O.M.: Laser von Indien bis USA
(gatrixx) W.O.M World of Medicine gehört zu den Medizintechnik-Unternehmen am Neuen Markt, die schwarze Zahlen schreiben. Mit innovativen Geräten hat sich das Unternehmen neue Marktsegmente in aller Welt erobert. Die Berliner haben sich auf die minimalinvasive Chirurgie spezialisiert. Darunter fallen Operationstechniken, die den chirurgischen Eingriff dank spezieller Geräte und Instrumente minimal und damit sehr schonend machen.
gatrixx interessierte im Gespräch mit Gründer und Vorstandvorsitzendem Peter P. Wiest die Unternehmensentwicklung der letzten sechs Monate und die weitere Strategie.
gatrixx:
Womit beschäftigt sich World of Medicine?
Wiest:
Unser Geschäft lässt sich grob in drei Bereiche aufteilen. Begonnen haben wir mit dem weltweit ersten Gerät zum Aufdehnen der Gebärmutter mittels Gas. Das ist nötig, um mit dem Endoskop arbeiten zu können. In einem zweiten Schritt haben wir diese Technik so weit entwickelt, dass man damit den Bauchraum aufdehnen kann. Ein weiterer Bereich, dem wir uns dann zugewendet haben, ist das Kniegelenk. So wurde mit unserer Technik Fußballstar Giovanni Elber von Bayern München eine Woche vor dem Champions League-Endspiel minimalinvasiv am Knie operiert. Die Münchener sind dann auch Dank Elber Champion League-Sieger geworden.
gatrixx:
Gewann Bayern also die Champions League Dank W.O.M.?
Wiest:
Das würde ich so nicht sagen. Die Lorbeeren gehören Professor Härtel und sein Team, auch wenn Sie mit unseren Geräten arbeiteten.
gatrixx:
Sie haben im dritten Quartal Ihre Ergebniserwartung nach eigenen Aussagen nicht erreicht. Was ist passiert?
Wiest:
Das lässt sich leicht erklären. Wir haben für die Markteinführung unseres Lasers in den USA schon Vorleistungen gebracht. Die wurden notwendig, weil wir bereits im Sommer Signale von der US-Zulassungsbehörde bekamen, dass deren o.k. bevorsteht. Diese Aufwendungen für Marketing und Vertrieb haben nun unser Ergebnis im dritten, und nicht wie geplant, im vierten Quartal belastet. Andererseits kommt uns das aber im ersten und zweiten Quartal 2002 wieder zugute.
gatrixx:
Lagen Sie auf Neun-Monats-Basis im Plan?
Wiest:
Beim Umsatz lagen wir im Plan. Beim Gewinn liegen wir darunter. Der wurde von bereits getätigten Investition etwas gedrückt.
gatrixx:
Sie sprachen im Sommer davon, dass Ihre Auftragsbücher bis November gut gefüllt seien. Aufträge sind also nicht weggebrochen?
Wiest:
Nein. Wir haben bereits zweidrittel unseres Planzieles nach dem dritten Quartal erreicht. Da in der Medizintechnik das vierte Quartal das umsatzstärkste ist, werden wir den Rest noch aufholen. Wir haben schon jetzt über 10 Millionen Euro an Auftragsbestand. Die gewöhnlich starken Auftragseingänge zum Jahresende sind dabei noch gar nicht enthalten. Die kommen ja erst noch.
gatrixx:
Heißt das, dass Sie Ihre Umsatzprognose für 2001 übererfüllen werden?
Wiest:
Da wir immer ein bisschen vorsichtig sind, bleiben wir bei unserer Aussage, dass wir unsere Umsatzplanung erfüllen werden. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich nach den Terroranschlägen in den USA gewisse Geschäftsabläufe verlangsamt haben. Sicher ist, dass wir unser Ziel bei Umsatz und Gewinn mindestens erreichen.
gatrixx:
Stichwort Gewinn: Ihre EBIT-Marge ist mit 4,5 Prozent nicht gerade ein Spitzenwert unter den Medizintechnik-Unternehmen. Ist diese noch ausbaubar?
Wiest:
Wir liegen mit diesem Wert sehr gut. Man kann in der Medizin sehr viel mehr Geld verdienen, wenn man nicht investiert. Wir haben Jahr für Jahr 11 Prozent unseres Umsatzes in die Forschung und Entwicklung investiert. Wenn ich das vernachlässige, fahre ich zwei Jahre ein Superergebnis und bin dann pleite. Wir sind einen anderen Weg gegangen. Allein die Entwicklung unseres neuen Geschäftsfeldes ? des Lasers ? hat fünf Jahre gedauert und sehr viel Geld gekostet.
gatrixx:
Mit welchem Umsatzbeitrag rechnen Sie durch die Sparte Laser?
Wiest:
Wir rechen bereits im kommenden Jahr mit einem Umsatzbeitrag von knapp 10 Millionen Euro. 2003, 2004 wird sich dann das Umsatzverhältnis zu Gunsten des Lasers verschieben.
gatrixx:
Wird damit auch die EBIT-Marge steigen?
Wiest:
Mittel- bis langfristig streben wir einen EBIT-Marge von knapp 15 Prozent an. Wobei noch anzumerken ist, dass die Halbjahreszahlen nicht viel über das Jahresergebnis aussagen. Im vergangenen Jahr hatten wir nach sechs Monaten ein ausgeglichenes Ergebnis. Zum Jahresende waren es dann plus 1,7 Millionen Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen. Was beispielsweise derzeit auch unseren Gewinn drückt, sind mehr als 20 Demonstrations-Laser. Dabei handelt es sich um verkaufsfähige Geräte, die momentan in Krankenhäusern zu Testzwecken stehen. Die werden wir alle verkaufen.
gatrixx:
Sie hatten per 30. Juli 2001 noch 17 Millionen Euro liquide Mittel. Wie haben Sie diese seitdem eingesetzt?
Wiest:
Hauptsächlich verwenden wir das Geld für Forschung und die Entwicklung neuer Produkte. Dabei liegt ein wichtiger Fokus auf weitere Einsatzmöglichkeiten unseres Lasers.
gatrixx:
Im August sprachen Sie davon, im asiatischen Raum verstärkt aktiv werden zu werden. Was hat sich dort bisher getan?
Wiest:
Das sind wir auch geworden. Anfang kommender Woche nimmt unsere Niederlassung in Neu Delhi das Geschäft auf. Eigentlich wollten wir an diesem Samstag dort Eröffnung feiern. Ich habe die Veranstaltung aber wegen der aktuellen politischen Lage abgesagt. Erfreulich ist aber über das ganze Jahr die Entwicklung unseres Umsatzes in Indien. Ich bin ganz sicher, dass wir an unserem Indien-Geschäft noch viel Freude haben werden. Das gleiche Modell planen wir in China. Dort werden wir eine Niederlassung in Shanghai eröffnen.
gatrixx:
Weiterhin war davon die Rede, Ihren Marktanteil von Visionworld von 3 Prozent zur Jahresmitte 2001 deutlich ausbauen. In wieweit ist dies bisher gelungen?
Wiest:
Daran hat sich noch nicht viel getan. Die Ursache dafür ist, dass die Dokumentation in der übernommenen Firma sehr, sehr schlecht war. Ohne eine solche Dokumentation bekommet man in den USA keine Zulassung für das Produkt. Wir haben diese Dokumentation inzwischen erarbeitet und bei der US-Zulassungsbehörde eingereicht. Trotz der Mehrarbeit werden wir auch in diesem Segment eine deutliche Umsatzsteigerung von rund 3 Millionen Euro auf 7,2 Millionen Euro zum Jahresende haben. Diese Umsatzsteigerung haben wir in Asien und Europa, aber nicht auf dem Hauptmarkt USA erwirtschaftet.
gatrixx:
Für ihr neustes Kind, den Laser, haben Sie gerade die Zulassung in den USA erhalten. Damit haben Sie schon im dritten Quartal gerechnet. Wieso hat es länger gedauert?
Wiest:
Wir haben es da mit einer Behörde zu tun. Da kann man nicht so genau planen.
gatrixx:
Ursprünglich sprachen Sie davon, noch 2001 mit dem Laser in den USA Umsätze zu generieren. Wieso heißt es jetzt, dass mit Umsätzen erst 2002 gerechnet wird?
Wiest:
Wir rechnen schon mit Umsätzen, wollten es nur nicht als Ziel definieren. Wir werden in der kommenden Woche die ersten fünf Laser nach Amerika schicken. Diese werden bei fünf Schlüsselärzten aufgestellt. Bei diesen werden wiederum Kollegen während der damit durchgeführten Eingriffe hospitieren. Vielleicht hat von denen der eine oder andere noch einen Etat für dieses Jahr, um sich ein solches Gerät anzuschaffen. Aber die dadurch zu realisierenden Umsätze werden sich in diesem Geschäftsjahr nicht mehr bemerkbar machen.
gatrixx:
Wie werden auf dieser Basis die Planzahlen für 2002 aussehen?
Wiest:
Wir haben schon zum Börsengang im Sommer gesagt, dass das Jahr 2001 eines der Vorleistungen ist. In diesem Jahr wurden und werden viele Investitionen notwendig. Die werden sich dann 2002 im Umsatz, in erster Linie aber im Ergebnis auswirken. Wir haben jetzt alle Voraussetzungen geschaffen, um beispielsweise im kommenden Jahr 80 Laser in Amerika zu verkaufen. Weltweit wollen wir 280 Laser verkaufen. Als flankierende Maßnahme haben wir jetzt einen weitere Anwendung dazu bekommen ? die Behandlung von Gallensteinen. Das macht es uns noch leichter, nächstes Jahr gut dazustehen.
gatrixx:
Sie sprachen zum Börsengang davon, 25 bis 35 Prozent Umsatzwachstum per anno erwirtschaften zu wollen. Ist das auch die aktuelle Planung für 2002?
Wiest:
Das ist unsere aktuelle Planzahl. Wir werden uns aber wohl eher an der oberen Grenze bewegen. Das wird auch zu einer deutlichen Ergebnisverbesserung führen. Die genaue EBIT-Marge vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau zu beziffern.
Das Interview führte Helmut Harff.