faz.net Teure Put-Optionen

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#1
Volatilität
Hoher VDax zeigt die Nervosität des Marktes

28. Juni 2002 Wer sich in den vergangenen zwei Jahren mit der Börse beschäftigt hat, der hat einiges erlebt. Erst der Übergang von der Hausse zu fallenden Kursen - und schließlich im September vergangenen Jahres den „Terrorcrash“. Nach der Zwischenerholung zeigten sich in den vergangenen Tagen unsolide Bilanzierungspraktiken mit richtiggehenden Kurskapriolen.

Dieser subjektive Eindruck lässt sich statistisch belegen. Nämlich anhand des VDax der Deutschen Börse. Zur Berechnung verwendet sie die so genannten „impliziten Volatilitäten“ der Terminbörse Eurex. Der zeigt gewissermaßen wie ein Barometer das Preisniveau der Dax-Optionen an und ist ein guter Indikator für die Stimmung am Markt. Ist er hoch, so sind die Händler nervös und rechnen mit starken Kursbewegungen. Momentan liegt der VDax etwa bei 32 Prozent. Das ist zwar noch von den Extremwerten entfernt. Das Rekordhoch im Oktober 1998 lag bei 56,31 Prozent. Damals kam es zu „crash-artigen“ Kursverlusten.

Markt zeigt zunehmende Nervosität

Ein weiterer Extremwert wurde mit knapp 47 Prozent im September des vergangenen Jahres erreicht, als auch da die Kurse nur so wegbrachen. Mit politischen Unruhen, Bilanzierungssorgen, der unsicheren Konjunkturentwicklung, einem fallenden Dollar und fallenden Börsen scheinen wir auf dem besten Weg zu einer weiteren Krise zu sein. Zumindest deutet ein VDax-Spitzenwert von etwas mehr als 36 Prozent am 26. Juni in diese Richtung. Vieles dürfte davon abhängen, was in den kommenden Tagen an Nachrichten „auf den Tisch kommen“ wird.

Sollte das Anlegervertrauen weiter unterhöhlt werden und sollten in der Folge die Börsen ihre letzten charttechnischen Unterstützungszonen signifikant nach unter durchbrechen, dann könnte Ungemach drohen. Auch wenn die ökonomischen Daten aus den USA zumindest kurzfristig etwas Mut machen könnten. Allerdings droht ersten die Gefahr, dass sie verblassen oder zumindest überlagert werden könnten.

Hoher VDax - teure Optionen

Manche mögen den VDax als theoretisches Konstrukt betrachten. Aber es hat durchaus einen Sinn, denn es zeigt gewissermaßen das Preisniveau für Optionen oder - „Versicherungen“ gegen fallende Kurse. Lag der VDax noch Anfang April unter 20 Prozent, so zeigt der aktuelle Stand von 32 nichts anderes an, als dass beispielsweise Put-Optionen seit damals etwa 70 Prozent teuer geworden sind.

Wer also mit dem Gedanken spielt, sich gegen weiter fallende Kurse beispielsweise mit Optionsscheinen abzusichern, der sollte diesem Umstand Rechnung tragen. Diese Variante dürfte alles andere als billig sein. Wer es trotzdem tut, sollte schon ziemlich sicher sein, dass es in Kürze noch einmal deutlich nach unten geht. Und wenn seine Prognose eintrifft, dann sollte er schleunigst seine Gewinne mitnehmen, sonst könnten sie sich relativ schnell in Luft auflösen. Denn der Volatilitätsrückgang von 36 auf 32 in gerade einmal zwei Tagen dürfte zu einem Preisrückgang von knapp neun Prozent bei Optionsscheinen geführt haben. Allein auf Grund dieses Einflussfaktors, die Bewegung der Basis noch gar nicht eingerechnet.

Bewegung im Devisenmarkt

Ähnliches gilt auch für die Volatilitäten im Devisenmarkt. Diese sind in den vergangenen Wochen mit den starken Kursbewegungen des Euro beispielsweise förmlich explodiert. Für eine kurze Währungsoption mit einer Laufzeit von einer Woche beispielsweise von 6,4 Prozent im April auf knapp 14 Prozent Ende Juni. Das heißt, solche Optionen sind ein teurer Spaß geworden. Sie dürften sich nur noch dann lohnen, wenn die Kursbewegung rasch weitergeht. Da könnten allein schon die Zentralbanken einen Strich durch die Rechnung machen.

Profis reagieren auf hohe Volatilitäten, indem sie auf so genannte Spreads setzen, also gleichzeitig eine Option kaufen und eine andere mit anderer Charakteristik verkaufen. Aber das gibt der Optionsscheinmarkt nicht her. Das steht allerdings nicht den viel versprechenden Hochglanzbrochuren der „Optionsscheinhäuser“.



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