Fiat-Aktie auf 17-Jahrestief


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sir charles:

Fiat-Aktie auf 17-Jahrestief

 
09.10.02 14:35
Fiat-Aktie auf 17-Jahrestief

Italien befürchtet verheerende Effekte der Fiat-Krise. Rom rechnet mit 0,4prozentigen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts.

ROM (apa/red.). Immer mehr ins Schleudern gerät der italienische Autohersteller Fiat. Die Aktien fielen gestern auf den tiefsten Stand seit 17 Jahren. Auch heute sind die Papiere des krisengeschüttelten Konzern weiter unter Druck. An der Mailänder Börse waren sie am Mittwoch vormittag der größte Verlierer mit einem Minus von knapp fünf Prozent.
Für heute ist ein Treffen der Fiat-Führung mit den Gewerkschaften geplant. Dabei will man sich über die genaue Zahl der geplanten Stellenkürzungen einigen. Es wird erwartet, daß 7000 bis 8000 Arbeitsplätze abgebaut werden, weil Fiat die Auto-Produktion drastisch drosseln muß. Zudem könnten mehrere Fiat-Werke zumindest vorübergehend geschlossen werden. Die Arbeiter eines gefährdeten Fiat-Werks im sizilianischen Termini Imerese haben unterdessen aus Protest einen Generalstreik angekündigt.

Ganz Italien befürchtet bereits verheerende Effekte aus der Fiat-Krise auf die nationale Wirtschaft. Die Entlassungswelle bei dem Turiner Autokonzern wird laut Gewerkschaften voraussichtlich 7.000 Arbeitsplätze kosten. Unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf die von Fiat abhängige Zulieferindustrie wären sogar 10.000 Arbeitsplätze betroffen. Die Folgen für das bereits belastete Wirtschaftsszenario in Italien scheinen dramatisch.
"Die Krise von Italiens größter Privatgruppe könnte einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 0,4 Prozent bewirken", schätzt Vize-Schatzminister Mario Baldassarri. Die italienischen Medien schlagen Alarm: "Italiens Autoindustrie stirbt", titelten einige Zeitungen am Dienstag.

General Motors (GM) hält seit 2000 eine 20prozentige Beteiligung an Fiat. Die Turiner Gruppe hat eine Option, 2004 den restlichen Anteil an den US-amerikanischen Konzern zu verkaufen. Wegen der Krise könnte die Veräußerung jedoch noch vor Jahresende stattfinden, vermuten Experten.

Indes gerät die Unternehmerfamilie Agnelli, Mehrheitsaktionär der Autogruppe und stärkste Industriellendynastie Italiens, immer stärker unter Druck: "Das Management trägt eine große Verantwortung für diese Krise. Seit Jahren verliert der Konzern an Konkurrenzfähigkeit, weil nicht auf Innovation gesetzt worden ist", kritisieren die Gewerkschaften.

Tadel mußten die Fiat-Manager auch von der Regierung hinnehmen. "Das Kabinett wird natürlich versuchen, Fiat zu unterstützen. Leider stehen wir vor einer alten Gewohnheit des Konzerns: Er klopft an die Tür der Regierung, wenn er allein nicht mehr weiterkann", sagte Telekommunikationsminister Maurizio Gasparri.
Laut Ratingagentur Moody's ist der Fiat-Verkauf an General Motors absolut notwendig, um eine Deklassierung der Fiat-Aktien auf das Niveau von "Junk Bonds" zu vermeiden. Ohne eine kräftige Finanzspritze, die Fiat den Abbau des Schuldenbergs von 6,6 Mrd. Euro ermöglichen soll, werde es kaum möglich sein, das heutige Rating (BAA3) zu verteidigen, hieß es.

Laut italienischen Medien könnte General Motors die beiden Sorgenkinder Fiat und Opel in eine einzige Gesellschaft verschmelzen, an der die Italiener eine 30prozentige Beteiligung halten würden. Die Unternehmerfamilie Agnelli könnte somit den hohen Schuldenberg von Fiat auf die Amerikaner abladen und zugleich weiter im Autosektor aktiv bleiben. Seinerseits könnte GM seinen Anteil auf dem europäischen Markt wesentlich erweitern und dank einer Zusammenschmelzung von Fiat und Opel Synergieeffekte mit beträchtlichen Einsparungen bewirken. Neben Fiat-Opel könnte eine Luxus-Gruppe Ferrari-Maserati-Alfa Romeo unter Führung von Fiat mit einer Minderheitsbeteiligung von GM entstehen. Ob dies die Zukunft der italienischen Autoindustrie ist, werden die nächsten entscheidenden Tage beweisen.  

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